Wenn jetzt der US Senat bei der Untersuchung der Steuerpraktiken darauf kommt, dass Apple nur gut 20% Steuern auf seine Gewinne zahlt (und auf die internationalen so gut wie keine), stellt er damit überhaupt nichts Neues fest. Das ist alles kalter Kaffee. Das ist bekannt ...
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Neues Produkt von Apple: iSave
Apple zahlt in Europa weniger als 2% Steuern - egghat's not so micro blog
... und das machen die anderen US-Konzerne genauso ...
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar
Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4% - egghat's not so micro blog
Google verschiebt 10 Mrd. Dollar aus Europa auf die Bermudas - egghat's not so micro blog
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Auch Microsoft zahlt (fast) keine Steuern ...
Oh, geil. Starbucks ist gar kein böser Steueroptimierer. - egghat's not so micro blog
Der Trick bei den Steuersparkonstruktionen entsteht vor allem über die Lizenzvergabe der Muttergesellschaft an eine Tochter in einer Steueroase (Bermudas, etc.). An diese müssen Nicht-US-Gesellschaften der Konzerne (also z.B. die in Europa) Lizenzgebühren abführen, die ziemlich exakt so hoch sind wie die Gewinne der Nicht-US-Töchter. Offiziell machen die europäischen Töchter also kaum Gewinne, sondern die Lizenzvergabetöchter auf den Bermudas oder den Niederländischen Antillen. Damit reduzieren die US-Konzerne ihre Steuerlast in Europa massiv, so massiv, dass es nahezu unfassbar ist (siehe die Steuersätze oben). Hochprofitable Konzerne, die in den USA ohne mit der Wimper zu zucken 30% oder mehr ihres Gewinns an Steuern abführen, zahlen in Europa nicht einmal ein Zehntel davon. (OK, das Geld bleibt in der Steueroase hängen und kann nicht zurück in die USA geholt werden, aber zumindest Investitionen außerhalb der USA kann der US-Konzern mit diesem Geld finanzieren).
Aktuell kocht das Thema wieder einmal hoch, weil der US-Senat die Steuerproblematik untersucht. Da wurde jetzt die genaue Konstruktion unter die Lupe genommen und mit einem Riesenbrimborium auseinander klamüsert. Das ist aber völlig irrelevante Detailversessenheit. Viel interessanter sind doch zwei Fragen:
a) Wieso wird so viel auf Apple, Microsoft und Google geschimpft, und nicht auf die europäischen Politiker (speziell die in Irland, Luxemburg und den Niederlanden), die diese Gesetze schon lange hätten ändern können um nicht zu sagen müssen? (Ich halte es für einen der größten Flops der Eurorettungsaktionen, das man Irland den Zugang unter den Rettungsschirm ermöglicht hat, ohne gleichzeitig die Steueroase auszutrocknen!).
b) Wieso glauben eigentlich die US-Politiker, dass sie Zugriff auf die Gewinne haben sollten, die in Europa erwirtschaftet wurden? Das sind Gewinne, die in Europa erwirtschaftet wurden und die sollen auch gefälligst hier versteuert werden. Wenn auch viel zu niedrig, wurde der Gewinn doch bereits hier versteuert und wegen des Doppelbesteuerungsabkommens sollte er nicht noch einmal erneut (in den USA) versteuert werden müssen.
Basiert nicht die ganze Konstruktion mit den Steueroasen darauf, dass man möglichst viel des Gewinns in Steueroasen verlagert und man es dann nicht noch einmal erneut in der Heimat versteuern muss?
Wieso ist das in den USA anders?!? Das verstehe ich irgendwie nicht.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Am Ende könnte die Diskussion dazu führen, dass die Gewinne der US-Konzerne, die in Europa eingefahren wurden, zum größten Teil in den USA versteuert werden.
Liebe EU-Politiker: Wenn man bei dieser ganzen Geschichte am Ende herauskommen sollte, dass die US-Konzerne ihre Steuern auf die europäischen Gewinne in den USA bezahlen, glaube ich das bald echt nicht mehr. Sooooo blöd kann man doch echt nicht sein ... Brosamen für Europa, den fetten Hamburger für die USA?
Europa ist ein Wirtschaftsraum mit 350 Millionen Einwohnern und darf sich nicht dermaßen veräppeln lassen. Wer hier sein Geschäft betreibt und Gewinne macht, hat die auch gefälligst hier zu versteuern. Ob das nun zu 20, 30 oder 40% Gewinnsteuern führen sollte, darf man diskutieren, dass 2 Prozent hingegen ein schlechter Witz sind, dürfte unstrittig sein.
(An dieser Problematik zeigt sich übrigens ganz extrem, wie dysfunktional die gesamte Steuer- und Finanzpolitik in Europa ist. Dass in einem solchen Umfeld eine gemeinsame Währung nichts werden kann, ist nur allzu logisch ...)
Update (12:47):
Irland bestreitet besondere Regeln für Apple zu haben. Das stimmt allerdings auch, die Regeln gelten für alle. Was sie aber nicht besser macht.
Außerdem zieht sich Irland auf den etwas komischen Standpunkt zurück, dass die Regeln in anderen Ländern Schuld seien. Gut, nur mit Irland klappt die Nummer auch nicht. Man braucht weitere Steueroasen, so viel ist schon klar ...
Wenn die irischen Behörden aber Verrechnungspreise für die Lizenzen akzeptieren, die sich quasi jährlich ändern, sind sie an dieser Stelle aber flexibler als andere Länder. Deutsche Behörden würden es mit Sicherheit nicht akzeptieren, wenn die deutschen Niederlassungen ausländischer Konzerne hier permanent Miese machen (wenn hierzulande z.B. das Getriebe für ein Auto gebaut wird), das komplette Auto aus der Fabrik im Ausland aber dicke Gewinne einbringt. (Oder anders herum, wenn ein Getriebe für 4.000 Euro intern verrechnet wird und der ganze Gewinn in der Slowakei landet, weil die Montage des Autos in Deutschland keinen Gewinn mehr bringt). Ihr seht, das Problem der Verrechnungspreise ist alt ... Und Irland akzeptiert bei Lizenzen quasi alles ...
Netz von Auslandsfirmen: Irland bestreitet Steuervergünstigungen für Apple - Apple - FAZ
Update 2 (14:38):
Apple soll laut US-Senat 74 Mrd. Dollar Steuerzahlungen vermieden haben.
Apples ausgebuffte Steuertricks - Wallstreetjournal.de
Das erscheint mir aber etwas arg viel. Apple hat - vor Steuern - von 2009 bis 2012 etwa 120 Mrd. Dollar verdient. Darauf waren nie im Leben 74 Mrd. Dollar Steuern fällig. Die Zahl kann eigentlich nicht stimmen. Was stimmen könnte: Apple hat die Steuerzahlung auf angefallene Gewinne in Höhe von 74 Milliarden Dollar vermieden (was dann etwa 25 Mrd. Dollar Steuern entsprechen würde).
Wer sich für die Details interessiert: Der WSJ.de Artikel ist ansonsten gut. Apple hat Töchter in Europa, die überhaupt keine Steuern zahlen:
"Irische Steuerbehörden aber zählen Unternehmen nur dann als steuerlich ansässig, wenn sie auch in Irland verwaltet und beaufsichtigt werden. Umgekehrt hält das amerikanische Finanzamt Konzerne nur dann für steuerlich ansässig, wenn sie in den USA als Unternehmen eingetragen sind. Für Apple wirkt sich das als Clou aus: Laut Senatsbericht zahlt der Konzern in beiden Ländern nur wenige oder gar keine Steuern auf seine internationalen Erlöse."
Ha, das ist ja mal eine Ver*rsche!
Update 3 (22.05. 11:05):
Bloomberg wirft ein paar weitere Firmen in den Ring, die ähnliche Modelle fahren. Ich hatte ja schon länger das Gefühl, dass meine Liste viel zu kurz ist, aber am Ende reichte die aus, um sich sicher zu sein, dass es nicht um böse Firmen geht, sondern um ein kaputtes Steuersystem.
Bloomberg nennt nun u.a. noch Cisco (über eine Tochter in der Schweiz) und Yahoo (über die Schweiz und Mauritius). Google hat nach Informationen von Bloomberg wie Apple eine Tochter in Irland, die aber die Steuern auf den Bermudas zahlt (also eher nicht zahlt). Und besonders spannend ist die Firma "Forest Laboratories". Diese ist nahezu ausschließlich in den USA aktiv, schafft es aber, über eine ähnliche Konstruktion wie die anderen genannten Firmen, selbst diese Gewinne ins Ausland, sprich Steueroasen zu verschieben. Dass das nicht ganz unmöglich ist, könnt ihr schon in meinem Artikel über Amazon nachlesen (Link oben). Die verkaufen nämlich ihre eBooks selbst in den USA über die Tochter in Luxemburg, weil dort niedrigere Steuersätze für immaterielle Güter gelten ...
Google Joins Apple Avoiding Taxes With Stateless Income - Bloomberg
(Link via
Twitter)
Wenn jetzt der US Senat bei der Untersuchung der Steuerpraktiken darauf kommt, dass Apple nur gut 20% Steuern auf seine Gewinne zahlt (und auf die internationalen so gut wie keine), stellt er damit überhaupt nichts Neues fest. Das ist alles kalter Kaffee. Das ist bekannt ...
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Neues Produkt von Apple: iSave
Apple zahlt in Europa weniger als 2% Steuern - egghat's not so micro blog
... und das machen die anderen US-Konzerne genauso ...
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar
Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4% - egghat's not so micro blog
Google verschiebt 10 Mrd. Dollar aus Europa auf die Bermudas - egghat's not so micro blog
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Auch Microsoft zahlt (fast) keine Steuern ...
Oh, geil. Starbucks ist gar kein böser Steueroptimierer. - egghat's not so micro blog
Der Trick bei den Steuersparkonstruktionen entsteht vor allem über die Lizenzvergabe der Muttergesellschaft an eine Tochter in einer Steueroase (Bermudas, etc.). An diese müssen Nicht-US-Gesellschaften der Konzerne (also z.B. die in Europa) Lizenzgebühren abführen, die ziemlich exakt so hoch sind wie die Gewinne der Nicht-US-Töchter. Offiziell machen die europäischen Töchter also kaum Gewinne, sondern die Lizenzvergabetöchter auf den Bermudas oder den Niederländischen Antillen. Damit reduzieren die US-Konzerne ihre Steuerlast in Europa massiv, so massiv, dass es nahezu unfassbar ist (siehe die Steuersätze oben). Hochprofitable Konzerne, die in den USA ohne mit der Wimper zu zucken 30% oder mehr ihres Gewinns an Steuern abführen, zahlen in Europa nicht einmal ein Zehntel davon. (OK, das Geld bleibt in der Steueroase hängen und kann nicht zurück in die USA geholt werden, aber zumindest Investitionen außerhalb der USA kann der US-Konzern mit diesem Geld finanzieren).
Aktuell kocht das Thema wieder einmal hoch, weil der US-Senat die Steuerproblematik untersucht. Da wurde jetzt die genaue Konstruktion unter die Lupe genommen und mit einem Riesenbrimborium auseinander klamüsert. Das ist aber völlig irrelevante Detailversessenheit. Viel interessanter sind doch zwei Fragen:
a) Wieso wird so viel auf Apple, Microsoft und Google geschimpft, und nicht auf die europäischen Politiker (speziell die in Irland, Luxemburg und den Niederlanden), die diese Gesetze schon lange hätten ändern können um nicht zu sagen müssen? (Ich halte es für einen der größten Flops der Eurorettungsaktionen, das man Irland den Zugang unter den Rettungsschirm ermöglicht hat, ohne gleichzeitig die Steueroase auszutrocknen!).
b) Wieso glauben eigentlich die US-Politiker, dass sie Zugriff auf die Gewinne haben sollten, die in Europa erwirtschaftet wurden? Das sind Gewinne, die in Europa erwirtschaftet wurden und die sollen auch gefälligst hier versteuert werden. Wenn auch viel zu niedrig, wurde der Gewinn doch bereits hier versteuert und wegen des Doppelbesteuerungsabkommens sollte er nicht noch einmal erneut (in den USA) versteuert werden müssen.
Basiert nicht die ganze Konstruktion mit den Steueroasen darauf, dass man möglichst viel des Gewinns in Steueroasen verlagert und man es dann nicht noch einmal erneut in der Heimat versteuern muss?
Wieso ist das in den USA anders?!? Das verstehe ich irgendwie nicht.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Am Ende könnte die Diskussion dazu führen, dass die Gewinne der US-Konzerne, die in Europa eingefahren wurden, zum größten Teil in den USA versteuert werden.
Liebe EU-Politiker: Wenn man bei dieser ganzen Geschichte am Ende herauskommen sollte, dass die US-Konzerne ihre Steuern auf die europäischen Gewinne in den USA bezahlen, glaube ich das bald echt nicht mehr. Sooooo blöd kann man doch echt nicht sein ... Brosamen für Europa, den fetten Hamburger für die USA?
Europa ist ein Wirtschaftsraum mit 350 Millionen Einwohnern und darf sich nicht dermaßen veräppeln lassen. Wer hier sein Geschäft betreibt und Gewinne macht, hat die auch gefälligst hier zu versteuern. Ob das nun zu 20, 30 oder 40% Gewinnsteuern führen sollte, darf man diskutieren, dass 2 Prozent hingegen ein schlechter Witz sind, dürfte unstrittig sein.
(An dieser Problematik zeigt sich übrigens ganz extrem, wie dysfunktional die gesamte Steuer- und Finanzpolitik in Europa ist. Dass in einem solchen Umfeld eine gemeinsame Währung nichts werden kann, ist nur allzu logisch ...)
Update (12:47):
Irland bestreitet besondere Regeln für Apple zu haben. Das stimmt allerdings auch, die Regeln gelten für alle. Was sie aber nicht besser macht.
Außerdem zieht sich Irland auf den etwas komischen Standpunkt zurück, dass die Regeln in anderen Ländern Schuld seien. Gut, nur mit Irland klappt die Nummer auch nicht. Man braucht weitere Steueroasen, so viel ist schon klar ...
Wenn die irischen Behörden aber Verrechnungspreise für die Lizenzen akzeptieren, die sich quasi jährlich ändern, sind sie an dieser Stelle aber flexibler als andere Länder. Deutsche Behörden würden es mit Sicherheit nicht akzeptieren, wenn die deutschen Niederlassungen ausländischer Konzerne hier permanent Miese machen (wenn hierzulande z.B. das Getriebe für ein Auto gebaut wird), das komplette Auto aus der Fabrik im Ausland aber dicke Gewinne einbringt. (Oder anders herum, wenn ein Getriebe für 4.000 Euro intern verrechnet wird und der ganze Gewinn in der Slowakei landet, weil die Montage des Autos in Deutschland keinen Gewinn mehr bringt). Ihr seht, das Problem der Verrechnungspreise ist alt ... Und Irland akzeptiert bei Lizenzen quasi alles ...
Netz von Auslandsfirmen: Irland bestreitet Steuervergünstigungen für Apple - Apple - FAZ
Update 2 (14:38):
Apple soll laut US-Senat 74 Mrd. Dollar Steuerzahlungen vermieden haben.
Apples ausgebuffte Steuertricks - Wallstreetjournal.de
Das erscheint mir aber etwas arg viel. Apple hat - vor Steuern - von 2009 bis 2012 etwa 120 Mrd. Dollar verdient. Darauf waren nie im Leben 74 Mrd. Dollar Steuern fällig. Die Zahl kann eigentlich nicht stimmen. Was stimmen könnte: Apple hat die Steuerzahlung auf angefallene Gewinne in Höhe von 74 Milliarden Dollar vermieden (was dann etwa 25 Mrd. Dollar Steuern entsprechen würde).
Wer sich für die Details interessiert: Der WSJ.de Artikel ist ansonsten gut. Apple hat Töchter in Europa, die überhaupt keine Steuern zahlen:
"Irische Steuerbehörden aber zählen Unternehmen nur dann als steuerlich ansässig, wenn sie auch in Irland verwaltet und beaufsichtigt werden. Umgekehrt hält das amerikanische Finanzamt Konzerne nur dann für steuerlich ansässig, wenn sie in den USA als Unternehmen eingetragen sind. Für Apple wirkt sich das als Clou aus: Laut Senatsbericht zahlt der Konzern in beiden Ländern nur wenige oder gar keine Steuern auf seine internationalen Erlöse."
Ha, das ist ja mal eine Ver*rsche!
Update 3 (22.05. 11:05):
Bloomberg wirft ein paar weitere Firmen in den Ring, die ähnliche Modelle fahren. Ich hatte ja schon länger das Gefühl, dass meine Liste viel zu kurz ist, aber am Ende reichte die aus, um sich sicher zu sein, dass es nicht um böse Firmen geht, sondern um ein kaputtes Steuersystem.
Bloomberg nennt nun u.a. noch Cisco (über eine Tochter in der Schweiz) und Yahoo (über die Schweiz und Mauritius). Google hat nach Informationen von Bloomberg wie Apple eine Tochter in Irland, die aber die Steuern auf den Bermudas zahlt (also eher nicht zahlt). Und besonders spannend ist die Firma "Forest Laboratories". Diese ist nahezu ausschließlich in den USA aktiv, schafft es aber, über eine ähnliche Konstruktion wie die anderen genannten Firmen, selbst diese Gewinne ins Ausland, sprich Steueroasen zu verschieben. Dass das nicht ganz unmöglich ist, könnt ihr schon in meinem Artikel über Amazon nachlesen (Link oben). Die verkaufen nämlich ihre eBooks selbst in den USA über die Tochter in Luxemburg, weil dort niedrigere Steuersätze für immaterielle Güter gelten ...
Google Joins Apple Avoiding Taxes With Stateless Income - Bloomberg
(Link via
Twitter)
Zum (angeblichen) Obersteuervermeider Apple (und worüber man wirklich diskutieren sollte)