Da sage nochmal jemand, Ritzholz wäre Perma-Bär

Immer pessimistisch, immer nur die negativen Nachrichten aufpickend ... meinen manche.

Dabei ist Big Picture eines meiner Lieblings-Blogs. Nicht nur, weil er viele spannende Sachen zusammensucht, sondern oft einen Blick hinter die Zahlen wirft.

Dass er komplett daneben lag, als das BIP für's 4. Quartal zum ersten Mal bekannt gegeben wurde, hat er ja zugegeben, allerdings auch immer versucht zu erklären, warum die Zahlen eigentlich falsch sein *müssen*. Im BIP konnte man steigende Autoumsätze sehen, komischerweise bei den drei Herstellern in den USA nicht. Die erste BIP Schätzung ist halt eine Schätzung. Eine, auf die die Börse komischerweise unglaublich viel Wert legt, aber doch nur eine Schätzung.

Nach der ersten Schätzung trudelten weitere Zahlen ein. U.a. wurde klar, dass sich der Aussenbeitrag (also die Differenz aus Im- und Export) nicht ansatzweise so positiv entwickelt hatte wie bei der Schätzung noch vermutet. Trinkaus & Burkhardt sah ähnliche Effekte und schätzte das reale Wachstum so gut noch niedriger als Ritzholz.

Nun kommt die erste revidierte Schätzung des US-BIPs und wir haben statt 3,5 Prozent nur 2,2 % Plus. Das ist noch weniger als Ritzholz erwartete. Das sage noch mal jemand, der wäre immer zu pessimistisch.

(Ein älteres Posting zum Thema zum Thema findet sich hier: US-Wachstum deutlich schächera ls erwartet?.

Und der Immobilienmarkt, für den Ritzholz (und ich) sehr skeptisch ist, lieferte heute Desaster-Zahlen: Die Zahl der neuverkauften Häuser ist um satte 16,6 % zurückgegangen, der heftigste Rückgang seit 13 Jahren.

Wer also meinte, dass die leichten Rückgänge bei den Neubauten jetzt dafür sorgen dürften, dass der Berg an unverkauften Häusern langsam kleiner wird, dürfte sich (vorerst) geirrt haben.

Ich werde heute abend auch noch die Postings von Ritzholz in diesen Post einfügen. Ich bin mir sicher, dass er was schreibt. Und wahrscheinlich hat er noch ein paar interessante Details.

Update: Econbrowser hat das BIP auseinandergenommen und weist erstens darauf hin, dass die neue Zahl viel mehr den ursprünglichen Erwartungen entspricht als die alte und zweitens darauf, dass die Korrekturen im Detail nicht so schlimm sind. Etwa die Hälfte der Korrektur von 3,5 auf 2,2 % kommt aus dem Lagerabbau. Für das BIP zählt die Produktion. Ob die ins Lager geht oder verkauft wird, ist erstmal egal. Kurzfristig ist Lageraufbau gut (erhöht das BIP), langfristig dürfen die Lager natürlich nicht zu groß werden. Deshalb ist diese Zahl nicht so schlimm, weil ein Lagerabbau nur eine temporäre Angelegenheit sein kann, man kann die Lager ja nicht komplett leeren. Kurz: Die Korrektur der Gesamtzahl ist auf den ersten Blick dramatischer als die Einzelkomponenten das anzeigen.

Econbrowser - Easy come, easy go. Natürlich gibt es auch den Hinweis darauf, dass eine Reihe anderer Zahlen viel beunruhigender sind (Industrieproduktion, Konsumausgaben, Zinsinversion): Econbrowser - The Fundamentals Are....

Kommentare :

  1. The Big Picture ist auch eins der besten Blogs und Barry ist ein sehr professioneller Kommentator. Viel besser als so mancher Börse-Journalist bei den Mainstreem Media.

    Vielleicht ist er nicht perma-bearish, aber in meinen Augen ist er viel zu früh skeptisch geworden, und jetzt ist er viel zu pessimistisch.

    Von einem Desaster am Immo-Markt würde ich erst dann sprechen, wenn die Preise fallen würden. Die Bau- und Verkaufsaktivitäten schlagen sicherlich auf das BIP durch, aber können noch kein Immo-Desaster zünden...

    AntwortenLöschen
  2. Man müsste ja jetzt erstmal definieren, was skeptisch ist und was ein Soft Landing ist, etc.pp.

    Die BIP Schätzungen der Mainstream-Banken lagen für 2007 bei etwa 2,5%. Das ist nicht, was ich ein Soft Landing nennen würde, das ist ja nur eine leichte Abschwächung. Ein Soft Landing würde ich das nennen, wenn wir auf 1% oder darunter gehen, ohne die klassischen Kriterien für eine Rezession zu erfüllen.

    Ob wir eine Rezession bekommen? Keine Ahnung? Ob wir ein Soft Landing bekommen? Keine Ahnung. Aber dass wir mehr als eine Wachstumsdelle bekommen, darauf würde ich wetten. Nicht viel (siehe meinen Artikel über die Weisheiten von Dorfman), aber einen Six-Pack gutes Bier schon :-)

    Klar, kann die Notenbank die Zinsen wieder senken. Aber eben noch nicht viel (weil die Inflation noch zu hoch ist). Und Zinssenkungen wirken erst mit deutlicher Verzögerung auf die Wirtschaft. Die aktuellen Abschwächungen sind die Folge der Zinserhöhungen, die allerdings schon vor einiger Zeit beendet wurden und vor noch längerer Zeit begonnen wurden.

    Wenn die US-Notenbank im Sommer anfängt zu senken, werden sich in der Wirtschaft vor dem nächsten Frühling keine Effekte zeigen. Das heisst natürlich nicht, dass die Aktienmärkte nicht schon viel eher anspringen. Ich betone auch bei allem Pessimismus hier immer, dass ich zu 80% investiert bin. Allerdings überlege ich dauernd, mich mit einem Put auf die US-Immobauer und/oder einem Yen Call abzusichern. Gold habe ich eh *immer* ein wenig.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore