WM 2014 Tippspiel - Die Halbfinalabrechnung

Eine Zwischenabrechnung für mein WM-Tabellentippspiel (das Einzelspieltippspiel wird ja automatisch aktualisiert) ...

Einige spannende Ergebnisse auf jeden Fall schon mal ...

Am Anfang gab es eine Menge Überraschungen (ESP, ITA und ENG raus), was dazu führt, dass selbst die besten Prognostiker (@haucap & Danske Bank) im Achtelfinale nur 10 von 16 Mannschaften richtig haben. Im weiteren Verkauf setzten sich dann aber nur die Favoriten durch, so erreichten *alle* acht Gruppenersten die Viertelfinals. Auch hier gewannen die favorisierten Mannschaften allesamt, wenn auch nur knapp und teilweise nach Verlängerung und Elfmeterschießen. Damit haben wir im Halbfinale nun den interessanten Zwischenstand, dass fast alle Tipper drei der vier Mannschaften richtig haben.



Das deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut hat eine Prognose gebaut, die vor allem auf den Marktwerten der Mannschaften beruht:

DIW: Spannung bis zum Abpfiff – Die Prognose des Fußballweltmeisters ist schwieriger als bei der letzten WM (PDF)


ESP GER ARG BRA ITA FRA ENG BEL NED COL RUS BIH CRO CIV SUI POR
 -   1   1   1   -   1   -   1   1   1   -   -   -   -   1   -  --> 8

ESP GER ARG BRA ITA FRA ENG BEL
 -   2   2   2   -   2   -   2  --> 10

ESP GER ARG BRA 
 -   4   4   4  --> 12

ESP GER
 -   8  --> 8

ESP
 -


gesamt: 38


Goldman Sachs: The World Cup and Economics 2014 (PDF)

BRA ARG GER ESP URU FRA ITA POR NED GRE IRA BEL CRO COL ECU RUS
 1   1   1   -   1   1   -   -   1   1   -   1   -   1   -   -  --> 9

BRA ARG GER ESP URU FRA ITA POR
 2   2   2   -   -   2   -   -  --> 8

BRA ARG GER ESP
 -   4   4   4  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -


gesamt: 37


WM-Tipp nach Marktwerten: Das Turnier in Brasilien im Schnelldurchlauf - Fußball - Sport - Handelsblatt (ist das die vom DIW oder von der ING, die dem Vernehmen nach auf das selbe Verfahren gesetzt hat?)

ESP GER BRA ARG ENG FRA ITA BEL NED COL CRO CIV BIH RUS SUI POR
 -   1   1   1   -   1   -   1   1   1   -   -   -   -   1   -  --> 8

ESP GER BRA ARG ENG FRA ITA BEL
 -   2   2   2   -   2   -   2  --> 10

ESP GER BRA ARG
 -   4   4   4  --> 12

ESP GER 
 -   8  --> 8

ESP 
 -

gesamt: 38



Blicklog WM Vorhersage: Brasilien gewinnt Finale gegen Argentinien, Deutschland mit Glück Platz 3

Das war ein Mittelwert aus den Wettquoten von drei Wettbörsen.

Ich habe jeweils die 2 Mannschaften mit der höchsten Wahrscheinlichkeit aus den 8 Gruppen ins Achtelfinale gehoben und nicht einfach die 16 Mannschaften mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Dadurch sind Uruguay (9) und Chile (13 aus der Liste geflogen, Bosnien (18) und Kroatien (19) reingekommen. Ab dem Viertelfinale gab es jedoch keinen Unterschied.

BRA ARG GER ESP BEL ITA FRA ENG POR NED COL CHL RUS BIH CRO CIV
 1   1   1   -   1   -   1   -   -   1   1   1   -   -   -   -  --> 8

BRA ARG GER ESP BEL ITA FRA ENG 
 2   2   2   -   2   -   2   -  --> 10

BRA ARG GER ESP
 4   4   4   -  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -


gesamt: 38


Justus Haucap hat folgenden Tipp abgegeben:

BRA GER ESP ARG URU ITA FRA POR NED JAP MEX KOL BIH SÜDK SUI BEL 
 1   1   -   1   1   -   1   -   1   -   1   1   -   -    1   1  --> 10

BRA GER ESP ARG URU ITA FRA POR
 2   2   -   2   -   -   2   -  --> 8

BRA GER ESP ARG
 4   4   -   4  --> 12

BRA GER
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 38


Holger tippt:

POR ITA BRA ARG ENG BIH KRO USA SPA ELF SUI RUS NED GRE FRA BEL
 -   -   1   1   -   -   -   1   -   -   1   -   1   1   1   1  --> 8

POR ITA BRA ARG ENG BIH KRO USA
 -   -   2   2   -   -   -   -  --> 4

POR ITA BRA ARG
 -   -   4   4  --> 8

POR ITA
 -   -

POR
 -

gesamt: 20


Ariane tippt:

ITA BRA GER ARG FRA URU BEL ESP NED ELF ESP CRO GRE BIH RUS SUI POR
 -   1   1   1   1   1   1   -   1   -   -   -   1   -   -   1   -  --> 9

ITA BRA GER ARG FRA URU BEL ESP  
 -   2   2   2   2   -   2   -  --> 10

ITA BRA GER ARG 
 -   4   4   4  --> 12

ITA BRA 
 -   -

ITA
 - 

gesamt: 31


Mein Tipp:

BRA ESP GER BEL ENG ITA FRA ARG NED ELF KRO JAP BOS RUS SUI POR
 1   -   1   1   -   -   1   1   1   -   -   -   -   -   1   -  --> 7

BRA ESP GER BEL ENG ITA FRA ARG 
 2   -   2   2   -   -   2   2  --> 10

BRA ESP GER BEL
 4   -   4   -  --> 8

BRA ESP
 -   -

BRA
 -


gesamt: 25


Thronfolger:

GER ESP BRA ARG URU ITA FRA POR NED COL CRO GRE BIH RUS SUI BEL
 1   -   1   1   1   -   1   -   1   1   -   1   -   -   1   1  --> 10

GER ESP BRA ARG URU ITA FRA POR
 2   -   2   2   -   -   2   -  --> 8

GER ESP BRA ARG
 4   -   4   4  --> 12

GER ESP
 8   -  --> 8

GER 
 8 --> 8


gesamt: 46



Die Danske Bank hat auch dieses Mal wieder versucht, aus volkswirtschaftlichen Daten die Performance bei der Weltmeisterschaft abzuleiten. (Interessant, denn Goldman Sachs hat in der eigenen Analyse betont, dass man von dieser Methode abgegangen ist, weil daraus nichts Sinnvolles ableitbar ist). Die Danske Bank kommt in der Simulation auf eine Wahrscheinlichkeit für den WM-Sieg für Brasilien von 45%, der Zweitplatzierte Argentinien kommt nur noch auf 7,6%(!).

BRA 45,1%
ARG 8,1%
GER 7,6%

BRA ARG GER ITA ENG USA FRA ESP BEL SUI GRE CRO RUS NIG COL NED
 1   1   1   -   -   1   1   -   1   1   1   -   -   1   1   -  --> 10

BRA ARG GER ITA ENG USA FRA ESP
 2   2   2   -   -   -   2   -  --> 8

BRA ARG GER ITA
 4   4   4   -  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -


gesamt: 38


Bei Goalimpact wurden gleich mehrere Berechnungsmethoden angeboten: Auf Basis des Goal Impacts der Einzelspieler für die gesamte Mannschaft, nur auf Basis der 17 besten Spieler, inklusive Heimvorteil und (was ich ausgewählt habe, weil es am realistischsten erschien) die Turniersimulation.

Goal Impact: World Cup Predictions

BRA GER ESP ARG BEL POR NED FRA ENG CRO URU SUI BIH CIV GRE RUS
 1   1   -   1   1   -   1   1   -   -   1   1   -   -   1   -  --> 9

BRA GER ESP ARG BEL POR NED FRA
 2   2   -   2   2   -   2   2  --> 12

BRA GER ESP ARG
 4   4   -   4  --> 12

BRA GER
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 41



Die Deutsche Bank Prognose habe ich noch gefunden: https://www.deutschebank.nl/nl/docs/The_World_Cup_Hackers_Handbook.pdf. Aufgrund einer ziemlich seltsamen Vorhersage ("die meisten Spieler von Liverpool hat England") tippen diese auf England. Ich vermute aber mal, dass das statistische Simulationsmodell, das später kommt, ernster gemeint ist. Danach errechnet sich folgende Wahrscheinlichkeit:

BRA GER ESP FRA ARG ITA NED POR URU ENG SUI BEL CHI CRO COL MEX
 1   1   -   1   1   -   1   1   1   -   1   1   1   -   1   1  --> 12

BRA GER ESP FRA ARG ITA NED POR
 2   2   -   2   2   -   2   -  --> 10

BRA GER ESP FRA
 4   4   -   -  --> 8

BRA GER
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 38


Die Prognose von den WiWis in Frankfurt habe ich auch noch gefunden: Prognose @ Fussballmathe.de. Hier ist die Bewertung etwas schwierig, weil die Prognosen für jede Stufe einzeln ausgewiesen sind. Ich habe dabei aus dem Achtelfinale die jeweils 2 wahrscheinlichsten Mannschaften aus den Gruppen genommen, ab dem Viertelfinale hingegen die 8 wahrscheinlichsten Mannschaften von *allen* Mannschaften. Da führt zu dem obskuren Ergebnis, dass England im Achtelfinale nicht dabei ist, im Viertelfinale aber schon. Aber eine richtige Simulation über die KO-Phase haben die leider nicht gemacht, das kann ich dann auch nicht komplett nachholen ... (Am Ergebnis ändert sich sowieso nichts, weil sowohl England und Italien in der Vorrunde ausgeschieden sind).


BRA ARG ESP GER COL URU FRA ITA CRO CHI JAP SUI NIG POR BEL RUS
 1   1   -   1   1   1   1   -   -   1   -   1   1   -   1   -  --> 10

BRA ARG ESP GER COL URU FRA ENG
 2   2   -   2   2   -   2   -  --> 10

BRA ARG ESP GER
 4   4   -   4  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 40


Die Prognose von Fivethirtyeight (Nate Silver) hat jemand auf Guthub hochgeladen: Prognose von FiveThirtyEight. Diese habe ich wie die von den WiWis in Frankfurt ausgewertet (die jeweils zwei wahrscheinlichsten Mannschaften aus den Gruppen, danach die wahrscheinlichsten für Viertel, Halbfinale, etc.)


BRA ARG ESP GER COL URU FRA BEL POR BIH ECU ENG CIV CHI RUS MEX
 1   1   -   1   1   1   1   1   -   -   -   -   -   1   -   1  --> 9

BRA ARG ESP GER COL URU FRA BEL
 2   2   -   2   2   -   2   2  --> 12

BRA ARG ESP GER
 4   4   -   4  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 41


Es gab noch ein paar andere Prognosen, die ich aber nicht oder nicht in vollem Umfang gefunden haben (Unicredit, Deutsche Bank, Uni Dortmund, Wiwi an der Uni Frankfurt; wer da was hat, ich arbeite das noch ein)) und es gab zwei, die ich sehr spannend fand, die aber leider nicht zu den Regeln hier passten (BS Sport Prognose bei Bloomberg und von fivethirtyeight), weil dort vor Beginn des Turniers nur die Vorrunde getippt wurde und erst als die Achtelfinalpaarungen feststanden, die KO-Runde getippt wurde.

Tja, was geht heute und morgen?

Die Wettbörsen haben die vier Teilnehmer *ziemlich* gleich und spiegeln damit das wider, was ich auch fühle: Beide Partien können so oder so laufen, Favoriten gibt es keine. BRA-ARG ist genauso drin wie GER-NED oder jede andere Kombination. Keine Mannschaft hat vollends überzeugt, dazu waren die Viertelfinalspiele auch viel zu knapp. Drei Spiele entschied am Ende das frühe Tor, ein Spiel ging in den Zufallsgenerator namens Elfmeterschießen.

Blicklog hat die Wettbörsen zusammengefasst. Diese sehen die 2 Halbfinals ziemlich eng, Brasilien gegen Deutschland ist nahezu ein Münzwurf. Argentinien liegt gegenüber den Niederlanden leicht vorne. In der Wahrscheinlichkeit für den Weltmeistertitel fallen nur die Niederlande leicht ab (19,8%), Brasilien (25,8%), Deutschland (26,8%) und Argentinien (27,6%) liegen nahezu gleich.
Zwar wird Argentinien im Finale jeweils minimal hinter Brasilien bzw. Deutschland gesehen, da aber die Chance überhaupt erst ins Finale zu kommen für Argentinien am höchsten ist, liegt insgesamt Argentinien leicht vorne.

Was sagen die Statistiker, die live und aktualisiert die Wahrscheinlichkeiten berechnen?

BSport gibt Argentinien eine 61% Chance, Ned die restlichen 39%, sieht als wahrscheinlichstes Ergebnis trotzdem ein 0:0. In der anderen Partie liegt Deutschland mit 50,7% denkbar knapp vor Brasilien (wahrscheinlichstes Ergebnis 1:1). Etwas seltsam, dennvon der Spielstärke her wird Brasilien auf Platz 1 und Deutschland auf Platz 2 gesehen. Warum auch immer dann Deutschland gewinnt ... (Das Finale soll dann übrigens an Deutschland gehen, aber auch hier weicht die Wahrscheinlichkeit nur in der Nachkommastelle von der 50/50-Chance ab).

Fivethirtyeight des Star-Statistikers Nate Silver weicht davon spürbar ab. Hier wird Brasilien (73%) klar vor Deutschland (27%) gesehen, die zweite Partie hingegen ist enger, geht aber auch 57% an Südamerika.

Bei Fivethirtyeight hat man übrigens auch eine neue Spezial-Prognose nach dem Ausfall des brasilianischen Superstars Neymar ausgearbeitet. Die Wettbörsen reagierten hektisch als das WM-Ende bekannt gegeben wurde:

Der Einbruch rechts ist die Verletzung, danach stabilisierte sich die Quote aber etwas und den Märkten wurde klar, dass der Ausfall von Neymar Brasilien noch lange nicht zum Außenseiter macht.

Denn Neymar ist bei weitem kein solcher Ausnahmespieler wie Messi oder Ronaldo. Beide haben in den Statistiken von Fivethirtyeight *deutlich* mehr Einfluss auf das Ergebnis als Neymar. Ronaldo und Messi haben den Soccer Power Index (SPI) des Gesamtteams um etwa 0,65 Punkte an, Neymar "nur" um 0,4 Punkte.


Damit ist Neymar zwar ein richtig Guter, aber eben auch nicht besser als ein Müller oder ein Benzema. Trotzdem sinkt der Gesamt-SPI für das Team durch den Ausfall Neymars um etwa 0,2 Punkte, weil die möglichen Ersatzspieler eben auch diese 0,2 Punkte schwächer sind. Die Sperre von Thiago Silva spielt übrigens kaum eine Rolle, Brasilien stehen gleich mehrere nahezu gleichwertige Ersatzspieler zur Verfügung (u.a. Dante). Rechnet man beide Ausfälle in die Prognose ein, sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg Brasiliens über Deutschland auf 68 bis 65%. Was aber immer noch ein spürbarer Vorsprung ist.

Man sollte - trotz des "Startistikers" Nate Silver - die Prognosen von Fivethirtyeight nicht überbewerten. In der Prognose der Achtelfinalteilnehmer hatte er 9 Treffer. Gutes Mittelfeld, besser als ich, aber mehr auch nicht ...

Spät mischte sich übrigens auch noch Google in das Prognose-Spielchen ein, aber für dieses Tippspiel war es zu spät ... Mal schauen, ob die bei der nächsten WM früher liefern.

Update (08.07.14):

7:1. Hmmm. Das hat wohl keiner gewettet.

Die Wahrscheinlichkeit für dieses Ergebnis lag laut dem Modell von fivethirtyeight bei 0,022 Prozent (oder 1 zu 4.500), die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg mit sechs Toren Differenz lag nur unwesentlich höher bei 0,025 Prozent (1 zu 4.000). Das ist in der Wahrscheinlichkeitsecke eines dieser Ereignisse, die es eigentlich nicht gibt. Und über die statistisch kaum etwas auszusagen ist. Weil es bei allen Fußballweltmeisterschaften zusammen noch keine 4.000 Spiele gab (es gab nicht einmal 1.000 Spiele bisher). Und um etwas konkretes zu Wahrscheinlichkeiten im Bereich von 1:4000 sagen zu können, bräuchte man viel mehr als 4.000 Spiele. Das ist auch die These des tollen Wirtschaftsbuchs "Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse" von Nassim Nicholas Taleb. Wir wissen über die Ereignisse am Rande der Normalvorteilung zu wenig und unsere statistischen Modelle erfassen diese Fälle nicht richtig und damit das Risiko auch nicht (was immer wieder zu größeren Finanzkrisen führen kann und wird).

Das Spiel war übrigens für die ELO Rangliste (eine Berechnungsmethode, die vielleicht aus dem Schachsport bekannt ist; hierbei zählen Siege gegen starke Gegner mehr als Siege gegen schwächere Mannschaften) das zweitwichtigste Ereignis bisher bei einer Fußball-WM. Erst ein einziges Mal hatte ein Spiel bei einer Fußball-WM mehr Einfluss auf das ELO-Rating der zwei beteiligten Mannschaften: das 6 zu 1 der Tschechoslowakei über Argentinien bei der WM 1958. Das sorgte für 85 Punkte mehr für die Tschechoslowakei (und 85 weniger für Argentinien). Das Spiel gestern sorgte für 83 Punkte Umschwung. Die Drei-zu-Null-Niederlage bei der WM 1998 von Deutschland gegen Kroatien liegt auf Platz 4 (78 Punkte). Das Vorrundenspiel Niederlande - Spanien ist auf Platz 5 (76 Punkte).

Die üblichen Statistiken während des Spiels wurde gestern übrigens auch ziemlich entzaubert. Denn bei der Zahl der Torschüsse lag Brasilien vorne (18:14) (bei Schüssen aus dem Strafraum oder auf's Tor in etwa gleichauf), Brasilien hatte etwas mehr Ballbesitz, die leicht bessere Quote der erfolgreichen Pässe (86% zu 84%), etc. pp. Nützte aber bekanntlich alles nix.

Update 2 (13.7.14):

Die Wahrscheinlichkeiten für einen deutschen Sieg liegen etwas über 50%. Die Wettmärkte sehen knapp 60% Siegeswahrscheinlichkeit für Deutschland, FiveThirtyEight (von Nate Silver) sagt 63% (Silver lag im Halbfinale gegen Deutschland aber deutlich daneben, s.o.).

Die wichtigsten Vorhersagen für das Finale: Deutschland wird Weltmeister

Update 3 (15.7.14):

So, Weltmeister. WELT-MEIS-TER. Noch mal langsam zum Genießen.

Das Turniertippspiel hat der Thronfolger gewonnen. Weil die ganzen Weicheier aka Analysten und Experten und Algorithmen und Leser und mir nicht den Mumm hatten, auf Deutschland zu setzen. Mit den 8 Punkten, die nur er für den richtigen Weltmeister einsacken konnte, hat er das Tippspiel mit 46 Punkten gewonnen. Vor dem Finale lag noch der Algorithmus von Goalimpact mit 41 Punkten vorne. Die Prognose der Wiwis der Uni Frankfurt liegt auf Platz 3 (40 Punkte). Dahinter Justus Haucap, die Deutsche Bank, die Danske Bank und die Quoten der Wettbüros liegen zusammen auf Platz 4 mit 38 Punkten. Über die restliche Performance lege ich besser den Mantel des Schweigens ... hüstel ... Auffällig ist, wie eng die meisten Tipps beieinander lagen. Gerade die Banken lagen am Ende bei 37, 38 und 38 Punkten. Auch die Quoten der Wettbörsen ergaben 38 Punkte, Goalimpact und Nate Silver lagen mit 41 auch nur unwesentlich in Front.

Das WM-Tippspiel bei Kicktipp geht an defoe76. Nach dem Viertelfinale (nur noch vier verbleibende Spiele) stand der Sieg eigentlich schon fest, vor allem weil in der Spitzengruppe außer mir niemand wahnsinnig genug war, um gegen die Favoriten zu tippen. Okay, so konnte man zwar nicht mehr aufholen, aber immerhin fiel man so nicht zurück wie ich ;) Defoe76, schick mir mal deine Adresse, dann mache ich dir mal ein Gewinnerpäckchen fertig.

Der Sieg ging übrigens massiv darauf zurück, dass Defoe die Spiele (alle?) 2:1 für den jeweiligen Favoriten (auch wenn es manchmal eng war) getippt hat. Das 2:1 war dann auch das gängigste Ergebnis vor dem 1:0, was dann aber auch 4 Punkte eingebracht hat (weil die Tordifferenz eben richtig war). Das ist übrigens nicht immer so. 2010 lag das 1:0 vor dem 2:1, 2006 war sogar das 1:0 am häufigsten.

Chart: Scoring At The 2014 World Cup Has Been Bonkers

Normalerweise würde ich jetzt noch einen Haufen Links bringen, aber Dirk Elsner (im Kicktipp-Tippspiel Vierter) vom Blicklog hat schon so viele gesammelt, dass ich nur dorthin verweisen brauche: Nach dem WM-Finale: Von Vorhersagen im Sport und der Ökonomie ( Pressestimmen zum deutschen Titel). Nur den Hinweis auf das Thomas Müller Interview muss ich hier noch unterbringen.

Hat Spaß gemacht. Bis zum nächsten Tippspiel!

Übrigens finde ich die üblichen Schlagzeilen (Deutsche Bank blamiert sich gründlich mit WM-Prognose - Nachrichten Print - DIE WELT - Sport - DIE WELT, Fußball-Tippspiel: Wie Goldman Sachs mich blamierte - Fußball-WM 2014 - Sport - Handelsblatt) oder die Häme, die über Nate Silver nach dem Brasilien-Desaster ausgeschüttet wurde (Learning From @NateSilver538's OMG-Wrong #Bra vs #Ger Prediction — The Message — Medium), ziemlich unangebracht. Hier picken sich die Journalisten - der Schlagzeile wegen - die Fehlprognose heraus (oder hat man das Deutsche Bank Papier nur bis Seite zwei gelesen?)und hatet dann. Dabei lagen am Ende fast alle ziemlich richtig (die Mehrzahl hatte drei der vier Halbfinalteilnehmer richtig), oder eben auch bei den gleichen Sachen falsch (Costa Rica weiter, England und Italien raus zum Beispiel). Die Abweichungen waren erstaunlich klein.

Update 4 (14:42):

Interessant übrigens noch zwei Versuche, schon was zur Weltmeisterschaft 2018 sagen zu wollen (das darf man nicht zu ernst nehmen ...)

1.) Die Chancen zur Titelverteidigung. Ist das Alter hoch, ist die Chance auf eine Titelverteidigung gering. Die deutsche Mannschaft hat (nach dem Ausscheiden von Miroslav Klose) eine ziemlich junge Mannschaft. Noch ein oder zwei Auffrischungen und es wäre ein gutes Alter erreicht.



2.) GoalImpact versucht eine Prognose der Spielstärken anhand einer hochgerechneten Alterskurve:

Goalimpact: Russia 2018: German National Team

Da sind ein paar Namen dabei, die ihr garantiert nicht auf der Rechnung habt ...

Update 5 (15:02):

Was übrigens noch ganz witzig ist:

Der Weltmeisterschaftssimulator der Uni Berlin

US-BIP Q01-14 auf -2,9%(!!!) korrigiert. Analysten komplett auf dem falschen Fuß erwischt.

Das US-BIP für's erste Quartal 2014 wurde heute in der endgültigen Berechnung bekannt gegeben. Danach ist die US-Wirtschaft mit einer auf's Jahr hochgerechneten Rate von 2,9% geschrumpft. Dieser Einbruch (der stärkste seit der Krise vor 5 Jahren) geht vor allem auf den extrem kalten und schneereichen Winter im Osten der USA zurück. Der Konjunktureinbruch dürfte daher zum ganz überwiegenden Teil einmalig sein; ein Großteil des Einbruchs sollte im laufenden und den kommenden Quartalen wieder wettgemacht werden.

USA: BIP Q01-2014 Wachstumseinbruch auf 0,1% - egghat's not so micro blog

Ich würde das nicht überbewerten. Viel spannender finde ich, wie weit die hoch bezahlten Volkswirte und Analysten der Banken mit ihren BIP-Schätzungen daneben lagen. Schon bei der ersten Schätzung (Vorabschätzung im Statistikerjargon) lag die offizielle Zahl deutlich unter den Schätzungen. Die Analysten erwarteten ein Plus von etwa einem Prozent, gemeldet wurde ein Mini-Plus von 0,1%. Diese Verfehlung war zwar groß, aber nicht so ungewöhnlich. Die Quartals-BIP-Wachstumsrate in den USA errechnet sich aus dem Vergleich des Quartals mit dem Vorquartal. Diese Plus wird dann auf ein Jahr hochgerechnet wird (also quasi mal vier genommen). Daher reicht es schon, wenn man das Quartalsplus auf 0,2 statt 0,4% schätzt und schon liegt man in der Jahresrate fast einen ganzen Prozentpunkt daneben.

Trotzdem bleiben die Abweichungen der Schätzungen und die anschließenden Korrekturen extrem. Gleich nach der ersten Schätzung senkten einige Analysten ihre Prognose massiv. Hatten sie vor der Bekanntgabe der Zahlen noch auf plus 1,0% geschätzt, korrigierten sie den Wert sofort auf -0,8%. Der überraschende Faktor war der Lagerabbau. Man hatte wohl darauf getippt, dass die Unternehmen trotz des schlechten Wetters weiter produzieren, aber nicht ausliefern (können), also die Waren auf "Halde" legen. Lageraufbau ist nicht schädlich für das BIP, weil die zwischengelagerten Waren wie verkaufte zählen (Wachstum auf Halde ist qualitativ natürlich kein gutes Wachstum (weil man mittelfristig nicht nur über Lageraufbau wachsen kann), aber es ist trotzdem Wachstum). Mit dieser Einschätzung lagen die Analysten aber weit daneben. Statt eines Lageraufbaus gab es einen Lagerabbau, folglich konnten die Analysten quasi sofort ihre Schätzungen anpassen.

Allerdings reichte auch diese schnelle Korrektur nicht. Der Lagerabbau wurde in der zweiten Schätzung gegenüber der ersten Schätzung noch einmal etwa verdreifacht, das Gesamt-BIP im ersten Quartal wurde nun bei -1,0% gesehen. Unruhig wurden die Analysten aber weiterhin nicht, denn der Lagerabbau des einen Quartals ist oft genug der Lageraufbau des folgenden Quartals. Außerdem blieb der wichtigste Faktor des Wirtschaftswachstum der USA, der private Konsum stabil und trug auch in der zweiten Schätzung gut 2,0 Prozentpunkte zum BIP-"Plus" bei.

Nun kam aber heute die dritte Schätzung. Danach haben die privaten Konsumausgaben nur noch 0,7 Prozentpunkte zum BIP beigetragen, also weniger als halb so viel wie in den beiden Schätzungen zuvor. Da außerdem der negative Effekt aus den schrumpfenden Exporten (-1,2 Pp) und dem Lagerabbau (-1,7 Pp) ebenfalls stärker wurde, kam die Gesamtschätzung heute mit -2,9%. Das war noch mal deutlich schlechter als die zweite offizielle Schätzung und lag auch deutlich unter den aktuellen Erwartungen der Analysten, die heute morgen noch bei -1,5% lagen. Auch die Abweichung von den Analystenschätzungen von vor zwei Monaten (+1,0%) ist extrem.

Man kann das in der Grafik von Zerohedge ganz schön erkennen:


Ich bin gespannt, wie sich die blaue Kurve jetzt weiter entwickelt. Die aktuell erwartete Jahresrate von 2,2% für das Gesamtjahr 2014 dürfte noch um einiges nach unten korrigiert werden ...

GROSS DOMESTIC PRODUCT: FIRST QUARTER 2014 (THIRD ESTIMATE) (PDF)

Was ich mich jetzt frage: Warum haben die Analysten so weit daneben gelegen? Das Wetter war ja kein Geheimnis. Ist das in den hochkomplexen Modellen nicht drin? Sind unter den vielen Indikatoren, die die Analysten beobachten und die auch monatlich (sprich ziemlich aktuell) geliefert werden, keine, die einen solchen Einbruch vorhersagen? Weder den Einbruch des Lagerbestands, den Einbruch der Exporte oder den Einbruch des privaten Konsums konnte man sehen? Sollten nicht die monatlichen Einzelhandelsumsätze einen frühen Hinweis auf einen schwächelnden Konsum geben? Oder die Verbraucherstimmung? Sollten nicht die Umsätze aus der Logistikbranche Hinweise auch für die Entwicklung des Exports geben? Lässt sich aus sinkenden Charterraten für Schiffe nichts ableiten? Irgendwas? Warum beobachtet man überhaupt diese ganzen zweit- und drittklassigen Indikatoren, wenn man einen Einbruch wie den aktuellen dann doch verpasst?
Wir haben ja immerhin Mitte Juni, d.h. das erste Quartal ist schon etwas länger vorbei. Da sollte es doch für die Analysten inzwischen ausreichend viele Zahlen geben, um nicht dermaßen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden; die Abweichung bei der Schätzung von heute war ja noch größer als bei der ersten Schätzung (damals 0,9 Prozentpunkte (0,1 offiziell vs. 1,0 geschätzt), heute 1,4 Pp (-2,9% offiziell vs -1,5% geschätzt).

Fragen über Fragen.

Der dänische Physiker Niels Bohr sagte einmal "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen". Das wird oft einfach als "Prognosen für die Zukunft sind schwierig" verstanden, aber Bohr hatte schon vollständig Recht: Auch Prognosen für die Vergangenheit scheinen schwierig zu sein. Insbesondere wenn es um die Wirtschaft geht ...

BuLi-Tippspiel 2013/14. The Winner is ... (inklusive Einladung zum WM-Tippspiel)

So wird Zeit für die Abrechnung. Auch wenn mir gestern beim Weltuntergang am Niederrhein der Keller vollgelaufen ist und ich daher einen Haufen Extra-Arbeit am Bein habe, auf die ich nicht wirklich vorbereitet war ... Aber es sind nur noch zwei Tage bevor es los geht ...

Zuerst mal die Abrechnungen für das Gewinnspiel der letzten Saison (siehe
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bundesliga-Tippspiel 2013/2014. Los geht's.
):

Das Tabellentippspiel ging in der Saison 2013/14 an die FAZ mit minus 9 Punkten. Hooray (Denglisch im Zusammenhang mit der FAZ ist immer angemessen ;) ). Die FAZ hat ziemlich verdient gewonnen, weil sie die ersten 6 Plätze und auch alle drei Absteiger (inkl. Fastabsteiger HSV) richtig vorhergesagt hat und die meisten Pluspunkte geholt hat. Aber auch bei den Minuspunkten, die sich aus der Abweichung der echten mit der prognostizierten Platzierung ergibt, gab es den ersten Platz. Respekt! Auf Platz 2 und 3 kommen der @haucap (-14) und ich (-17). Der Vorsprung auf das breite Mittelfeld dahinter ist aber relativ klein. Vom Mittelfeld konnte sich der @haucap vor allem durch den HSV Tipp auf Platz 16 absetzen. Ob da allerdings wirkliche Überzeugung oder nur der Wunsch des St.Pauli-Fans dahintersteckt, bleibt offen ;) Ich habe bei den Platztipps (die ersten 6 und 2 der 3 Absteiger) etwas Abstand aufgebaut.

Auf Platz 4 folgt Joha (-18), auf Platz 5 Ariane (-19) und das Handelsblatt(-19). Alle drei schlagen noch den Tipp der Wettbörse BWIN (-20), die auf Platz 7 genau in der Mitte des Felds liegt. Für die Wette, die angeblich alle Informationen enthält und allgemein als die beste gilt, kein Ruhmesblatt.

Interessant, dass die "algorithmischen" Tipps dieses Mal ziemlich schwach waren. Sowohl die Vorhersage von Goalimpact (Drittletzter; das hatte ich aufgrund der extrem stark eingestuften Aufsteiger aber fast schon befürchtet) als auch die Vorhersage nach Marktwerten von Transfermarkt (Letzter!) waren deutlich schlechter als der Durchschnitt der menschlichen Prognosen

Dann zum Tippspiel, bei dem alle Einzelspiele getippt wurden.


Der Gewinner ist Megapol mit 448 Punkten! Er lag von Anfang an in der Spitzengruppe, ab Spieltag 25/26 war mehr oder weniger klar, dass er nicht mehr einzuholen ist. Am Ende dahinter ynz (438 Punkte), der eine zeitlang nur knapp vor mir lag. Mit einem ungewöhnlichen Tipp gegen die Wettquoten habe ich am vorletzten Spieltag noch versucht ynz zu überholen. Das ging jedoch völlig in die Hose, der von mir als ausreichend eingeschätzte Abstand nach hinten löste sich in Luft auf und hilti und FlowFX zogen an mir vorbei. Am letzten Spieltag tippte ich vergleichsweise normal, sackte aber noch einen Platz ab. defoe76 rundete die Top5 ab, ich landete auf 6. (Immerhin habe ich mit 3,33 Spieltagssiegen einen ersten Platz geholt).

Und weil ich finde, dass Gewinnspiele nicht nur Gewinner(innen), sondern auch Gewinne brauchen, gibt es dieses Jahr das WM-Buch des immer empfehlenswerten Horst Evers. Megapol: Her mit deiner Adresse!

Ich habe übrigens mit einer kleinen Verzögerung von etwa einem Jahr die letzte Ausgabe der FTD erhalten, die ich im letzten Jahr als Preis ausgelobt hatte, aber selber nie bekommen habe. Glücklicherweise hat Christian Kirchner noch eine Quelle aufgetan und sie mir auf die Republica14 mitgebracht. Also an den Gewinner der Saison 12/13: Ebenfalls her mit der Adresse, dann gibt's die Final Times, inzwischen hoch begehrt.

Ich würde auch bei dieser WM wieder gerne zwei Tippspiele machen. Erstens ein "Tabellentippspiel", bei dem man alle Platzierungen vor dem Turnierstart bestimmen muss. Da es eigentlich nur um die KO-Phase geht, wird auch nur diese getippt. Damit es lange spannend bleibt, gibt es für die Ergebnisse ansteigende Punktzahl, wobei die Summe der Punkte pro Runde konstant bei 16 bleibt. Für die 16 Achtelfinalteilnehmer gibt es jeweils 1 Punkt, für die 8 Viertelfinalteilnehmer jeweils 2 Punkte, für die 4 Halbfinalteilnehmer jeweils 4 Punkte, für die beiden Finalteilnehmer 8, für den Weltmeister noch mal 16 weitere Punkte. Tippabgabe bis Turnierbeginn am Donnerstagabend.

Ihr könnt eure Mannschaften in die Kommentare schreiben. Ich mache das auch noch, allerdings wohl eher erst morgen. Am einfachsten schreibt ihr die Mannschaften von der Spitze weg auf, also in etwa so:

Weltmeister D,
Vize: ESP,
HF: ITA, BRA, (die anderen zwei Manschaften ergeben sich ja)
VF: URU, BEL, FRA, ARG
AF: ENG, NL, POR, CHL, SKO, NIG, RUS, BOS

(Achtung, das ist nicht mein Tipp, ich hab die Mannschaften einfach so runter geschrieben, es kann gut sein, dass drei davon aus einer Gruppe sind und das eigentlich gar nicht geht ...)

Ich werde in das Tippspiel auch noch einige der Expertentipps einarbeiten, mal schauen, ob meine Leser die Experten auch in diesem Turnier wieder schlagen können.

Das 2. Tippspiel wäre das normale bei Kicktipp. Darin werden alle Partien getippt  und ein paar Sonderfragen (Gruppenerste, Halbfinalisten, Weltmeister, ..). Es zählt jeweils der Endstand, also im Zweifelsfall auch nach Elfmeterschießen. Ich habe die Punkteregeln leicht angepasst: Statt 2,3 bzw. 4 Punkte (Tendenz, Tordifferenz, ganz richtig) im Bundesliga-Tippspiel gibt es 3,4 bzw. 5 Punkte; die Tendenz wird also stärker gewichtet, was ich im Hinblick auf die entscheidenden KO-Spiele wichtig finde.

Weil ich mit der Tippankündigung sehr spät dran bin, habe ich die Sonderfragen hinter den ersten Spieltag geschoben, ihr habt also noch etwas Zeit.

Ich hoffe, das ist gut erklärt. Bei Fragen --> Kommentar.

Irgendwas gibt es auch zu gewinnen. Ich weiss nur noch nicht was ... Im Zweifelsfall gibt es ein Glas heilendes Holundergelee aus meinem Druidenkeller; die hat auch schon den totkranken @TeraEuro geheilt ;)

Dann bin ich ja bekennender Panini-Sammler, okay nicht ganz so fanatisch wie mein Sohn (bestes Panini-Alter ;) ). Die Tauschgeschäfte lassen sich so erfolgreich an, dass das Album bis auf 12(?) Sticker schon voll ist. Da im Reallebenumfeld nun nahezu alles abgegrast ist, würde ich gerne eine Panini-Tausch-"Brieffreundschaft" anregen. Man packt einfach 100 Doppelte in einen Briefumschlag und schickt sie dem jeweils anderen zu. Ich lasse mich auch auf kleinere Pakete ein. Ein direktes Austauschen der fehlenden Sticker finde ich blöd (u.a. weil zu aufwändig zu koordinieren), das kann man im Realleben machen. Hier fände ich es netter, wenn man einfach einen Brief aufreißt und den Haufen Sticker dann nach fehlenden durchsuchen muss. Hat darauf jemand Lust?

(Zum Thema auch: Panini: Das große teure Kleben | ZEIT ONLINE  The Economist explains: The economics of Panini football stickers | The Economist   Panini Sticker für WM 2014: Verdacht auf ungleiche Verteilung - SPIEGEL ONLINE)

Wer jetzt noch nicht weiß, was er tippen soll oder Angst hat, sich zu blamieren:

a) Für die Ängstlichen:  Fußball-WM-Tipprunden: Zu viel Fachwissen schadet nur - Fußball-WM - FAZ

b) Für den Rest:

WM-Tipp nach Marktwerten: Das Turnier in Brasilien im Schnelldurchlauf - Fußball - Sport - Handelsblatt
(Leider fiese Klickstrecke, daher für Euch durchgeklickt:
Weltmeister: ESP
VIZE: DEU
HF: BRA, ARG
VF: ENG, FRA, ITA, BEL
AF: NL, COL, KRO, CIV, BOS, RUS, CH, POR). Man sollte bedenken, dass beim Tabellentipp die Marktwertmethode den drittletzten Platz gemacht hat ...

World Cup 2014: Stephen Hawking calculates England's odds of success - Telegraph
(Ein paar recht sinnfreie Berechnungen von Stephen Hawking, u.a. die Statistik, dass das englische Team nur 1/3 ihrer Partien gewinnt, wenn der Schiri nicht aus Europa ist, aber satte 2/3, wenn der Schiri Europäer ist)

Ökonomen wetten auf Brasilien als Fußball-Weltmeister « WirtschaftsBlatt.at
Die italienische Großbank Unicredit tippt auf das Finale Brasilien gegen Argentinien. Auch Goldman Sachs sieht das gleiche Finale. Interessant  die Aussagen von Unicredit, die versucht haben, bestimmte volkswirtschaftliche Zahlen in die Prognose einzubauen (z.B. Anzahl der Männer zwischen 20 und 29). Diese Zahlen haben sich aber alle nicht als relevant herausgestellt, daher setzte man auf die Ergebnisse der Vergangenheit insbesondere auch auf die Ergebnisse der Nachwuchsmannschaften. Unicredit zufolge fliegt in der deutschen Gruppe übrigens Portugal in der Vorrunde raus.

WM-Finale: Prognose lautet Spanien gegen Deutschland - SPIEGEL ONLINE
Der Spiegel zitiert eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW. Dort wird auf eine Finalpaarung zwischen Deutschland und Spanien getippt. Das DIW nutzt dabei auch die Marktwertmethode.

WM-Prognosen mit der Präzision von Ökonomen « WirtschaftsBlatt.at
Darin die Danske Bank, die mit volkswirtschaftlichen Daten arbeitet und u.a. Wachstum in die Prognose einbaut und daher Chile und Uruguay stärker als Spanien und Italien sieht (gewagt, gewagt). Finale soll Braslien gegen Argentinien werden.

FiveThirtyEight’s World Cup Predictions | FiveThirtyEight
Eine sehr schöne Darstellung, die die Klickstrecke des Handelsblatts um Jahre schlägt. Und eine sehr ausführliche Einführung in die Methode der Berechnung namens Soccer Power Index. Dieser sieht Brasilien klar vorne, dahinter Argentinien, Deutschland und Spanien (übrigens auch Belgien vor den Niederlanden und Italien nicht in den Top-16 ...). Leider ist die Darstellung der KO-Runde schlecht, so dass ich hier nicht klar sagen kann, welche Mannschaft wann ausscheidet.

Blicklog WM Vorhersage: Brasilien gewinnt Finale gegen Argentinien, Deutschland mit Glück Platz 3
Dirk Elsner vom Blicklog hat die Wettquoten von BWIN, Betfair und betdaq gesammelt und gemittelt. Daraus ergibt sich eine Gewinnwahrscheinlichkeit von etwa 23% für Brasilien, 18% für Argentinien, 13% für Deutschland und Spanien. Der große Geheimfavorit Belgien liegt auf Platz 5 (4,2%), dahinter folgen Italien, England und Frankreich.

Goalimpact: World Cup Prediction
Beim Bundesligatippspiel war das Ergebnis suboptimal, was aber zum großen Teil an den Platzierungen der Aufsteiger lag. Die Nationalmannschaften sollten besser zu beurteilen sein. Ich finde diese Methode über die Stärke der Spieler zu gehen, bei einer WM ziemlich interessant. Die Spielstärke der einzelnen Spieler beeinflusst die Stärke einer Mannschaft sicherlich stärker als irgendwelche Partien vor 20 Jahren. Und Goalimpact stützt sich auf alle Partien in den jeweiligen Ligen plus Europa- und Champions-League. Da es gerade zwischen den Kontinenten keine Spiele gibt, in denen es um etwas geht, sind solche Spiele nicht sehr aussagekräftig. Wenn man sich auf Tausende von Spielen stützt, bekommt man das Datenmaterial, das bei direkten Partien fehlt. Nur dann kann man vernünftig mit den Daten arbeiten.

Außerdem gefällt mir das Ergebnis, dass Deutschland Favorit ist, ausgesprochen gut ;) Auf eine Wahrscheinlichkeit von 12,6% taxiert das Modell den Weltmeistertitel für Deutschland vor Brasilien (8,9%), Spanien (5,7%) Belgien (!) 4,8%, Portugal 4,4% und Argentinien (4,0%). Basis sind jeweils die besten 16 Feldspieler + Torwart (bei 23 Spielern führt Spanien). Die Ausfälle von Ribéry und Reuss sind bereits eingearbeitet. Der Spielplan wurde ebenfalls berücksichtigt, <

Und für alle, denen das bisher genannte zu doof, kompliziert oder wasweissichnicht ist, habe ich die mit Abstand schönste Visualisierung bis zum Schluss aufbewahrt.

2014 Fifa World Cup Predictions - And the Winner is... | Visual.ly mit einem Making of: FWC prediction methodology

Skeptiker.ch: Was den Erfolg an der Fussball-WM ausmacht

Zum Schluss noch was für die Fußball-Skeptiker, auch wenn mir etwas unklar ist, wieso die bisher gelesen haben sollten ;)

Kritik auf lustig von John Oliver:



Kritik auf sachlich (wird ein Dreiteiler):

Schafft die Fifa ab! (1/3) | NachDenkSeiten – Die kritische Website
Schafft die Fifa ab! (2/3) | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Die FIFA in Zahlen:

Die Fifa und das liebe Geld | Datenblog

Update (11.06.14):

Die Süddeutsche probiert eine neue Version der Vorhersage. Dabei wird nicht der Gewinner einzeln abgefragt, sondern man fragt in einem Schwall von Fragen nach dem Gewinner von zufälligen Partien. Dadurch, dass ganz viele Leser für ganz viele Paarungen den Sieger vorhersagen, soll sich eine sinnvolle Prognose ableiten lassen. Nach gut 11.000 Partien führt Spanien mit 95 Punkten vor Brasilien mit 93, Deutschland mit 91, Argentinien mit 86 und Italien mit 83. Dahinter NL (78), POR (77), URU (70), FRA (67) BEL (66) und England (60).

Faire Fußball-Abstimmung - Wer ist Ihr wirklicher WM-Favorit? - Sport - Süddeutsche.de

Update 2 (12.06.14):

Hier gibt es übrigens einen Spielplan, der die Partien der KO-Runde in einem übersichtlichen Format bereitstellt:

RAN WM Spielplan (PDF!)

Supermario kassiert. Erstmals negativer Einlagezins in der Eurozone. Aber wird das wirken?

Spannend. Die EZB wagt das große Experiment.

Sie hat alle Zinsen gesenkt. Der Leitzins sinkt von 0,25 auf 0,15%, viel spannender aber der Einlagezins, der mit 0,1% nun zum ersten Mal negativ wird.

Joah, negativer Einlagezins. Die Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, bekommen bei Übernachtgeschäften am nächsten Morgen weniger Geld zurück als sie am Abend bei der EZB geparkt haben. Das macht natürlich keinen Sinn für die Banken, aber das ist ja auch das Ziel. Die Banken sollen das Geld in die Wirtschaft stecken und nicht bei der EZB parken. Die EZB möchte damit eine höhere Kreditvergabe erreichen. Ob das alles klappt, steht aber auf einem anderen Blatt.

Denn es gibt eine Reihe negativer Rückkopplungseffekte, die verhindern könnten, dass selbst ein negativer Einlagezins nicht für mehr Unternehmenskredite sorgt.

a) Mit dem Leitzins sinkt auch der Sparzins. Normale Bankkunden könnten in Zukunft darauf verzichten, Geld bei ihrer Bank oder Sparkasse anzulegen. Dann würde den Banken aber ein Teil des Geldes fehlen, das ihnen ansonsten zur Weiterverleihung an Unternehmen zur Verfügung steht. Frances Coppola hat auf dieses Problem schon früh hingewiesen. In Dänemark gibt es schon eine Zeit lang negative Zinsen und dort ist genau dieser negative Effekt eingetreten:


(Why Negative Rates Won't Work In The Eurozone - Forbes)

Man sieht schön, wie ab der senkrechten Strichellinie (Einführung des negativen Zentralbankzins) die Einlagen bei den Banken sanken und diese auch die Kreditvergabe reduzieren mussten.

Es ist natürlich absolut unklar, wie sich die europäischen Sparer verhalten. Wird der Effekt der Spargeldflucht klein oder groß oder sogar so groß, dass der ursprünglich beabsichtige Effekt sogar überkompensiert wird? Sprich: Die Banken verleihen zwar jetzt ehemaliges "EZB-Park-Geld" an Unternehmen, die Sparer ziehen aber so große Mengen Geld ab, dass die Banken daraufhin die Kreditvergabe noch stärker wieder einschränken müssen.

b) Die Banken haben Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen. Einer der Gründe, warum Banken so massiv deutsche Staatsanleihen gekauft haben, liegt genau hierin: Für deutsche Staatsanleihen müssen die Banken am wenigsten Eigenkapital "hinterlegen", weil Bundesanleihen als absolut erstklassig gelten. Kleinunternehmen in Italien hingegen haben ein deutlich höheres Risiko und dafür brauchen die Banken pro Kredit deutlich mehr Eigenkapital. Eigenkapital war, ist und bleibt aber bei den Banken knapp. Die Deutsche Bank gibt gerade neue Aktien heraus, um die durch Basel III erhöhten Eigenkapitalrichtlinien zu erfüllen. Die Banken stehen bei der Kreditvergabe also nicht nur auf der Bremse, weil sie nicht wollen, sondern zum Teil auch, weil sie nicht können.

Ich habe daher schon mit Dirk Elsner vom Blicklog darüber diskutiert, ob die EZB nicht an den Richtlinien für die Kreditvergabe an Unternehmen was ändern müsste. Also einen temporär niedrigeren Sicherheitsabschlag auf Unternehmenskredite verlangen könnte. Aber es ist - wie bei jeder Maßnahme, die diskutiert wird - sehr sehr eindeutig, dass hier versucht wird, mit Geld- bzw. Zinspolitik der EZB ein Problem zu lösen, dass viel sinnvoller von der EU (sprich der Politik) gelöst werden sollte. Bei jeder Maßnahme, die die EZB wählt, ergeben sich nämlich Auswirkungen auf die *gesamte* Eurozone. Diese ist aber nicht einheitlich und die gerade gültigen Zinsen sind so gut wie nirgendwo passend. Für Griechenland sind die Zinsen weiterhin zu hoch, für Deutschland deutlich zu niedrig. In Deutschland gibt es nicht einmal im Ansatz eine Kreditklemme, in Italien oder Griechenland sind mangelnde Kredite für Immobilien oder neue Fabriken aber ein Riesenproblem. Die Politik könnte hier viel zielgenauer eingreifen.

Ein mögliches Mittel wären staatliche Bürgschaften für Investitionen, damit das Risiko für die Banken sinkt. Wenn der Staat für 60 oder 80% einer Investition die Sicherheiten liefert, wäre nur noch ein Bruchteil des Kredits risikoreich und nur für diesen risikoreichen Teil müsste Eigenkapital hinterlegt werden. Anders gesagt: Die Banken könnten mit der gleichen Menge Eigenkapital viel mehr Unternehmenskredite bereitstellen. Man würde die Politik also ändern: Von dem Versuch die Kreditvergabe zu erhöhen, indem man Übernachteinlagen bei der EZB bestraft, könnte man auf eine Belohnungsmodell wechseln, über das die Kreditvergabe an Unternehmen gefördert wird, indem der Staat Bürgschaften vergibt und das Risiko der Banken senkt.

Aber nun gut, die europäische Politik kommt schon seit 5 Jahren nicht aus dem Kraut und lässt die Notenbank die Drecksarbeit machen.

(Es kann übrigens auch gut sein, dass die EZB diese oben geschilderten Effekte gar nicht so wichtig findet, sondern vorrangig den Euro schwächen will. Denn ein schwacher Euro würde zuverlässig für mehr Inflation sorgen, was ein probates Mittel gegen die drohende Deflation wäre. Und die europäische Wirtschaft auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger machen würde).

Ich schau mal, was heute noch so passiert. Wen das Thema interessiert: Dirk macht heute Abend um 20:00 Uhr zusammen mit dem Wirtschaftswurm und Eric Bonse einen Google Hangout zum Thema:

Ökonomen Hangout

Update (23:47):

Habe leider erst jetzt Zeit gefunden ein "Detail" nachzureichen.

Die EZB hat auch wie oben angesprochenen Richtlinien geändert. Allerdings auf eine etwas komische Art. Die EZB hat eine neue sehr langfristige Geldspritze geschaffen, die ähnlich zu den "Dicken Bertas" der Vergangenheit. Die EZB stellt den Banken also Extraliquidität zur Verfügung. Das Programm heißt dieses Mal "targeted longer-term refinancing operations" TLTRO, neu ist das "T" für targeted. Darunter versteht die EZB, dass die Banken dieses Geld nur bekommen, wenn es a) nicht in den Finanzsektor geht und b) nicht für private Immobilienverkäufe verwendet wird. Das Ziel ist klar: Das Geld soll in der Wirtschaft landen. Mal schauen, ob das funktioniert ...

ECB: ECB announces monetary policy measures to enhance the functioning of the monetary policy transmission mechanism

Update 2 (06.06.14):

Hier den Hangout zum Nachschauen:

Krautreporter-Crowdfunding. Langsamer Start, aber abgerechnet wird zum Schluss.

Wer es nicht kennt: Krautreporter ist eine neue Plattform, die vorab 900.000 Euro einsammeln möchte, um damit ein Online-Magazin auf die Beine zu stellen. Das Magazin soll themenmäßig relativ breit aufgestellt sein, ohne Werbung auskommen und sich allein durch Abogelder finanzieren. Von den 900.000 Euro soll ein Stamm von Journalisten für ein Jahr bezahlt werden.

Die Crowdfunding-Geldsammel-Phase läuft jetzt seit 8 Tagen und läuft noch weitere 22. Es müssen 15.000 Abonnenten zusammen kommen, die jeweils 60 Euro zahlen. Nach 8 Tagen liegt die Anzahl der Abonnenten leicht über dem rechnerischen Durchschnitt, der allerdings nur begrenzt weiter hilft, weil Crowdfunding-Projekte die Peaks der neuen Unterstützer immer am Anfang und am Ende der Finanzierungsphase haben.

Der Peak am Anfang ist da, man sieht aber auch, wie stark die Dynamik danach nachgelassen hat:

(Grafik via lorz auf Twitter)

Alexander Merz hat die Finanzierung auf Google+ für gescheitert erklärt (kann den Eintrag glaube ich nicht verlinken, weil der innerhalb einer Community gepostet wurde). Die These ist: Der Peak am Anfang war zu niedrig, als dass man noch eine erfolgreiche Finanzierung erwarten könnte.

Darauf mein Kommentar:

Ich bin nicht so skeptisch (wenn auch weit weg von euphorisch). Denn es gibt immer einen Peak am Anfang und einen am Ende (wenn es knapp wird). Ich versuche zu erläutern, warum ich glaube, dass durch die gewählte Konstruktion beim Krautreporter-Crowdfunding der Peak am Beginn kleiner, dafür der Peak am Ende größer sein wird als normal.

Dieses Crowdfunding unterscheidet sich von vielen anderen dadurch, dass man das Produkt auch ohne Beteiligung bekommen kann (wenn es erfolgreich finanziert wird). Es soll ja alles frei zu lesen sein. Daher ist "Abwarten" für einen potenziell Interessierten eine durchaus sinnvolle Strategie. Das ist bei anderen crowdgefundeten Projekten anders, denn da bekomme ich das Produkt *nicht*, wenn ich nicht mitmache. Bei den meisten anderen Crowdfunding Projekten muss ich eh mitmachen und bezahlen, wenn ich das Produkt bekommen möchte. Und ich bekomme es auch nur, wenn bezahle. Kurz: Ich muss eh mitmachen und bezahlen.

Dabei ist es egal, ob ich früh oder spät finanziere. Das Risiko bei einem frühen Einstieg niedrig; platzt das Funding, gibt's das Geld zurück. Bei den Krautreportern finanziere ich hingegen ein Projekt vor und wenn es ohne mich auch geklappt hätte, hätte ich mir das Geld auch sparen können (rein ökonomische Sichtweise). Kurz: Abwarten macht Sinn. Daher glaube ich, dass der zweite Peak am Ende der Crowdfunding-Phase *höher* ausfallen wird als üblich.

Bei vielen Projekten bekomme ich als Frühfinanzierer sogar noch einen Rabatt (die ersten 5.000 für 50 Euro, die nächsten 5.000 für 60, der Normalpreis dann 70), der Anreiz besonders früh dabei zu sein, ist also hoch. Diesen gängigen Zusatzanreiz gibt es bei den Krautreportern nicht, daher glaube ich, dass der Start-Peak bei den Krautreportern *niedriger* ausfallen musste als bei anderen Crowdfunding-Projekten.

Zusammengefasst ist die wirtschaftliche Entscheidungslogik hinter dem Krautreporter-Crowdfunding IMHO eine andere als bei den meisten anderen Crowdfunding-Projekten.

Diese Mechanik hat +Alexander Merz nicht berücksichtigt. Auf der anderen Seite haben die Krautreporter das Crowdfunding-Spiel auch nicht wirklich verstanden. Erfolgreiche Crowdfunder spielen dieses Spiel besser; alles für 60 Euro fix zu verkaufen ist marketingtechnisch das Dümmste, was man machen kann. Wo ist das limitierte Early Bird Bundle für 50 Euro mit Badge ("Krautreporter-Supporter"), mit dem ich auf der nächsten Republica angeben kann? Wo ist das limitierte Bundle mit Aufkleber? Oder ein Bundle mit einem Jahresrückblick-Buch mit den besten Artikeln für 100€? Das Studenten- bzw Schülerabo?

Ich stimme +Alexander Merz aber insofern zu, als dass der Start ziemlich langsam ist und nicht allzuviel Hoffnung auf eine erfolgreiche Finanzierung macht. Von einem Scheitern zu sprechen, wäre mir aber zu früh, weil ich mir durchaus vorstellen kann, dass aufgrund der Konstruktion des Crowdfundings der Schlusspeak höher wird als der Startpeak (was bei Crowdfunding selten ist).
Und ich stimme Alexander Merz übrigens ganz besonders dolle zu, wenn ich mir das Fehlen jeglicher viraler Effekte anschaue.

Aus Marketingsicht (insbesondere unter dem Crowdfunding-Aspekt) ist das Projekt Krautreporter leider ziemlich ideenarm. Ich hoffe, dass der Journalismus, der am Ende herauskommt (wenn es denn gefundet wird), mehr interessante Ideen bringen wird ...
Aber gut, man merkt halt irgendwie, dass das Projekt von Journalisten stammt. Und nicht von Marketingmenschen mit Crowdfunding-Erfahrung.

(Zum Projekt: Wünsche denen viel Erfolg, weil ich mir wünsche, dass mehr Schreiber von frei verfügbaren Texten im Internet leben können. Halte die konkrete Ausgestaltung der Idee aber in einigen Punkten für "optimierungsfähig":

Abo trotz freier Verfügbarkeit,
komische Crowdfunding-Konstruktion,
keine innovativen Magazinformen erkennbar (Kindle, Leser-Interaktion),
Vorfinanzierung für satte 12 Monate ohne "Geld-Zurück-Garantie",
Vorfinanzierung einer Blackbox.

Zusammengefasst muss der Leser *eine Menge* guten Willen mitbringen, er geht quasi fast vollständig allein ins Risiko.

Daher habe ich (noch?) kein Geld gegeben. Mir wäre ein Modell wie Flattr eh lieber. Da packt der Schüler 2 Euro pro Monat rein, der Student 5 Euro, der Arbeiter 15, der besserverdienende Professor 50 Euro pro Monat, und verteilt das Geld mit einem simplen Klick an seine Lieblingsartikel, Podcasts, Softwareprojekte und e.V.s um. Nachdem er den Artikel gelesen, den Podcast gehört oder die Software heruntergeladen hat. Bei Gefallen. Und nicht als Blackbox ins Blinde hinein.

Aber so wie Flattr bisher in der Blogger- und Podcaster-Bubble stecken geblieben ist, könnten die Krautreporter in der Journalisten/Medien-Bubble stecken bleiben. Einen Ansturm von "normalen" Lesern vermag ich bisher nicht zu erkennen. Weder bei Krautreporter noch bei Flattr.

Update 1 (27.05.14):

Wir sind jetzt 5 Tage weiter. Der Zähler steht jetzt bei 5.601 von 15.000 Unterstützern, das ist inzwischen deutlich unter dem benötigten Schnitt (etwa 1.000 weniger als bei einem gleichmäßigem Anstieg notwendig wären). In den letzten 5 Tagen sind damit keine 1.000 neue Unterstützer zusammengekommen (also klar unter 200 Neulinge), benötigt wären jedoch etwa 500 pro Tag. Mal schauen, ob meine Prognose auf einen höheren Schlusspeak aufgeht und ob es die Finanzierung noch rettet.

Update 2 (03.06.14):

Wir sind nun wieder 7 Tage weiter. Der Zähler steht nun bei 6.497, macht etwa 900 neue Abos. Also etwa 130 neues Abos pro Tag. Viel zu wenig, um über die Markt zu springen. Die Marketing-Maschine springt zwar langsam wieder an, aber so richtig zieht das noch nicht. Den Krautreportern fehlen definitiv die-Leute-dadraußen™, und die bekommen es nicht mit, und wenn doch, geben sie ihr Geld schlicht nicht her. Gibt halt auch so genug zu lesen.

Langsam muss der Schlusspeak mal anfangen, aber ehrlich gesagt sehe ich ohne einen großen (bisher geheimen) Unterstützer nur noch wenig Chancen. Vielleicht findet sich der aber noch ...

Update 3 (05.06.14):

Die Krautreporter akzeptieren jetzt auch Zahlungen per Paypal.

Ab sofort: Krautreporter per Paypal unterstützen! | KRAUTREPORTER Blog

Mal schauen, ob sich dadurch was ändert. Der Zähler steht bei 7.095 Abos. Damit hat die Geschwindigkeit wieder etwas zugelegt, es dürften so etwa 250 pro Tag gewesen sein. Das ist aber weit weg von den jetzt 1.000 pro Tag, die die Krautreporter jetzt brauchen. Es sind nur noch 8 Tage und mittendrin liegt ein langes Wochenende ...

Update 4 (10.06.14):

Es gibt jetzt auch 200er-Pakete (55€ pro Abo) und 1000er Pakete (50€ je Abo).

Die Unterstützerzahlen ziehen leicht an. Der Zähler steht jetzt bei gut 8.500 Abos. Trotz der Hitze und des langen Pfingstwochenendes gab es also knapp 300 Abos am Tag. Dreieinhalb Tage verbleiben noch, es sind also nun etwa 2.000 Abos pro Tag notwendig. So viel hatte das Projekt allerdings selbst am ersten Tag nicht.

Es wird eng. Um es mal optimistisch zu formulieren. Ich kann mir ohne großen bisher geheimen Unterstützer kein erfolgreiches Funding mehr vorstellen.

Ich wollte hier zwar eigentlich nur über den Crowdfunding-Aspekt schreiben und nicht über das Projekt an sich, aber folgender Link fasst meine Skepsis so gut zusammen wie keiner bisher. Dabei geht es nicht um Simpel-Aspekte wie "zu wenig Frauen", sondern um etwas Grundlegenderes:

1. Grund für meinen Wunsch: Ihr wirkt auf mich wie eine Gruppe freier Journalisten, die darauf hoffen, angestellt zu werden - und nicht wie eine Gruppe von Entrepreneuren, die um jeden Preis eine journalistische Vision verwirklichen wollen.

2. Grund: Ihr habt nicht nur keine Vision des neuen Journalismus - sondern Ihr findet das auch noch gut so.

3. Grund: Ihr stilisiert die Idee der Krautreporter zum Sein-oder-Nichtsein des neuen Online-Journalismus. Und das ist fatal.

Kommentar von Dr. Ankowitsch: Warum ich die Krautreporter nicht nur NICHT unterstütze, sondern hoffe, dass das ganze Projekt vorerst produktiv scheitert*. Offener Brief an Sebastian Esser, einen der Gründer.

So gerne ich einen unabhängigen Online-Journalismus unterstützen würde, so sehr erschüttert mich die Mut- und Ideenlosigkeit des Projekts. Online erscheint das Dingen doch nur, weil online billiger ist als Print (nicht weil online besser ist). Und Mut bewies das Projekt nur einmal: Indem die Finanzierungsschwelle ziemlich hoch bei 900.000 Euro angesetzt wurde.

Update 5 (11.06.14; 13:00):

Zählerstand : 9.416, etwa 1.000 neue Abos in den letzten 24 Stunden. Die Geschwindigkeit zieht spürbar an, es reicht aber weiterhin nicht aus. Es müssten jetzt etwas über 2.000 pro Tag sein. Ich rechne zwar immer noch mit weiter anziehender Geschwindigkeit.

Update 6 (12.06.14; 13:30):

Zählerstand: 10.655, etwa 1.200 neue Abos in den letzten 24 Stunden. Die Geschwindigkeit steigt weiter an, wenn auch relativ langsam. Meine Prognose, dass der Schlusspeak größer wird als der Startpeak, dürfte wohl aufgehen. Reichen wird es für die 15.000 aber wohl trotzdem nicht. Meine Krautreporterwette vor ein paar Tagen lag bei 12.121. Diese wird wohl übertroffen, aber für die 15.000 bräuchte es einen sensationellen Schlussspurt ...

Update 7 (12.06.14; 23:30):

Zählerstand: 12.602, etwa 2.000 neue Abos in nur 10 Stunden. Die Geschwindigkeit hat *deutlich* angezogen. Heute dürften es etwa 2.500 gewesen sein. Kurz: Noch ein Tag auf dem Niveau und es klappt doch noch. Es sind aber auch 1.000 aus einem Paketkauf drin.



Update 8 (13.06.14; 9:33):

Zählerstand: 13.609, also 1.000 über Nacht. Jetzt fehlen nur noch 10% und da die stärkste Phase (tagsüber) noch läuft, wird es wohl hinhauen.

Update 9 (13.06.14; 13:37):

Das Funding hat geklappt. Die 15.000 sind voll. Ich habe zwar früh einen großen Schlusspeak vorhergesagt (s.o.), aber dass er dermaßen hoch wird (ca. 4.500 Abos in 48 Stunden bzw 5.500 in 72 Stunden (Für die ersten 5.500 Abos hat es etwa 2 Wochen gebraucht)) ist dann auch für mich eine Überraschung. Zwischendurch hatte ich die Hoffnung ja schon fast aufgegeben. Glückwunsch an die Krautreporter. Jetzt bin ich mal gespannt auf das Produkt. Und trotzdem: Für das nächste Projekt würde ich mir einen Experten für Crowdfunding dazuholen. Die Spannung hätte es bei einem ordentlich konstruierten Crowdfunding nicht geben müssen. Und: Für das zweite Jahr braucht ihr unbedingt mehr Leute von draußen (aka normale Leser), ihr seid aus der Journalisten-Medien-Bubble nur in Ansätzen rausgekommen.

USA: Arbeitslosenquote 04/14: 6,3% (-0,4 Vm, -1,2 Vj), 288.000 neue Jobs. Whopping! But caveat NILF ...

Nach dem Schwänzen des März hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA.


Für den April 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics (mal wieder) einen Arbeitsmarktbericht, der von einer gewissen Aufholbewegung nach den harten Wintermonaten geprägt war. Die beiden schlagzeilenträchtigen Zahlen überraschten dabei deutlich in die richtige Richtung.

Zu den offiziellen Zahlen des Aprils 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -773.000 auf 9,753 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: -73.000 auf 145,669 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,3% (-0,4 zum Vormonat; -1,0 zum Vorjahresmonat).

Sinkende Arbeitsplätzezahl und sinkende Arbeitslosenzahl? Der Kenner weiss was nun kommt: Ein massiver Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer). Fast 1 Millionen AmerikanerInnen (988.000) mehr als im Vormonat fielen in diese Kategorie. Damit ist der Trend, der das Jahr 2013 geprägt hatte, plötzlich wieder da (im ersten Quartal machte der Trend noch Pause ...) ... Da diese Million aber etwa im "passenden" Verhältnis der Arbeitslosenquote auf Arbeitende und Arbeitslose verteilt wurden, bleiben große Verzerrungen aus.

Trotzdem schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 58,9%, was 0,3 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,2 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,3) nicht wirklich wider.

Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber gerade einmal so viele, wie angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig sind, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demografie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im April positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +288.000 gegenüber dem Vormonat auf 138,252 Millionen. Zum Plus von 273.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 15.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Damit gab es zum dritte Mal in Folge wieder einen leichten Arbeitsplatzaufbau im öffentlichen Sektor.

Die Korrekturen der Vormonate für die neu geschaffenen Arbeitsplätze waren im April-Report positiv. Das Februar-Plus wurde von 197.000 auf 222.000, das März-Plus von 192.000 auf 203.000 nach oben korrigiert, zusammen also 36.000. Beruhigend, dass der Trend so stabil ist.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche stieg leicht auf 34,5 Stunden. Die Zahl der Überstunden blieb 3,5 Stunden. Damit sind beide Werte am oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wieder: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber ein Boom sieht anders aus (wenngleich beide Werte den stabiler werdenden Trend durchaus unterstreichen).

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,4 Prozentpunkte auf 12,3%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,6 Prozentpunkte. Diese Quote verbessert sich also schneller als die des Gesamtmarkts.

Zusammenfassend: Ein Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der überwiegend positiv ist. Die Household-Daten waren in der Arbeitslosenquote super, die massiv gestiegene Anzahl von NILFs verunsichert bei der Interpretation aber etwas. Die Establishment-Daten waren besser, wenn man man die Korrektur der Vormonate (+36.000 Arbeitsplätze) einrechnet sogar deutlich besser als erwartet.

Konnte man nach den BIP Zahlen am Dienstag eine gewisse Sorge um die US-Konjunktur haben, dürften sich diese Sorgen nun etwas abgeschwächt haben. Der Arbeitsmarkt bleibt leicht positiv, wobei vor allem die Stabilität des Arbeitsplatzaufbaus Mut macht. Ganz als wolle man meine Aussage aus den letzten Arbeitsmarktberichten unterstreichen: Leichtes Wachstum ja, Boom nein.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — April 2014  (PDF)

Spannend bleibt weiterhin die Frage, wie die US-Notenbank die Zahlen beurteilt. Diese hatte als Ziel der ultralockeren Geldpolitik ursprünglich ausgegeben, die Arbeitslosenquote auf 6,5% oder niedriger zu drücken. Das haben wir nun erreicht. Nimmt man nur diese eine Zahl, ist also wieder alles in Ordnung und eigentlich müsste die US-Notenbank deutlich den Fuß vom Gas nehmen. Nimmt man jedoch die Erwerbstätigenquote, geht es dem US-Arbeitsmarkt kaum besser als mitten in der Rezession ...

Warum Twitter laggt (und Facebook floriert)

Schöner Artikel (danke an Doener für den Hinweis. Mein Lieblingsquote daraus:

"Something is wrong on Twitter. And people are noticing."

"People are still using Twitter, but they’re not hanging out there."

Lesen:

A Eulogy for Twitter - Adrienne LaFrance and Robinson Meyer - The Atlantic

Ich beleuchte das Thema auch noch aus meiner Sicht:

a) als Update zu meinem alten Rant:

Dear Twitter: Get your f*cking act together - egghat's not so micro blog

b) Außerdem hatte ich mich beim Börsengang mit Twitter und Facebook beschäftigt:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Twitter: Ein paar Gedanken zur Bewertung. Kaufen oder Nichtkaufen?

Daher ist aus meiner Sicht ein kleiner Vergleich von Twitter und Facebook mal wieder angebracht.

Twitter hat sich mit dem Ökosystem angelegt. Das Ökosystem hat aber die Neuerungen in das Netzwerk eingebracht. Das Ökosystem hat nun aber Angst, teilweise mussten Clients schon ihr Geschäft einstellen, weil sie keinen weiteren Zugriff auf die Twitter-Programmierschnittstellen mehr bekamen.

Das fördert die Innovation im Ökosystem von Twitter natürlich nicht. Und somit steht der Laden defakto still. Twitter Music war ein Flop, auch der Gag mit den Aktiensymbolen hat nie abgehoben. Dazu hat Twitter das Direct Messaging sogar noch verschlechtert (keine Links). Das einzige, was Twitter eingekauft hat, war ein Analysetool nach dem anderen. Aber nichts davon war an den User gerichtet, sondern nur an den Anzeigekunden. Nun gut, diese kaufen vorsichtig mehr Werbung ein. Und ein paar zielgerichtete Tweets, die über einen E-Mail-Abgleich mit Händlern generiert werden. Aber das interessiert den User natürlich eigentlich nicht.

Diese negative Entwicklung waren mit dem Weggang der Twitter-Gründer und die Fokussierung auf den Börsengang abzusehen und ich habe meine Mikrobloggingaktivitäten daher auf APP.NET gehedged. Technisch ist das auch heute noch das bessere Netzwerk (allein die 256 Zeichen, der integrierte Dateispeicher und das Private Messaging (2048 Zeichen!) sind Gold wert), aber leider stagniert die Nutzerzahl genau wie bei Twitter und da die Nutzeranzahl dort viel niedriger ist, merkt man das auf APP.NET noch stärker. (ich werde die Stelle trotzdem nutzen Euch einzuladen). Und ADN kümmert sich in den letzten Monaten auch nur um komische Features (Crowdfunding, Broadcasts...), statt den Kern des Netzes besser zu machen (z.B. über Listen).

Vielleicht ist die Idee aber auch tot. Brauchen die Leutedadraußen™ sowas wie Twitter oder ADN überhaupt? Reicht denen vielleicht etwas richtig Privates wie WhatsApp (bzw. Threema, etc) plus etwas (teil)öffentliches wie Facebook?

Wenn man Facebook und Twitter vergleicht, wird richtig offensichtlich, wie Nutzer (und Nutzen) orientiert Facebook ist. Sowohl was die auf der F8 neu vorgestellten Features angeht (anonymes bzw. teilanoymes Login bei anderen Diensten) als auch was die Zukäufe (WhatsApp) angeht. Das geht Twitter leider komplett ab.

Wie Twitter wieder Wachstum generieren könnte? Ganz einfach: Nehmt das, was ihr aktuell habt (USER USER USER) und strickt alles an eure Plattform dran, was APP.NET (und deren Ökosystem) schon vorgemacht hat. Also zum Beispiel einen Dateispeicher und stellt diesen (ohne Einschränkungen) über eine unbeschränkte Programmierschnittstelle den Entwicklern und den Kunden zur Verfügung.

Im Endeffekt glaube ich, dass auch Facebook genau aus diesem Grund lebt, wächst und floriert: Die Programmierschnittstelle ist offen und daher denken sich Programmierer immer neue Sachen auf Facebook aus.

Am Ende gewinnt mMn im Bereich von sozialen Netzen immer der, der offen ist, derjenige, der eine Plattform zur Verfügung stellt. Und nicht der, der die Plattform dicht macht. Daher wächst Facebook weiter (50 Mio neuer Nutzer im letzten Quartal), obwohl es bereits so groß ist und viel eher an Wachstumsgrenzen stoßen könnte. Und Twitter wächst nicht so stark wie prognostiziert, obwohl Twitter eigentlich viel mehr Luft für Wachstum hätte (nur 14 Mio. neue Nutzer). Am Ende spiegelt sich das alles in den Zahlen wider. Und die waren bei Facebook gut und bei Twitter schwach.

Twitter: Von enttäuschenden Nutzeraktivitäten und einem Chef mit guter Laune | heise online

Schwerer Kurseinbruch: Geht Twitter die Puste aus? - IT Medien - Unternehmen - Handelsblatt

(Der Handelsblatt-Artikel enthält übrigens noch einen interessanten Hinweis auf die Geschäftsergebnisse von Twitter, die an die Berichterstattung aus der Hightech-Blase um die Jahrtausendwende erinnert: Die Ergebnisse werden ohne die hohen Kosten für Mitarbeitervergütung gemeldet. Denn inklusive dieser Kosten sind die Geschäftszahlen von Twitter richtig übel und die möchte Twitter nicht betonen).

Noch ne andere pessimistische Einschätzung zu Twitter:

Twitter hat fast alles verspielt - Digital Twin

Sehe ich Twitter zu pessimistisch? Und Facebook zu optimistisch? Oder ist APP.NET doch unser aller Rettung ;)

Die Hälfte des Gelbe-Sack-Mülls wird verbrannt. Sortieren sinnlos.

Genau: 50,1%.

Das sagte das Bundesumweltministerium auf eine Anfrage von Bärbel Höhn (Grüne, Oberhausen, muss erwähnt werden ;) ).

Grund: Es wird so viel verbrannt, weil Verbrennen so billig ist. Denn es gibt massive Überkapazitäten in der Müllverbrennung, die (Markt-) Preise sind komplett im Keller.

(Kleiner Einschub: Weil Müllverbrennungsanlagen sehr hohe Fixkosten aber ziemlich niedrige variable Kosten), kaufen die Betreiber zu Spottpreisen zusätzlichen Müll an, teilweise bis runter nach Süditalien. Es gibt dabei irre Mischkalkulationen: In Oberhausen zahlt der Bürger etwa 200 Euro pro Tonne Hausmüll (über die Gebühr für den den Mülleimer), am Markt liegt der Preis bei einem Drittel bis einem Viertel (!) dieser Summe. Der Betreiber deckt über die Müllgebühr seine fixen Kosten mehr oder weniger vollständig ab, jede zusätzliche Tonne ist nahezu Reingewinn. Daher ist fast jeder noch so niedrige Preis für diese zusätzlichen Tonnen Müll OK, was den Marktpreis für "zusätzliche Tonnen" auf ein derart niedriges Niveau gesenkt hat).

Sinn der ganzen Sortiererei ist die Verbrennung natürlich nicht. Allerdings werden jetzt die Ökos schreien, dass man Plastik natürlich recyceln sollte. Was aber auch nicht stimmt, den Kunststoff ist quasi immer downcycling. Man kann zwar noch etwas raus herstellen, aber das ist quasi nie qualitativ so gut wie das Ausgangsmaterial (was bei Papier ähnlich ist, bei Glas aber nicht).

Daher ist eine Verbrennung von Kunststoff in modernen Müllverbrennungsanlagen mit angeschlossener Stromerzeugung UND Fernwärme eine Idee, die gar nicht so doof ist. Es gibt sogar einen Haufen Leute die sagen, es ist die sinnvollste Verwendung. Es ist einfach und man nützt einen spürbaren Teil der Energie, die im Kunststoff steckt. (Ganz nebenbei würden Müllverbrennungsanlagen ohne Kunststoffabfälle auch gar nicht mehr brennen, denn wenn man Papier, Biomüll und Kunststoffmüll gesondert sammelt und nicht in die Müllverbrennungsanlage wirft, bleibt nichts mehr übrig, was brennt. Und dann funktioniert die Verbrennung halt auch nicht).

Diese Rechnung ist natürlich eine andere, wenn der Müll nicht in einer Müllverbrennungsanlage, sondern auf einer Deponie landet. Und wahrscheinlich auch schon, wenn die Anlage nicht auch gleichzeitig Strom und Fernwärme erzeugt.

Am besten wäre natürlich Abfallvermeidung.

(Übrigens ist nicht einmal die Diskussion Plastikflasche vs. Glasflasche eindeutig geklärt. Denn sobald der Transportweg zu weit wird, verliert die Glasflasche gegenüber der PET-Flasche aufgrund ihres höheren Gewichts (Spritverbrauch beim Transport)).

Die Hälfte des Recycling-Mülls wird verbrannt | WAZ.de

Update (27.05.14):

Es gibt sogar einen passenden Dilbert dazu:



via Dilbert comic strip for 05/27/2014 from the official Dilbert comic strips archive.

Spanien: 03/14: HVPI -0,2% (Vj). Auch Spanien jetzt in der Deflation ...

Der auf europäischer Ebene gängige (und damit wichtigste) Inflationsindikator HVPI ist im März in Spanien zum ersten Mal in den negativen Bereich abgekippt.

Der normale Verbraucherpreisindex war schon mal zwei Monate im negativen Bereich, der HVPI bisher aber noch nicht.

Die Zahlen sind zwar noch eine Vorabschätzung, aber normalweise sind die Korrekturen klein, immerhin sind elf der zwölf Monate, die in den Jahresvergleich eingehen, schon fix.

Den Einfluss von Steuern kann man übrigens ausschließen, der HVPI ex Steuern in den letzten Monaten, aus dem die Steueränderungen herausgerechnet wurden, wich maximal um 0,1 Prozentpunkte von der normalen Rate ab.

Ine.es: Harmonized Consumer Price Index. HICP flash estimated (PDF)

Der starke Euro und der generell abnehmende Preisdruck (hohe Arbeitslosigkeit) sorgt also jetzt auch in Spanien (Griechenland hat das Problem ja schon länger) für eine steigende Schuldenquote. Denn sinkende Preise ziehen ein sinkendes Real-BIP nach sich und daran werden die Schulden gemessen.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation (Oktober 2012)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t. (April 2013)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland sinkt immer tiefer in die Deflation. Verbraucherpreise 11/2013: -2,9% (Dezember 2013) (Darin auch mehr über die BIP/schulden-Logik)

Griechenland bleibt in der Deflation: Verbraucherpreise 01/14 -1,4% - egghat's not so micro blog (Februar 2014)

Die Rettung der Staatshaushalte, die am einfachsten über etwas mehr Inflation stattfinden könnte, kommt also trotz der Niedrigzinspolitik nicht ins Laufen.

Und die Unterschiede in den Ländern werden auch nicht kleiner. Die Leitzinsen und die Politik, die die EZB vorgibt, passt weiterhin nicht für alle Länder. Wie schon vorher (im Prinzip schon immer seit Einführung des Euro) sind die Zinsen nicht für alle Länder passend. Für Griechenland (und die anderen Südstaaten) sind die Zinsen eigentlich immer noch zu hoch, für Deutschland eigentlich zu niedrig (vor 10 Jahren war es genau anders herum). In Spanien haben wir eine Deflation (was Schlimmeres gibt es kaum, wenn man hoch verschuldet ist), in Deutschland haben wir einen Immobilienboom, der sich zu einer Blase ausdehnen könnte ...

Update (14:59):

Auch die deutsche Inflationsrate sinkt. Nach 1,4% im Dezember, 1,3% im Januar und 1,2% im Februar kommt die Schnellschätzung für den März jetzt auf 1,0%. Auf die Preise drücken vor allen sinkende Energiepreise.

Pressemitteilungen - Verbraucherpreise im März 2014: voraussichtlich  1,0 % gegenüber März 2013 - Statistisches Bundesamt (Destatis)

Es sei an dieser Stelle nachgereicht, dass auch in Spanien die Energiepreise sinken und dieser Effekt möglicherweise nicht sonderlich nachhaltig ist. So genau man eine mögliche Deflationsgefahr beobachten sollte (weil man eine Deflation kaum wieder los wird), so wenig hilft der Blick auf Monatsraten.

Was in Europa leider fehlt (zumindest in der ersten Schätzung so weit ich weiss) ist die Kernrate der Inflation, also die Inflationsrate exkl. Energie und Lebensmittel. Hier könnte man viel besser ablesen, ob alle Preise sinken, oder ob der Rückgang nur auf stark schwankende Faktoren wie Energie und Nahrungsmittel zurückgeht.

Update 2 (31.03.14):

Die Zahlen für die gesamten Euroraum sind jetzt auch raus:

EU18 Verbraucherpreise 03/14: 0,5% (Vj) - egghat's not so micro blog

0,5% Jahresrate, niedriger war die Inflation nur im Herbst/Winter 2009/2010. Und damals waren die Auswirkungen der Finanzkrise noch deutlich spürbar. Dass wir heute wieder auf einem ähnlichen Niveau sind, ist kein gutes Zeichen ...

Bei Mt Gox tauchen plötzlich 200.000 #Bitcoin wieder auf. Zufall? Oder Teil des Plans eines "perfekten Diebstahls"?

(Noch gar nichts geschrieben in dieser Woche. Ich hebe mal einen Beitrag aus meinem Zweitblog hier rüber).

Mt. Gox findet 200.000 Bitcoins in alter Online-Geldbörse - WSJ.de

Kannste dir nicht ausdenken ...

Dass MtGox keine Buchführung hatten, ist ja nichts Neues. Aber der Laden überbietet sich wirklich bei seiner eigenen Inkompetenz. Jetzt hat MtGox in einem alten Bitcoin Wallet schlappe 200.000 Bitcoins gefunden.

Das sind knapp 1/4 der "verloren" gegangenen Bitcoins, Gegenwert etwa 120 Millionen Dollar). Immerhin etwas Hoffnung für die Gläubiger von MtGox. Ein Teil der virtuellen Münzen könnten an sie zurückfließen. So wie es in den Insolvenzunterlagen aussah, waren die sonstigen Forderungen (an Banken etc.) nicht sonderlich hoch. KORREKTUR: Es sollen doch 64 Mio. an sonstigen Forderungen offen sein. Das wäre ne Menge, es ist aber unklar, ob das Geld den Banken oder den Kunden gehört.

Fun Fact am Schluss: Mal angenommen, der Großteil der Bitcoins fließt gleichberechtigt an alle Inhaber der MtGox Wallets, würde das wohl 20% der Bitcoins ausmachen. Wer kurz vor der Pleite von MtGox dort Bitcoins für 100$ das Stück gekauft hat und jetzt 20% seines Geldes zurückbekommen sollte, wäre bei aktuell 590$ je Bitcoin schon wieder leicht im Plus ... Die Nervenbelastung dürfte die Restlebenszeit aber um gefühlte zwei bis drei Jahre verringert haben ;)

Update (11:50):

Es sei der Sicherheit halber noch einmal erwähnt, dass es VÖLLIG unklar ist, ob die Kunden von MtGox, denen die Bitcoins aus den Wallets gestohlen wurden, überhaupt als Gläubiger im Sinne eines Insolvenzverfahrens gelten. Es kann also gut sein, dass sie gar nichts bekommen. So ungerecht und sinnlos das erscheinen mag: Hej, Bitcoins sind Cyber, das Zeug ist unreguliert, und das hat eben nicht nur positive Auswirkungen, sondern im Zweifelsfall auch negative ...

Update 2 (16:03):

Thomas Mach hat mich auf G+ darauf aufmerksam gemacht, dass das plötzliche Auftauchen der Bitcoins gar nicht soooo zufällig gewesen sein könnte.

Der Gründer der schwedischen Piratenpartei Rick Falkvinge hat die These schon relativ früh aufgestellt. Karpeles könnte die Bitcoins selber geplündert haben.

Zur Erläuterung: Es gibt einen Cold Storage und einen Hot Storage. Der Cold Storage ist eine Art "Offline Safe", in dem man Bitcoins deponieren kann. Dieser Cold Storage ist mit dem Online-Handelssystem NICHT verbunden. Man hat diesen auch nicht auf einem Computer, sondern druckt die Bitcoins (die Hashes) aus, faltet das Papier und legt sie in ein Schließfach. Damit sind die nicht mehr hackbar, sie können "nur" noch gestohlen werden. Aber eben auch nur durch einen Echtwelt-Diebstahl, und nicht über eine irgendwie geartete Lücke im Bitcoin Protokoll oder einen Hack des PCs.

Aus diesem Cold Storage lässt Karpeles jetzt 200.000 Bitcoins "rein zufällig" wieder auftauchen. Die Kunden, die sich an den Verlust schon gewöhnt haben, freuen sich und sind dann doch noch relativ erleichtert, akzeptieren den Verlust also leichter als vorher (auch wenn unklar ist, ob die überhaupt was bekommen).

Karpeles hat die restlichen grob 500.000 Bitcoins aber schon lange in ein Schließfach auf die Bermudas (o. Ä.) gebracht. Er wickelt MtGox jetzt ab, beteuert seine Unschuld. Vielleicht bekommt er auch noch eine Strafe. Aber danach wandert er in irgendein schönes Land aus, löst seine "Papier-Wallets" nach und nach wieder ein und kann - so lange Bitcoins einen Wert haben - ganz nett davon leben.

So die Theorie.

The Gox Crater: Crowd Detectives Reveal Billion-Dollar Heist As Inside Job - Falkvinge on Infopolicy

Da die Bitcoins pseudonym sind, wird man Karpeles nur auf die Schliche kommen können, wenn er a) zu auffällige Transaktionen durchführt (mit zu großen Volumen) oder b) wenn man ihm einen Privatdetektiv auf den Hals hetzt und seinen Computer überwacht. Wenn er sich hingegen in der Vergangenheit klug angestellt hat und auch in der Zukunft weiter vorsichtig agiert, könnte er mit diesem Vorgehen quasi den perfekten Diebstahl begangen haben.

(Noch ein Wort zur Vergangenheit: Was heute als komplett dilettantische Buchführung dasteht, könnte auch eine ziemlich clevere, nur der Spurenverwischung dienende Doppelbuchhaltung sein).

Ich weiss, viel Spekulation. Vielleicht bringen die Ermittlungsbehörden ja noch Licht in die Angelegenheit.

Update 3 (27.03.14):

Sehr interessante Arbeit von zwei Informatikern aus der Schweiz. Christian Decker und Roger Wattenhofer von der ETH Zürich haben die gesamte Blockchain (dem Kern von Bitcoins, in der alle Transaktionen aufgezeichnet werden) analysiert. Und zwar vor allem in Hinblick auf die Malleability-Lücke. Also: Wie oft wurde versucht, diese Lücke mit den doppelten Transaktionen auszunutzen. Das kann man leider im Nachhinein leider gar nicht feststellen. Es treten zwar durch die Malleability-Lücke Konflikte auf, aber sobald sie aufgelöst werden, verschwinden die Spuren. Nur die bestätigte Transaktion (bei Malleability gibt es ja mehrere ursprüngliche Transaktionen) landet in der Blockchain; das Geld, besser die Bitcoins, können ja nur einem gehören.

Die beiden Forscher von der ETH Zürich beschäftigen sich schon länger mit P2P-Netzen und damit auch mit Bitcoins. Sie betreiben bereits seit Anfang 2013 selber (Rechen-) Knoten im Bitcoin-Netz und hatten dabei sehr viele Verbindungen zu anderen Bitcoin-Clients offen. Dieses "hatten viele Verbindungen offen" ist wichtig, denn Bitcoin ist wie Bittorrent ein Peer-2-Peer Netzwerk, und je mehr Verbindungen man offen hat, desto mehr bekommt man von dem mit, was im gesamten Netz passiert. Daher sind sich die beiden Forscher ziemlich sicher, dass sie auch die Konflikte (nahezu) vollständig gesehen haben (dazu gibt es übrigens eine eigene wissenschaftliche Arbeit ...). Die beiden haben seit Anfang Januar 2013 alles (auch alles temporäre) mitgeschrieben und können daher sehr gut sagen, wie viele Konflikte es gab, die auf Malleability hindeuten.

Und diese Zahlen sind sehr interessant. Konflikte, wie sie beim Ausnützen der Malleability-Lücke entstehen, waren bis zur ersten Pressemitteilung von Mt Gox, in der die Auszahlungen gestoppt wurden, nämlich sehr selten (nur 421 Konflikte, max. 1.811 Bitcoins betroffen; innerhalb von gut 13 Monaten). Danach nahmen sie spürbar zu (1.062 Konflikte, knapp 5.500 Bitcoins betroffen, in nur 2 Tagen), aber richtig los ging es erst ab der zweiten Pressemitteilung, in der die Malleability-Lücke explizit als Grund erwähnt wurde. Es gab eine riesige Welle von Angriffen, bei der in nur 2 Tagen über 25.000 Attacken gut 286.000 Bitcoins angegriffen wurden (mutmaßlich nicht nur gegen Mt Gox, die Hacker werden mit ziemlicher Sicherheit versucht haben, auch andere Börsen auf die Malleability-Lücke zu "testen").

Damit lassen sich zwei Fakten festhalten:

a) Die Malleability-Lücke war real und es kann auch gut sein, dass ein paar der anderen Börsen, die inzwischen schließen mussten, dadurch in Probleme gekommen sind (es sei noch einmal erwähnt, dass der offizielle Bitcoin-Client immer immun war). Die Schönfärberei vieler Bitcoin-Fans war also IMHO nicht wirklich angebracht, für die temporäre Schließung vieler Börsen gab es einen Grund ...

b) MtGox ist definitiv NICHT durch die Malleability-Lücke pleite gegangen. Dafür gab es bis zum Zeitpunkt, ab dem MtGox nichts mehr ausgezahlt hat, einfach VIEL zu wenige Angriffe. Selbst wenn die volle Anzahl aller möglicherweise durch die Malleability-Lücke betroffenen Bitcoins ausschließlich bei MtGox gestohlen wurden, kämen als theoretisches Maximum nur 306.000 Bitcoins zusammen. Es fehlen also immer noch jede Menge bis zu den offiziell fehlenden 850.000 Bitcoins (nach dem überraschenden Fund eigentlich "nur" noch 650.000 Bitcoins). Kurz: MtGox, bzw Karpeles lügt. (oder die Wissenschaftler erzählen Mist, aber das halte ich nach dem Lesen der Arbeit und vor allem auch dem Blick auf die älteren Arbeiten für extrem unwahrscheinlich).

Bitcoin Transaction Malleability and MtGox

Danke an @m106 auf APP.NET für den Hinweis!

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