Was sagen uns die Rückgänge der Neubauanträge in den USA?

Bei vielen Indikatoren muss man sich ja immer fragen, welche Relevanz die eigentlich haben. Ich habe schon einige Male darauf hingewiesen, dass einige Indikatoren mit extremen Fehlerwerten behaftet sind. So z.B. auch im Immobilienmarkt, wo manche Zahlen ein Signifikanzintervall von +/- 15 Prozentpunkte haben. D.h., dass ein Plus von 8 Prozent in der Realität ein Minus von 7% sein könnte. Und im Gegenzug hat man erst ab einem Plus von 15% oder mehr eine signifikante Zahl, weil dann zumindest sicher ist (mit der Wahrscheinlichkeit des Konfidenzintervalls, üblicherweise 95%), dass die Zahl positiv war. Bei vielen Zahlen kommt man nicht umhin, die über Monate zu glätten, da man nur dann eine Aussage treffen kann.



Econbrowser hat jetzt eine sehr schöne Analyse der Anträge, Baubeginne und Verkäufe von Einfamilienhäusern in den USA gemacht. Dabei ist logisch, dass zuerst die Anträge gestellt werden, dann der Baubeginn erfolgt und in der Folge die Zahl der Verkäufe sinkt. So weit, so gut.

Dass die Zahl der Neubauanträge seit letztem Sommer sinkt, dürfte inwzischen bekannt sein. Dass der Rückgang auch ziemlich heftig war, auch. Im historischen Vergleich mit früheren Rückgängen hätten wir aber noch einiges vor uns und erst etwa die Hälfte des Weges vor uns.


Soweit noch nicht viel Neues. Interessant allerdings, dass das was oben beschrieben wurde, im Endeffekt die Kategorie "Residential Investment" ist. Diese macht etwa ein Viertel der Investments aus. Die restlichen 3/4 sind Non-Resicential-Investments. Und die große Frage ist ja immer, schlägt die Immobilienkrise auf den Rest der Wirtschaft durch oder nicht. Ich bin skeptisch und sehe die Chancen auf eine Ausweitung der Krise höher als der Markt. Und die Berechnungen von Econbrowser bestätigen meine Meinung.

Residential Investments laufen den Non-Residential-Investments voraus. Und zwar ungefähr um 1 Jahr. Die Korrelation ist hoch.

Es gibt also eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Krise im Immobilienbereich auf den Rest der Wirtschaft durchschlägt. Und zwar in wenigen Monaten.

Wir haben bereits einen Rückgang des US-Wachstums von 4 auf 2,5 Prozent und das nur, weil der US-Verbraucher sich nicht noch weiter verschuldet (weil er nicht mehr kann). Wenn er jetzt noch gezwungen wird zu sparen, dürfte das Wachstum des Konsums schnell zum Erliegen kommen. Wir sind dann schnell bei nur noch 1 Prozent Wachstum.

Für eine Rezession reicht das IMHO noch nicht, aber wenn wir am Immobilienmarkt eine Abwärtsspirale bekommen, na dann Prost Mahlzeit. Abwärtsspiralen vorherzusagen ist quasi unmöglich. Das ganze ist Chaoswissenschaft. Aber manchmal ist die Wahrscheinlichkeit dafür höher, manchmal niedriger. Dieses Mal befürchte ich ersteres. Die Verschuldung ist so hoch und so wacklig, weswegen ich mir nicht vorstellen kann, dass der Anstieg der Zwangsvollstreckungen schon vorbei ist.



Econbrowser: Three Four Pictures from the Investment Sector



1 Kommentar :

  1. Schaut man sich die aktuellen Zahlen bezüglich Zwangsversteigerungen und Pfändungen einmal genau an (Details findet man etwa auf http://www.online-kredite.com/blog/news/pfandungen-und-zwangsvollstreckungen-2007-in-den-usa.html, dann wird einem schon anders. Rund 90 Prozent mehr Zwangsvollstreckungen im 4. Quartal 2007 gegenüber demselben Quartal in 2006. 2008 wird wohl auch noch keine Entspannung in Sicht sein, da alleine in diesem Jahr bei weit über 1 Mio. Darlehensversträgen im Subprime-Bereich die Zinsbindung ausläuft.

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