Der US-Immobilienmarkt und die Wachstumsberuhigung

OK, am US-Immobilienmarkt gibt es eine Blase (über die Größe kann man streiten) und wir bekommen 2007 eine Abschwächung der US-Wirtschaftswachstums, soweit ist das alles weitestgehend Konsens.

In ihren aktuellen Marktbeobachtungen kommt die HSBC Trinkaus zu folgendem Schluss, den ich so nicht unterschreiben würde:

Wir sind weiterhin der Auffassung, dass das fundamentale Umfeld für die Aktienmärkte per saldo positiv zu beurteilen ist. Zugegeben: Wir müssen davon ausgehen, dass die BIP-Wachstumsraten in 2007 etwas tiefer liegen werden als im Vorjahr. Eine Beruhigung birgt aus unserer Sicht jedoch auch Chancen. So dürfte die Sorge um „Blasenbildung“ an verschiedenen Märkten – z.B. im Immobiliensektor der USA – zurückgehen, mit der Folge abnehmender Zinsängste.


Man sieht offenbar eine Blase am Immobilienmarkt. Etwas Luft aus der Blase zu lassen, ist im allgemeinen hilfreich, allerdings ist es dummerweise sehr schwierig, den Ballon dabei nicht auch direkt platzen zu lassen.

Aber zurück zur Blase: Wenn man die Blase bei den Preisen sieht, mag eine Beruhigung der Wirtschaft und der Immobilienpreise hilreich sein (auch wenn in der Vergangenheit der Ballon häufiger geplatzt ist als Luft kontrolliert abgelassen wurde). Wenn allerdings die Blase auf der Finanzierungsseite ist (und da sehe ich die Probleme vor allem), kann ich mir nicht vorstellen, wie eine Wirtschaftsabschwächung mit den dann niedrigeren Löhnen und höherer Arbeitslosigkeit helfen soll. Das führt doch nur zu noch mehr Haushalten, die die Hypothek nicht mehr bezahlen können und dann ihr Haus verkaufen müssen. Zusätzlich zu denen, die die steigenden Kreditzinsen eh schon nicht mehr leisten können.

Nein, meine Meinung ist eine ganz andere: Die Finanzierungsseite ist so wacklig, dass jede deutliche Wirtschaftsabschwächung zu Problemen führt. Eine Rezession entsteht nie durch eine Schwäche in einem Bereich alleine. Es ist immer eine Kombination, genauer eigentlich eine Abfolge, um nicht zu sagen Spirale. Erst gibt's irgendwo eine Schwäche. Diese löst Arbeitsplatzverluste aus. Daraufhin bricht in anderen Sektoren die Nachfrage ein. Das vernichtet wieder Arbeitsplätze. Irgendwann sinkt der Zins dann so weit, dass wieder investiert wird (weil sich zu dem niedrigeren Zins wieder Sachen rechnen, die sich zu den hohen Zinsen vorher nicht mehr rechneten). Das schafft dann wieder Arbeitsplätze, etc. pp.

Weil niemand (also auch ich nicht ;-) ) wirklich weiss, wann eine Spirale in Gang kommt, bleiben die Prognosen so schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Ich habe letzte Tage noch irgendwo gelesen, dass bei der letzten Rezession im Monat vor dem Beginn noch die klare Mehrheit der Volkswirte keine Rezession vorausgesagt haben. Die Daten gibt's halt auch immer nur mit zeitlicher Verzögerung. Und wenn man die dann alle zusammen hat, naja, dann braucht man auch nichts mehr zu prognostizieren.

Der Abschwung bei den Immobilien ist da, die Nachfrage dort bricht ein, der Arbeitsplatzabbau ist da. Ob das die Spirale in Gang setzt, ich weiss nicht. Aber wo ich mir sicher bin: Die aktuelle Konsensschätzung von über 2 Prozent Wirtschaftswachstum ist zu hoch. Dafür ist der Immobilienmarkt einfach zu wichtig. Der Markt ist deutlich größer und damit wichtiger als z.B. der Aktienmarkt.

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