Podcast Nummer 6: Diesmal mit mehr Kontroverse, mit mehr egghat'schen "Ähs" und mehr Minuten!

Nach einer Woche Urlaubspause haben Marco und ich sich gestern Abend recht spontan zu einer neuen Folge der Mikrooekonomen versammelt (zum Glück lief unser Audio-Setup sofort, es wird!). Nicht ganz unerwartet wurde die aktuelle Nummer zur Längsten bisher, was beim Öffnen des Fasses "TTIP" allerdings auch zu erwarten war. Aber wir dürfen uns ja auch nicht ewig um diese heiklen bzw. komplexen Themen drücken, nur weil wir uns zum Ziel gesetzt haben, "nur" etwa eine Stunde pro Folge aufzunehmen.

Vorher dem Hauptthema TTIP gibt es etwas Amazon (da tut sich quasi jede Woche etwas Spannendes), dann etwas längeres zu Samwers Rocket Internet (Kurshalbierung, Rückzug der Kinnevik-Leute aus dem Aufsichtsrat). Am Ende verteidige ich Rocket Internet (schon wieder!), dieses Mal gegen Marcos "Kartenhaus-Vorwurf" und äußere meine Überzeugung, dass selbst bei einem sofortigen Vertrocknen der Samwerschen Geldströme Rocket Internet schnell genug auf einen gesunden (sprich profitablen) Kern schrumpfen könnte. Damit will ich die Bewertung von Rocket Internet nicht schön reden (denn das ist auch für mich eine "Schön-Wetter-Bewertung", sprich nur zu rechtfertigen, wenn die Wirtschaft weiter wächst und Geld in Venture Capital und Börsengänge fließt), aber ein profitabler Kern ist IMHO schnell genug herzustellen. Dazu reisse ich auch noch kurz das Thema an, dass Rocket Internet (und vor allem Zalando) viel in die eigenen technologischen Plattformen investieren, sich also selber um IT, E-Commerce-Software, Werbeschaltungen bis hin zur Logistik kümmern. Das sieht sehr nach einer Kopie von Amazon aus, was aber in diesem Fall die Kopie des erfolgreichsten Unternehmens ist (das ganz nebenbei mit IT, sprich der Amazon-Cloud inzwischen wahrscheinlich mehr verdient als mit dem Online-Handel). IMHO werden daraus noch einige Firmen aus dem Rocket Internet Universum entscheidende Wettbewerbsvorteile ziehen können.

Dann geht es an das große Fass TTIP. Hier werden sich einige wahrscheinlich einige wundern, dass wir nicht den sofortigen Weltuntergang erwarten, selbst wenn TTIP heute unverändert verabschiedet würde. Genügend Punkte zum Streiten (ihr wolltet mehr Kontroverse und wir hören immer auf Euch!) haben wir trotzdem. Marco ist eher der Meinung, dass in den geleakten Papieren nichts wesentliches Neues stünde, ich kann dagegen nicht wirklich überzeugend argumentieren, zeige mich aber sehr froh, dass wir nach dem Leak nicht mehr mutmaßen müssen, sondern genau wissen, was im April Stand der Dinge war. Dann holen wir aber relativ einmütig den Ball aus der Luft und versuchen, ihn flachzuhalten. Also mal unabhängig von den üblichen Aufreger-Themen zu diskutieren, wo TTIP (auch für uns europäische Verbraucher) Verbesserungen bringen könnte, warum die europäische Position so unklar ist und warum Brüssel (mal wieder!) dieses Thema der Bevölkerung überhaupt nicht vermitteln kann und sich keinerlei Mühe gibt, irgendwelche Vorteile (außer "schafft xy Arbeitsplätze"; Berechnungen denen niemand mehr Glauben schenkt) anzupreisen. Dass TTIP in Deutschland dermaßen negativ betrachtet wird, liegt auch daran, dass es niemand plausibel positiv vermitteln kann oder will. Am Ende bringe ich die (vielleicht gar nicht so) steile These, dass der beste Verbündete in den USA für eine Ablehnung von TTIP Donald Trump sein könnte. Muss man als Linker (bzw. TTIP Gegner) nun also auf eine Wahl von Donald Trump hoffen?

Die Folge ist noch nicht auf Soundcloud hochgeladen, daher an dieser Stelle kein eingebauter Player, aber es ist eh besser, die Podcasts dadrüben anzuhören und noch besser zu abonnieren:

Mikro006: TTIP ist ein Chlorhühnchen

Dort gibt es auch ausführliche Shownotes und viele Links zu den besprochenen Themen.

Wir freuen uns wie immer über Feedback zu Inhalt und technischer Qualität (ich rausche dieses Mal wohl etwas mehr als beim letzten Mal, obwohl es keine (bewussten) Änderungen im Audio-Setup gab). War das zu viel/zu lange TTIP (obwohl wir die Schiedsgerichte z.B. gar nicht anschneiden)?

Es gab nach den letzten Folgen einige positive Kritiken bei iTunes, besten Dank dafür! Wenn Euch unser Podcast gefällt, empfehlt uns weiter. Wir freuen uns auch immer über Themenvorschläge, dass wir uns um TTIP gekümmert haben, kam zum Beispiel genau daher.

Viel Spaß beim Hören!

Update (13.05):

Jetzt auch auf Soundcloud, für alle, die sich (warum auch immer) keinen Podcast-Player installieren wollen:

US-Geschäftsberichte: Immer größere Abweichung zwischen gemeldeten und wahren Zahlen. Oder: Wie aus Verlusten Gewinne werden …

Das Problem ist schon etwas älter, aber es wird (nicht zum ersten Mal) zunehmend schlimmer.

Kurze Erläuterung: Die US-Börsenaufsicht erlaubt es den Unternehmen, ihre Quartalszahlen in einer Pro-Forma-Version, quasi einer Vor-Ab-Version, zu veröffentlichen. Der Geschäftsbericht, der dann den anerkannten Bilanz- und GUV-Vorschriften (in den USA heißen diese GAAP) entspricht, kann dann ein paar Wochen später nachgereicht werden.

Zwischen beiden Versionen sollte es natürlich keine großen Abweichungen geben, und wenn doch, sollten diese nicht systematisch in die gleiche Richtung gehen. Doch genau das tun die beiden Berichte.

Als ich zum letzten Mal (vor ein, zwei Jahren) eine Analyse dieser Abweichungen gesehen habe, lag der Unterschied bei etwa 6%, sprich das endgültige Quartalsergebnis nach GAAP lag im Durchschnitt 6% niedriger als das zuerst gemeldete. Der Hauptgrund dabei waren Kosten, die man "Pro-Forma" anders bzw. gar nicht berücksichtigt hat, u.a. Strafen oder Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien.

Die New York Times meldet nun, dass für das Geschäftsjahr 2015 inzwischen 90% der Firmen ihre Geschäftszahlen pro-forma veröffentlichen. 2009 waren es nur 72%. Auch die Abweichung wird größer. Leider ist kein direkter Vergleich der beiden Veröfffentlichungen im Bericht enthalten, aber die Differenz muss gestiegen sein (außer der Vergleichswert ist schräg gewählt): Wenn man die Erstveröffentlichung als Maßstab nimmt, sind die Unternehmensgewinne 2015 um 6,6% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, nimmt man die endgültige Veröffentlichung als Basis, sind die Gewinne 2015 um fast 11% gefallen. Wow!

Unter den 380 untersuchten Unternehmen haben es 30 sogar geschafft, in der Pro-Forma-Veröffentlichung einen Gewinn zu melden, in der endgültigen jedoch einen Verlust.

Upps, beim genaueren Nachschauen haben wir doch noch ein paar Kosten gefunden …

Warum machen Firmen das? Weil die erste Veröffentlichung die Aktienkurse bewegt, die endgültige jedoch nicht. Bei der ersten Meldung reicht häufig schon ein Gewinn, der um einen Cent über bzw. unter den Erwartungen liegt, um den Aktienkurs um 5 oder 10% nach oben bzw. unten zu bewegen. Die endgültige Veröffentlichung ein paar Wochen später jedoch interessiert kaum noch jemanden. Dazu kommt, dass es einige Datenanbieter geben dürfte, die die Daten nicht zweimal eingeben, und immer den ersten, eigentlich falschen Wert in ihrer Datenbank stehen lassen. Damit können die Bewertungen eines Unternehmens besser aussehen als sie eigentlich sind. Und Aktien auf "Kaufen" stehen, die eigentlich gar nicht mehr auf "Kaufen" stehen sollten. Und Fondsmanager Aktien kaufen, die sich eigentlich nicht mehr kaufen sollten. Oder auch Privatanleger, die die falsche Zahl auf einem der vielen Finanzportale im Internet sehen.

Das erinnert frappierend an die Jahre vor dem Internet-Hightech-Crash zur Jahrtausendwende. Damals wuchsen die Abweichungen zwischen Erst- und Zweitbericht ebenfalls deutlich. Diese Abweichungen wurden als einer der Gründe identifiziert, die zur Größe der damaligen Blase führten. Deshalb wurden Regeln geschaffen, um solche geschönten Geschäftszahlen in Zukunft zu verhindern. Aber die US-Finanzmarktaufsicht SEC scheint daran gut 15 Jahre nach dem IT-Aktien-Crash schon nicht mehr sonderlich interessiert zu sein …

Fantasy Math Is Helping Companies Spin Losses Into Profits - The New York Times

btw: @mh120480 und ich podcasten jetzt. Einmal pro Woche (so der Plan) gibts jetzt was auf die Ohren. Mehr drüben auf www.mikrooekonomen.de. Und noch btw-er: Wir freuen uns über iTunes Kritiken mit mehr als einem Stern ;)

Podcast fürs kommende Winterwochenende ;) Mikro004

Willkommen im neuen Podcast Blog von egghat. Irgendwie blogge ich überhaupt nicht mehr hier (nur drüben) und empfehle ausschließlich die neuen Podcastfolgen der Mikrooekonomen. Muss sich auch mal wieder ändern …

Genug Blabla, es gibt wieder eine Folge. Zum ersten Mal auf meiner Seite mit Metaklang™, bei der nächsten Folge auch richtig verkabelt ;) Und dann hoffentlich auch mit mehr Zeit für die Vorbereitung tagsüber vor der Aufnahme, die Marco und mir dieses Mal berufsbedingt leider fehlte. Komischerweise kam dabei die längste Folge bisher heraus. Aber wie ein kluger Mann (welcher auch immer) sagte: "Ich schreibe Dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, einen kurzen zu schreiben." (Je nach Quelle: Voltaire, Goethe, Twain, Marx, Pascal).

Wir reiten kreuz und quer durch die Themenliste, greifen am Anfang kurz die Themen Edeka und Öl aus den ersten Folgen noch mal kurz auf.

Danach diskutieren wir die möglichen Kosten (und Probleme) der Grenzschließungen durch Aussetzung des Schengenabkommens. Und kommen wie so häufig zum Schluss, dass man nicht zu viel auf Berechnungen geben sollte, die versuchen, komplexe Sachverhalte in eine Zahl zu pressen.

Dann kommt - wie fast in jeder Folge bisher - das Thema Niedrigzins zur Sprache, der sich aktuell in der Überlegung der Postbank widerspiegelt, die überlegt, ihr kostenloses Girokonto abzuschaffen. Die Querfinanzierung des Kontobetriebs über Zinseinnahmen geht für die Postbank nicht mehr auf. Wer 1.5000 Euro Gehaltseingang hat, hatte im Durchschnitt des Monats ein paar Hundert Euro auf dem Konto, die die Postbank irgendwo verzinst angelegt hat. Mit diesen Zinseinnahmen wurden die Betriebskosten des Kontos (teilweise) querfinanziert. Nun fehlen die Zinsen und damit wackelt - wohl nicht nur bei der Postbank - das Modell kostenloses Girokonto.

Und dann verteidigen wir - ich staune selber - die Samwers. Da gab es die Nachricht, dass sie etwa eine Milliarde in Immobilien gesteckt haben sollen und das ein schlechtes Zeichen für die Start-Up-Branche sei, weil selbst die Vorzeige-Start-Up-Investoren nun auf Immobilien und nicht auf Start-Ups setzen. Halten Marco und ich für groben Unfug, allein das Gesamtvermögen der Samwers (Forbes schätzt 5 Milliarden) zeigt schon, dass es sich nicht um einen sonderlich großen Teil des Samwer-Vermögens handelt. Es ist eher eine notwendige Diversifikation des Samwer-Vermögens (und möglicherweise sogar eine für das Firmenimperium nützliche Investition).

Nicht verteidigen möchten wir jedoch den ehemaligen Drogeriemarktkönig Anton Schlecker, gegen den sich die Vorwürfe des "vorsätzlichen Bankrotts" konkretisieren. Es geht also nicht nur um die relativ gängige Konkursverschleppung (also zu spät die Insolvenz beantragt zu haben), sondern um quasi aktives Handeln, das zum Konkurs geführt hat; sprich Schlecker soll trotz drohender Insolvenz noch Geld/Vermögen an die Familie übertragen haben. Die Strafen wären dementsprechend höher …

Danach verteidige(n) ich/wir noch die Commerzbank. Die SZ hat den Job als "schwierigsten in der deutschen Bankenlandschaft" bezeichnet. Nur sehen Marco und ich (wir müssten uns eigentlich häufiger widersprechen, sonst wird's langweilig ;) ) die anderen Jobs in der Branche auch nicht einfacher. Cryan bei der Deutschen Bank hat einen Berg von Problemen, und auch der Job bei der HSH Nordbank dürfte nicht einfacher sein. Alle leiden noch unter Altlasten aus der Krise ab 2008. Und alle stehen vor den den Herausforderungen der Digitalisierung und der "Entbündlung" der Banken, sprich unter neuen Herausforderern, die versuchen die alten Banken mit neuen kundenfreundlicheren Lösungen zu ersetzen oder zumindest unwichtiger zu machen. Aber zur Verteidigung der Banken: Sowohl die Deutsche Bank wie auch die Commerzbank/Comdirekt (und einige andere) sind mit "Innovationsabteilungen" unterwegs. Die Deutsche Bank hat dafür satte 750 Millionen zur Verfügung gestellt und auch schon erste Produkte vorgestellt.

Links wie immer in den Shownotes drüben: Mikro004 – Der große Rundumschlag



Wir freuen uns wie gehabt über Empfehlungen bei iTunes und Weiterempfehlungen in den sozialen Netzwerken dieser Welt. Und natürlich über Themenvorschläge; am Ende der Sendung machen wir uns ein paar Gedanken dazu. Wir haben ein paar größere Themen (Energiewende (v.a. Fotovoltaik + Akku und Kosten), E-Auto (Apple/Tesla), Roboter-Automatisierung und Arbeitsplätze), die aber etwas schwierig in das bisherige Format zu pressen sind. Ich schätze, dass man für diese komplexeren Themen "Spezialfolgen" machen muss, für die wir uns dann auch tendenziell Gäste dazuholen würden. Dafür sind wir aber technisch noch nicht weit genug; die nächste Folge wird voraussichtlich die erste, die wir mit unverändertem Setup aufnehmen werden (Dank sei MetaKlang). Das soll sich dann erstmal setzen und dann mal schauen, ob wir das Setup auch auf eine(n) dritte(n) Teilnehmer(in) ausbauen können.

Viel Spaß beim Hören und ein schönes Wochenende!

Podcast Numero Tre … Schäuble vs EZB. Und wer ist besser für Europa. Hypo Alpe Adria Großpleite. Und Öl.

Hier mehr zur Sendung:

Mikro003 – Ist Wolfgang Schäuble für Europa hilfreich?

Dadrüben gibt es auch die Adressen zum abonnieren und auch zum Kommentieren.

Wir reden über Schäuble und seine Kritik an EZB-Chef Draghi. Draghi sei an der Hälfte der Stimmengewinne für die AfD schuld. Die genaue Logik hinter der Argumentation haben wir beide nicht verstanden, sondern sind relativ sicher, dass es ohne das beherzte Handeln der EZB in Europa noch schlechter aussehen würde. Man stelle sich vor, der Euro wäre auseinandergeflogen, Deutschland könne nirgendwo mehr exportieren und alle wären arbeitslos. Wieviel Stimmen die AfD dann haben würde, möchten wir lieber nicht wissen. Die ultralockere EZB-Politik ist sicherlich nicht ungefährlich, aber angesichts ausbleibender Unterstützung durch die Fiskalpolitik für unumgänglich. Anders gesagt: Würde Schäuble nicht auf seiner schwarzen Null rumreiten, hätte Draghi nie so extrem handeln müssen.

Dann kommen wir zur Hypo Group Alpe Adria und der interessanten Feststellung, dass man in Europa doch noch Banken Pleite gehen lassen darf. Gut 6 Milliarden, auf die die Gläubiger nun verzichten müssen, sind schon ein Wort. Vor allem für Österreich, das ja um einiges kleiner ist als Deutschland, man darf grob mal 9 multiplizieren, um deutsche Verhältnisse zu bekommen.

Und als Drittes kommen wir dann zu den Ölpreisen, machen uns Gedanken dazu, warum die Preise so weit gefallen sind und wie es weitergehen könnte (Marcos These: Sind die Kriege in Syrien und Jemen vorbei, geht der Ölpreis wieder rauf). In diesem Zusammenhang versuchen wir auch eine Hörerfrage von dafisch zu beantworten, der fragte, warum sinkende Ölpreise plötzlich nicht mehr als gut für die Weltwirtschaft, sondern als Krisenzeichen gelten, und damit für sinkende Aktienkurse gesorgt haben.

Hier auch noch einmal zum direkt anhören, ich empfehle aber einen Podcast-Player und ein Abo. Wer das technisch nicht hinbekommt, ich helfe gerne weiter (und würde daraus dann eine kleine Hilfe-Seite basteln)



Empfehlt uns weiter. In all den Netzen, in denen sich die Jugend heute so rumtreibt. Wir freuen uns über möglichst viele Sterne im iTunes Podcast-Verzeichnis. Und wie immer über Themenvorschläge … Alles außer Fußball, würde Marco sagen, aber ich bring das Thema noch unter. Versprochen ;)

Die nächste Folge dann mit Metaklang (© bei Ralf Stockmann ;) ) und vielleicht .... trommelwirbel ... zum ersten Mal mit Gast oder Gästin.

Panama Papers Podcast (und was sonst noch so leakt)

Marco und ich haben mal wieder gesprochen und weil wir so unfassbar nett zu euch sind, das auch mitgeschnitten und veröffentlicht:

Mikro002 – Was taugen die Panama Papers?

Darin die große Nachricht zu Wochenbeginn: Die Panama Papers, was dahinter steckt, wieso man wenig Verschwörungstheorie braucht, um bestimmte Aspekte zu erklären, wie wenig wir eigentlich wissen, und eine gewisse Verzweiflung darüber, wieso die Politik so wenig gegen Steueroasen unternimmt (Juncker, der Architekt der Steueroase Luxemburg wurde - obwohl er breit in der öffentlichen Kritik stand - sogar noch zum EU-Kommissions-Chef gewählt) und was sich ändern wird (wahrscheinlich leider nichts). Über diese frustrierende Erkenntnis kamen wir dann auch auf die Steueroase Nummer 2 in Europa, nämlich Irland und Zack waren wir bei der Eurokrise und dem heute noch am stärksten leidenden EU-Mitglied Griechenland. Bei den Panamapapers hätte man auch die Medienökonomie diskutieren können (Was wird veröffentlicht? Wie filtern die Medien? Wie lange wird veröffentlicht (wann lohnt es sich mangels Interesse nicht mehr)?). Wir hatten noch andere Themen auf dem Tisch (Marco hätte gerne: "Iran zurück in Weltwirtschaft - Auswirkungen?" gemacht, ich gerne was zu Tesla, dem dritten Modell und den Auswirkungen auf die deutschen Automobilherstellern gemacht), aber da war die Stunde schon voll. Und viel länger wollen wir nicht werden, ultralange Podcasts gibt es IMHO schon mehr als die Leute Zeit zum Hören haben. Außerdem haben wir zum ersten Mal einen kurzen Nachrichtenüberblick am Anfang versucht, keine Ahnung, ob das in einem wöchentlichen Podcast sinnvoll ist. Was meint ihr, eventuell könnte man auch eine Rubrik "Picks" machen, in der jeder am Ende der Sendung ein oder zwei "Links der Woche" empfehlen, die wir spannend, aber zu wenig beachtet fanden.

Zwischendrin gab es auch einen Teil 1, die ich hier im Geburtstagsstress leider nicht verlinkt habe. Waren eh zu viele "Ähs" und zu viele Bandwurmsätze von mir drinne (oder "Zwiebelsätze" wie ich sie gerne nenne), wo weder der Hörer noch ich am Ende noch weiß, womit der Satz ursprünglich begonnen hat ;) Außerdem waren wir ziemlich erkältet, Marco hat sich mehrfach halb totgehustet (Ein Held! Beim Podcasten fast gestorben!), ich kämpfte mit ungewohntem Headset, konnte mich nicht hören und hatte keine Ahnung, ob ich "vaderte" oder mein Nasenschniefen die Tonspur tötet. Nun gut, wir lernen noch (u.a. wo der Mute-Button ist ;) ). Dafür hoffentlich spannende Themen:

  • Amazon 2-Stunden-Lieferung in Deutschland (und was das für die Konkurrenz, sowohl in der Online-Branche wie auch in der Auslieferung, bedeuten könnte)
  • die Kartellgeschichte Edeka-Kaisers/Tengelmann und der Rücktritt in der Monopolkommission nach der Überstimmung durch Wirtschaftsminister Gabriel,
  • und die erfolgreiche Finanzierung der Krautreporter-Genossenschaft, wobei wir auch ein paar grundsätzliche Fragen zur Finanzierung von Journalismus diskutieren.

Zu jedem der Themen könnte man problemlos auch eine Stundensendung machen. Die Überlegungen zu Kartellentscheidungen hatte ich ja schon einmal etwas ausführlicher erläutert: KOMMT DER E-PLUS/O2-MERGER DURCHS KARTELLAMT?. Schon ganz interessant, wie wenig dort auf die Zahlen geschaut wird, die in der Presse meistens genannt werden (Marktanteil, Arbeitsplätze). Das haben wir im Podcast allerdings nicht besprochen, das Thema ist für ein Viertelstundenthema wohl zu komplex und speziell.
An der Website der Mikrooekonomen hat Marco auch jede Menge gemacht, am wichtigsten ist, dass die RSS-Feeds für den Podcast jetzt endlich stehen:


Diese Links könnt ihr jetzt also abonnieren, sie werden sich nicht ändern, solange die Website bleibt.

Wir freuen uns wie immer über Anmerkungen zu dieser Folge und auch über Themenvorschläge für die nächste Folge.

Empfehlt uns weiter. Auf Twitter, Facebook, App.net (wer auch das dort liest) oder im Podcast-Player deiner Wahl (meiner ist übrigens Overcast). Hinterlasst uns Kritiken und Empfehlungen bei iTunes, mehr HörerInnen schaden nie.

Wir hoffen, dass wir jetzt dem wöchentlichen Rhythmus näher kommen und schon am nächsten Dienstag die nächste Folge aufnehmen können. Vielleicht bin ich dann auch mit der Technik weiter … Muss mich wohl doch von Klinke (oder noch schöner USB) verabschieden und wie die Profis auf XLR-Equipment setzen:



Nachdem weder das Plantronics Noise-Cancellation in der Nullnummer (Rauschen, woher auch immer) noch das Andena-Headset (war auch nicht billig; mir fehlt ein Mute-Button, außerdem Kabelgeräusche)) in Folge 1, noch das Großmembran-Mikro Auna MIC 900B USB (ich muss fast ins Mikro reinkriechen, um nicht zu leise (und damit zu rauschend) zu sein). Auch zur Technik könnt ihr gerne Euren Senf abgeben …

Es podcastet …

Ja, die Soundqualität ist nun ja geht so … (Ich rausche, obwohl das Plantronics Headset eigentlich gut sein sollte)
Ja, es gibt noch kein vernünftiges Logo …
Ja, das eigene Blog ist noch nicht fertig … (kommt jetzt aber wirklich bald)
Ja, wir reden einfach so los ohne didaktische Aufarbeitung …
Jaja, es gibt noch keine Shownotes, das ultimative Kennzeichen eines ordentlichen deutschen Podcasters ;)

Ja, aber es geht los. Immerhin. Endlich. Marco und ich haben das letzte Woche aufgezeichnet, Marco Herack hat geschnitten und bei iTunes eingereicht. Der Feed steht jetzt auch, ihr könnt abonnieren: Mikroökonomen Folge 000alpha ;)



Fest steht nur: Nicht zu lange (Idee: 1 Stunde). Frequenz: Einmal pro Woche (damit deutlich häufiger als ich hier in der letzten Zeit blogge). Wohin sich das thematisch entwickelt, ist noch etwas unklar. Unser großer Vorteil: Wirtschaftspodcasts gibt es erst sehr wenige, viele (zu viele!) Felder liegen unbeackert rum. Machen wir ein, zwei oder drei Themen pro Sendung? Mit oder ohne Gäste? Wirtschaftspolitik? Konjunktur? Börse? Notenbanken? Unternehmen? VWL? Fintech? Schaun mer mal. Uns interessiert eigentlich fast alles. Also bis auf Fußball, dafür interessiert sich nur einer von uns beiden, ihr ahnt wahrscheinlich wer ;)

Folgt Marco auf Twitter und lest sein Blog denktagebuch.de.

Ihr dürft gerne Themenvorschläge machen, auch Fragen sind erwünscht. Vielleicht sammeln wir diese auch und machen dann ab und zu ein "Ask us anything in Audioform".

Ich würde gerne auch Wirtschaftspodcasts sammeln. Ich kenne in Deutschland:
  1. Thingonomics bei Neunetz.fm (Internet of Things, Wearables und Auswirkung; der Ursprung Neunetzcast scheint eingeschlafen zu sein)
  2. Paymentandbanking (Fintech, Payment, …)
  3. Exchanges-Podcast von Exciting Commerce (Online-Commerce)
  4. Schwarmtaler (Crowdfunding; pro Folge stellt sich jeweils ein Projekt vor, das gerade Geld einsammelt)
  5. Online Marketing Rockstars (Online Marketing, ach was …)
  6. Bitstaub (Bitcoin)
  7. Howsitgoing (diverses ;) oder "Persönlicher Podcast, Newsletter und Blog für Gründer, Macher, Entrepreneure und alle die, die weiter kommen möchten." ).
Allen gemeinsam ist, dass sie ziemlich speziell sind. Einige Wirtschaftsmedien haben mit dem Thema auch experimentiert, die Projekte, die ich beobachtet habe, sind aber wieder eingeschlafen. Bei den öffentlich-rechtlichen gibt es bestimmt auch ne Menge (ich kenne aber nichts davon), bei detektor.fm gibt es in Zusammenarbeit mit (oder nur gesponsort von?) der Wirtschaftswoche einen wöchentlichen Nachrichten-Überblick im allgemeinen Podcastfeed für Wirtschaft.

Es gibt sicherlich noch viele viele mehr, gerade im Bereich Geld und Finanzen müsste es eigentlich vieles geben. Auch bei Firmen (Banken?) dürfte es wohl Projekte geben, ich kenne aber keine. Meldet euch, ich ergänze die Liste (dann aber im Blog des Podcasts).

Habt ihr sonst noch Feedback? Also außer dass ich rausche und man schnell heraushört, dass ich aus dem Ruhrpott komme (und das weder verstecken kann noch will), ich gleich im ersten Satz den ersten Grammatikbock erlege und Marco gepflegtestes Hochdeutsch spricht?

Der Flattr-Button ist zum Flattern da  (hint hint). Geld geht in Equipment. Hilfe für Logo (ne ganz rudimentäre Version gibt es) und Sounddesign wird natürlich gerne gesehen.

Update (22:05):

Oder um es mit Christoph Kappes zu sagen:

"dabei gab es keinen Business-Plan, keine Diskussion über Margen und Wertschöpfungsketten, und Disruption, und Kostenstrukturen und Skalierung, oder Finanzierung, sondern wir haben das einfach gemacht."

(und damit kann ich noch Podcast 7 ergänzen)

Glyphosat in Bier. Die Non-News des Tages.

Mir fehlt leider gerade die Zeit für einen guten Rant (ich schiebs mal auf die Zeit, nicht auf die Fähigkeit ;) ), aber dass im Zusammenhang mit Glyphosat im Bier ein unfassbarer Haufen Schwachsinn gesagt und geschrieben werden wird, war zu befürchten. Deshalb eine kleine Einordnung, die etwas seriöser als mein Tweet von unten ist …

Als erstes betrifft das natürlich die Menge Glyphosat, die in Bier gefunden wird. Diese ist so gering, dass auch bei größeren Mengen Bier höchstwahrscheinlich keine Gefahr durch Glyphosat entstehen wird. Der Tweet zum Thema:
Das ist doch mal ne gute Nachricht!
“Erst 1.000 Liter #Bier am Tag schaden laut BfR der Gesundheit” buff.ly/1RptFwI
#lol
Zweitens ist die Gefährlichkeit von Glyphosat bei weitem nicht bewiesen. Glyphosat ist "wahrscheinlich" Krebs erregend, sagt die IARC, die die wichtigsten Einstufungen macht. Das bedeutet in etwa, dass es Hinweise gibt, dass Glyphosat beim Menschen Krebs verursachen kann. Das heisst dann "Stufe 2A". "Stufe 2B" bedeutet, dass es Hinweise dafür gibt, dass die Substanz bei Tieren Krebs auslöst (das ist also eine Stufe schwächer, weil das Verdacht beim Menschen noch fehlt). In den USA war Glyphosat schon mal "wahrscheinlich krebserregend", ist es inzwischen aber nicht mehr. Auch Kaffee war mal "wahrscheinlich krebserregend", steht jetzt aber nur noch auf 2B. Die Einschätzungen ändern sich also schon mal …


Entscheidend ist auch, dass bei allen Stoffen/Produkten in 2A oder 2B keinerlei Mengenempfehlungen gegeben werden. Es ist also völlig unklar, ob die mögliche krebserregende Wirkung im Gramm oder im Nanogrammbereich beginnt.


Diese detailliertere Einschätzung gibt es erst ab Stufe A. Dann sind die Wissenschaftler sicher, dass ein Stoff für den Menschen krebserregend ist und geben auch genaue Hinweise auf Verzehrmengen und die prozentuale Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für einen Krebs.
Wie aber im Fall von "Wurst und Schinken" schon von mir diskutiert (siehe IARC Monographs evaluate consumption of red meat and processed meat), ist aber auch dann noch nicht Ende mit der Interpretation. Man muss nämlich nicht nur schauen, wie stark die Wahrscheinlichkeit für Krebs steigt, sondern auch noch berücksichtigen, welcher Krebs ausgelöst wird und wie tödlich er ist. Und da kann es Kombinationen geben, die aus der Schlagzeile "Wurst erhöht Krebsrisiko um 26%" am Ende eine Nicht-Nachricht machen. Zum Beispiel wenn der Krebs sehr selten ist (wie der Darmkrebs bei der Wurst) oder wenn er gute Überlebenschancen bietet. Selbst aus der Einstufung in Klasse A, muss kein sofortiger Verzicht auf die Substanz folgen.



Drittens wird die Glyphosat-Meldung aber völlig albern, wenn man sich anschaut, über welche Kombination wir hier reden. Glyphosat ist eine "wahrscheinlich" krebsauslösende Substanz (2A), die nur in geringsten Mengen aufgenommen wird, dummerweise aber zusammen mit größeren Mengen eines sicheren Krebsauslösers, nämlich Alkohol. Das Glyphosat ist in diesem Zusammenhang (höchstwahrscheinlich) VÖLLIG irrelevant; in jedem Schluck Bier steckt mehr Alkohol, der mit Sicherheit gefährlicher ist.

Etwas anders mag sich die Rechnung bei alkoholfreiem Bier darstellen, was aber bei der aktuell unklaren wissenschaftlichen Lage nicht beurteilbar ist. Aber auch da gilt, dass die Chips zum Bier (wahrscheinlich) gefährlicher sind, weil darin Acrylamid steckt (ebenfalls 2A).

Übrigens: Auf Stufe 2A steht auch (heiße) Mate (was mit kalter ist, lieber Hacker, weiss leider niemand). Agents Classified by the IARC Monographs, Volumes 1–112 (PDF)


(Anstoß doch was zu schreiben via Susanne Günther auf Twitter: "Völlig hinrissig: Finde Klasse-2a-Substanz in Klasse-1-Karzinogen (#Bier) #Glyphosat https://t.co/d7QIeSAIoP https://t.co/O4FVvVeIbI")

Update (15:06):

;)

LOL!



via Heuteshow

Update 2 (16:34):

Nach dem Spaß-Update noch was Ernsteres zum Thema. Fefe hat auch was und zwar ziemlich interessante Einsendungen:

Ich picke zwei:

a) Dass in der Studie keine Biobiere unter die Lupe genommen wurden, hängt möglicherweise eng mit dem Institut zusammen, das die Biere untersucht hat. Dieses steht der Bio-Branche nämlich nahe und will sicher nicht mit der Meldung "Glyphosat in Biobier" verwirren … Auch die Analysemethode ist nicht ganz unumstritten.

b) Wie das Glyphosat in das Bier kommt, ist relativ unklar. Zumindest wenn die Zutaten aus Deutschland kommen (was aber keineswegs sicher ist, Hopfen, Gerste, etc. werden ja überall eingekauft), kann Glyphosat eigentlich nicht in die Pflanzen kommen. Glyphosat baut sich im Boden ziemlich schnell und zuverlässig ab und kann eigentlich nur in die Produkte geraten, wenn es kurz vor der Ernte angewendet wird. Das geht aber nur, wenn man spezielle genmanipulierte Pflanzen einsetzt, die erstens in Deutschland nicht angebaut werden dürfen und zweitens für Gerste, Hopfen, etc. nicht existieren. Wie gesagt, dieser Teil der Erklärung wackelt mit dem Einkauf auf dem Weltmarkt.

Trotzdem: Zusammenfassend gab es wohl lange keine Öko-Panik-Meldung mehr, die wackliger war. Eigentlich ein Witz, das darüber überhaupt berichtet wird …

Update 3 (21:19):

Spektrum.de mit einem Kommentar zum "Skandal":

Spektrum.de: Meinung: Glyphosat im Bier, die Klickmaschine

Schwache Methodik, Lobbyismus, höchstwahrscheinlich Null Gefährdungspotenzial. Aber Klickmaschinenpotenzial, deshalb berichten alle.

Update 4 (08.03.2016):

Heute Renate Künast beim Ängste schüren mit dem Thema Glyphosat:

ZDF Moma: Video: Künast: Neuzulassung von Glyphosat verhindern

Auf die Frage, ob die Angst vor Glyphosat nur ein deutsches Phänomen sei und außerdem würden alle noch leben, obwohl Glyphosat seit 30 Jahren eingesetzt wird, Künast wörtlich:

"Nein, wir wissen ja gar nicht sehr genau, was das alles ausgelöst hat bei uns. Wenn die Weltgesundheitsorganisation sagt "wahrscheinlich krebserregend", es kann ja sein, dass ein sehr großer Teil der Krebsfälle, die wir heute erleben, verursacht sind durch genau dieses Glyphosat."

Natürlich kann das sein … Aber es ist ZIEMLICH unwahrscheinlich, dass Glyphosat für Lungenkrebs verantwortlich ist (das ist nämlich Tabak, früher auch Asbest) oder für Leberkrebs (das ist nämlich Alkohol). Interessante Risikoeinschätzung, Frau Künast. Glyphosat ist niemals für den Großteil der Krebserkrankungen aller Krebsarten verantwortlich und ziemlich wahrscheinlich nicht einmal für den Großteil einer bestimmten Krebsart verantwortlich.

Etwas später wird es dann noch schlimmer. Erst redet Künast von Gewinnen für Monsanto (was aber für das Herbizid Glyphosat schon lange nicht mehr stimmt, denn es gibt inzwischen 83 Glyphosat-Mittel von allen möglichen Firmen) und noch etwas später kommt die Nummer mit den glyphosatresistenten Nutzpflanzen von Monsanto (aber auch diese spielen in Deutschland keine Rolle, weil gentechnisch veränderte Pflanzen nicht zulässig sind; Wikipedia dazu "Glyphosatresistente Nutzpflanzen spielen in Deutschland keine Rolle"). Wer so unsauber argumentiert und so unzulässig Ängste der Bevölkerung schürt, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann keine Stimmen mehr dazugewinnt, sondern als ewig-verängstigte Ökospinner ("ohne die hätten wir immer noch kein schnurloses Telefon") abgetan wird. Dabei gibt es genügend reale (und größere) Probleme, bei denen man gar keine Angst schüren muss: Ich sage nur Klima und z.B. auch Feinstaub.

"Nur knapp 3% der Einbrecher werden verurteilt" ist nur knapp daneben. Okay, weit daneben.

FAZ: Nicht einmal drei Prozent aller Einbrecher werden verurteilt. Das kann man heute in der FAZ und an vielen Stellen lesen, weil es ein Artikel der DPA ist, der damit quasi überall kommt.

Ich befürchte aber, dass wir hier einen Statistik-Journalistik-Fail sehen, zumindest eine ziemlich unsaubere Darstellung. Der Verdacht liegt nahe, da die DPA Begriffe unerklärt nebeneinander stellt, die man meiner Meinung nach erklären und sinnvoller in Zusammenhang setzen müsste.

Nur 2,6 Prozent aller Einbrecher werden nach einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) am Ende verurteilt.

Mein erster Gedanke nach dem Lesen der Überschrift war: Nur 2,6% der Einbrecher werden verurteilt? Heißt das, dass 97,4% laufen gelassen werden (und den Gedanken werde ich nicht als Einziger gehabt haben)?

Ok, gehen wir den Artikel der Reihe nach durch:

Nur 2,6 Prozent aller Einbrecher werden nach einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) am Ende verurteilt. Dies habe die Auswertung von 3668 von der Polizei im Jahr 2010 in Berlin, Bremerhaven, Hannover, München und Stuttgart registrierten Einbrüchen ergeben, teilte das KFN am Dienstag mit. Damit liegt der Anteil der tatsächlich zur Rechenschaft gezogenen Einbrecher noch deutlich unter der Aufklärungsquote der Polizei, die 2014 bei Einbrüchen im Bundesschnitt bei 15,9 Prozent lag.

Natürlich werden nicht 97,4% der Einbrecher einfach laufen gelassen. Der Artikel erklärt das mMn aber nicht gut. Der größte Teil der Einbrecher, die nicht verurteilt werden, werden nur aus einem Grund nicht verurteilt: weil sie erst gar nicht gefasst werden. Darauf weist die Aufklärungsquote von 15,9% hin, aber auch irgendwie nur hin, wirklich erklärt wird das nicht.

"Bei über zwei Drittel aller Fälle, die von der Polizei mit der Ermittlung eines Tatverdächtigen als aufgeklärt verbucht wurden, hielt die Staatsanwaltschaft die Beweislage für zu dünn, ergab die KFN-Untersuchung. Kam es doch zu einer Anklage, so wurden davon etwa 75 Prozent der Tatverdächtigen verurteilt. "


Von denen, die gefasst werden, werden also nur 1/3 angeklagt, und von denen werden etwa 3/4 verurteilt. Würde man das durchrechnen, könnte man zum Ergebnis kommen, dass etwa 1/4 der Gefassten auch verurteilt werden. Das mag man für sehr wenig halten, allerdings braucht man bei einem Rechtsgrundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" mehr als einen Hinweis, man braucht harte belastbare Beweise. Diese Quote von knapp 25% ist immer noch was ganz anderes als die 2,6%, aus denen sich die Überschrift ergibt. Achtung: Diese Darstellung folgt aus dem Artikel, ist aber ziemlich falsch. Okay, dort steht nirgendwo explizit, dass sich die Personen, für die "es doch zu einer Anklage kam" das übriggebliebene Drittel darstellen, das nach den zwei Dritteln "für die die Beweislage zu dünn war" übrig bleibt. Man denkt sich das zwar vielleicht, aber in der Praxis haben die Mengen aus Satz eins und zwei wenig miteinander zu tun.

Wenn man in die Grafik (s.u.) der Studie schaut, die dem Artikel zugrunde liegt (Link unten), sieht man, dass bei 619 ermittelten Personen nur gegen 113 Personen Strafverfahren eingeleitet und gegen 107 Anklage erhoben wird. Es sind also nicht annähernd 1/3, gegen die ein Verfahren eröffnet wird, sondern 18,3%. Von diesen werden etwa etwa 3/4 verurteilt, was so auch im Artikel steht.

Auf die Idee, dass der erste und der zweite Satz des Artikels einfach nur hintereinanderstehen und man daraus keine Zusammenhänge ableiten kann, muss man auch erst kommen.

Irreführend ist auch, dass im zweiten Abschnitt auf einmal über Einbrecher (=Personen) gesprochen wird, im ersten Absatz aber über Einbrüche (=Fälle). Nur wird nirgendwo der Übergang von Einbrüchen (Fällen) auf Einbrecher (Personen) gemacht; er wird gar nicht thematisiert.

Aus diesen 113 Strafverfahren (bzw. 107 Anklageerhebungen) folgen übrigens 86 Verurteilte, die am Ende der Studie wieder auf 62 Einbrüche aggregiert werden.

Aber zurück zu den knapp 3% (von was eigentlich?), die verurteilt werden: Diese leiten sich aus den Einbrüchen (den Fällen) ab. Der Unterschied zwischen der "Knastquote" von 25% (im Artikel) bei den Gefassten und den 3% ergibt sich aus drei Tatsachen:

a) der niedrigen Aufklärungsquote (senkt potenziell die "Knastquote"; Einschränkung siehe unten)
b) der Anzahl der Beteiligten (erhöht potenziell die "Knastquote")
c) der Anzahl der Einbrüche pro Beteiligtem (senkt die "Knastquote")

Der Großteil der Einbrüche wird nicht aufgeklärt. 2014 lag die Aufklärungsquote bei 15,9%, wie hoch sie bei der Stichprobe, der der zitierten Studie zugrunde liegt, steht im Artikel leider nicht. (In der Studie steht der Wert übrigens: 15,3%).

NUR: Auch an dieser Stelle wird im Artikel ein komischer Kurzschluss von Verbrechen also Fällen) auf Verbrecher (also Personen) gemacht. Die Aufklärungsquote kann sich logischerweise nur auf "Einbrüche" beziehen, nicht auf "Einbrecher". Denn man kennt sowohl die Anzahl der Einbrecher pro aufgeklärtem Einbruch nicht, noch kennt man die noch viel wichtigere Zahl: Die Anzahl der Einbrüche pro Einbrecher. Einbrechen ist ja kein Hobby, dem man aus einer spontanen Laune nächsten Samstagabend fröhnt, sondern ein Full-Time-Job. Man braucht vernünftiges Werkzeug, man beobachtet die möglichen Ziele, man versucht sein Risiko zu reduzieren (Bewohner im Urlaub? Hat er uns netterweise auf Facebook darauf hingewiesen?), und nicht zuletzt braucht man ein Hehler-Netzwerk, um die Ware loszuwerden (einfach auf ebay vertickern ist ziemlich dumm). Kurz: Die Mehrzahl der Einbrüche dürfte von Profis durchgeführt werden, die zig Einbrüche pro Jahr durchführen. Damit ist natürlich jeder Schluss von der Anzahl der Einbrüche über die Aufklärungsquote auf die Anteil der verurteilten Einbrecher unzulässig.

Man muss zusätzlich berücksichtigen, dass die Aufklärungsquote auch Einbrüche als unaufgeklärt enthält, die man nicht nachweisen konnte, bzw. die der Täter nicht zugegeben hat. Es kann im Umkehrschluss sein, dass ein Einbrecher, der in den Knast gesteckt wurde, auch für einen Fall dort sitzt, der in der Statistik als unaufgeklärt gilt. Kurz: Die Überleitung von Fällen auf Personen ist aus vielerlei Gründen schwierig, die Aufklärungsquote (die sich allein auf die Fälle bezieht) ist dafür nicht geeignet. Vor allem gilt, dass man bei jeder Zahl, die Einbrüche (Fälle) und Einbrecher (Personen) in Beziehung setzt, auf den Unterschied zwischen Fällen und Personen hinweisen muss. Sonst liegen komische Schlüsse nahe.

Wenn die Überschrift sauber formuliert wäre, müsste sie eher so lauten:

Nur auf 2,6% der Einbrüche folgt eine Verurteilung (mind. einer Person).

In der Grafik des Forschungsberichts wird das auch sehr sauber formuliert:

"Fälle mit mindestens einer Verurteilung/Strafbefehl" (62 von 2403 Einbrüchen = 2,58%)

Auf die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen (619) liegt die Quote der Verurteilten (62) nämlich bei 10%, hier geht es sauber um Personen.

Kurz: Es geht bei der Zahl aus der Überschrift nicht um Einbrecher, die verurteilt oder nicht verurteilt werden, sondern um Einbrüche, für die jemand verurteilt wird. Das mag sich wie ein Detail anhören, ist es aber nicht. Vor allem, weil die Fokussierung auf die 2,6% gleich den Umkehrschluss des "allseits besorgten Bürgers" gleich lauten wird: : "97% lässt man laufen? Wo sind wir denn hier?" (eventuell noch von Pegida-Besorgten mit einem "alle ausweisen, diese Rumänen" garniert) und die Folgerung der Politiker (und wohl auch der Polizei) sein wird: Wir brauchen mehr Polizei und mehr Überwachung. Das fordern die üblichen Verdächtigen ja immer …

Der Forschungsbericht ist für eine schnelle Lektüre zu lang (weit über 100 Seiten), aber wer sich für den Aspekt interessiert, über den ich hier herummosere, kann sich mal Seite 73 anschauen: Dort ist ein Flussdiagramm abgebildet, das den Ablauf gut erklärt. Ich habe das Diagramm mal eingefügt (die gestrichelten Kästchen sind Fälle, die mit voller Linie Personen):



aus KFN: Wohnungseinbruch: Polizeiliche Ermittlungspraxis und justizielle Entscheidungen im Erkenntnisverfahren. Ergebnisse einer Aktenanalyse in fünf Großstädten. Arne Dreißigacker, Gina Rosa Wollinger, Katharina Blauert, Anuschka Schmitt, Tillmann Bartsch, Dirk Baier. 2016 (PDF!).

Ich warte schon auf die ersten Artikel, auf die ersten Politikerkommentare, auf die ersten Talk-Shows, in denen die falsche Zahl von 2,6% verurteilter Einbrecher herumgereicht wird. Tatsächlich ist die Quote fast viermal so hoch. So liefert man der "mehr Polizei, mehr Überwachungs"-Fraktion eine Steilvorlage, die relativ ungerechtfertigt ist. Ein Aufreger, der nicht wirklich einer ist. Denn die 10% hätten wohl für deutlich weniger Schlagzeilen gesorgt … (der Bürger hätte halt gedacht: "nun gut, die laufen eh alle weg, klar, dass kaum jemand verurteilt wird". Der Gedanke ist zwar - was die Herleitung angeht, zwar falsch, aber auch ein falscher Gedanke kann zum schulterzuckenden Ignorieren des Artikels führen …).

Nun gut, jetzt haben wir wieder eine Zahl für die Talkshows und die Überschriften.  Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

(Ich will übrigens nicht sagen, dass ich die Aufklärungsquote von 15% besonders toll finde. Und ich will auch nicht sagen, dass ich nicht überrascht war, als ich nach dem Wühlen in den Zahlen entdeckt habe, dass gerade einmal 10% der Personen, die von der Polizei als Einbrecher verhaftet werden, am Ende auch verurteilt werden. Ich hätte hier eine viel höhere Quote erwartet. Was ich kritisieren will, ist den Artikel und vor allem die Überschrift, die die Studie ziemlich verzerrend und verkürzt darstellen).

USA: Arbeitslosenquote 12/2015: 5,0% (unv. Vm, -0,6 Vj), 292.000 neue Jobs.

So, 2016 mal wieder regelmäßig meinen US-Arbeitsmarktbericht machen:

Für den Schlussmonat des Jahres 2015 veröffentlichte das Bureau of Labor Statistics einen Arbeitsmarktbericht, der durchweg positiv war. Beide Teilbereiche der US-Arbeitsmarktstatistik meldeten positive Werte, teilweise sogar deutlich besser als von Analysten erwartet.

Zu den offiziellen Zahlen des Dezember 2015:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -20.000 auf 7,904 Millionen,
Anzahl der Arbeitenden: +485.000 auf 149,929 Millionen

--> Arbeitslosenquote: 5,0% (unverändert zum Vormonat; -0,6 zum Vorjahresmonat). Der positive Trend auf Jahresbasis ist weiterhin klar und in vollem Umfang intakt.

Richtig viele neue Arbeitsplätze, eine leicht gesunkene Arbeitslosenzahl, wodurch die Arbeitslosenquote nur konstant blieb, auch weil die NILF-Zahl ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, aus welchen Gründen auch immer) kräftig gesunken ist: 177.000 AmerikanerInnen weniger wurde als „NILF“ eingeordnet, stehen nach Ansicht der Arbeitsmarktstatistiker dem Arbeitsmarkt also plötzlich wieder zur Verfügung.

Schwenken wir rüber zur Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Check für die Arbeitslosenquote ist. Diese stieg durch die hohe Anzahl an zusätzlichen Arbeitsplätzen im Monatsvergleich um 0,1% und liegt nun bei 59,5%, was 0,3 Punkte mehr sind als vor einem Jahr. Das ist das zweite 0,1%ige Plus nach dem November, obwohl die Arbeitslosenquote seit Oktober bei 5,0% verharrt. Damit löst sich die Erwerbstätigenquote langsam aber sicher vom Rekordtief von 58,2% aus dem Oktober 2013; der aktuelle Wert ist der beste seit August 2009. Im Moment bessert sich die Lage des US-Arbeitsmarkts also eher unter der Haube und weniger bei den Arbeitslosenquote.

Langfristig ist das Auseinanderklaffen von Arbeitslosen- und Erwerbstätigenquote aber immer noch ernüchternd. Die Arbeitslosenquote hat sich von knapp 10% auf nun 5,0% nahezu halbiert, die Erwerbstätigenquote ist aber gerade einmal um 1,3 Prozentpunkte von 58,2 auf 59,5 gestiegen. Das Urteil aus den letzten Berichten stimmt immer noch: Trotz der spürbaren Verbesserung der Arbeitslosenquote verbessert sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur recht verhalten. Es entstehen zwar neue Arbeitsplätze, aber nur geringfügig mehr als angesichts der wachsenden Bevölkerung nötig wäre, um die Erwerbstätigenquote stabil zu halten.

Establishment Data:

Auch die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, waren im Dezember sehr positiv.

Anzahl der Jobs: Plus 292.000 gegenüber dem Vormonat auf 143,242 Millionen. Zum Plus von 275.000 neuen Jobs im privaten Sektor kam ein Zuwachs der Beschäftigung von 17.000 Jobs im öffentlichen Sektor. Das Plus lag über den Erwartungen der Analysten und auch leicht über dem Durchschnittswert des letzten halben Jahres.

Noch positiver fällt die Beurteilung des Dezember-Berichts aus, sobald man auf die Korrekturen der beiden Vormonate schaut. Das Oktober-Plus für die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurde von 298.000 auf 307.000, das November-Plus noch deutlicher von 211.000 auf 252.000 nach oben korrigiert. Zusammen sind das satte 50.000 neue Arbeitsplätze durch diese beiden Korrekturen.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Dezember bei 34,5 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg leicht von 3,2 auf 3,3 Stunden. Beide Werte bleiben damit in der seit gefühlten Ewigkeiten geltenden Spanne von 34,4 bis 34,5 bzw. 3,2 bis 3,5 Stunden; allerdings derzeit am unteren Ende. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass jetzt weniger auf temporäre Mehrbeschäftigung (Überstunden) gesetzt wird und mehr richtige Stellen geschaffen werden. Vielleicht ein Hinweis auf höhere Zuversicht bei den Arbeitgebern. In beiden Zahlen spiegelt sich weiterhin die grobe Tendenz am Arbeitsmarkt wider: Die Beschäftigung wächst stabil, aber ein breiter Boom sieht anders aus.

Immer ein guter Check für die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc.). Die U-6 verharrte im Dezember bei 9,9%. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Rückgang um 1,2 Prozentpunkte. Auf Jahressicht ist die Sinkgeschwindigkeit weiter positiv und die Quote bei der breiter gefassten Arbeitslosigkeit sinkt schneller als die Arbeitslosenquote in der engeren Definition. Wenn man aber berücksichtigt, dass die Arbeitslosenquote dort doppelt so hoch ist (9,9 vs. 5,0%), sollte die Arbeitslosenquote dort auch etwa doppelt so schnell sinken. Die Erholung kommt also in allen Ecken des Arbeitsmarkts an, zumindest soweit die Statistik das wiedergeben kann.

Zusammenfassend: Der Dezember-Bericht vom US-Arbeitsmarkt fiel durch die Bank sehr positiv aus. Household-Data durchweg positiv; keine der üblichen Schwachstellen (NILF) sichtbar. Einzige Enttäuschung vielleicht die nicht gesunkene Arbeitslosenquote. Die Daten aus der Establishment-Umfrage, die als genauer gelten, waren ebenfalls sehr positiv, vor allem wenn man die Aufwärtskorrekturen von insgesamt 50.000 berücksichtigt.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION — December 2015  (PDF)

Eine Zahl, die in letzter Zeit manchmal leichte Sorgen über eine Deflation verbreitete und vielleicht wieder etwas genauer unter die Lupe genommen werden sollte: Der durchschnittliche Stundenlohn sank um einen Cent auf 25,24$. Die Jahresrate liegt aber weiter bei soliden 2,5%. Für Panik ist es zu früh, der Rückgang der Stundenlöhne im Dezember liegt wahrscheinlich eher daran, dass die Zahl nicht bereinigt wird und im Dezember viele Niedriglohn-Arbeitsplätze im Einzelhandel und der Logistik (man denke z.B. an Amazon) geschaffen werden

Smombie ist Jugendwort 2015 - Jugend ist scheinbar nicht im Netz

Wenn man googelt, findet man das Jugendwort des Jahres 2015 "Smombie" in drei Zusammenhängen:
  • Mit der heutigen Nachricht als Jugendwort des Jahres (deshalb Zeiteinschränkung bei Google bis gestern machen)
  • In einem Jugendslang-Wörterbuch in der Phrase "Skyler nicht so rum, alter Smombie" von Trommelwirbel dem Preisvergeber Langenscheidt …100% Jugendsprache
  • Im Artikel: Smombie Ade, der aus dem Sommer 2015 stammt, und sich ebenfalls auf die Nominierung zum Jugendwort bezieht.
Nun kann Google ja immer noch ganz coole (wenn auch zu wenig bekannte) Suchoperationen und lässt uns z.B. den Zeitraum eingrenzen. So filtere ich mit einer Suche bis gestern (12.11.2015) die meisten Erwähnungen der Jugend-Nachricht heraus (manches bleibt übrig, weil von Google falsch einsortiert). Dann wirft man sicherheitshalber auch "Jugendwort" raus, den Begriff "Skyler" raus , und schlussendlich noch den "Smombie adé"-Artikel, obwohl der eigentlich schon "Jugendwort" enthält und rausfallen sollte (aber wie gesagt, manches sortiert und indiziert Google nicht richtig).

Dann gibt das folgende Suchabfrage, die ich noch auf "deutschsprachige Seiten" eingeschränkt habe: smombie -jugendwort -skyler -ade - Google-Suche

Und jetzt ratet mal, wie viele Treffer die Suche noch bringt? Zwei Seiten.




Seite zwei. Ganze 14 Treffer. Ein paar Wörterbuch-Suchmaschinen-Spammer, ein paar falsch einsortierte Seiten, ein Video und ein T-Shirt bei Spreadshirt.

Realweltrelevanz des Begriffs? Wohl ziemlich nah an Null. Von Jugendlichen nur in homöopathischen Dosen verwendet. Oder die gesamte Jugend hinterlässt keine schriftlichen Spuren mehr im Netz. Oder (und wahrscheinlicher) Langenscheidt hat sich mit diesem Begriff komplett in die eigene Jugendsprache-Lexikon-Bubble verabschiedet. Bald denken die sich selber irgendwelche Begriffe aus und behaupten, dass die Jugendlichen die benutzen würden. Dass das Jugendwort des Jahres bei Google nicht zu finden ist, ist anscheinend ja kein Hinderungsgrund. Jugendwörter sind ja so eine Art Geheimcode auf dem Schulhof und dürfen im Netz nicht zu den Erwachsenen durchdringen …

Wenn man jetzt etwas gemeiner ist, könnte man auch sagen, dass es vielleicht unter Umständen eventuell ein komischer Zufall sein könnte, dass heute beim Googeln nach dem Begriff massenhaft Leute auf das Jugendwort-Lexikon von Langenscheidt stoßen. Das ist bestimmt nicht so schlecht für den Verkauf.

Okay, es ist glaube ich klar: Das Jugendwort des Jahres ist nichts außer Marketing für das Jugendsprache-Wörterbuch von Langenscheidt. Eine sprachwissenschaftliche Relevanz billige ich diesem "Preis" in Zukunft mehr zu. Leider werden trotzdem alle darüber berichten. Einen Marketingpreis könnte man daher mal für die Aktion verleihen … Ziemlich clevere Nummer …

Ich hoffe nur, dass das richtige "Wort des Jahres" 2015 etwas relevanter wird. Im letzten Jahr war es übrigens Lichtgrenze. Wer erinnert sich nicht (lol) …

Update (15:47):

Ein Jury-Mitglied äußert sich: Roger Rekless über "Smombie" - Warum "Hurensohn" das Jugendwort des Jahres sein sollte.

Die SZ fragt sich, ob das Jugendwort nun tot sei. Ich glaube eher, dass es nie gelebt hat. SZ: Sie nannten ihn "Smombie".

Update 2 (16:55):

Das geheime Protokoll der entscheidenden Sitzung: MAN IST SO WORT, WIE MAN SICH FÜHLT

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