Mein Lieblingschart zur Energiewende

Das ist mein absoluter Lieblingschart zur Energiewende.

(c) Auke Hoekstra, Quelle unten.

Die dicke schwarze Linie ist die real zugebaute Kapazität im entsprechenden Jahr (also 2017: 75 GW mehr PV-Kapazität, 2018 ca. 110 GW, …). Und die farbigen Linien sind die Prognosen die Internationalen Energie Agentur (IEA), die im wesentlichen von 2002 bis 2010 eine ganz leicht ansteigende Neukapazität pro Jahr erwartete. Und danach eigentlich nur noch Stagnation bzw. Rückgang des Zubaus an neuen Photovoltaikanlagen. Die schwarze Kurve zeigt schön, dass die IEA in einem Ausmaß danebenliegt und das Jahr für Jahr und nun schon seit fast zwei Jahrzehnten. So weit und konsistent, dass man sich schon fragen muss, was die Experten da so treiben. Vor allem, weil die Prognose in den letzten drei Jahren noch weiter von der Realität abweichen als früher.


Bekommt da niemand mit, dass Photovoltaik immer preiswerter wird? Dass in immer größeren Teilen der Erde Strom aus Photovoltaik die *billigste* Energiequelle ist? Klar, die Speicherung des Stroms für die Nacht ist weiterhin ein Problem. Aber in den Entwicklungsländern ist ein Kühlschrank, den man tagsüber "vorkühlt", halt viel besser als kein Kühlschrank (Eis hält Kälte übrigens sehr gut; wenn man da nicht zehnmal abends ein Bier holen geht und die Türe öffnet, bleibt ein Kühlschrank locker über Nacht kalt genug). Auch der Herd wird meist tagsüber benutzt. Oder eine Klimaanlage (wenn man sich diesen Luxus leisten kann). Abend und nachts braucht man dann nur sehr wenig Strom. Licht braucht seit dem Einsatz von LEDs kaum Strom. Und selbst ein abendlicher Großverbraucher wie Fernseher braucht nur noch 25 Watt (24") oder 40 Watt (32"). Sprich, man kann in Entwicklungsländern gut auf ein akzeptables Komfortniveau kommen, auch wenn man sich nur mit Photovoltaikstrom versorgt. Denn je näher man an den Äquator kommt, desto stärker wird die Sonne. Und noch wichtiger: Die Sonne wird zuverlässiger. Es gibt dort in den meisten Regionen das ganze Jahr Sonnenstrom und die Ertragsschwankungen zwischen Sommer und Winter sind sehr überschaubar, der Ertrag bricht nicht wie hier hoch im Norden im Winter auf ein Zehntel zusammen.


Was die Photovoltaik nun noch weiter anschiebt: Akkus werden billiger und zwar aktuell mit einer Dynamik, die an die besten Zeiten des Preisverfalls bei Solarzellen erinnert. Die Kosten für Photovoltaik + Akkuspeicher sind inzwischen so niedrig, dass in Kalifornien schon (existierende und abbezahlte) Gaskraftwerke für die Spitzenlast abgeschaltet und durch PV+Akkuspeicher ersetzt werden. Wir reden inzwischen also nicht nur von einer unzuverlässigen (weil schwankenden) Energieerzeugung für Entwicklungsländer, die bisher keinen Strom hatten, sondern von einer Alternative auch für hochentwickelte Regionen wie Kalifornien.

Hier erklärt Auke Hoekstra die Methodik hinter dem Chart un die Datenbasis: Photovoltaic growth: reality versus projections of the International Energy Agency – with 2018 update (by Auke Hoekstra) | Steinbuch)

MIKROPLASTIK IN KOSMETIK! VERBIETEN! RIESENPROBLEM!

Weil voll gefährlich, belastet die Umwelt, vergiftet die Natur und vor allem die Fische. Was soll das Zeug auch in Duschgels, Peelingcremes, … ?

Stimmt auch, aber wie schon beim Strohhalm-Verbot kümmern wir uns (und/oder die Medien) um etwas, was im Vergleich zum Gesamtproblem total unwichtig ist. Und nein, ich versuche nicht blöd zu relativieren, aber Mikroplastik in Kosmetik ist wirklich total irrelevant.

Zahlen?

Eine neue Metastudie der Fraunhofer Instituts Umsicht in Oberhausen hat verschiedene andere Studien unter die Lupe genommen und um eigene Schätzungen erweitert. Die StudienautorInnen schätzen, dass sie etwa 75% des Mikroplastiks erfasst haben.

Mikroplastik in Kosmetik steht für 19 Gramm Mikroplastik pro Einwohner pro Jahr. Natürlich addiert sich das alles auf, sammelt sich in der Umwelt an, etc. pp. Aber bei einer Gesamtmenge von etwa 4 Kilogramm Mikroplastik pro Einwohner pro Jahr scheint mir das Hauptproblem doch woanders zu liegen …

Grundsätzlich scheint *absichtlich* erzeugtes Mikroplastik nur eine Randerscheinung zu sein und steht nur für etwa 10% des Mikroplastiks, das in die Umwelt gelangt. Die restlichen 90% stammen aus dem Zerfall von normalem Plastik, z.B. aus Abbrucharbeiten, Kompostisierung/Zersetzung von Plastik, oder schlicht durch den Gebrauch normaler Produkte aus Plastik.

DER große Faktor ist dabei der Straßenverkehr. Dieser steht für fast 1,5 Kilogramm Mikroplastik pro Jahr pro Einwohner; gut 1,2 Kilo aus den Reifen (1 Kilogramm Mikroplastik aus PKW-Reifen, knapp 100 Gramm durch LKW-Reifen) und gut 220 Gramm aus dem Asphalt. Kleines Info-Nugget: 18 Gramm kommen aus Skateboardrollen (und ähnlichen Rollgeräten), also fast genauso viel aus wie Mikroplastik in Medikamenten.

SKATEBOARDS VERBIETEN!

Und wenn wir dabei sind, gleich auch Besen (u.a. von Straßenkehrmaschinen), diese bringen etwa doppelt soviel Mikroplastik in die Umwelt ein wie Kosmetika, Kunstrasen-Fußballplätze gut fünfmal soviel, Schuhsohlen fast sechsmal soviel.

Fraunhofer UMSICHT: Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik PDF)

Ich bin über die Unwichtigkeit von Mikroplastik in Kosmetika so überrascht, dass ich dafür sogar mein halbdormantes Blog wieder auferstehen lasse ;) Man hört sich im Mikroökonomen Podcast :) .

Durchschnittliche Zollsätze USA <-> EU. Keine Ungerechtigkeit zu sehen, Herr Trump.

Über was reden wir hier eigentlich, wenn Trump über die Benachteiligung der amerikanischen Industrie gegenüber anderen Ländern schwadroniert (eine neutralere Formulierung schaffe ich nicht …)?

Er erzählt viel und jammert viel. Über Zölle, die China nimmt. Dass die Deutschen so viele Autos in den USA verkaufen. Etc. pp.

Trump rührt dabei aber (wie so häufig) viele Sachen in einen Topf, die nicht zusammengehören.  Dann kann ein Zoll, den China auf US-Autos nimmt eine Begründung für Zölle auf deutsche Autos sein? Nein. Schauen wir uns doch mal an, wie hoch die Zölle zwischen der EU und den USA in der Praxis sind:

Durchschnittliche Zollsätze:

Agrarprodukte USA --> EU: 4,87%; EU --> USA: 7,94%.
Industrieprodukte: USA --> EU: 3,48%; EU --> USA 3,45%.

Durchschnittliche Zollsätze (gewichtet nach dem real existierenden Handelsvolumen):

Agrarprodukte USA --> EU: 3,89%; EU --> USA: 2,62%.
Industrieprodukte: USA --> EU: 2,79%; EU --> USA 2,82%.

Der große Unterschied zwischen dem gewichteten und ungewichteten Zoll auf Agrarprodukte, die von der EU in die USA exportiert werden, ist der sehr hohe Zoll von über 80% auf Tabakprodukte und Schnaps. Diese Produkte werden (aufgrund des hohen Preises) in den USA kaum gekauft, also spielen sie nach realen existierenden Handelsvolumen nur eine kleine Rolle.

Zusammengefasst unterscheiden sich die Zölle zwischen den USA und der EU nur unwesentlich. Und sind auch generell ziemlich niedrig. Daher ist jede Zollerhöhung, die Trump gegen die EU richtet, ein Affront. Es gibt eigentlich keinen Grund dafür. Zumindest liegt es nicht an den Zöllen oder irgendeiner Ungerechtigkeit …

Konrad Adenauer Stiftung: Bestehende Handelsbarrieren (PDF)

Wenn Trump ein Ziel haben sollte: China. (Die trifft er aber mit dem Zoll auf Stahl und Aluminium kaum, China gehört nicht einmal zu den zehn größten Stahlimporteuren der USA). Denn dort gibt es große Ungleichheiten. Elon Musk hat heute Nacht per Tweet darauf hingewiesen: China nimmt 25% Zoll auf Autos aus den USA, die USA nehmen in der Gegenrichtung nur 2,5%. Das dürfte nur ein Beispiel aus einer langen Liste sein. Auch bei der Firmengründung ist das Verhältnis sehr schief. Autofabriken in China gründet man als Ausländer nur mit einem Joint-Venture-Partner vor Ort. Tesla versucht es gerade ohne chinesischen Partner und scheitert (anscheinend). In der Gegenrichtung gibt es solche Einschränkungen nicht. Die chinesischen Autofabriken in den USA gehören der chinesischen Mutter zu 100%. *DA* könnte Trump was machen. Stattdessen legt er sich mit seinen Verbündeten an. Verstehe das, wer will …

Handelsblatt: Elon Musk unterstützt Trumps Forderung nach Auto-Zöllen


Update (13:19):

Aber was will man auch von Trump erwarten, wenn er sich darüber freut, dass China angeboten hat, seinen Handelsüberschuss mit den USA um eine Milliarde zu reduzieren? Das ist weniger als ein Prozent des Defizits. Also ein Prozent würde Deutschland bestimmt auch anbieten, wenn Trump dann Ruhe gibt. Im Notfall machen wir das mit Craft-Bier-Importen und Freibier im Stadion …




Update 2 (11.3.2018):

Noch eine andere Datenquelle, alle Importe Europas und der USA (also nicht nur die zwischen der EU und den USA):



Datenquelle: World Bank: Tariff rate, applied, weighted mean, all products (%)

gefunden via:

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