Es gibt keinen effizienten Markt ...

... sagte ich ja schon mal ... Aber wer mir das nicht einfach glaubt, dem kann ich jetzt sogar endlich eine ziemlich plausible Erklärung liefern.

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich die These zwar für ansatzweise richtig halte, aber eben nicht für komplett richtig. Ich glaube, dass der Aktienmarkt *verdammt* effizient ist, aber eben nicht komplett. Mit genügend Geduld und Kreativität kann man durchaus seinen Vorsprung vor dem Markt bekommen. Und sei es, weil man sich in Nischen zurückzieht oder nur selten tradet. Es spricht z.B. ziemlich viel dafür, den Grundstock seines Depots in möglichst preiswerten ETFs (oder Zertifikaten) zu legen und nur mit einem kleinen Teil des Depots aktiv zu spekulieren.

Aber nochmal zurück zum effizienten Markt (Efficient Market Hypothesis): Das "Gegenmodell" heißt AMH (Adaptive Market Hypothesis). "Gegenmodell" deshalb nur in Anführungsstrichen, weil es auch von einem nahezu perfekt effizienten Markt ausgeht.

Die Begründung dafür ist so einfach wie brilliant: Wäre der Markt vollkommen effizient, würde nicht eine ganze Industrie mit höchstbezahlten Angestellten den ganzen Tag versuchen den Markt zu schlagen. Denn das wäre ja nichts als die garantierte Geldvernichtung.

Die ausführliche Begründung ist etwas aufwändiger. Dazu muss man sehen, warum der Markt effizient ist. Es sind die Trader und Spekulanten, die für die Liquidität an der Börse sorgen. Würden nur Langfristanleger mit einem Zeithorizont von mehreren Jahren an der Börse aktiv werden, hätten wir wahrscheinlich nicht einmal ein Zehntel der heutigen Umsätze, möglicherweise sogar noch deutlich weniger. Diese Spekulanten erfüllen also eine wichtige Funktion: Sie sorgen für Liquidität, dafür, dass man eine Aktie wie Siemens quasi permanent in Sekundenbruchteilen verkaufen kann, ohne dass sich der Kurs mehr als ein paar Cent bewegt.

Und diese Funktion würden die Spekulanten nicht übernehmen, wenn es dabei nicht auch was zu verdienen gäbe. Und das stellt auch quasi die Schwelle dar, die der effiziente Markt nie überschreiten kann. Sobald nämlich die Markt so effizient wird, dass die Kurzfristtrader nicht mehr überleben können, scheiden diese aus. Damit sinkt die Liquidität. Und dann ist der Markt sofort wieder weniger effizient. Bingo!

Was ich im letzten Abschnitt angedeutet habe, ist übrigens auch eine der Beobachtungen, mit denen die AMH belegt werden soll. Die Effizienz der Märkte liegt eben nicht permanent bei 100%, sondern schwankt. Tummeln sich gerade viele Teilnehmer im Markt, ist die Effizienz hoch. Dadurch scheiden wie bei allen evolutionären Prozessen die Schlechtesten oder wenden sich anderen Märkten zu. Der ursprünglich hocheffiziente Markt wird wieder etwas weniger effizient und manche Trading-Methoden funktionieren wieder. Dann steigen neue Trader ein, verdienen Geld und im Schlepptau steigen noch mehr ein und die Effizienz steigt wieder auf ein Niveau, ab dem die ersten Trader wieder aussteigen müssen.

Ein der interessantesten Artikel, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Im Artikel sind auch viele der Papers von Andre Lo verlinkt, der diese These 2004 erstmals aufgestellt hat. Extrem lesenswert (sagte ich da schon?).

Adaptive Market Hypothesis: Yes Virginia, there is alpha in the market

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