USA: Arbeitslosenquote 12/2015: 5,0% (unv. Vm, -0,6 Vj), 292.000 neue Jobs.

So, 2016 mal wieder regelmäßig meinen US-Arbeitsmarktbericht machen:

Für den Schlussmonat des Jahres 2015 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der durchweg positiv war. Beide Teilbereiche der US-Arbeitsmarktstatistik meldeten positive Werte, teilweise sogar deutlich besser als von Analysten erwartet.

Zu den offiziellen Zahlen des Dezember 2015:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -20.000 auf 7,904 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +485.000 auf 149,929 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,0% (unverändert zum Vormonat; -0,6 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt.

Richtig viele neue Arbeitsplätze, eine leicht gesunkene Arbeitslosenzahl, wodurch die Arbeitslosenquote nur konstant blieb, auch weil die NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) kräftig gesunken ist: 177.000 AmerikanerInnen weniger wurde als „NILF“ eingeordnet, stehen nach Ansicht der Arbeitsmarktstatistiker dem Arbeitsmarkt also plötzlich wieder zur Verfügung.

Schwenken wir rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese stieg durch die hohe Anzahl an zusätzlichen Arbeitsplätzen im Monatsvergleich um 0,1% und liegt nun bei 59,5%, was 0,3 Punkte mehr sind als vor einem Jahr. Das ist das zweite 0,1%ige Plus nach dem November, obwohl die Arbeitslosenquote seit Oktober bei 5,0% verharrt. Damit löst sich die Erwerbstätigenquote langsam aber sicher vom Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013; der aktuelle Wert ist der beste seit August 2009. Im Moment bessert sich die Lage des US-Arbeitsmarkts also eher unter der Haube und weniger bei den Arbeitslosenquote.

Langfristig ist das Auseinanderklaffen von Arbeitslosen- und Erwerbstätigenquote aber immer noch ernüchternd. Die Arbeitslosenquote hat sich von knapp 10% auf nun 5,0% nahezu halbiert, die Erwerbstätigenquote ist aber gerade einmal um 1,3 Prozentpunkte von 58,2 auf 59,5 gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch: Trotz der spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur recht verhalten. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur geringfügig mehr als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig wäre, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Auch die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, waren im Dezember sehr positiv.

Anzahl der Jobs: Plus 292.000 gegenüber dem Vormonat auf 143,242 Millionen. Zum Plus von 275.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 17.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus lag über den Erwartungen der Analysten und auch leicht über dem Durchschnittswert des letzten halben Jahres.

Noch positiver fällt die Beurteilung des Dezember-Berichts aus, sobald man auf die Korrekturen der beiden Vormonate schaut. Das Oktober-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde von 298.000 auf 307.000, das November-Plus noch deutlicher von 211.000 auf 252.000 nach oben korrigiert. Zusammen sind das satte 50.000 neue Arbeitsplätze durch diese beiden Korrekturen.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Dezember bei 34,5 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg leicht von 3,2 auf 3,3 Stunden. Beide Werte bleiben damit in der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden; allerdings derzeit am unteren Ende. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass jetzt weniger auf temporäre Mehrbeschäftigung (Überstunden) gesetzt wird und mehr richtige Stellen geschaffen werden. Vielleicht ein Hinweis auf höhere Zuversicht bei den Arbeitgebern. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Die Beschäftigung wächst stabil, aber ein breiter Boom sieht anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc.). Die U-6 verharrte im Dezember bei 9,9%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Rückgang um 1,2 Prozentpunkte. Auf Jahressicht ist die Sinkgeschwindigkeit weiter positiv und die Quote bei der breiter gefassten Arbeitslosigkeit sinkt schneller als die Arbeitslosenquote in der engeren Definition. Wenn man aber berücksichtigt, dass die Arbeitslosenquote dort doppelt so hoch ist (9,9 vs. 5,0%), sollte die Arbeitslosenquote dort auch etwa doppelt so schnell sinken. Die Erholung kommt also in allen Ecken des Arbeitsmarkts an, zumindest soweit die Statistik das wiedergeben kann.

Zusammenfassend: Der Dezember-Bericht vom US-Arbeitsmarkt fiel durch die Bank sehr positiv aus. Household-Data durchweg positiv; keine der üblichen Schwachstellen (NILF) sichtbar. Einzige Enttäuschung vielleicht die nicht gesunkene Arbeitslosenquote. Die Daten aus der Establishment-Umfrage, die als genauer gelten, waren ebenfalls sehr positiv, vor allem wenn man die Aufwärtskorrekturen von insgesamt 50.000 berücksichtigt.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — December 2015  (PDF)

Eine Zahl, die in letzter Zeit manchmal leichte Sorgen über eine Deflation verbreitete und vielleicht wieder etwas genauer unter die Lupe genommen werden sollte: Der durchschnittliche Stundenlohn sank um einen Cent auf 25,24$. Die Jahresrate liegt aber weiter bei soliden 2,5%. Für Panik ist es zu früh, der Rückgang der Stundenlöhne im Dezember liegt wahrscheinlich eher daran, dass die Zahl nicht bereinigt wird und im Dezember viele Niedriglohn-Arbeitsplätze im Einzelhandel und der Logistik (man denke z.B. an Amazon) geschaffen werden

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