Zalando IPO Zahlen sind raus. Bewertung bis zu 5,5 Milliarden Euro.

Achtung, viele Zahlen ;)

Es gibt aktuell etwa 220 Millionen Zalando-Aktien. Gut 24,4 Millionen Aktien kommen hinzu, die für die neuen Aktionäre gedacht sind. Macht zusammen 242 Millionen Aktien.

Die Preisspanne beträgt 18 bis 22,50 Euro pro Aktie. Am unteren Ende beträgt die Bewertung knapp 4,4 Milliarden Euro, am oberen Ende knapp 5,5 Milliarden Euro.

Zu den 24 Millionen neuen Aktien kommen für den Börsengang bei hoher Nachfrage noch 3,6 Millionen Aktien aus dem Altbestand. Das Emissionsvolumen könnte also bis 630 Millionen Euro betragen. Die Bookbuildingspanne beginnt am Donnerstag, die erste Börsennotiz soll am 1. Oktober stattfinden.

Den Zahlen für den Börsengang muss man ein paar Geschäftszahlen gegenüber stellen.

Zalando meldet für die 12 Monate von Juli 2013 bis Juni 2014 2 Milliarden Euro Umsatz von 13,7 Millionen Kunden.
Damit haben wir ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp 3, ein Kunde wird mit ziemlich genau 400 Euro bewertet.

Amazon ist mit etwa 120 Mrd. Euro bewertet und machte im Zeitraum wie oben etwa 65 Mrd. Euro Umsatz. KUV also knapp 2. Amazon hat etwa 250 Millionen Kunden, ein Kunde ist also etwa 480 Euro wert. Wenn man die Anzahl der aktiven Kunden nimmt (ein Kauf im letzten Monat) gibt es etwa 150 Millionen Kunden, errechnen sich etwa 800 Euro pro Kunde. Man sieht schon, wie stark dieser Wert von Definition des Begriffs "aktiver Kunde" abhängt.

Eine Bewertung beider Firmen anhand des Gewinns ist quasi nicht möglich. Die Gewinne bei Amazon sind weiterhin äußerst mager, die Firma investiert weiter in neue Technologien, Märkte und Länder. Bei Zalando wird es noch unmöglicher, denn die Firma hat gerade zum ersten Mal ein positives EBIT gemeldet, als einen Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das ist noch ein ganzes Stückchen weg von einem normalen Gewinn. Für die nächsten Monate darf man zwar durchaus eine Verbesserung des operativen Ergebnisses erwarten, aber zuerst werden die Kosten für den Börsengang und auch für aktienbasierte Entlohnung des Managements die Kosten in die Höhe treiben.

Nimmt man diese Zahlen und vergleicht mal etwas langfristiger die Chancen und Risiken, bleiben zwei große Fragen:

a) Kann Zalando nachhaltig profitabel werden? Händler (sowohl off- wie auch online) sind im Normalfall nicht sonderlich profitabel (selbst bei Walmart bleiben nur 3,5 Cent Gewinn je Dollar Umsatz über). Kurs-Umsatz-Verhältnisse über 1 (Amazon 2, Zalando 3) sieht man bei Händlern quasi nie, gerade offline sind die KUVs viel niedriger; gute Unternehmen wie Walmart weisen gerade einmal KUVs von 0,4 oder 0,5 auf, schlechte (sprich margenarme) wie die Metro liegen etwa bei der Hälfte. Sind Online-Händler diesen Aufpreis wert? Im Vergleich zur Metro reden wir immerhin um den Faktor 15, den Zalando teurer ist. OK, auf der anderen Seite ist das Wachstum bei Online-Händlern viel höher und liegt eher bei 20 oder 30% statt 2 oder 3% im Offline-Markt....

b) Die andere Frage ist: Kann man Zalando mit Amazon vergleichen? Ist Amazon mit seiner weltweiten Ausrichtung, mit dem umfangreichen Angebot und vor allem auch der Expansion in margenträchtigere Bereiche (Medien, Content) überhaupt vergleichbar mit einem reinen Modehändler wie Zalando? Hat Amazon u.a. über die IT-Infrastruktur nicht einen gigantischen Wettbewerbsvorteil?

Schwer zu sagen. Ich persönlich würde dem Jungspund Zalando nicht die gleiche hohe Bewertung wie Amazon zugestehen. Vor allem auch, weil Zalando auch nicht unbedingt mit viel höherem Wachstum als Amazon beeindrucken kann.

Mal schauen, ob ich morgen noch mal Zahlen für Alibaba raussuche. Wobei Alibaba viel mehr als ein reiner Online-Händler ist und damit gemischter und schlecht vergleichbar ist.

Zalando kündigt Börsengang an (pdf)

Zalando: Pressemitteilung zur Preisspanne (pdf)

Zalandos Börsenprospekt (PDF)

Oder eine Kurzversion:
Zalando Factsheet (pdf)

Update (19.09.14):

Vorbörsliche Kurse gibt es bei Tradegate und der ist aktuell mit 25 bis 26 Euro deutlich über der Spanne von 18 bis 22,50. Es scheint also eine hohe Nachfrage zu geben (oder die Emissionsbanken sorgen erfolgreich für gute Stimmung ...):


Tradegate Exchange

Griechenland Arbeitslosenquote 06/14: 27,0% (-0,1 Vm, -0,6 Vj). Aaaber ...

Das ist eine leichte Verbesserung, mehr aber auch nicht. Auch 27,0% sind natürlich weiterhin abstrus hoch (2009 waren es 9,4%).

Gegenüber dem Vormonat errechnet sich ein leichtes Minus um 0,1 Prozentpunkte, gegenüber dem Vorjahresmonat ein Rückgang um 0,6 Prozentpunkte. Die Grafik zeigt schnell, dass sich noch nicht viel gebessert hat:


Noch klarer wird das, wenn man sich die Details anschaut: Hier fällt dann auf, dass es im Juni 2014 trotz des Rückgangs der Arbeitslosenquote keinen Anstieg der Beschäftigung gab. Im Gegenteil: Es waren 3.101 Arbeitsplätze weniger als im Vorjahresmonat. Der Rückgang der Arbeitslosenquote ging vor allem darauf zurück, dass es gut 43.000 Arbeitslose weniger gab. Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass sich in Griechenland die Bevölkerung frustriert vom Arbeitsmarkt zurückzieht ("gibt eh keinen Job" vgl. die NILFs in den USA), aber auch das ist nicht der Fall. Auch die "Inaktiven", wie die NILFs in Griechenland genannt werden, schrumpften leicht um ca. 2.500 auf 3,305 Millionen.

Wir haben also eine sinkende Arbeitsplatzanzahl, eine sinkende Arbeitslosenanzahl und eine sinkende Zahl von "Inaktiven". Zusammengenommen sinkt die Anzahl von Erwachsenen im arbeitsfähigem Alter in Griechenland (und zwar im Jahresvergleich um knapp 50.000). Das kann eigentlich nur auf einen Grund zurückgehen: Die Griechen wandern aus. (Okay, es könnte auch schon die Demografie sein, aber ich glaube nicht, dass die Alterspyramide in Griechenland noch extremer ist als in Deutschland, und es durch die Alterung der Gesellschaft schon zum Schrumpfen der Workforce kommt. Vor allem auch deswegen, weil die Griechen die Arbeitslosenquote für die Gesamtbevölkerung zwischen 15 und 75(!) berechnen.

Kurz: Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Rückgang der Arbeitslosenquote in Griechenland vor allem auf Auswanderung zurückgeht. Wie in Spanien auch, wandern die jungen Griechen nach Deutschland (oder benachbarte) Länder aus. Gut für die Zukunftsfähigkeit des Landes ist das nicht ...

LABOUR FORCE SURVEY: June 2014 (PDF)

Die Arbeitslosigkeit unter der jungen Bevölkerung bleibt übrigens hoch, auch wenn die für den Juni 2014 gemeldeten 51,5% deutlich besser sind als die 58,8% des Juni 2013. Hier gilt aber der alte Disclaimer, dass die Arbeitslosenquote in dieser Altersklasse nicht unbedingt aussagekräftig ist. Siehe dazu Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Arbeitslosenquote - Erwerbsquote - Erwerbslosenquote - Was hilft bei der Beurteilung der Jugendarbeitslosigkeit wirklich?, dabei vor allem das Update unten.

China überholt Deutschland bei den regenerativen Energien

textet Spiegel Online.

"Ausgerechnet China" schreibt man dort. Der geneigte Umweltfreund denkt dann sofort: Wenn China das kann, können wir das erst recht. Wir müssen doch vorangehen. Warum machen wir nicht mehr? Ist das alles traurig.

Und ich frage dagegen, warum nur machen wir nicht mehr Mathe für Journalisten?

Wir nehmen dafür 5 Zahlen aus dem Artikel:

a) 31% Erneuerbarer Strom in Deutschland
b) 30% Erneuerbarer Strom in China
c) mehr als 5.000 Gigawattstunden Stromerzeugung in China (Update: inzwischen auf 5.000 TeraWattStunden korrigiert)
d) 80 Terawattstunden Energie aus Wind in China
e) 18 Gigawatt Energie aus Solarzellen in China

Bei c und d sollte dem geneigten Leser auffallen, dass 5.000 Gigawattstunden das gleiche sind wie 5 Terawattstunden. Aus den insgesamt 5 TWh kommen laut Spon also 80 TWh aus Wind. Häh?

OK, c ist ein offensichtlicher Fehler (auch wenn Spon den nicht korrigiert hat), denn es handelt sich um 5.000 TWh. Wikipedia gibt für 2008 3.571 TWh für China an.

OK, korrigieren wir c auf 5.000 TWh.

Dann nehmen wir b und c zusammen und kommen bei 30% auf etwa 1.500 TWh Strom aus regenerativen Quellen in China.

Nun, wie setzen sich diese zusammen?

d) 80 TWh Wind (sind im Artikel genannt, könnten stimmen; bin aber nicht sicher, es könnte auch sein, dass die Zahl genau so falsch ist wie andere auch. Die IEA nennt 71 TWh für 2011, ich würde bei dem Wachstum also eher auf 150-200 TWh für 2013 tippen)
e) 18 Gigawatt Peak Leistung für Fotovoltaik. Dies ist keine Angabe der abgegebenen Leistung, sondern die Angabe der maximalen Kapazität. Da es aber manchmal bewölkt ist und manchmal sogar Nacht ;) ) rechnet man das grob mit 1.000 Stunden pro Jahr hoch. Dann kommt man auf 18 TeraWattStunden, die aus Fotovoltaik stammen. Weil in China die Fotovoltaik wohl in geeigneteren Gegenden steht als in Nordrhein-Westfalen runde ich mal auf 20 TWh auf.

Gut, dann haben jetzt aus Wind und Sonne 100 Terawattstunden, vielleicht auch 200 TWh. Von insgesamt 5.000 TWh. Das sind 2% bis 4% des chinesischen Stroms aus Strom und Wind, insgesamt werden aber 30% des Stroms aus regenerativen Quellen erzeugt. Und was bleibt da in China? Rischtisch: Wasserkraft, Stichwort u.a. Drei-Schluchten-Damm.

Aus dem Ökostromwunderland China wird bei vernünftiger Betrachtung also ein Flussaufstauland. Wir können ja auch mal einen Staudamm zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen ziehen; dann sind wir auch alle Energieprobleme los, aber so richtig doll finden Umweltschützer das bestimmt auch nicht.

Sicher, China investiert in Wind und Solar. Aber zu behaupten, dass China bereits in der Größenordnung liegt wie Deutschland, ist kompletter Unfug, den man sich nur zusammenschreiben kann, wenn man in Mathe gepennt hat (oder wenn man ne knallige Überschrift braucht). Genauso schlimm ist es zu verschweigen, dass der Großteil aus der Wasserkraft kommt, weil das ein völlig falsches Bild der regenerativen Energie in China vermittelt. Und ebenfalls unschön sind die falschen Maßeinheiten, die teilweise schlicht falsch sind, im anderen Fall schlicht unerklärt nebeneinander stehen. Auf Details wie die unkommentierte Zusammenrührung von Bestands- und Flussgrößen wagt man gar nicht mehr zu kritisieren ...

Ziemlich lustig finde ich übrigens, dass Spiegel Online Leser über einen so wirren Artikel lange und total gut informiert diskutieren können und erst dem 60. Kommentator auffällt, wie wirr hier Zahlen und Einheiten zu einem unverständlichen Brei zusammengerührt werden (in den 60 Kommentaren dahinter kommt noch ein zweiter Kommentar in die Richtung). Hach ist das schön, wenn man als Spiegel-Leser so gut informiert ist ;)

Erneuerbare Energien: China überholt Spitzenreiter Deutschland - SPIEGEL ONLINE

Hier gibt’s vergleichbare Zahlen, in denen kein Journalist rumgepfuscht hat (leider etwas älter):

International Energy Statistics - EIA

Dass dieser Artikel von einem Journalisten stammt, der eine Spezialsite zum Thema betreibt, finde ich übrigens einigermaßen erschreckend ...

Update (12.09.14):

Den Fehler bei Chinas Gesamtstromerzeugung von 5.000 Gigawattstunden hat der Spiegel inzwischen auf 5.000 TeraWattStunden korrigiert. Natürlich ohne Anmerkung, dass das zuerst falsch war ...

Update 2 (15.09.14):

Auch die FAZ hat jetzt was zum Thema. Etwas besser als der Spiegel, aber auch nicht wirklich gut. Die FAZ erwähnt die Bedeutung der Wasserkraft (und auch deren Probleme). Bei den Kapazitäten (GWp) und der Produktion (Gigawattstunden GWh bzw. Terawattstunden TWh) patzt aber auch die FAZ und nennt die Gigawatts einmal Produktion und einmal Kapazität. Das ist aber leider etwas ganz anderes, gerade bei der Fotovoltaik entsteht aus einem GWp im Jahresdurchschnitt noch lange keine Gigawattstunde pro Stunde. Wolken und vor allem die Nacht stehen dem entgegen. Auch Wasserkraftwerke produzieren nie 365 Tage und 24 Stunden Strom, dazu reicht in vielen Fällen auch einfach das Wasser nicht. Gerade wenn man über Ökoenergie redet, werden die Unterschiede wichtig, weil sich Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft deutlich unterscheiden.

Auch die Bestands- und Flussgrößen werden nicht so wirklich schön getrennt. Zwei Grafiken hätten hier wohl massiv geholfen.

China: Der unbekannte Ökostrom-Riese

Eins muss man der F.A.Z. aber lassen: Die fällige Kritik eines Leser kommt deutlich schneller als bei Spiegel Online. Scheinen doch klügere Köpfe dahin zu stecken ...

Apple und Payment. Was kommt. Und was nicht. Oder vielleicht doch.

Mir lief in der letzten Woche ein ganz interessanter Tweets über den Weg:



Die Diskussion, die sich an diesem Tweet entzündete, war ganz interessant, litt aber auch an den Defiziten von Twitter. Bei vier Leuten, die mitdiskutieren, bleiben nur noch 100 Zeichen für die Aussage und das ist verdammt wenig (IMHO zu wenig, aber ihr glaubt mir ja alle nicht, dass APP.NET eigentlich viel besser ist, allein schon weil die Mentions keinen Platz der (ebenfalls großzügigeren) 256 Zeichen fressen und es Clients gibt, die ein brauchbares Threading der Diskussion haben und man sieht, wer auf was geantwortet hat ...). Daher habe ich angekündigt, dass ich meine Gedanken noch mal im Blog zusammenfasse. Was hiermit geschehen sei.

Der verlinkte Artikel Mobile Payment – Warum auch Apple nicht die Payment-Welt im Sturm erobern wird | Mobilegeeks.de | Smartphones ist skeptisch, ob Apple den Konten durchschlagen kann, an dem die Durchsetzung von modernen Payment-Methoden im Handel bisher scheiterte. Das Problem sei komplex (Regulierung), durch die Menge an Altlasten (alte Lesegeräte) sei Innovation kaum möglich. (Und nicht zu vergessen: Viele Beobachter halten e-Payment für eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Die Kombination aus Bargeld und Kreditkarte (und in Deutschland EC-Karte), löse quasi alle vorhandenen Bezahlprobleme).

Optimistischer ist Ralf Keuper bei Bankstil: Bankstil: Verhilft Apple Mobile Payments zum Durchbruch?. Er verweist auf die hohe Anzahl von Konten, die Apple bereits hat (800 Millionen). Das sind 800 Millionen Kunden, die Apple bereits vertrauen und über Apple bereits Zahlungen für Musik, Filme und Software abwickeln. Außerdem habe Apple bereits einige Male bewiesen, dass man Innovationen am Markt durchsetzen könne.

Geradezu herbeigesehnt wie ein Einstieg Apples in die Paymentwelt bei Netzwertig: Mobiles Bezahlen: Apple, bitte erlöse uns | netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung

OK, ich fasse meine Überlegungen und Einschätzungen mal zusammen; am Ende des Artikels auch noch mal mit der von mir geschätzten Wahrscheinlichkeit zusammengefasst:

Was wird Apple machen?

Macht Apple überhaupt Payment?

Ich habe die Frage ein paar Mal (u.a.) mit Dirk Elsner diskutiert. Das Thema taucht vor der diesjährigen Produktvorstellung nicht zum ersten Mal auf, Apple hat sich schon vor einiger Zeit ein paar Patente zu einer Zahlungsabwicklung(-verwaltung) namens iWallet gesichert (siehe Update Apple Patente für eine iWallet und Co.). Ich war immer skeptisch, weil Bezahlung ein Geschäft ist, das nur relativ geringe Margen abwirft, gleichzeitig aber viel Verwaltungsaufwand gegenüber dem Kunden produziert. Fast noch schlimmer sind die mannigfaltigen gesetzlichen Vorschriften, die dann um es weiter zu komplizieren auch von Land zu Land unterschiedlich sind. Eigentlich ist eine solche Gemengelage aus niedrigen Margen und hohem Verwaltungsaufwand nichts was Apple interessiert und auch nichts was Apple besonders gut könnte. Daher glaube ich nicht, dass Apple ein komplett eigenes Payment entwickelt hat, sondern die Dienstleistung mit Partnern zusammen umsetzen wird. Inzwischen haben sich die Gerüchte so verdichtet, dass ich irgendwas in Richtung iPayment für wahrscheinlich halte. In welcher Ausprägung auch immer. (Am Ende ist Payment aufgrund der Menge von Geld, das täglich durch die Welt geht, auch bei niedrigen Margen spannend. Der Ebay-Tochter Paypal und auch die Kreditkartengesellschaften und Banken verdienen eine Menge Geld damit. Und vielleicht ist Apple unter der Führung von Tim Cook für solche öde Verwaltungsarbeit auch geeignet, geeigneter auf jeden Fall als unter dem Kreativling Jobs).

Wegen der hohen Komplexität wird Apple IMHO den Payment-Markt nicht "disrupten", also nicht die bestehenden Funktionen und Abläufe vollständig über den Haufen werfen. Auch in Zukunft werden die Menschen eine Kreditkarte als Basis für iPayment benötigen, das iPhone wird tendenziell eher sowas wie eine "virtuelle Kopie" der Kreditkarte. Man müsste nur beim Bezahlen nicht mehr das Portmonee zücken, sondern nur noch das iPhone. Für viele Leute mag das in etwa gleich viel Arbeit bedeuten, für mich wäre es in vielen Fällen einfacher, weil ich das iPhone halt griffbereiter habe (lest ihr etwa keine Tweets in der Warteschlange an der Tanke ;) ).

Apple hat darüber hinaus eine Reihe Möglichkeiten, das Payment fundamental besser zu machen. Der Bezahlvorgang könnte z.B. deutlich schneller abgewickelt werden. Nur als Idee: In den meisten Fällen dürften die wenigen notwendigen Datenpakete schneller über das Mobilfunknetz geschickt sein als über die komischen Leitungen, über die viele Supermärkte und Tankstellen angeschlossen sind, denn die Leitungen punkten mit Übertragungsgeschwindigkeiten, die kurz nach dem 2. Weltkrieg üblich waren. Außerdem ist eine Verwaltung der Quittungen sinnvoll, die direkt beim Bezahl-Vorgang in einer Quittungsverwaltung-App auf dem iPhone abgelegt werden, im Prinzip ähnlich wie Flugtickets in der Passport-App von Apple landen. Drittsoftware könnte diese Quittungen dann lesen und aufbereiten (wofür habe ich mein Geld ausgegeben? Wann habe ich wo getankt für die Abrechnung mit der Firma). Hier wären auch eine Kopplung an Kundenbindungsprogramme (Rabatte beim 10. Kauf) oder Systeme wie Payback denkbar (diese sind sicherlich nicht amused, wenn sich Apple in diesen Markt einmischt, aber nun gut, was dagegen machen können sie auch nicht, also dürften sie lieber mit Apple kooperieren als untergehen).

Viele Kommentatoren fragen sich, inwieweit für die Kreditkartengesellschaften eine Kooperation mit Apple sinnvoll ist. Erstens ist TouchID tendenziell sicherer als die althergebrachte Kreditkarte, die im Wesentlichen noch immer über die Unterschrift abgesichert ist. Gerade online versagt diese "Sicherheit" vollständig. Die Kreditkartengesellschaften könnten also mit weniger Betrugsfällen belohnt werden. Zweitens könnte Apple eine Drohkulisse aufbauen und entweder ein eigenes Payment-System androhen (mit eigener Wallet inkl. Bargeldersatz) oder das technologische Framework auf allen iOS Geräten bereitstellen, mit dem quasi jedermann seine eigene Bezahllösung mit TouchID-Integration bauen kann. Das könnte für bereits existierende Dienstleister wie Payback interessant sei. Auch Disruptoren z.B. aus der Bitcoin-Welt dürften sich die Finger nach einer solche Plattform lecken. Die Drohkulisse ist dabei klar: Wenn ihr Kreidtkartengesellschafte die Revolution nicht mitmacht, macht sie jemand anderes. Daher macht es lieber zusammen mit dem starken Partner Apple, ansonsten machen wir es selber und suchen uns andere Partner.

Ein paar technische Fragen:

NFC oder Bluetooth Low Energy (BLE)?

Beides. Die Kreditkartengesellschaften setzen bereits auf NFC. Ich glaube, Apple hat eingesehen, dass NFC hier der Weg ist, den man gehen muss. Einen eigenen Standard zusätzlich in die Millionen weltweiter Lesegeräte zu bringen, dürfte vielleicht noch in den USA funktionieren, im Rest der Welt dürfte der Marktanteil von Apple schlicht zu niedrig sein, um Standards zu setzen. Außerdem ist NFC auch außerhalb der Anwendung Payment interessant. Es gibt eine Reihe Regionen auf der Welt, wo ein iPhone ohne NFC ein echtes Ärgernis ist, weil z.B. das Ticketing im Nahverkehr, der Zugang zu öffentlichen Gebäuden, etc. pp. über NFC läuft (NFC kann noch viel mehr z.B. Pairing von Zusatzgeräten, etc. pp. iPhone 6's NFC chip may do far more than just mobile payments | VentureBeat | Mobile | by Mark Sullivan). Daher bin ich mir sicher, dass Apple einen NFC-Chip einbauen wird; wie @m106 würde ich sogar darauf wetten, dass NFC kommt. Zu sehr geringen Baukosten öffnet sich eine ganze Menge neuer Einsatzgebiete, unter denen Payment nur einer ist. (Wer jetzt sagt, Apple setze auf BLE und werde dabei bleiben, weil der Laden stur ist: Nope, es gibt auch USB in Macs, obwohl Firewire früher gut war. Irgendwann war USB so billig, dass Apple darauf nicht mehr verzichten konnte und wollte).

Kommt iPayment in die iWatch?

Am Wochenende gab es entsprechende Gerüchte in diese Richtung. Wäre cool, macht Sinn. Am Chip (bzw. Kosten oder Akkulaufzeit) wird es nicht haken. Ob TouchID in die iWatch passt, weiss ich nicht. Das scheint mir jedoch eher schwierig zu sein. Eventuell gibt es für Kleinzahlungen den Ablauf ohne TouchID, für größere muss man das iPhone zücken, um die Zahlung per TouchID zusätzlich abzusichern. Eventuell reicht Apple aber auch das zweite Gerät in der Nähe (Jackentasche über BLE oder auch Auto über GPS), um sicher zu sein, dass hier niemand mit einer gestohlenen iWatch auf fremde Kosten einkaufen geht. Dass beide Geräte gleichzeitig gestohlen werden (ohne dass der Besitzer dies bemerkt und die Payment-Option sperren lässt), ist ja relativ unwahrscheinlich.

Was könnte Apple bei Online-Bezahlungen besser machen?

Wer jetzt bis hierhin durchgehalten hat, wundert sich vielleicht, dass ich mir quasi ausschließlich Gedanken zum Payment im Real Life gemacht habe. Das liegt auch daran, dass ich mir in der Kombination PC und iPhone keine wirkliche Verbesserung des Ablaufs vorstellen kann. Wenn man seine Kundendaten einmal bei seinem Onlinehändler hinterlegt hat, kann man eigentlich kaum Sachen besser machen. Etwas Verbesserungspotential gäbe sich beim Einkaufen direkt auf dem iPhone bzw. iPad, wo Apple die Daten für die Bezahlung (halb)automatisch an den Händler schicken könnte. Theoretisch könnte man sich auch sowas wie Handover (Übergabe von Daten von Mac auf iPhone) auch für die Bezahlung vorstellen: Die Daten werden auf den Mac geschickt, der schickt die Daten zum iPhone; dort bestätigt man die Zahlung per TouchID und fertig. Denkbar wären auch Lösungen wie die von Yapital, bei der ein QR-Code angezeigt wird, den man mit dem iPhone fotografiert wird, und auf dem die weitere Abwicklung dann stattfindet (Mobile-Payment-Technologien: Welche führt zum Erfolg? | Yapital Blog); ich finde das jedoch nicht so schön, wie es sein könnte bzw. sollte. Im ersten Schritt erwarte ich für Online-Bezahlungen nicht so wahnsinnig viel Aufregendes von Apple ...

Micropayments? Macht Apple gleich zwei Schritte auf einmal?

Darüber hinaus gibt es online aber immer noch das ungelöste Problem der Micropayments, der schnellen Bezahlung von kleinen Beträgen im Centbereich z.B. für einen Zeitungsartikel. Ich glaube nicht unbedingt, dass Apple hier einsteigen wird, weil das ein noch schwierigeres Marktsegment ist, das potenziell noch geringerer Margen abwirft als Payment an sich. Aber eventuell steckt hier doch eine Möglichkeit für einen zweiten Schritt von Apple. Apple bietet im zweiten Schritt doch eine eigene Wallet an. Diese Wallet wird mit dem Konto/Kreditkarte/etc. verbunden und gesammelt abgerechnet. Sprich: Es wird nicht aus jeder kleinen Zahlung eine Buchung (die Geld kostet), sondern es wird gesammelt, bis 10 Euro angesammelt sind und erst dann abgebucht. Oder man muss im Vorfeld Geld auf die Karte laden, wie man das mit den iTunes-Karten machen kann. Die Wallet für Kleinbeträge wird also wie eine Prepaid-Karte im Handy.

Den Kreditkartengesellschaften wird eine solche Einmischung zwar nicht unbedingt gefallen, aber eventuell ist eine solche Kooperation für die Kreditkartengesellschaften trotzdem sinnvoll, wenn Apple nur kleine Zahlungen über den Apple-eigenen Bargeldersatz abwickelt, während die Kreditkartengesellschaften wie gehabt die größeren Beträge übernehmen. Die Kreditkartengesellschaften würden sicherlich auch gerne Kleinzahlungen selber abwickeln, waren damit bisher allerdings wenig erfolgreich. Die Gebührenstruktur der Kreditkartengesellschaften passt auch nicht wirklich dazu; die Fixkosten pro Zahlung sind zu hoch. Schon in der Realwelt ist vielen Gastronomen die Zahlung eines Cappuccinos mit der Kreditkarte zu aufwändig, online haben solche kleinen Payments über Kreditkarte gar keinen Erfolg, dieses Geschäft geht vorrangig an Paypal (übrigens einer der Player, der unabhängig ist und damit zumindest potenziell und in wilden Spekulationen auch ein Kooperationspartner von Apple werden könnte).

Am Ende könnte ich mit meiner Spekulation, dass Apple im ersten Schritt die wesentlichen Schritte des Paymentprozesses nicht selber machen wird, sondern Partner ins Boot nimmt, auch kräftig daneben liegen. Zumindest gibt es Gerüchte, dass Apple bereits mit den Banken verhandelt und "tiefe Discounts" herausgeschlagen habe: Apple Said to Negotiate Deep Payments Discounts from Big Banks | Bank Innovation. Ich halte das für eher unwahrscheinlich, aber nun ja, vielleicht ist Apple ja mal wieder richtig innovativ und macht nicht nur den oben diskutierten ersten Schritt, sondern gleich auch den den zweiten und bringt eine eigene Wallet als Kreditkartenersatz.

Wie würde ich die Wahrscheinlichkeiten einschätzen (gaanz grob über den Daumen)?

iPayment: 90%
NFC spielt die Hauptrolle: 85%
BLE spielt irgendwie eine Rolle: 50%
Apple kooperiert und das iPhone wird eine virtuelle Kopie der existierenden (und weiterhin obligatorischen) Kreditkarte: 70%.
Apple macht gleich den 2. Schritt, bringt eine eigene Wallet und wird defakto zum Konkurrenten der Kreditkartengesellschaften: 15%.


So genug spekuliert und prognostiziert, jetzt schnell die Bullshit-Bingo-Karten zur Keynote ausdrucken ...

Update (9.9.14):

"To be successful, Apple’s wallet must have a compelling merchant value proposition – like lowering a merchant’s operational costs or helping to drive more revenue – in order to win merchant acceptance and preference at checkout. The good news is that Apple is uniquely positioned to do just that."

Gut, das war aber schon immer so. Neben den beiden Punkten "billiger" und "interessante, zahlungskräftige Kunden", die Apple bieten könnte, würde ich auch unbedingt meine Spekulation von oben aufgreifen und Bonus- und Rabattsysteme für die Kunden nennen. Hier bieten sich mit der Integration von Passbook und iPayment spannende Optionen (wenn Apple die Integration denn erlaubt).

Merchants Will Decide The Fate of Apple's Mobile Wallet

Update 2 (10.9.14):

So, jetzt ist es raus, die Payment Lösung von Apple heisst Apple Pay. Und meine Spekulationen sind im Wesentlichen aufgegangen, sprich, die Dinge, die ich für wahrscheinlich gehalten habe (Payment, NFC, Kreditkarten-Kopie) sind aufgegangen, die Sachen, die ich für unwahrscheinlich gehalten habe (Apple wird selber Kreditkartengesellschaft) sind nicht gekommen.

Aber ich fasse mal kurz zusammen, was Apple Pay macht.

Apple wickelt die Zahlungen über NFC mit den neuen 6er-iPhones ab, authentisiert wird dabei über TouchID. Finger auf den TouchID-Sensor, iPhone an das Lesegerät halten. Fertig. Die Gegenstellen sind handelsübliche drahtlose NFC-Bezahlterminals, wie es sie in den USA bereits an 220.000 Verkaufsstellen gibt. Apple kooperiert mit den Kreditkartengesellschaften und legte (wie von mir erwartet) eine Kopie der Kreditkarte an. Dabei geht Apple ziemlich weit und kopiert nicht einfach die Kreditkarten-Daten (Nummer, Name, etc.) und speichert sie im iPhone, sondern erzeugt zusammen mit der Kreditkartengesellschaft einen eindeutigen Schlüssel, in dem die Kreditkartendaten UND die iPhone-Daten verschlüsselt erhalten sind. Dadurch gehen beim Diebstahl des iPhones nie die Kreditkarteninformationen verloren, man kann die (physische) Kreditkarte weiter nutzen und muss nur das iPhone alleine aus dem Bezahlprozess nehmen (das sollte man auch über FindMyiPhone schleunigst tun, auch wenn über TouchID ne Menge Sicherheit im Bezahlprozess eingebaut ist).

Apple treibt die "Virtualisierung" der Kreditkarte noch weiter. Jede Bezahl-Transaktion bekommt eine eindeutige ID und wird über die bestehenden Banking-Partner abgewickelt und das nahezu anonym: Der Händler sieht die Daten des Käufers nicht (sondern bekommt nur das Geld), Apple auf der anderen Seite sieht nicht, wer wann wo für wie viel Geld eingekauft hat. Beide Punkte sind ziemlich interessant, denn viele der bisherigen "modernen" Bezahlsysteme haben genau auf dieser Datenspeicherei ihre Geschäftsmodelle aufgebaut. Und das hält durchaus einige Nutzer davon ab, diese Systeme zu nutzen. Es ist auch aus dem Punkt der Sicherheit interessant, denn keine Daten bei Apple, heisst auch, dass man dort keine Daten klauen kann. Die Daten liegen ausschließlich in einem "Secure Element" auf den neuen iPhone-6-Modellen.

Was macht Apple Pay online? Auf iOSGeräten ist die Integration bis in die App hinein ziemlich cool; wir werden eine Menge Shop-Apps sehen, die bald einen Apple-Pay-Button zum direkten Zahlen bekommen werden. Für die Integration zum Mac oder PC habe ich nichts gesehen. Eine Zahlung über das iPhone für Käufe im Desktop Browser habe ich nicht gesehen. Es ist nicht auszuschließen, dass das möglich ist. Denkbar wäre zum Beispiel: Wenn du die App des Online-Händlers hast und Amazon das weiss, könnte man Ende des Payment-Prozesses eine Push-Nachricht auf das iPhone schicken, das die Bezahldaten enthält. Man klickt auf die Push-Nachricht, das öffnet die App auf dem iPhone, dort bestätigt man nur noch mit TouchID. Bingo. Wurde aber nicht gezeigt, und ist evtl. aufgrund irgendwelcher Sicherheitsmechanismen nicht möglich. Würde mich aber wundern, wenn in Schritt 2 von Apple Pay nicht mehr in die Online-Richtung kommen würde.

Wie sind die Marktchancen von Apple Pay? In den USA auf jeden Fall gut: Apple hat hinreichend hohe Marktanteile bei den Smartphones. Die Bezahlung per NFC ist im Lesegerät relativ gängig, wenn auch noch nicht so häufig benutzt. Kreditkarten hat zwar jeder, aber nur wenige sind bereits mit Chip und NFC versehen. Die Anwender in den USA dürften am wenigsten bremsen, traditionell stehen sie auf solche Lösungen, die in Old Europe eher für Schnickschnack gehalten werden. Ein Teil der Verbraucher wird die quasi anonyme Zahlung lieben. Für die Händler ist es ebenfalls spannend, weil beim Einsatz von TouchID das Sicherheitsniveau deutlich höher ist als bei normalen Kreditkarten. Auch dürfte der extrem schnelle Zahlvorgang für die Händler hochinteressant sein (die Zeitdauer für den Kassiervorgang ist ein entscheidender Kostenfaktor). Ob das im Barzahlerland Deutschland ähnlich ist, muss man abwarten. Hier dürften aber einige auf die Privacy- und Sicherheitsaspekte anspringen.

Die Apple Watch wird am Anfang nichts zum Durchbruch von Apple Pay beitragen. Erstens wird es sie erst nächstes Jahr geben, zweitens wird sie sich wohl viel langsamer verbreiten als das iPhone.

Zum Schluss noch ein paar Links aus der weiten Welt der Wirtschaft:

Ziemlich interessant, wie lange Apple laut "Lets Talk Payments" bereits an einer Payment-Lösung arbeiten soll und mit wie vielen Partnern verhandelt werden musste. Nach all diesen Verhandlungen führt Apple ApplePay in Kürze in den USA ein. Und zwar vorerst nur in den USA. Weil die Verhandlungen so aufwändig waren, wird die Einführung in Europa noch dauern, wahrscheinlich benötigt Apple in Europa auch eine Banklizenz (bin mir aber nicht sicher). Ich würde sogar fast wetten, dass wir eher die Apple Watch in Version 2 sehen als eine Einführung von Apple Pay in Deutschland.

What is Apple Pay and why is it important? - Lets Talk Payments

Sehr guter Artikel, der Apple Pay beschreibt und gut Vor- und Nachteile und Marktchancen abwägt. Interessant dabei auch die Info, das aus anderen Gründen in den nächsten 12 Monaten eine Menge alter Lesegeräte ausgetauscht werden müssen und daher eine gewisse Möglichkeit besteht, dass gleich auf (für NFC passende) Lesegeräte aufgerüstet wird:

Is Apple Pay a Banking Trojan Horse?

Noch zwei Einschätzungen aus Deutschland von der FAZ:

Apple Pay: Zahlen mit Handy und Uhr
Bezahlen mit dem Handy: Apple bittet zur Kasse - Unternehmen - FAZ

Und zum Schluss ein Link für Programmierer und Entwickler (und andere, die wirklich was über die Details wissen wollen (oder müssen)): Clover Developers Blog: How Apple Pay works and why it matters for developers

Update 2 (23:02):

Noch eine Einschätzung des WSJ. Dort ist man skeptisch, nur jede zehnte Akzeptanzstelle in den USA sei NFC-fähig. Werden sich Händler auf Apple Pay einlassen? - WSJ.de

NFC: Apple Pay könnte sich auszahlen - Golem.de

Apple Pay: Vorerst gefahrlos für Banken - WSJ.de

Update 3 (16.09.14):

Kleiner Nachtrag, der nicht direkt mit Apple Pay zu tun hat: Der NFC Chip soll nur für Apple Pay genutzt werden. App-Entwickler bekommen keinen Zugriff auf den Chip. Was aber irgendwie komisch ist, denn Apple hat selber gezeigt, dass man damit auch Hoteltüren aufschließen können soll.

Apple bestätigt, dass der NFC Chip nur für Apple Pay da ist

Update 3 (21:40):

Neunetz meint, Apple könne mit Apple Pay das schaffen, was Google mit Google Maps geschaffen habe: Eine Plattform schaffen, auf der andere aufsetzen können. Keins der Teile von Google Maps war neu, aber das Angebot als Basis hinzustellen, ermöglichte vielen anderen, darauf Dienste aufzubauen, die es sonst nicht gekonnt hätten. So wie bei Google Maps Kartendienste für Webdienste ermöglicht wurden, ermöglicht Apple Pay jetzt einfache Payment-Optionen auf der iOS-Plattform.

Apple Pay ist für Payments was Google Maps für Karten war

Ein oller Schulterkopf-Post ...

OK, die kurzfristige Wette auf den Kurs beim Facebook-IPO habe ich zwar verloren:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird

die langfristige Vorhersage war aber ein Volltreffer:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum Facebook auch schnell 200 Milliarden Dollar wert sein kann


Okay, man kann jetzt noch über die Definition von "schnell" mäkeln, aber ...

USA: Arbeitslosenquote 08/14: 6,1% (-0,1 Vm, -1,2 Vj), aber nur 142.000 neue Jobs.

Hier mein gewohnter Arbeitsmarktbericht aus den USA (nach der inzwischen ebenfalls gewohnten Pause; ich gelobe Besserung, wenn ihr fleißig flattert ;) ).

Für den August 2014 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der trotz der gesunkenen Arbeitslosenquote eher enttäuschend war.

Zu den offiziellen Zahlen des Augusts 2014:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -80.000 auf 9,591 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +16.000 auf 146,468 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 6,1% (-0,1 zum Vormonat; -1,1 zum Vorjahresmonat). Trotz der relativ schwachen Zahlen im August ist der positive Trend auf Jahresbasis weiterhin klar und in vollem Umfang intakt.

Nur 16.000 neue Arbeitsplätze, obwohl die Anzahl der Arbeitslosen um 80.000 gesunken ist? Was machen die restlichen 64.000 nun? Keine Lust mehr auf Arbeit? Exakt! Der Anstieg der NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) spiegelt das (und die steigende Bevölkerungszahl in den USA) wider: 268.000 AmerikanerInnen wurden im August auf dieses Konto gebucht. Ansonsten wäre die Arbeitslosenquote auch nicht gesunken.

Trotzdem schwenken wir schnell rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese blieb im Monatsvergleich konstant bei 59,0%, was 0,4 Punkte mehr als vor einem Jahr ist. Sie liegt damit zwar immer noch in der Reichweite des Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013, aber es ist immerhin eine leichte Verbesserung zu erkennen. Es bleibt aber bei der mittelfristigen Einschätzung: Die Arbeitslosenquote, die um 1,1 Prozentpunkte im Jahresvergleich gefallen ist, spiegelt sich in der Erwerbstätigenquote (+0,4) nicht wirklich wider.

Auch langfristig ist das ähnlich: Die Arbeitslosenquote ist von knapp 10% auf nun 6,1% gefallen, die Erwerbstätigenquote aber nicht einmal um einen Prozentpunkt. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch:
Trotz der mittelfristig spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung kaum. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur minimal mehr, als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig ist, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten. (Das mag aber auch an der Demographie liegen, eine lange Diskussion dazu hier: The U.S. labor force is still shrinking. Here’s why.)

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im August positiver als die Zahlen aus den Haushalten.

Anzahl der Jobs: +142.000 gegenüber dem Vormonat auf 139,118 Millionen. Zum Plus von 134.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 8.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus von 142.000 blieb deutlich unter den Erwartungen der Analysten, die im Mittel einen Zuwachs erwarteten, der in etwa auf dem Durchschnittswert der letzten 6 Monate lag (+226.000).

Im August-Report errechneten die Statistiker für die Korrekturen der Vormonate leicht negative Werte. Das Juni-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde um 31.000 auf plus 267.000 gesenkt, das Juli-Plus minimal von 209.000 auf 212.000 nach oben korrigiert. Zusammen ergibt das ein zusätzliches Minus von 28.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb bei 34,5 Stunden. Die Zahl der Überstunden änderte sich ebenfalls nicht (3,4 Stunden). Damit sind beide Werte am oberen Rand der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Ja, die Beschäftigung wächst leicht, aber ein Boom sieht anders aus (wenngleich beide Werte auch kein Grund für Pessimismus sind).

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank um 0,2 Prozentpunkte auf 12,0%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein schöner Rückgang um 1,6 Prozentpunkte. Diese Quote verbessert sich also schneller als die des Gesamtmarkts. Und das auch schon stabil seit vielen Monaten, ein gutes Zeichen.

Zusammenfassend: Der August-Bericht vom US-Arbeitsmarkt ist trotz der Rückgangs der Arbeitslosenquote eher schwach ausgefallen. Aus den Household-Daten errechnet sich eine minimal bessere Arbeitslosenquote, was aber fast ausschließlich auf die gestiegene Anzahl von NILFs zurückgeht. Die Establishment-Daten (+142.000 neue Jobs) waren im Vergleich zu den Household-Daten etwas besser. Spätestens wenn man die Korrekturen der Vormonate (-28.000 Arbeitsplätze) mit einrechnet, blieben sie aber deutlich unter den Erwartungen der Analysten und ebenfalls unter dem Durchschnitt der letzten Monate (+226.000). Weil der Trend aber weiterhin stabil ist, gibt es für Schwarzmalerei aber noch keinerlei Anlass.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — August 2014  (PDF)

Bundesliga Tippspiel 2014/2015 - Es geht mal wieder los ...

So, ich mache auch dieses Jahr wieder 2 Tippspiele.

1: DAS NORMALE, ALSO JEDEN SPIELTAG TIPPEN.

Läuft wie gehabt über Kicktipp. Regeln bleiben unverändert bis auf eine Änderung
2 Punkte für richtigen Toto-Tipp.
3 Punkte für richtigen Toto-Tipp + richtiger Tordifferenz (ja für drei Punkte ist 1:0 ist wie 3:2 wie 7:6, aber 7:6 tippen ist ziemlich sicherer Verlust für die 4-Punkte-Möglichkeit ...).
4 Punkte für komplett richtigen Tipp.
Denkt an die Sondertipps (wenn es klappt, habt ihr bis zum dritten Spieltag Zeit, aber ich würde sicherheitshalber trotzdem sofort tippen; wenn es so ist wie bei den Spieltagen, kann man bis zum Stichpunkt ändern).

Die Änderung:

Man darf nur maximal 6 Spiele in der gleichen Tendenz tippen. Es es ist nicht mehr erlaubt alle Spiele 2:1 für die Heimmannschaft zu tippen. Mir schien das im letzten Spiel etwas überhand genommen zu haben. Es gab sogar ein Tippspiel mit 500 Teilnehmern, in dem der Spielteilnehmer mit dem Namen ZweiZuEinser ganz weit vorne landete (ihr dürft raten, was der immer getippt hat ...). Ihr müsst also ab sofort hart überlegen, wer vielleicht nicht die drei Punkte zu Hause holt.

(Wenn es jetzt keinen großen Protest in den Kommentaren gibt, lasse ich die Regel an)

Zum Spiel geht's hier --> Kicktipp: dwwdw (Gibt's übrigens auch als App für's iPhone, Android weiss ich nicht).

2. DAS TABELLENTIPPSPIEL

Dann noch das Tabellentippspiel. Ich habe überlegt, dieses Mal bis zum Ende der Transferperiode zu warten, aber irgendwie ist dann schon der vierte Spieltag um. OK, dann wüsste man, wie die Mannschaft des HSV nach dem Fehlstart ;) endgültig aussieht, aber dann wäre der Wettbewerb gegen die Profis, die alle vor dem ersten Spieltag tippen, unfair.

Die Regeln im Detail:

Für den richtigen Meistertipp gibt es 2 Punkte, für die Champions League Plätze (1-4) 2 Punkte für die anderen Europa-Plätze (1-6) ebenfalls 2 Punkte.
Wer den Meister richtig hat bekommt also 2 Punkte (Platz 1 richtig)+ 2 Punkte (Platz 1-4 richtig) + 2 Punkte (Platz 1-6 richtig). Wird der getippte Meister nur Zweiter gibt es 0+2+2 Punkte wird der getippte Meister nur 5. gibt es 0+0+2, landet er sogar außerhalb der europäischen Wettbewerbe gibt es keinen.
Genauso funktioniert das in die andere Richtung: Wir der ursprünglich auf 2-4 getippte Verein Meister gibt es 0 Punkte für den Meistertipp aber 2 Punkte für "richtig zwischen 1-4 und 2 Punkte für "richtig zwischen 1 und 6.
Für die Absteiger auf Platz 16-18 (yepp, Relegation zähle ich mit) gibt es jeweils drei Punkte.
Davon abgezogen werden die Abweichungen der Platzierungen: Also wenn eine Mannschaft 8. wird und du hast 12. gesagt gibt es vier Miese. Ob die Abweichung nach oben oder nach unten erfolgt, ist Wurscht; es gibt immer nur Miese.
Am Ende werdet ihr nahezu sicher in den negativen Zahlen landen. Man kann schließlich nur bei 9 Mannschaften Punkte sammeln, aber bei 18 daneben liegen.

Ich suche mal Tipps der Profis:

Nach den Marktwerten wie von Transfermarkt geschätzt:

FCB
BVB
S04
WOB
LEV
HOF
BMG
VFB
HSV
FRA
H96
BER
M05
BRE
SCF
FCK
FCA
PAD

Die WAZ:

FCB
BVB
S04
BMG
LEV
WOB
HOF
VFB
FCA
HSV
FCK
H96
BER
M05
SCF
BRE
FRA
PAD

Wenn ihr noch andere habt, gerne her damit. (Aus den Wettquoten mache ich morgen noch einen Tipp)

Update (19:04):

Mein Tipp:

FCB (Schwierige Saison wegen WM. Nicht. Heute ne Statistik gesehen: Nach EMs und WMs ist Bayern in etwa 50% der Fälle Meister geworden. Nach Jahren ohne EM/WM ebenfalls in etwa 50% der Fälle. Kader über alle Zweifel gut. Trotz Verletzungen und Umstellung auf Dreierkette machen die Bayern das im Laufe der Saison)
BVB (Abstand zu Bayern wird enger. Sehr Bayern aber auch nach Kroos und WM nicht so schwach, dass die sich das nehmen lassen)
S04 (Heldt sieht Schalke in Lauerposition, aber auf was eigentlich. Schalke hat mit Abstand die beste Jugendarbeit der großen deutschen Vereine. Wenn die alle Talente drei Jahre zusammenhalten könnten, wäre das ne Knallermannschaft. Schalke kann die Talente aber nicht halten. Meyer, Draxler, etc. werden alle Ausstiegsklauseln haben und irgendjemand wird die ziehen)
WOB (war schon mal ziemlich optimistisch für Wolfsburg (zu Magath Zeiten). Diesmal irre ich mich nicht ;) )
LEV (Kader wie immer solide verstärkt, aber in der Breite relativ dünn. Das wird zu Durchhängern im Verlauf der Saison kommen, auch wegen der CL)
HOF (nicht die bessere Mannschaft als BMG, aber ohne internationale Auftritte. Solide Verstärkungen, für die auch mal wieder Geld floss)
BMG (gute Verstärkungen, guter Trainer, internationaler Wettbewerb wird Kraft kosten)
H96 (Wundertüte, weil richtig bewährte Leute gegangen sind, aber auch ne Menge neuer gekommen sind. Wenns nicht gut läuft und sich das nicht einspielt, kann es auch deutlich weiter unten enden)
VFB (jetzt mit gutem Trainer, keine internationale Belastung, wird nicht noch so eine Seuchensaison geben wie letztes Jahr, daher dieses Mal ein Platz, der zum Kader passt)
BER (guter Trainer, heftige Abgänge (Ramos), aber gute Verstärkungen. Umfeld wie immer belastend, wenn es nicht laufen sollte).
HSV (die dürften eigentlich gar nicht mehr dabei sein. Daher kein wohlwollender Tipp möglich ;) Nee ernsthaft: Mit dem Kader muss man eigentlich Top10 werden. Die Neuverpflichtungen der letzten Tage kann kein Mensch schon beurteilen)
BRE (Schwierige Lage. Wichtiger Spieler Hunt weg. Kein Geld da. Trotz verblassender Erfolge der Vergangenheit scheint das Umfeld vergleichsweise ruhig zu sein)
FRA (Joselu wird fehlen, Schwegler, Rode, ... Man hat das Gefühl, die Hälfte der Stammspieler ist weg. Dazu noch ein Trainer, den keiner kennt. Werden bei den Wettbörsen noch tiefer gesehen. Und komplett aus den Latschen würde ich nicht kippen, wenn die Eintracht noch mehr mit dem Abstieg zu tun hat, als mein Platz hier andeutet)
M05 (Nach-Tuchel ... Der Trainer kommt eigentlich mit der Empfehlung, eine Mannschaft ohne Geld in die Champions League gebracht zu haben. Bisher waren die Leistungen mager. Werden IMHO lange mit dem Abstieg zu tun haben)
SCF (Ein Trainer, den viele gut finden, und der es bis jetzt auch gut gemacht hat. Frage mich jedoch, wie weit das trägt. Sehr gute Jugendarbeit, werden wohl auch diese Saison wieder ein paar Leute aus der Jugend in die erste Mannschaft hochzaubern.)
FCK (Köln bliebt drin, weil die Mannschaft vom ersten Tag an das Ziel hat, drin zu bleiben. Wenn die nicht nach drei Siegen in Folge schon beginnen die Flüge nach Valencia zu buchen, wird das auch klappen).
FCA (keine Ahnung, warum ich die als Absteiger sehe. Aber es kann ja nicht alles richtig sein, was ich tippe)
PAD (nun ja)

Ecclestone kauft sich mit 100 Mio.$ frei. Ein Desaster für das Rechtsempfinden.

Und mindestens eine Schramme für die Demokratie ...

Dass es bis zu einer bestimmten Summe zu "Geldzahlung gegen Einstellung des Verfahrens" kommen kann, halte ich für sinnvoll. Dass es aber bei einer Zahlung von 100 Millionen Dollar (knapp 75 Millionen Euro) nicht um eine Lappalie gehen kann, ist angesichts der Summe logisch. Und dass es bei solchen Summen eigentlich auch Aufgabe der Justiz wäre, die Schuldfrage zu klären, ist meiner Meinung nach eigentlich auch logisch.

Formel-1-Boss - Ecclestone-Prozess gegen 100 Millionen Dollar eingestellt - Wirtschaft - Süddeutsche.de

Der Richter hingegen argumentiert:

"Die finanzielle Auflage ist geeignet, um das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen"

Hmmm, weil viel Geld fließt, schert sich die Öffentlichkeit nicht mehr darum? Ich fürchte, diese Einschätzung ist - wie soll man sagen - ziemlich elfenturmartig abgehoben. Verurteile dem Richter zwecks Erdung zur Lektüre der Bild von morgen ...

Heribert Prantl (von Haus aus Jurist) dazu:

Ecclestone-Prozess - Formel Frechheit - Wirtschaft - Süddeutsche.de

Die Frankfurter Rundschau dazu:

Bernie Ecclestone: Wie geschmiert | Wirtschaft - Frankfurter Rundschau

Die ehemalige Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger dazu:

Causa Ecclestone - "Deals sollten massiv eingeschränkt werden"

Dazu sollte man ergänzen, dass Leutheusser-Schnarrenberger 2009 Bundesjustizministerin war und (IIRC; weiss das jemand sicher? Bei Abgeordnetenwatch kann ich über das Abstimmungsverhalten nichts finden) für dieses Gesetz verantwortlich war. Es mögen ja gute Absichten dahinter gesteckt haben (Arbeitserleichterung für die Justiz in unklaren Fällen), aber das Gesetz ist so dermaßen schwammig, dass hier der schlichte Vorwurf des "handwerklichen Fehlers" anzubringen ist. Unklare Gesetze sind schlechte Gesetze, das hat Schwarz-Gelb häufig genug über die handwerklich schlechten Gesetze der Vorgängerregierungen gesagt.

In der Praxis waren diese "Deals" (die im Übrigen schon jeden dritten Strafprozess betreffen) so umstritten, dass sie vom Bundesverfassungsgericht überprüft wurden. Das stimmte der Idee des "Deals" zwar prinzipiell zu, sah in der Praxis aber gravierende Abweichungen zu dem, was man sich eigentlich bei dem Gesetz gedacht hatte. Es würde zu häufig angewandt und auch in Fällen, in denen es nicht angebracht ist. Das Bundesverfassungsgericht verlangte daher von der Politik eine Konkretisierung des Gesetzes.

Bundesverfassungsgericht billigt "Deals" im Strafprozess - Politik - Süddeutsche.de

Eine solche Konkretisierung ist mehr als überfällig. Wenn man in Steuerverfahren ab einer Hinterziehung von 1 Millionen zwingend nicht mehr mit Bewährung rechnen kann (wie bei Uli H. klar wurde), wieso kann man sich mit 75 Mio. freikaufen? Okay, der eine Fall war klar (Uli H.), der andere strittig. Trotzdem wird meiner Meinung nach in der Bevölkerung nur wenig Verständnis für den Ecclestone-Deal aufkommen.

Übrigens auch ganz spannend, dass Gribkowsky (dem anderen Hauptbeteiligten in diesem Fall) ein (finanzieller) Deal nicht mehr offen steht. Nicht weil er schon im Knast sitzt, sondern weil er kein Geld mehr hat, da sein Vermögen vollständig gepfändet wurde. Er muss die hinterzogenen Steuern für das (mutmaßliche) Bestechungsgeld nachbezahlen, was sein Vermögen vollständig auffraß.

Mein alter Kram zu Gribkowsky vs Ecclestone vs. BayernLB vs. Justiz:

Juni 2012: Formel1-BayernLB Affäre: Gribkowsky oder Ecclestone Haupttäter? - egghat's not so micro blog

Dezember 2013: Schadensersatz-Forderung: Ecclestone auf 400 Millionen Dollar verklagt - Motorsport - Sport - Handelsblatt - egghat's not so micro blog

Juni 2014: Gribkowsky angeblich: Fühlte mich von Ecclestone bedroht, wollte BND einschalten - egghat's not so micro blog

Update (14:58):

Interessant, dass vom Spiegel zitierte Experten meinen, dass es gar nicht um einen "Deal" nach der Gesetzesänderung von 2009 (§257c Strafprozessordnung) gehe ... Danach könne man sich nur auf eine Höhe der Strafe (u.U. gegen irgendwelche Bedingungen) einigen, der Verurteilte gelte aber trotzdem als verurteilt. Im Fall Ecclestone ginge es hingegen um §153a und der sei 40 Jahre alt und bewährt. Lediglich die Höhe der Zahlung sei ungewöhnlich ...

Ecclestone-Prozess: Normalbürger-Gesetz rettet Formel-1-Chef - SPIEGEL ONLINE

Dann frage ich mich allerdings auch, was Leutheusser-Schnarrenberger dazu erzählt ...

Danke an @csickendieck für den Hinweis.

Update 2 (15:03):

Jetzt hab ich tatsächlich den einzig wahren Nachrichtenlieferanten vergessen zu verlinken ;)

Der Postillon: Landgericht München verurteilt Bernie Ecclestone zu neun Jahren Haft

Update 3 (15:32):

Prantl noch mal:

Gut merkbar: "Zahlt ein Täter genug Geld, ist die Sache aus der Welt"

Besser und an den Kern des Problems gehend:
"Der Hundert-Millionen-Deal ist ein Exempel für die Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Strafverfahrens. Auf der Strecke bleibt der verfassungsrechtlich verankerte Grundsatz der Wahrheitsermittlung - ohne dass irgendjemand etwas dagegen tun kann. Gegen diese Art der Verfahrenserledigung ist kein Kraut gewachsen: Es gibt keine Rechtsbehelfe, es gibt keine Kontrollinstanz. Es gibt für diese Art der Einstellung nicht einmal juristische Regeln, es gibt keine Maßstäbe. Die im Gesetz formulierten Voraussetzungen haben mit Juristerei wenig, eigentlich gar nichts mehr zu tun."
Bernie Ecclestone: Vertrauensverlust für die Justiz - Wirtschaft - Süddeutsche.de

WM 2014 Tippspiel - Die Halbfinalabrechnung

Eine Zwischenabrechnung für mein WM-Tabellentippspiel (das Einzelspieltippspiel wird ja automatisch aktualisiert) ...

Einige spannende Ergebnisse auf jeden Fall schon mal ...

Am Anfang gab es eine Menge Überraschungen (ESP, ITA und ENG raus), was dazu führt, dass selbst die besten Prognostiker (@haucap & Danske Bank) im Achtelfinale nur 10 von 16 Mannschaften richtig haben. Im weiteren Verkauf setzten sich dann aber nur die Favoriten durch, so erreichten *alle* acht Gruppenersten die Viertelfinals. Auch hier gewannen die favorisierten Mannschaften allesamt, wenn auch nur knapp und teilweise nach Verlängerung und Elfmeterschießen. Damit haben wir im Halbfinale nun den interessanten Zwischenstand, dass fast alle Tipper drei der vier Mannschaften richtig haben.



Das deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut hat eine Prognose gebaut, die vor allem auf den Marktwerten der Mannschaften beruht:

DIW: Spannung bis zum Abpfiff – Die Prognose des Fußballweltmeisters ist schwieriger als bei der letzten WM (PDF)


ESP GER ARG BRA ITA FRA ENG BEL NED COL RUS BIH CRO CIV SUI POR
 -   1   1   1   -   1   -   1   1   1   -   -   -   -   1   -  --> 8

ESP GER ARG BRA ITA FRA ENG BEL
 -   2   2   2   -   2   -   2  --> 10

ESP GER ARG BRA 
 -   4   4   4  --> 12

ESP GER
 -   8  --> 8

ESP
 -


gesamt: 38


Goldman Sachs: The World Cup and Economics 2014 (PDF)

BRA ARG GER ESP URU FRA ITA POR NED GRE IRA BEL CRO COL ECU RUS
 1   1   1   -   1   1   -   -   1   1   -   1   -   1   -   -  --> 9

BRA ARG GER ESP URU FRA ITA POR
 2   2   2   -   -   2   -   -  --> 8

BRA ARG GER ESP
 -   4   4   4  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -


gesamt: 37


WM-Tipp nach Marktwerten: Das Turnier in Brasilien im Schnelldurchlauf - Fußball - Sport - Handelsblatt (ist das die vom DIW oder von der ING, die dem Vernehmen nach auf das selbe Verfahren gesetzt hat?)

ESP GER BRA ARG ENG FRA ITA BEL NED COL CRO CIV BIH RUS SUI POR
 -   1   1   1   -   1   -   1   1   1   -   -   -   -   1   -  --> 8

ESP GER BRA ARG ENG FRA ITA BEL
 -   2   2   2   -   2   -   2  --> 10

ESP GER BRA ARG
 -   4   4   4  --> 12

ESP GER 
 -   8  --> 8

ESP 
 -

gesamt: 38



Blicklog WM Vorhersage: Brasilien gewinnt Finale gegen Argentinien, Deutschland mit Glück Platz 3

Das war ein Mittelwert aus den Wettquoten von drei Wettbörsen.

Ich habe jeweils die 2 Mannschaften mit der höchsten Wahrscheinlichkeit aus den 8 Gruppen ins Achtelfinale gehoben und nicht einfach die 16 Mannschaften mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Dadurch sind Uruguay (9) und Chile (13 aus der Liste geflogen, Bosnien (18) und Kroatien (19) reingekommen. Ab dem Viertelfinale gab es jedoch keinen Unterschied.

BRA ARG GER ESP BEL ITA FRA ENG POR NED COL CHL RUS BIH CRO CIV
 1   1   1   -   1   -   1   -   -   1   1   1   -   -   -   -  --> 8

BRA ARG GER ESP BEL ITA FRA ENG 
 2   2   2   -   2   -   2   -  --> 10

BRA ARG GER ESP
 4   4   4   -  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -


gesamt: 38


Justus Haucap hat folgenden Tipp abgegeben:

BRA GER ESP ARG URU ITA FRA POR NED JAP MEX KOL BIH SÜDK SUI BEL 
 1   1   -   1   1   -   1   -   1   -   1   1   -   -    1   1  --> 10

BRA GER ESP ARG URU ITA FRA POR
 2   2   -   2   -   -   2   -  --> 8

BRA GER ESP ARG
 4   4   -   4  --> 12

BRA GER
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 38


Holger tippt:

POR ITA BRA ARG ENG BIH KRO USA SPA ELF SUI RUS NED GRE FRA BEL
 -   -   1   1   -   -   -   1   -   -   1   -   1   1   1   1  --> 8

POR ITA BRA ARG ENG BIH KRO USA
 -   -   2   2   -   -   -   -  --> 4

POR ITA BRA ARG
 -   -   4   4  --> 8

POR ITA
 -   -

POR
 -

gesamt: 20


Ariane tippt:

ITA BRA GER ARG FRA URU BEL ESP NED ELF ESP CRO GRE BIH RUS SUI POR
 -   1   1   1   1   1   1   -   1   -   -   -   1   -   -   1   -  --> 9

ITA BRA GER ARG FRA URU BEL ESP  
 -   2   2   2   2   -   2   -  --> 10

ITA BRA GER ARG 
 -   4   4   4  --> 12

ITA BRA 
 -   -

ITA
 - 

gesamt: 31


Mein Tipp:

BRA ESP GER BEL ENG ITA FRA ARG NED ELF KRO JAP BOS RUS SUI POR
 1   -   1   1   -   -   1   1   1   -   -   -   -   -   1   -  --> 7

BRA ESP GER BEL ENG ITA FRA ARG 
 2   -   2   2   -   -   2   2  --> 10

BRA ESP GER BEL
 4   -   4   -  --> 8

BRA ESP
 -   -

BRA
 -


gesamt: 25


Thronfolger:

GER ESP BRA ARG URU ITA FRA POR NED COL CRO GRE BIH RUS SUI BEL
 1   -   1   1   1   -   1   -   1   1   -   1   -   -   1   1  --> 10

GER ESP BRA ARG URU ITA FRA POR
 2   -   2   2   -   -   2   -  --> 8

GER ESP BRA ARG
 4   -   4   4  --> 12

GER ESP
 8   -  --> 8

GER 
 8 --> 8


gesamt: 46



Die Danske Bank hat auch dieses Mal wieder versucht, aus volkswirtschaftlichen Daten die Performance bei der Weltmeisterschaft abzuleiten. (Interessant, denn Goldman Sachs hat in der eigenen Analyse betont, dass man von dieser Methode abgegangen ist, weil daraus nichts Sinnvolles ableitbar ist). Die Danske Bank kommt in der Simulation auf eine Wahrscheinlichkeit für den WM-Sieg für Brasilien von 45%, der Zweitplatzierte Argentinien kommt nur noch auf 7,6%(!).

BRA 45,1%
ARG 8,1%
GER 7,6%

BRA ARG GER ITA ENG USA FRA ESP BEL SUI GRE CRO RUS NIG COL NED
 1   1   1   -   -   1   1   -   1   1   1   -   -   1   1   -  --> 10

BRA ARG GER ITA ENG USA FRA ESP
 2   2   2   -   -   -   2   -  --> 8

BRA ARG GER ITA
 4   4   4   -  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -


gesamt: 38


Bei Goalimpact wurden gleich mehrere Berechnungsmethoden angeboten: Auf Basis des Goal Impacts der Einzelspieler für die gesamte Mannschaft, nur auf Basis der 17 besten Spieler, inklusive Heimvorteil und (was ich ausgewählt habe, weil es am realistischsten erschien) die Turniersimulation.

Goal Impact: World Cup Predictions

BRA GER ESP ARG BEL POR NED FRA ENG CRO URU SUI BIH CIV GRE RUS
 1   1   -   1   1   -   1   1   -   -   1   1   -   -   1   -  --> 9

BRA GER ESP ARG BEL POR NED FRA
 2   2   -   2   2   -   2   2  --> 12

BRA GER ESP ARG
 4   4   -   4  --> 12

BRA GER
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 41



Die Deutsche Bank Prognose habe ich noch gefunden: https://www.deutschebank.nl/nl/docs/The_World_Cup_Hackers_Handbook.pdf. Aufgrund einer ziemlich seltsamen Vorhersage ("die meisten Spieler von Liverpool hat England") tippen diese auf England. Ich vermute aber mal, dass das statistische Simulationsmodell, das später kommt, ernster gemeint ist. Danach errechnet sich folgende Wahrscheinlichkeit:

BRA GER ESP FRA ARG ITA NED POR URU ENG SUI BEL CHI CRO COL MEX
 1   1   -   1   1   -   1   1   1   -   1   1   1   -   1   1  --> 12

BRA GER ESP FRA ARG ITA NED POR
 2   2   -   2   2   -   2   -  --> 10

BRA GER ESP FRA
 4   4   -   -  --> 8

BRA GER
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 38


Die Prognose von den WiWis in Frankfurt habe ich auch noch gefunden: Prognose @ Fussballmathe.de. Hier ist die Bewertung etwas schwierig, weil die Prognosen für jede Stufe einzeln ausgewiesen sind. Ich habe dabei aus dem Achtelfinale die jeweils 2 wahrscheinlichsten Mannschaften aus den Gruppen genommen, ab dem Viertelfinale hingegen die 8 wahrscheinlichsten Mannschaften von *allen* Mannschaften. Da führt zu dem obskuren Ergebnis, dass England im Achtelfinale nicht dabei ist, im Viertelfinale aber schon. Aber eine richtige Simulation über die KO-Phase haben die leider nicht gemacht, das kann ich dann auch nicht komplett nachholen ... (Am Ergebnis ändert sich sowieso nichts, weil sowohl England und Italien in der Vorrunde ausgeschieden sind).


BRA ARG ESP GER COL URU FRA ITA CRO CHI JAP SUI NIG POR BEL RUS
 1   1   -   1   1   1   1   -   -   1   -   1   1   -   1   -  --> 10

BRA ARG ESP GER COL URU FRA ENG
 2   2   -   2   2   -   2   -  --> 10

BRA ARG ESP GER
 4   4   -   4  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 40


Die Prognose von Fivethirtyeight (Nate Silver) hat jemand auf Guthub hochgeladen: Prognose von FiveThirtyEight. Diese habe ich wie die von den WiWis in Frankfurt ausgewertet (die jeweils zwei wahrscheinlichsten Mannschaften aus den Gruppen, danach die wahrscheinlichsten für Viertel, Halbfinale, etc.)


BRA ARG ESP GER COL URU FRA BEL POR BIH ECU ENG CIV CHI RUS MEX
 1   1   -   1   1   1   1   1   -   -   -   -   -   1   -   1  --> 9

BRA ARG ESP GER COL URU FRA BEL
 2   2   -   2   2   -   2   2  --> 12

BRA ARG ESP GER
 4   4   -   4  --> 12

BRA ARG
 -   8  --> 8

BRA
 -

gesamt: 41


Es gab noch ein paar andere Prognosen, die ich aber nicht oder nicht in vollem Umfang gefunden haben (Unicredit, Deutsche Bank, Uni Dortmund, Wiwi an der Uni Frankfurt; wer da was hat, ich arbeite das noch ein)) und es gab zwei, die ich sehr spannend fand, die aber leider nicht zu den Regeln hier passten (BS Sport Prognose bei Bloomberg und von fivethirtyeight), weil dort vor Beginn des Turniers nur die Vorrunde getippt wurde und erst als die Achtelfinalpaarungen feststanden, die KO-Runde getippt wurde.

Tja, was geht heute und morgen?

Die Wettbörsen haben die vier Teilnehmer *ziemlich* gleich und spiegeln damit das wider, was ich auch fühle: Beide Partien können so oder so laufen, Favoriten gibt es keine. BRA-ARG ist genauso drin wie GER-NED oder jede andere Kombination. Keine Mannschaft hat vollends überzeugt, dazu waren die Viertelfinalspiele auch viel zu knapp. Drei Spiele entschied am Ende das frühe Tor, ein Spiel ging in den Zufallsgenerator namens Elfmeterschießen.

Blicklog hat die Wettbörsen zusammengefasst. Diese sehen die 2 Halbfinals ziemlich eng, Brasilien gegen Deutschland ist nahezu ein Münzwurf. Argentinien liegt gegenüber den Niederlanden leicht vorne. In der Wahrscheinlichkeit für den Weltmeistertitel fallen nur die Niederlande leicht ab (19,8%), Brasilien (25,8%), Deutschland (26,8%) und Argentinien (27,6%) liegen nahezu gleich.
Zwar wird Argentinien im Finale jeweils minimal hinter Brasilien bzw. Deutschland gesehen, da aber die Chance überhaupt erst ins Finale zu kommen für Argentinien am höchsten ist, liegt insgesamt Argentinien leicht vorne.

Was sagen die Statistiker, die live und aktualisiert die Wahrscheinlichkeiten berechnen?

BSport gibt Argentinien eine 61% Chance, Ned die restlichen 39%, sieht als wahrscheinlichstes Ergebnis trotzdem ein 0:0. In der anderen Partie liegt Deutschland mit 50,7% denkbar knapp vor Brasilien (wahrscheinlichstes Ergebnis 1:1). Etwas seltsam, dennvon der Spielstärke her wird Brasilien auf Platz 1 und Deutschland auf Platz 2 gesehen. Warum auch immer dann Deutschland gewinnt ... (Das Finale soll dann übrigens an Deutschland gehen, aber auch hier weicht die Wahrscheinlichkeit nur in der Nachkommastelle von der 50/50-Chance ab).

Fivethirtyeight des Star-Statistikers Nate Silver weicht davon spürbar ab. Hier wird Brasilien (73%) klar vor Deutschland (27%) gesehen, die zweite Partie hingegen ist enger, geht aber auch 57% an Südamerika.

Bei Fivethirtyeight hat man übrigens auch eine neue Spezial-Prognose nach dem Ausfall des brasilianischen Superstars Neymar ausgearbeitet. Die Wettbörsen reagierten hektisch als das WM-Ende bekannt gegeben wurde:

Der Einbruch rechts ist die Verletzung, danach stabilisierte sich die Quote aber etwas und den Märkten wurde klar, dass der Ausfall von Neymar Brasilien noch lange nicht zum Außenseiter macht.

Denn Neymar ist bei weitem kein solcher Ausnahmespieler wie Messi oder Ronaldo. Beide haben in den Statistiken von Fivethirtyeight *deutlich* mehr Einfluss auf das Ergebnis als Neymar. Ronaldo und Messi haben den Soccer Power Index (SPI) des Gesamtteams um etwa 0,65 Punkte an, Neymar "nur" um 0,4 Punkte.


Damit ist Neymar zwar ein richtig Guter, aber eben auch nicht besser als ein Müller oder ein Benzema. Trotzdem sinkt der Gesamt-SPI für das Team durch den Ausfall Neymars um etwa 0,2 Punkte, weil die möglichen Ersatzspieler eben auch diese 0,2 Punkte schwächer sind. Die Sperre von Thiago Silva spielt übrigens kaum eine Rolle, Brasilien stehen gleich mehrere nahezu gleichwertige Ersatzspieler zur Verfügung (u.a. Dante). Rechnet man beide Ausfälle in die Prognose ein, sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg Brasiliens über Deutschland auf 68 bis 65%. Was aber immer noch ein spürbarer Vorsprung ist.

Man sollte - trotz des "Startistikers" Nate Silver - die Prognosen von Fivethirtyeight nicht überbewerten. In der Prognose der Achtelfinalteilnehmer hatte er 9 Treffer. Gutes Mittelfeld, besser als ich, aber mehr auch nicht ...

Spät mischte sich übrigens auch noch Google in das Prognose-Spielchen ein, aber für dieses Tippspiel war es zu spät ... Mal schauen, ob die bei der nächsten WM früher liefern.

Update (08.07.14):

7:1. Hmmm. Das hat wohl keiner gewettet.

Die Wahrscheinlichkeit für dieses Ergebnis lag laut dem Modell von fivethirtyeight bei 0,022 Prozent (oder 1 zu 4.500), die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg mit sechs Toren Differenz lag nur unwesentlich höher bei 0,025 Prozent (1 zu 4.000). Das ist in der Wahrscheinlichkeitsecke eines dieser Ereignisse, die es eigentlich nicht gibt. Und über die statistisch kaum etwas auszusagen ist. Weil es bei allen Fußballweltmeisterschaften zusammen noch keine 4.000 Spiele gab (es gab nicht einmal 1.000 Spiele bisher). Und um etwas konkretes zu Wahrscheinlichkeiten im Bereich von 1:4000 sagen zu können, bräuchte man viel mehr als 4.000 Spiele. Das ist auch die These des tollen Wirtschaftsbuchs "Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse" von Nassim Nicholas Taleb. Wir wissen über die Ereignisse am Rande der Normalvorteilung zu wenig und unsere statistischen Modelle erfassen diese Fälle nicht richtig und damit das Risiko auch nicht (was immer wieder zu größeren Finanzkrisen führen kann und wird).

Das Spiel war übrigens für die ELO Rangliste (eine Berechnungsmethode, die vielleicht aus dem Schachsport bekannt ist; hierbei zählen Siege gegen starke Gegner mehr als Siege gegen schwächere Mannschaften) das zweitwichtigste Ereignis bisher bei einer Fußball-WM. Erst ein einziges Mal hatte ein Spiel bei einer Fußball-WM mehr Einfluss auf das ELO-Rating der zwei beteiligten Mannschaften: das 6 zu 1 der Tschechoslowakei über Argentinien bei der WM 1958. Das sorgte für 85 Punkte mehr für die Tschechoslowakei (und 85 weniger für Argentinien). Das Spiel gestern sorgte für 83 Punkte Umschwung. Die Drei-zu-Null-Niederlage bei der WM 1998 von Deutschland gegen Kroatien liegt auf Platz 4 (78 Punkte). Das Vorrundenspiel Niederlande - Spanien ist auf Platz 5 (76 Punkte).

Die üblichen Statistiken während des Spiels wurde gestern übrigens auch ziemlich entzaubert. Denn bei der Zahl der Torschüsse lag Brasilien vorne (18:14) (bei Schüssen aus dem Strafraum oder auf's Tor in etwa gleichauf), Brasilien hatte etwas mehr Ballbesitz, die leicht bessere Quote der erfolgreichen Pässe (86% zu 84%), etc. pp. Nützte aber bekanntlich alles nix.

Update 2 (13.7.14):

Die Wahrscheinlichkeiten für einen deutschen Sieg liegen etwas über 50%. Die Wettmärkte sehen knapp 60% Siegeswahrscheinlichkeit für Deutschland, FiveThirtyEight (von Nate Silver) sagt 63% (Silver lag im Halbfinale gegen Deutschland aber deutlich daneben, s.o.).

Die wichtigsten Vorhersagen für das Finale: Deutschland wird Weltmeister

Update 3 (15.7.14):

So, Weltmeister. WELT-MEIS-TER. Noch mal langsam zum Genießen.

Das Turniertippspiel hat der Thronfolger gewonnen. Weil die ganzen Weicheier aka Analysten und Experten und Algorithmen und Leser und mir nicht den Mumm hatten, auf Deutschland zu setzen. Mit den 8 Punkten, die nur er für den richtigen Weltmeister einsacken konnte, hat er das Tippspiel mit 46 Punkten gewonnen. Vor dem Finale lag noch der Algorithmus von Goalimpact mit 41 Punkten vorne. Die Prognose der Wiwis der Uni Frankfurt liegt auf Platz 3 (40 Punkte). Dahinter Justus Haucap, die Deutsche Bank, die Danske Bank und die Quoten der Wettbüros liegen zusammen auf Platz 4 mit 38 Punkten. Über die restliche Performance lege ich besser den Mantel des Schweigens ... hüstel ... Auffällig ist, wie eng die meisten Tipps beieinander lagen. Gerade die Banken lagen am Ende bei 37, 38 und 38 Punkten. Auch die Quoten der Wettbörsen ergaben 38 Punkte, Goalimpact und Nate Silver lagen mit 41 auch nur unwesentlich in Front.

Das WM-Tippspiel bei Kicktipp geht an defoe76. Nach dem Viertelfinale (nur noch vier verbleibende Spiele) stand der Sieg eigentlich schon fest, vor allem weil in der Spitzengruppe außer mir niemand wahnsinnig genug war, um gegen die Favoriten zu tippen. Okay, so konnte man zwar nicht mehr aufholen, aber immerhin fiel man so nicht zurück wie ich ;) Defoe76, schick mir mal deine Adresse, dann mache ich dir mal ein Gewinnerpäckchen fertig.

Der Sieg ging übrigens massiv darauf zurück, dass Defoe die Spiele (alle?) 2:1 für den jeweiligen Favoriten (auch wenn es manchmal eng war) getippt hat. Das 2:1 war dann auch das gängigste Ergebnis vor dem 1:0, was dann aber auch 4 Punkte eingebracht hat (weil die Tordifferenz eben richtig war). Das ist übrigens nicht immer so. 2010 lag das 1:0 vor dem 2:1, 2006 war sogar das 1:0 am häufigsten.

Chart: Scoring At The 2014 World Cup Has Been Bonkers

Normalerweise würde ich jetzt noch einen Haufen Links bringen, aber Dirk Elsner (im Kicktipp-Tippspiel Vierter) vom Blicklog hat schon so viele gesammelt, dass ich nur dorthin verweisen brauche: Nach dem WM-Finale: Von Vorhersagen im Sport und der Ökonomie ( Pressestimmen zum deutschen Titel). Nur den Hinweis auf das Thomas Müller Interview muss ich hier noch unterbringen.

Hat Spaß gemacht. Bis zum nächsten Tippspiel!

Übrigens finde ich die üblichen Schlagzeilen (Deutsche Bank blamiert sich gründlich mit WM-Prognose - Nachrichten Print - DIE WELT - Sport - DIE WELT, Fußball-Tippspiel: Wie Goldman Sachs mich blamierte - Fußball-WM 2014 - Sport - Handelsblatt) oder die Häme, die über Nate Silver nach dem Brasilien-Desaster ausgeschüttet wurde (Learning From @NateSilver538's OMG-Wrong #Bra vs #Ger Prediction — The Message — Medium), ziemlich unangebracht. Hier picken sich die Journalisten - der Schlagzeile wegen - die Fehlprognose heraus (oder hat man das Deutsche Bank Papier nur bis Seite zwei gelesen?)und hatet dann. Dabei lagen am Ende fast alle ziemlich richtig (die Mehrzahl hatte drei der vier Halbfinalteilnehmer richtig), oder eben auch bei den gleichen Sachen falsch (Costa Rica weiter, England und Italien raus zum Beispiel). Die Abweichungen waren erstaunlich klein.

Update 4 (14:42):

Interessant übrigens noch zwei Versuche, schon was zur Weltmeisterschaft 2018 sagen zu wollen (das darf man nicht zu ernst nehmen ...)

1.) Die Chancen zur Titelverteidigung. Ist das Alter hoch, ist die Chance auf eine Titelverteidigung gering. Die deutsche Mannschaft hat (nach dem Ausscheiden von Miroslav Klose) eine ziemlich junge Mannschaft. Noch ein oder zwei Auffrischungen und es wäre ein gutes Alter erreicht.



2.) GoalImpact versucht eine Prognose der Spielstärken anhand einer hochgerechneten Alterskurve:

Goalimpact: Russia 2018: German National Team

Da sind ein paar Namen dabei, die ihr garantiert nicht auf der Rechnung habt ...

Update 5 (15:02):

Was übrigens noch ganz witzig ist:

Der Weltmeisterschaftssimulator der Uni Berlin

US-BIP Q01-14 auf -2,9%(!!!) korrigiert. Analysten komplett auf dem falschen Fuß erwischt.

Das US-BIP für's erste Quartal 2014 wurde heute in der endgültigen Berechnung bekannt gegeben. Danach ist die US-Wirtschaft mit einer auf's Jahr hochgerechneten Rate von 2,9% geschrumpft. Dieser Einbruch (der stärkste seit der Krise vor 5 Jahren) geht vor allem auf den extrem kalten und schneereichen Winter im Osten der USA zurück. Der Konjunktureinbruch dürfte daher zum ganz überwiegenden Teil einmalig sein; ein Großteil des Einbruchs sollte im laufenden und den kommenden Quartalen wieder wettgemacht werden.

USA: BIP Q01-2014 Wachstumseinbruch auf 0,1% - egghat's not so micro blog

Ich würde das nicht überbewerten. Viel spannender finde ich, wie weit die hoch bezahlten Volkswirte und Analysten der Banken mit ihren BIP-Schätzungen daneben lagen. Schon bei der ersten Schätzung (Vorabschätzung im Statistikerjargon) lag die offizielle Zahl deutlich unter den Schätzungen. Die Analysten erwarteten ein Plus von etwa einem Prozent, gemeldet wurde ein Mini-Plus von 0,1%. Diese Verfehlung war zwar groß, aber nicht so ungewöhnlich. Die Quartals-BIP-Wachstumsrate in den USA errechnet sich aus dem Vergleich des Quartals mit dem Vorquartal. Diese Plus wird dann auf ein Jahr hochgerechnet wird (also quasi mal vier genommen). Daher reicht es schon, wenn man das Quartalsplus auf 0,2 statt 0,4% schätzt und schon liegt man in der Jahresrate fast einen ganzen Prozentpunkt daneben.

Trotzdem bleiben die Abweichungen der Schätzungen und die anschließenden Korrekturen extrem. Gleich nach der ersten Schätzung senkten einige Analysten ihre Prognose massiv. Hatten sie vor der Bekanntgabe der Zahlen noch auf plus 1,0% geschätzt, korrigierten sie den Wert sofort auf -0,8%. Der überraschende Faktor war der Lagerabbau. Man hatte wohl darauf getippt, dass die Unternehmen trotz des schlechten Wetters weiter produzieren, aber nicht ausliefern (können), also die Waren auf "Halde" legen. Lageraufbau ist nicht schädlich für das BIP, weil die zwischengelagerten Waren wie verkaufte zählen (Wachstum auf Halde ist qualitativ natürlich kein gutes Wachstum (weil man mittelfristig nicht nur über Lageraufbau wachsen kann), aber es ist trotzdem Wachstum). Mit dieser Einschätzung lagen die Analysten aber weit daneben. Statt eines Lageraufbaus gab es einen Lagerabbau, folglich konnten die Analysten quasi sofort ihre Schätzungen anpassen.

Allerdings reichte auch diese schnelle Korrektur nicht. Der Lagerabbau wurde in der zweiten Schätzung gegenüber der ersten Schätzung noch einmal etwa verdreifacht, das Gesamt-BIP im ersten Quartal wurde nun bei -1,0% gesehen. Unruhig wurden die Analysten aber weiterhin nicht, denn der Lagerabbau des einen Quartals ist oft genug der Lageraufbau des folgenden Quartals. Außerdem blieb der wichtigste Faktor des Wirtschaftswachstum der USA, der private Konsum stabil und trug auch in der zweiten Schätzung gut 2,0 Prozentpunkte zum BIP-"Plus" bei.

Nun kam aber heute die dritte Schätzung. Danach haben die privaten Konsumausgaben nur noch 0,7 Prozentpunkte zum BIP beigetragen, also weniger als halb so viel wie in den beiden Schätzungen zuvor. Da außerdem der negative Effekt aus den schrumpfenden Exporten (-1,2 Pp) und dem Lagerabbau (-1,7 Pp) ebenfalls stärker wurde, kam die Gesamtschätzung heute mit -2,9%. Das war noch mal deutlich schlechter als die zweite offizielle Schätzung und lag auch deutlich unter den aktuellen Erwartungen der Analysten, die heute morgen noch bei -1,5% lagen. Auch die Abweichung von den Analystenschätzungen von vor zwei Monaten (+1,0%) ist extrem.

Man kann das in der Grafik von Zerohedge ganz schön erkennen:


Ich bin gespannt, wie sich die blaue Kurve jetzt weiter entwickelt. Die aktuell erwartete Jahresrate von 2,2% für das Gesamtjahr 2014 dürfte noch um einiges nach unten korrigiert werden ...

GROSS DOMESTIC PRODUCT: FIRST QUARTER 2014 (THIRD ESTIMATE) (PDF)

Was ich mich jetzt frage: Warum haben die Analysten so weit daneben gelegen? Das Wetter war ja kein Geheimnis. Ist das in den hochkomplexen Modellen nicht drin? Sind unter den vielen Indikatoren, die die Analysten beobachten und die auch monatlich (sprich ziemlich aktuell) geliefert werden, keine, die einen solchen Einbruch vorhersagen? Weder den Einbruch des Lagerbestands, den Einbruch der Exporte oder den Einbruch des privaten Konsums konnte man sehen? Sollten nicht die monatlichen Einzelhandelsumsätze einen frühen Hinweis auf einen schwächelnden Konsum geben? Oder die Verbraucherstimmung? Sollten nicht die Umsätze aus der Logistikbranche Hinweise auch für die Entwicklung des Exports geben? Lässt sich aus sinkenden Charterraten für Schiffe nichts ableiten? Irgendwas? Warum beobachtet man überhaupt diese ganzen zweit- und drittklassigen Indikatoren, wenn man einen Einbruch wie den aktuellen dann doch verpasst?
Wir haben ja immerhin Mitte Juni, d.h. das erste Quartal ist schon etwas länger vorbei. Da sollte es doch für die Analysten inzwischen ausreichend viele Zahlen geben, um nicht dermaßen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden; die Abweichung bei der Schätzung von heute war ja noch größer als bei der ersten Schätzung (damals 0,9 Prozentpunkte (0,1 offiziell vs. 1,0 geschätzt), heute 1,4 Pp (-2,9% offiziell vs -1,5% geschätzt).

Fragen über Fragen.

Der dänische Physiker Niels Bohr sagte einmal "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen". Das wird oft einfach als "Prognosen für die Zukunft sind schwierig" verstanden, aber Bohr hatte schon vollständig Recht: Auch Prognosen für die Vergangenheit scheinen schwierig zu sein. Insbesondere wenn es um die Wirtschaft geht ...

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