Insider verkaufen wieder mehr (aber ist das relevant?)

Für die zukünftige Entwicklung der Börsen sind die Einschätzungen der Insider interessant, weil diese immer etwas näher am Geschehen sind als andere. Behauptet zumindest ein FAZ-Artikel. Die Idee ist einfach: Wenn die Insider kaufen, werden die Aktien demnächst steigen (weil die Geschäftsentwicklung gut ist). Wenn die Insider verkaufen, fallen die Aktien (weil die Insider den Aktien nicht mehr viel zutrauen). Alle Insider (vor allem aus dem Management der Unternehmen) müssen ihre Transaktionen melden und die BAFIN veröffentlicht diese dann bis zu 7 Tage zeitverzögert.

Üblicherweise bezieht man diese These aber nicht auf den Markt als ganzes, sondern auf die einzelnen Firmen. Man baut also ein breit aufgestelltes Depot, in das man nur Aktien packt, bei denen die Insider gerade kaufen. Sobald die anfangen zu verkaufen, verkauft man auch. Man hofft, so einen entscheidenden Vorsprung zu gewinnen.

Ich halte diese These auch zwei Gründen für etwas wacklig. Insider bekommen bei wirklich schlechten Daten Probleme, wenn sie vor der Veröffentlichung noch schnell ihre Aktien verkaufen. Also werden sie dort entsprechend vorsichtig sein. Zum zweiten sind die Daten halt zeitverzögert und möglicherweise reagiert man damit schlicht zu spät auf die Aktien der Insider.

Jetzt geht aber die FAZ einen Schritt weiter und summiert die einzelnen Käufe und Verkäufe auf und versucht daraus den Index zu prognostizieren. Das mag theoretisch auch Sinn machen. Wenn wie aktuell hundertmal mehr von Insidern verkauft wird als gleichzeitig gekauft wird, ist das schon eine auffällige Zahl. Die darauf hindeuten mag, dass die Insider eher skeptisch sind.

Wenn man sich allerdings die Grafik anschaut, fragt man sich, was ist denn jetzt eigentlich richtig skeptisch und was so richtig optimistisch. Außerdem schwanken die Zahlen so kräftig, dass man die höchstwahrscheinlich glätten muss. Immerhin ist der Wert seit Juli von 0,3 auf jetzt unter 0,01 gefallen. Vom dritthöchsten Wert in den letzten 5 Jahren auf den niedrigsten in nur 5 Monaten. Hmmm. Und nur das Verhältnis zu untersuchen, ohne die absoluten Zahlen zu kennen, ist auch schwierig. Es reicht ja, wenn die Käufe einbrechen. Ohne, dass die Verkäufe steigen, reisst das das Verhältnis schon nach unten.

Ich würde also nicht allzuviel darum geben. Die augenscheinliche Korrelation scheint auch nicht sonderlich hoch zu sein. Allein wenn man sich die Baisse Anfang des Jahrzehnt/hundert/tausends anschaut, sieht man darin, dass der erste Wert, der in der Größenordnung lag, wie der aktuelle, im Juni 2001 kam. Und damals hatte die Börse schon gut die Hälfte des Abschwungs hinter sich. Ein Frühindikator sieht anders aus!
Und der negativste Wert trat nur 3 Monate später (OK, 9/11 wird da massiv verfälscht haben). Auch diese Spitze kam viel zu früh. Und auch wenn man sich das Tief anschaut, ist das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern nicht so eindeutig, dass man daraus ein klares Einstiegssignal ableiten kann. Vor allem kein genaues. Ein "Idiotenindikator" wie die 200 Tage-Linie hätte wohl ein besseres Signal gegeben.

Für die Auswahl einzelner Aktien mögen die Insider eine wichtige Information liefern. Für den Markt bezweifle ich das.

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