Der aktuelle Stand der US-Immobilienkrise

Habe zwar zu Hause noch ein paar Tabs aus Big Picture offen, die ich hier noch bringen wollte. Heute aber hat FAZ.NET einen ziemlich großen Artikel zum Stand der US-Wirtschaft und ich kann mich auf den beziehen.

FAZ.NET sieht auf der Gefährdungsseite (völlig zu Recht) vor allem das Thema Immobilien- und Hypothekenmarkt:

„Die jüngsten Indikatoren sind gemischt ausgefallen und die Bereinigung auf dem Immobilienmarkt hält an“, erklärte die Fed. Gleichwohl werde die Wirtschaft in den kommenden Quartalen wahrscheinlich weiter in einem moderaten Tempo wachsen, erläuterte sie weiter. Die Frage ist allerdings, ob sie mit dieser Einschätzung nicht noch viel zu optimistisch ist. Immerhin hat sie lange Zeit die Augen vor den verhalten ausfallenden vorlaufenden Indikatoren und vor allem auch vor der Krise im Immobilienbereich verschlossen.


Full Ack. Der Rest des Artikel ist ebenfalls lesenswert. Noch viel besser sind aber die Charts, obwohl ich die zwar fast alle schon von Big Picture kenne (mir schwant, der FAZ.NET Autor liest das auch ...). Der Autor lässt sich etwas breit über die Holzpreise aus (dass die fallen, ist bei dem dramatischen Rückgang der angefangenen Neubauten doch logisch ... (siehe Chart) )Und darin wird eben auch klar, wie unglaublich wacklig die Finanzierungsseite ist. In Chart 12 kann man sehen, wie massiv sich die Finanzierung in nur 4 Jahren geändert hat: Der Anteil der "schlechten" Kredit (Sub-Prime u.ä.) ist von 10 auf 40% der gesamten Neufinanzierungen gestiegen. Dass wir hier auf historisch unbekanntem Terrain sind, sieht man in Chart 15: Wir sind hier auf Niveaus, die 5-mal höher sind als 2000 und fast 20-mal höher sind als 1994. Auch die absolute Zahl ist erschreckend: Es sind über 600 Milliarden Dollar über die letzten drei Jahre. Pro Jahr wohlgemerkt.

Aber der richtige Schocker kommt erst in Chart 16. Wer die Schlagzeilen zum Thema verfolgt, weiss ja bereits, dass ein signifikanter Teil der Hypoteken variabel verzinst wird (ARM, adjustable rate mortgage). Und weiss auch, dass bei dem überwiegenden Anteil die Zinsanpassung nach oben noch kommt. Wann, kann man in der Grafik sehen.

In den nächsten 2 Jahren dürften Hypotheken im Wert von ca. 25 Milliarden pro Monat einen Zinssprung nach oben machen. Wenn der Zinssprung 2 Prozent beträgt (was ich durchaus für realistisch halte, da der Leitzins ja wesentlich stärker gestiegen ist), fehlen jeden Monat gut 41 Millionen. Also im 2. Monat 82 Millionen, etc. pp.
Diese Zahl ist in Relation zu den Haushalten in den USA allerdings recht mager. Für den einzelnen Haushalt aber sehr wohl. Wenn man mal ganz grob 10 Millionen betroffene Haushalte annimmt (150 Mio. Haushalte, 6 % davon haben Sub-Prime-Kredite) fehlen diesen Haushalten im Schnitt im nächsten Monat 4 Dollar, im übernächsten 8, in einem Jahr 50 und in 2 Jahren 100 Dollar. Jeden Monat. Dass das bei den meisten bis zur Halskrause verschuldeten Haushalten (ansonsten wäre die ja nicht Sub-Prime; man kann aber auch in Chart 2 sehen, dass natürlich genau die Leute mit wenig Eigenkapital auch die variabel verzinsten Kredit haben) einfach nicht da ist, ist naheliegend. Vor allem nicht, wenn das nicht wie oben geschildert ist, schön langsam steigt (weil ich ja einen Durchschnitt ausgerechnet habe), sondern auf einen Schlag auf einmal 100 Dollar mehr Zinsen pro Monat gezahlt werden müssen.

Die Börse ignoriert dieses Thema irgendwie, auch wenn es in der Presse inzwischen einigermaßen breit getreten wird. Denn noch ist lange nicht entschieden, ob sich die Krise bei den US-Immobilien (ich tendiere viel eher zu einer US-Hypothekenkrise zu sprechen) auf die anderen Wirtschaftszweige ausdehnt. Ich befürchte das. Weil der Immobilienmarkt viel größer als der Aktienmarkt ist (nicht ein paar Prozent, sondern ein paar Mal) und 10% Preisrückgang dort richtig weh tun. Und weil die US-Wirtschaft über den Konsumenten gewachsen ist. Weil der sich immer höhere Kredite auf sein Haus gepackt hat und entspart hat (negative Sparrate!!!) und das Geld in den Konsum gesteckt hat. Jetzt steigen die Hauspreis nicht mehr, damit fällt das weg. Und im Gegenteil: Die Zinsen steigen, das verfügbare Geld für den Konsum wird weniger. Also noch weniger Konsum. Ich schätze das aktuelle Wirtschaftswachstum bildet die Situation ab. Der noch kommende Zinsanstieg ist da noch gar nicht drin. Und die Zwangsverkäufe auch nicht. Und eine mögliche Spirale (Mehr Häuser auf dem Markt, sinkende Preise, weitere Zwangsversteigerungen, etc. pp.) ist da noch gar nicht drin. Wenn die Spirale erst mal in Gang kommt, ist eine Rezession unvermeidbar. Ich sehe die Chance inzwischen höher als 50%.

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