Inflation oder wie man sie schön rechnet

Barry Ritholtz hat sich die Mühe gemacht, mal etwas tiefer in die Berechnung der Inflationsrate zu schauen. Bitte anschnallen ...

In den US-CPI (Consumer Price Index) geht die Miete als größter Posten ein (etwa 40% Gewicht). Die Mieten werden als Warmmiete berücksichtigt, der Energieanteil dann allerdings herausgerechnet. Steigen die Energiekosten für's Heizen, werden diese herausgerechnet und die Kaltmiete sinkt. Diese Preissenkung geht dann in die Kernrate der Preise ein und führt zu einer Senkung.

Bingo!

Steigende Energiepreise führen zu einer SINKENDEN Kernrate!

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Klar, ist das für die Berechnung der Kernrate richtig. Es gleicht sich auch über die Zeit aus, wenn die Energiepreise sinken. Und so war ja die Berechnung ja gedacht: Man nimmt die stark schwankenden Teile (Lebensmittel, Energie) aus der Berechnung raus, weil diese eh nur verfälschen. Wenn allerdings seit 5 Jahren diese Preise permanent steigen, wird jeder dieser Korrekturen zweifelhaft.

Aber nicht nur, dass die Kernrate diese Preissteigerungen nicht berücksichtigt, nein, sie sinkt sogar noch ...

Ich bleibe bei meiner Meinung: Die in den Medien breitgetretene Kernrate spiegelt die wahre Inflation (zumindest aktuell) nicht wider. Besser ist der GDP-Deflator, der die Preissteigerungen beim BIP rausrechnet. Ohne komische Korrekturen.

Delving Deeper into the Inflation Issue

Siehe auch ein älteres Posting von mir Inflation: Welche Zahl nehmen?

P.S. Wie verfälschend die Inflationsrate ist, sieht man an die Miete. Denn diese ist ein völlig falscher Faktor, da die meisten Amerikaner nicht Mieter, sondern Hausbesitzer sind. Eigentlich müssten die Hauspreise in die Inflation eingehen. Oder zumindest die Unterhaltskosten für ein Haus (Reparaturen, etc.). Aber Hauspreise scheinen eine besondere, eine "gute" Inflation zu sein. Was den jungen Familien, die ein Haus kaufen wollen, natürlich nichts nützt. 100% Plus bei den Immobilienpreisen führen offziell zu Null Inflation, sondern nur dazu, dass die jungen Familien sich kein Haus mehr leisten können. Die junge Familie kann dann durchaus berechtigte Zweifel an der aktuellen Inflation hegen ... Ein Link zum Thema Study: Housing grows even less affordable

P.P.S. Noch eine kleine Anekdote zur Inflationszahl von letzte Woche: 0,1% Plus in der Kernrate, 0,9% (KORREKTUR: 0,7% sind richtig, 0,9 war der PPI, Sorry!) inkl. allem. Erwartet wurde 0,2% im Kern und 0,7% (KORREKTUR: 0,6%) inkl. allem. Weil auf die zweite Zahl niemand mehr schaut, wurde die erste als Auslöser eines kleines Zwischenspurts an der Wallstreet gesehen.

Der Clou aber: Die Inflationrate betrug exakt 0,149%. Das wird dann abgerundet und offiziell hätten wir dann 0,1% in den Schlagzeilen. Wäre die Inflation 0,001% höher gewesen (also in etwa 1 Liter Milch kostet 1 Cent mehr oder so), hätten wir 0,15%, aufgerundet 0,2% gehabt. Dann wäre diese Zahl "wie erwartet" gewesen und evtl. hätte sich die Börse dann auf die verfehlte andere Zahl gestürzt und die Börse wäre nach unten gegangen. Schon sehr strange, wie sich die Börse immer und immer wieder auf diese Zahlen stützt, ohne dass da wirklich eine Aussagekraft drinstecken würde ...

Kommentare :

  1. Die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie ist natürlich Quatsch, äh, zumindest in ihrer Beachtung völlig überbewertet. Wer kommt schon durch das Leben ohne Lebensmittel und Energie zu verbrauchen?

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  2. Ich bin sowieso der Meinung, dass sich nicht die "Börse" auf solch gschönte u. nichts aussagenden Indikatoren stützt, sondern die PPTs u. alle die dahinterstehen jeden noch so nichtigen Grund nutzen um die großen Indizes obenzuhalten. Wobei ich oft den Eindruck habe, dass es in letzter Zeit oftmals nicht einmal irgend einen positiven Impuls benötigt um die Indizes nach oben zu treiben. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass, zumindest in den USA, dieser Anstieg nicht von kleinen Spekulanten getragen wird. Die springen dann eventuell auf, wenn es wieder einmal zu spät ist, wobei meiner Meinung nach mehr und mehr Amerikaner gar nicht leisen können in Aktien investiert zu sein (siehe zB die negative Sparquote).

    Außerdem würde ich nicht unbedingt eine China-Blase sehen. Die anderen 3 Faktoren würde ich aber so wie Du beurteilen. Vielleicht kannst du ein paar Gründe anführen, warum du eine China-Blase siehst.

    Gruß

    der DAU

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  3. http://egghat.blogspot.com/search/label/china

    China A-Aktien haben ein KGV von 50, bei teilweise sehr schwacher Bilanzqualität. Die Zinsen steigen. Und die Chinesen eröffnen gerade in der Woche soviele neue Depots wie letztes Jahr im Monat. Und jeder Taxifahrer muss dabei sein.

    Das beliebteste Spiel gerade: Tipp die Aktie, die als nächstes vno einem Analysten gefeatured wird. Bewertung? Egal! Gewinne? Egal!

    Das ist genau wie 1999/2000 hier, kurz eine Blase. Ich weiss nur nicht, ob wie schon schon 2000, 2001 oder noch 1999 haben ...

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  4. ..und weiter gehts bei der Inflation, siehe die Milchprodukteerhöhung !
    http://www.kaeseplatte.com/allgemein/fakt-molkereiprodukte-wurden-um-gut-27-prozent-teurer

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