Kombilohn durch Gutscheine

Ziemlich interessante Idee wie ich finde.

Der neue Chef des Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, Dennis Snower, schlägt in der F.A.Z. vor, jedem Arbeitslosen Gutscheine zu geben, die er dann bei einem neuen Arbeitgeber einlösen, der daraufhin einen Lohnzuschuss vom Staat erhält.

Für den Arbeitgeber wird also ein Arbeitsloser umso interessanter, je länger er arbeitslos ist, da er dann mehr Gutscheine "einbringt".

Das Nette an dem Modell: Es hat keine Stufen. Jeder Arbeitslose bekommt einfach immer jeden Monat die gleichen Gutscheine. Man muss sich als Gesetzgeber keinen Kopf darübermachen, ob man Langzeitarbeitslose nach einem Jahr fördert, nach zwei Jahren, oder erst wenn die älter als 50 sind, oder wie auch immer. Denn jede Stufe hat den fatalen Anreiz, dass man sobald man kurz vor der Stufe steht, besser noch etwas länger arbeitslos bleibt, um dann z.B. die Förderung einer Ich-AG abgreifen zu können.

Man könnte das Modell jetzt noch in bestimmte Richtungen weiterdenken: Warum die Gutscheine nicht auch für Weiterbildung einsetzen (wenn der Arbeitslose meint, er würde seine Chancen durch eine Fortbildung stärker erhöhen als durch einen neidrigeren Lohn, kann er sich halt fortbilden. Er muss es aber selbst entscheiden und sich die Fortbildung selber aussuchen. Dann wird das wesentlich mehr Nutzen abwerfen als aktuellen Pflichtveranstaltungen zum Bewerbungstraining)? Warum die Gutscheine nicht auch einsetzen, wenn sich der Arbeitslose selbständig machen will (so könnte man die Ich-AG direkt wieder abschaffen)?


Unabhängig von diesem konkreten Modell noch eine allgemeinere Anmerkung zu den Kombilöhnen:

Warum wird eigentlich nie berücksichtigt, dass jeder Kombilöhner etwas erwirtschaftet?!? Wenn jemand 700 Euro verdient, macht er das heute nicht, weil es sich nicht lohnt. Trotzdem könnte er offenbar etwas leisten, was irgendjemandem 700 Euro wert wäre. Wenn der Staat nun diesen Job mit 300 Euro förderte, kostet das den Staat 300 Euro. Und über diese 300 Euro wird diskutiert. Über die 700 Euro Wirtschaftsleistung, die so nicht geleistet wird oder in der Schwarzarbeit landet oder in weniger Freizeit, wird fast nie geredet.

Wichtiger ist aber folgender Aspekt: Wer NICHTARBEIT fördert und nicht ARBEIT fördert, muss sich nicht wundern, wenn die Leute dann nicht arbeiten ...

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