Hedge-Fonds und die US-Immobilienkrise - Geht jetzt die Spirale nach unten los?

Der Einbruch gestern Nachmittag beruhte meines Erachtens vor allem auf den bekannt gewordenen Problemen bei Bear-Stearns.

Bear Stearns hat große Hedge-Fonds aufgelegt, die mit Sub-Prime-Hypotheken spekuliert haben. Leider ging die Spekulation auf steigende Kurse nicht auf. Im Gegenteil: nachdem eine Subprime-Hypothekenbank nach der anderen pleite ging (Implodo-Meter inzwischen bei 86(!)) und die Hauspreise zu sinken begannen, kamen diese Kredite gleich von mehreren Seiten unter Druck.

Jetzt haben die ersten großen Investoren kalte Beine bekommen (u.a. wegen 20% Minus seit Anfang des Jahres) und wollen sich aus den Hedge-Fonds zurückziehen. Nur hat Bear Stearns das Problem, dass so schnell keine Käufer für die ganzen Anleihen gefunden werden können. Tja, und dann wird's eng. Schon bei einer albernen Entnahme von 300 Mio. - bei einem Fonds, der mehrere Milliarden wert ist.

Hinter den Kulissen laufen jetzt wilde Verhandlungen über neue Kredite, Abnehmer für die Anleihen, die dann die nötige Liquidität besorgen, etc. pp.

Wie diese Fonds arbeiten, kann man an diesen Fonds wieder exemplarisch sehen. Zu den 600 Mio. Eigenkapital wurden noch einmal 6 Milliarden Fremdkapital geliehen und dann investiert. Der Hebel beträgt also wahnsinnige 10, das Risiko ist entsprechend hoch.

Alle meine bösen Befürchtungen bewahrheiten sich sogar kombiniert, habe ich doch immer die Hedge-Fonds und die Subprime-Hypotheken für zwei der größten Gefahren gehalten (dazu kommen noch die Yen-Carry-Trades und die China-Blase).

Die FAZ-Prognose, die auf eine Einigung tippt, ist ganz interessant, weil man beim Crashen des Fonds so große Verwerfungen am Sub-Prime-Anleihenmarkt befürchten muss, dass dann alle anderen Banken auch zu einer Neubewertung ihrer Anleihen gezwungen wären. Stützt man den Fonds jetzt, kann man das (zumindest kurzfristig) verhindern ...

FAZ: Bear Stearns will Kredit-Hedge-Fonds retten

FTD: US-Hauskrise bedroht Hedge-Fonds

Auch die ARD hat einen Artikel: Blutige Nasen für Hedge-Fonds


Und tja, deutsche Mainstreampresse, den besten Artikel hat wieder Ritholtz: How Might Subprime Issues Unravel?. Die FAZ hat eine Liste der Bonds, Ritholtz hat den Chart (man sieht den üblen Absturz der Anleihen seit Anfang des Jahres). Die deutschen erklären Eigenkapital, Fremdkapital und Investitionen, aber irgendwie passen die Zahlen nicht zusammen, Ritholtz berechnet den Hebel sauber (etwa 20(!), sprich noch höher als ich meinte). Geiles Blog!

Übrigens gibt es noch mindestens einen weiteren Fonds, der Probleme hat. Es wäre ja auch sehr erstaunlich, wenn in einem prinzipiell konservativen Markt wie bei den Anleihen etwa 35 bis 40% wegkracht, ohne dass jemand Probleme bekommt. OK, das müsste nicht sein, aber wenn die Hedge-Fonds alle mit zweistelligen Hebeln arbeiten, bleibt die böse Überraschung nicht aus.

Übrigens wird mir übel, wenn ich daran denke, dass die Hedgefonds mit solchen Wahnsinnshebeln die Yen-Carry-Trades machen. Zu 2 Prozent in Japan leihen, zu 5 in den USA anlegen. Das 10-fach hebeln gibt eine schöne Rendite. Nur wenn der Yen dann mal 10% steigen sollte, naja, dann rächt sich der Hebel und schnell werden da welche zwangsexekutiert werden ...

Update (22.6.07):

Heute hat auch die FAZ einen Artikel, in dem die ganze Hedge-Fonds-Verbriefungs-Anleihen-Problematik schön zusammengefasst wird: Zeitbomben auf den Kreditmärkten.

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