Zur Mindestlohndebatte

Ich habe mir zwar vorgenommen, zu aktuellen politischen Dingen weniger zu schreiben als im letzten Jahr, aber wenn es sich um Wirtschaftsthemen handelt, werde ich das nicht komplett sein lassen.

Econbrowser hat einen interessanten Artikel zum Mindestlohn. Dieser weist darauf hin, dass die meisten, aktuellen Wirtschaftstheorien nicht mehr von den utopischen Annahmen der alten Modelle ausgehen (effiziente Märkte, Homo Ökonomikus, ...). Bei der Diskussion über Mindestlöhne benutzt die Wissenschaft aber weiterhin diese (alten) Modelle. Das ist aber zu stark vereinfachend.

Wenn man zwei Sachen ins Modell einbaut, die die Realität exakter widerspiegeln, nämlich:
a) ein Teil der Unternehmen kann die höheren Löhne über höhere Preise weitergeben
b) Arbeiter sind unterschiedlich (nicht beliebig ersetzbar),
ist die Rechnung gar nicht mehr so einfach.

Im Endeffekt hängt es vom Anteil der Firmen ab, die die Preise erhöhen können, ohne dass es zu Rationalisierungen kommt. Denn dann halten diese die Beschäftigung stabil. Und das erhöht die Lohnsumme. Die dann wieder verkonsumiert wird. Über diesen Multiplikatoreffekt *kann* ein erhöhter Mindestlohn sogar zu höherer Beschäftigung führen.

Was aber noch lange nicht heißt, dass das wirklich so ist. Genausowenig heißt es aber aber nicht, dass die neoliberale These stimmt, dass höhere (Mindest-)löhne immer zu weniger Arbeit führen.

Schade, dass uns die Wissenschaft nicht sagen kann, wie hoch der Anteil der Firmen ist und wie weit man die Löhne erhöhen müsste, um den optimalen Effekt zu erreichen. Aber das wäre auch egal, denne swürde sowieso niemand darauf hören. Denn die meisten Politiker sind ja schon zu dumm, der Diskussion oben überhaupt zu folgen ... Die sind schon froh, wenn die einen der beiden Standpunkte ("Mindestlohn gut, weil ... " oder "Mindestlohn schlecht, weil ..." verstanden haben ....)



Econbrowser: The Economic Debate over Minimum Wage Effects

1 Kommentar :

  1. Wenn der Mindestlohn so vorteilhaft ist, dann bin ich für 30 Euro pro Stunde, damit jeder was vom Wohlstand abbekommt und nicht nur die Reichen. Dann ist jeder reich.

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