Onkel Goldberg erzählt wieder Geschichten

Die Stimmung des Cognitrend-Stimmungsindikators ist in der letzten Woche deutlich zurückgegangen. Statt 54% nur noch 36% Bullen für den DAX.

Allein durch solch starke Schwankungen muss die Aussagekraft des Indikators angezweifelt werden. Wenn ein Indikator in nur einer Woche von positiv auf ziemlich negativ springt, was soll mir das dann sagen? Ist das Put/Call-Ratio auch so massiv nach oben gegangen? Haben die Anleger massiv Geld aus Aktien abgezogen?

Keiner der Sentiment-Indikatoren hat alleine eine relevante Aussagekraft. Das behaupte ich, bis mir jemand das Gegenteil beweist ;-) . Selbst in Kombination erscheinen mir die meisten Sentimentindikatoren keine verlässliche Aussage zu liefern. Da ist immer viel Interpretation nötig. Und die ist subjektiv und damit hat man dann das selbe Problem wie bei Chartanalyse, Gewinnschätzungen, etc. Es ist subjektiv und damit nicht mehr objektiv überprüfbar.

Der eigentlich Grund für dieses Posting ist aber ein Abschnitt aus der Geschichte, die Märchenonkel Goldberg zu seinem aktuellen Indikatorstand erzählt:

Wenn man dann noch hört, es sei geradezu ein Klassiker, am Allzeithoch zu verkaufen, weil technische Analysten auf ein Doppeltop spekulieren, ist es schwer, dem etwas entgegenzuhalten. Etwa, dass der DAX® mittlerweile ganz anders zusammengesetzt sei als im Jahr 2000. Chart ist eben Chart.


Was will er uns damit sagen? Dass der DAX von 2000 nichts mit dem DAX von heute zu tun hat? Dass der Chart nichts aussagt, weil der DAX ja ein anderer ist? Dann kann ich *jede* Art von Analyse auf einem Index sein lassen. Denn dieser wird naturgemäß immer angepasst.

Ich könnte ähnlich verquer argumentieren, dass der DAX von heute TEUER ist. Denn wenn man aus dem DAX im Jahr 2000 die heute nicht mehr im DAX vorhandenen High-Tech-Werte rausrechnet, war das KGV damals gar nicht so hoch. Das war ein beliebter Trick, den Index billig zu rechnen.

Nein, der DAX hatte 2000 die gleiche Aussagekraft wie heute. Und er spiegelte damals halt den Wahnsinn wider. Und das ist seine Aufgabe: die korrekte Abbildung der Realität.

Bitte nicht falsch verstehen: Man kann natürlich über die Index-Zusammensetzung diskutieren. Man kann auch über Strategien nachdenken, bei denen man indexorientiert, aber leicht modifiziert (z.B. alle Werte gleichgewichtet) investiert. Aber wenn jemand selber jede Woche Zahlen veröffentlicht, die so stark schwanken, dass sie IMHO nicht viel mehr als statistisches Rauschen sind, sollte man ein Zahl, deren Informationsgehalt um ein Vielfaches höher ist, nicht kritisieren. Auch nicht in einem Nebensatz und auch nicht nur angedeutet.

Pessimismus statt neuer Allzeithochs

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