Die billigste Lösung: Einfach 1 Milliarde Menschen verrecken lassen

Sehr treffender Artikel bei der FAZ. Darin geht der Autor Guillaume Paoli der Frage nach, warum eigentlich angesichts der drohenden Katastrophe durch die Klimaerwärmung nichts passiert und warum sich niemand Sorgen macht. Ihm fällt z.B. auf, wie shizophren allein die Aussage ist, dass das Weltwirtschaftswachstum durch die Klimaerwärmung gefährdet sei. Schließlich werden bei dieser Aussage Ursache und Wirkung komplett vertauscht.
Dass man die Klimaerwärmung auch nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten darf, wie es Nicholas Stern gemacht hat, ist unstrittig. Allerdings halte ich es durchaus für legitim, es auch zu machen. Immerhin macht es wohl manchem klar, dass die Auswirkungen der Klimaerwärmung auch ans eigene Portmonee gehen. Die Aussage von Paoli, der kurz anmerkt, dass am billigsten sei, die 1 Milliarde betroffener Armer vor allem in Afrika einfach verrecken zu lassen, ist zwar derbe, rüttelt aber auf und bringt einiges auf den Punkt: Auf wessen Kosten es geht und welche dramatischen Auswirkungen das ganze haben wird.

Ich hätte für den Autor übrigens noch eine These, die erklären kann, warum die öffentliche Verdrängung bei diesem Thema so groß ist: Es betrifft jeden. Jeden einzelnen. Alle sind schuld (siehe dazu: privater Energieverbrauch steigt weiter). Um etwas zu ändern, muss sich jeder einzelne ändern. Und das will keiner. Den weiter in den Urlaub fahren, weiter in den Urlaub fliegen, weiter die billigsten Sachen aus China kaufen, tja, darauf will keiner verzichten. Umweltschutz ist nur dann beliebt, wenn man auf die böse Stromwirtschaft schimpfen kann, die böse Chemieindustrie, die Amerikaner oder was weiss ich. Hauptsache, man muss selber nichts ändern. Das "selber was ändern müssen" in Kombination mit "ich alleine kann eh nichts ändern" reicht als Ausrede zum (frei nach Herbert Grönemeyer) gemütlich weitergrasen.

Die FAZ hat auch ein Special zum Thema, allerdings sind die anderen Artikel nicht so spannend, wenn auch nicht schlecht. Ein paar interessante Fakten zum Überblick findet man auch noch im Telepolis-Schlussartikel zur Nairobi-Konferenz, der unter dem bezeichnenden Titel: "Der Fortschritt ist eine Schnecke" steht.

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