Börsen-Spam: Ein Update zum Millionenbetrug

Update zu meinem letzten Artikel Artstor, Adori, Gontard ... Börsen-Spam jetzt auch in Deutschland. Darin findet man die Originalmails und meine ausdrückliche Warnung bei einer solchen Abzocke mitzumachen.

Ich bin etwas überrascht, dass manche meine kritische Einstellung zu Börsenspams nicht nachvollziehen können. Dass sie damit den Abzockern einen Freifahrtsschein ausstellen, ist wohl egal. Die Argumentation ist in etwa so bescheuert wie einem Hehler Waren abzukaufen, weil es sonst ja eh ein anderer macht und der Beklaute sein Zeug ja eh nicht zurückbekommt. Grrrr.

Aber ich möchte auch nochmal eindringlich vor den Gefahren warnen auf einen solchen Börsen-Pusher-Zug aufzuspringen. Denn fast genauso schnell wie der Zug anspringt, kommt er auch wieder zum Stehen. Besonders eindrucksvoll passiert das bei Artstor, dem ersten empfohlenen Wert. Der Kurs ist inzwischen wieder auf 11 Cent gesunken.


Damit dürfte ein ganzer Teil der über den Tisch gezogenen Lemminge inzwischen auf satten Verlusten von 50 % und mehr sitzen. Und das in drei Tagen. Autsch.






Bei Gontard + Metallbank ist der Push offenbar schon etwas eher verpufft. Hier reichte es nur noch für eine Kursvervierfachung. Evtl. liegt das aber auch daran, dass Gontard + Metallbank vor dem Push höhere Umsätze hatte und daher die gleiche Menge Geld durch den Push nicht für einen ähnlich großen Kurssprung sorgen konnte. Eventuell sind aber auch einfach alle Doofies bereits investiert.







Bei Adori, dem zweiten Push, zeigt sich ein Bild irgendwo in der Mitte zwischen den beiden vorgenannten. Adori ist auch die Aktie, die noch am nachhaltigsten über dem Ausgangsniveau liegt. Aber es sollte sich kein Anleger Hoffnung machen, dass der Kurs nochmal nach oben geht. Die Aktion ist vorbei. Feierabend. Die Aktie wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf das Niveau zurückkommen, wo sie auch her kam. Und/Oder irgendwann wertlos aus den Depots ausgebucht werden.





Eine Sache würde ich gerne noch anmerken, die die ganze Aktion eigentlich noch erschreckender macht. Während bisher eigentlich immer versucht wurde, eine Story zu bauen ("ganz viel Gold/Uran möglich", "ganz tolles Mittel gegen AIDS möglich","ganz tolles Verfahren zur Solarzellenherstellung", "ganz tolles Verfahren für besseren Süßstoff", etc.pp.), spart der letzte Spam völlig an jeder Analyse. Die Mail schreit einfach nur "Kaufen!!!", "Kursziel= aktueller Kurs mal x". Fertig. Zusammen mit einem plump ausgedachten Namen "DEUTSCHER ANLAGE REPORT" und einer höchstwahrscheinlich nicht existierenden "Gisela Blecher-Stratmann" reicht das offenbar aus, um den deutschen Dummanleger mit Hunderttausenden Euros, wenn nicht gar Millionen Euros in diese Werte zu ziehen.


Wie war da noch der alte Spruch: "Über das nächste Auto macht sich der Deutsche drei Monate Gedanken, über die nächste Aktie keine drei Minuten".


Zum Thema Gesetze kann man wenig sagen. Der Versand von Spam ist seit kurzem strafbar (oder gilt das Gesetz noch nicht?). Die Geldstrafe dafür dürfte aber vom finanziellen Ertrag der Spam-Aktion locker bezahlbar sein. Und wenn der Initiator im Ausland sitzt, naja, dann bekommt man den entweder gar nicht oder es ist dort auch nicht strafbar. Ob der Push an sich strafbar ist, schwer zu sagen. Hier ist man in einer Grauzone. Denn niemand kann es jemandem verbieten, eine Aktie zu kaufen und diese dann auch zu empfehlen. Es gibt viele Börsenbriefe, die mit der Masche "Aktie erst kaufen, dann empfehlen" wahrscheinlich mehr Geld verdienen als mit dem Börsenbrief an sich. Ein kleiner Disclaimer im Kleingedruckten reicht da aus (Achtung Interessenskonflikt, Autor hält die Aktien selber im Depot). So ein Disclaimer ist nicht drin und die kriminelle Energie allein durch die Aussendung als Spam dürfte die Sache insgesamt u.U. doch strafbar machen. Aber beim aktuellen, immer noch traurigen Zustand des Anlegerschutzes in Deutschland, wäre es nicht verwunderlich, wenn entweder erst gar nicht ermittelt wird, wenn doch, diese im Sande verlaufen oder wenn man doch jemanden findet, der entweder gar keine oder eine völlig alberne Strafe bekommt. Alles andere würde mich wundern.


yigg it

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