Wir verkaufen Oma ihr klein Häuschen ...

und wir merken, dass man gar nix mehr dafür kriegt ...

Passend zur Karnevalszeit mal ein (leicht abgewandeltes) lustiges Lied.

Interessanter Artikel (für mich weniger), aber zumindest ein anregender: Man beachte die Diskussion im Anschluss, wo der Autor fast als Judas beschimpft wird. Dabei zweifelt er nur an, dass die eigene Immobilie für alle immer die beste Anlage ist. Das ist sie nämlich nicht und zwar vor allem aus einem wichtigen Grund: Keine Diversifikation. Und so doll ist die Rendite von Immobilien auch nicht (ansonsten würde es massenweise Mietimmobilien-Fonds geben).

Auch wenn der Autor direkt im zweiten Abschnitt einen Disclaimer vorwegschiebt (es ist nicht immer schlecht, eine eigene Immobilie zu kaufen), kochen die Diskussionen hoch. Und es kommen die immer wieder genannten Argumente, die oft auf dem Niveau eines mäßig begabten LBS-Verkäufers sind. Ein Haus ist eine sichere Anlage. Ein Haus ist aber auch illiquide. *Ein* Haus hat ein durchaus beachtliches Risiko für Wertverlust. Der Flughafen vor dem Haus dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein, aber eine Umgehungsstraße ist schon realistischer. Ein Asylantenheim, eine Klappse, ... Die Region kann wirtschaftlich den Bach runtergehen, die Innenstadt durch ein modernes Einkaufszentrum draußen abgewertet werden, etc. pp. Im Gegenzug kann man natürlich auch immer profitieren, aber wer nur *ein* Haus hat, kann halt auch Pech haben. Mangelnde Diversifikation halt. Dieses Risiko wird von den Immobilienbefürwortern irgendwie totgeschwiegen.

Manche Lösungsvorschläge in der Diskussion bei FAZ.NET sind richtig albern. Da wird tatsächlich vorgeschlagen, die Ablösung durch Aktienfonds zu machen. Und wenn das schief geht und man muss sein Haus 2003 ablösen, naja, dann fehlt halt das Geld und man landet in der Zwangsversteigerung. Tolle Idee!

Man muss eins bedenken: Wenn man 50.000 Eigenkapital hat und 200.000 finanziert, hebelt man sein Geld um den Faktor 5. Wenn man das Gleiche bei Aktien machen würde, würden 95% der Bevölkerung einen für bescheuert erklären (Aktien auf Pump, bloß nicht). Bei Immobilien ist das komischerweise OK. Obwohl es genauso spekulativ ist und obwohl genau díe gleichen Risiken drohen. Die Liste mit den Zwangsversteigerungen war noch nie länger. Seid mir nicht böse, liebe LBS Vertreter mit der Zusatzrente durch Immobilienbesitz, aber von zwangsvollstreckten Aktiendepots wegen der Scheidung habe ich noch nichts gehört.

Wenn ich mir jetzt den Hebel anschaue und die mickrige Rendite von Wohneigentum, passen hier Rendite und Risiko nicht zusammen (bereits mit einem leicht gehebelten Aktiendepot dürfte man locker zweistellige Renditen erreichen). Und wer von sicheren Immobilien redet, vergisst die Nachteile. Der Artikel bringt sie (bis auf das Hebelargument) eigentlich alle. Es ist wissenschaftlich sehr schön durchgerechnet, dass die Immobilienbesitzer vor allem deshalb im Alter mehr Geld haben, weil Sie während der Phase der Hausfinanzierung mehr sparen. Das nennt sich nur nicht Sparplan sondern Hypothek.

Außerdem werde ich bei Diskussionen über das Thema das Gefühl nicht los, dass sich viele ihr Häuschen schön rechnen. Erstens den Wert (der ist ja immer nur geschätzt, wenn's an den Verkauf geht, fallen bei vielen die Kinnladen so tief runter, dass die den Rest des Lebens da hängen bleiben) und zweitens die Kosten. Was man sonst mit der Miete gezahlt hat, zahlt man jetzt bar (Regenwasser, Grundbesitzsteuer, die ganzen Reparaturen (Dach, Heizung, etc), Müll). Beim Vergleich von Miete zu Eigentum lässt man diese Kostenbestandteile gerne unter den Tisch fallen.

Ganz nebenbei: Wer ein Haus hat, bindet sich auch. Örtlich (Umzug?). Und auch in der Größe. Wer sich mit Kindern eine 140 qm Wohnung leistet, aber nachher auf 100 qm zurückgeht, dürfte allein aufgrund dieser Anpassung Geld im Vergleich zum Eigentümer sparen. Klar, könnte das ein Eigentümer auch machen, aber eigentlich kauft man sich ja ein Haus für's Leben.

Manche Pro-Eigentum Argumente aus der Diskussion sind so albern, dass man besser nichts dazu schreibt. Wer von der Zwangsenteignung von Aktionären nach dem 2. Weltkrieg redet, vergisst, dass da auch Bomben auf Häuser gefallen sind. Kopfschüttel. Und Inflation ist auch kein Argument. Aktien sind langfristig auch inflationsgesichert.

Das Hauptargument für ein Haus ist dass man dort tun und lassen kann, was man will.


Hintergründe - Wirtschaft - FAZ.NET - Erklär mir die Welt (35): Warum lohnt sich das eigene Häuschen nicht?

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