Staatsanleihen - Die einzige sinnvoll bewertete Assetklasse?

Ich bin ja bekanntlich nicht gerade optimistisch für die Aktienmärkte eingestellt. Insbesondere sehe ich viel Liquidität (was für sich genommen erstmal nicht schlimm ist), die zu massiv gesunkenen Risikoprämien geführt hat. Ob man sich die Rohstoffe anschaut, die Anleihen, Emerging Markets (ob Aktien oder Anleihen), Sub-Prime-Hypotheken und andere Risikokredite, Hedge-Fonds und Firmenübernahmen oder die klassischen Weltbörsen - Alles ist gestiegen.

Mit einer Ausnahme: In den letzen Wochen kam der Anleihemarkt deutlich unter Druck - Manche sprechen gar von einem Crash. Immerhin ist der Bund-Future, der eine künstliche zehnjährige Bundesanleihe nachbildet, seit September 2005 von 124 Punkte auf aktuell nur noch 110 Punkte gefallen. Das Minus beträgt inzwischen über 11%, eine Menge Holz für eine sichere Anlage. Wer zum Hochpunkt gekauft hat, dürften selbst nach Zinseinnahmen im Minus liegen.

Wirklich überraschend an dieser Entwicklung ist vor allem, dass die Aktien dieser Bewegung ungewohnt chaotisch gefolgt sind. In der vorletzten Woche gaben die Aktienmärkte fast 6% nach - der Grund: die fallenden Anleihekurse. In der letzten Woche gaben die Anleihen dann weiter (wenn auch deutlich verlangsamt) nach, die Aktienkurse holten die Verluste aber wieder mit Siebenmeilenstiefeln auf und erreichten am Ende der Woche sogar teilweise neue Allzeithochs.

Normalerweise stellen die sicheren Zinsen am Anleihemarkt eine natürliche Konkurrenz zu den unsicheren Gewinnen am Aktienmarkt da. Je höher die Zinsen, desto mehr Geld fließt in die Anleihen. Trotz der steigenden Zinsen fließt die Liquidität weiterhin in Aktien.

Der Zinsanstieg könnte zwei Gründe haben:

a) die Inflationserwartungen sind gestiegen.

Das muss für Aktien nicht schlecht sein, weil Aktien inflationsbereinigt sind (zumindest sehr langfristig). Anleihen reagieren naturgemäß rascher auf steigende Inflationsraten.

b) Die Wirtschaftsaussichten werden positiver eingeschätzt.

Eine weiter wachsende Wirtschaft ist ein wichtiger Einflussparameter für die zukünftigen Preissteigerungen. Grund b) beeinflusst den Faktor a) zwar mit einiger Verzögerung, trotzdem hängen beide Ursachen eng zusammen.

Richtig überraschend wird es aber, wenn man sich die inflationsgesicherten Anleihen anschaut. Diese implizieren nämlich so gut wie keine weiter steigende Inflation. Daher fallen die Gründe a) und b) eigentlich weg. Es muss daher einen anderen Grund geben.

c) Anleger haben einfach Geld abgezogen bzw. umgeschichtet.

Wenn man sich die Kursbewegungen von Aktien und Anleihen in den letzten Wochen anschaut, bleibt dies als einzige plausible Erklärung. Anleger haben in großem Stile Geld aus Anleihen abgezogen und in Aktien umgeschichtet. Das bedeutet nicht mehr als dass die Risikoprämie für Aktien in den letzten Wochen deutlich geringer geworden ist. Kurz: Ich zahle für Aktien das gleiche (eigentlich sogar mehr) als vor ein paar Wochen, bekomme dafür aber weniger Risikoprämie im Vergleich zu den sicheren Anleihen.

Andersherum wird daraus natürlich auch eine Investmentmöglichkeit: Staatsanleihen bester Qualität. Mit immerhin 4,8% auf zwei Jahre sind die Rendite inzwischen wieder ansehlich. Bei einer Inflation von etwa 2% in Europa kann ich kaum Argumente gegen dieses Investment finden. Vor allem wenn man meine relativ negative Wirtschaftseinschätzung teilt, muss man keine steigende Inflation befürchten. Und dann gäbe es auch kaum Gründe für weiter steigende Zinsen.

Zusammenfassend muss ich zum ersten Mal seit über 3 Jahren sagen, dass man als konservativer Anleger mit ein paar Staatsanleihen keinen Fehler begehen dürfte.

Achtung: Ich würde *nicht* ins Ausland gehen und ich würde *nicht* in die Emerging Markets gehen und ich würde auch *nicht* in Firmenanleihen gehen. In allen Fällen erscheinen mir die knappen Risikoprämien, die ich für das erhöhte Risiko bekomme, nicht ausreichend.

P.S. Die Version d) ist für Verschwörungstheoretiker: Russland (und/oder China) haben die Anleihen verkauft. So als kleine Machtdemonstration vor dem G8 Gipfel, um der größten Gläubigernation (die komischerweise aktuell die einzige Weltmacht ist) mal zu zeigen, wie verwundbar diese ist. Etwas Wahres könnte aber durchaus darin stecken, denn vielleicht waren es wirklich China und Russland, die die Anleihen verkauft und Aktien gekauft haben. Zumindest die Chinesen haben mehr als einmal betont, nicht weiterhin ihre gesamten 1,2 Milliarden Devisenreserven in US-Anleihen stecken zu wollen.

Ein paar Gedanken hat sich auch die FAZ gemacht:Von der Anleihen- zur Börsenblase?

Und dazu noch ein Artikel von Robert von Heusinger bei Herdentrieb, der den Rentenmarkt auch wieder ziemlich attraktiv findet: Gedanken zum Bondmarkt

1 Kommentar :

  1. Ich würde einiges auch ähnlich sehen, obwohl ich zum Teil gegenteilige Einschätzung zur Wirtschaft und zum Aktienmarkt habe (wie paradox können Börsenansichten sein!).

    Ich würde auch die primäre Ursache bei dem Ausverkauf bei den Bonds in Verbindung mit den Aktienmärkten sehen - die Investoren schichten scheinbar um. Allerdings zeigen einige Quellen, dass viel Geld in den Geldmarkt fließt und vielleicht nicht sofort und direkt in die Aktien.

    Solches Verhalten macht auch Sinn, wenn man die in Europa flach gewordene und in den USA die seit längerem inverse Zinskurve betrachtet. Warum soll ich das Geld gleich für 10 Jahre binden (theoretisch), wenn ich mit kurzfristigen Anleihen fast die gleichen Renditen erzielen kann?

    Nur: wäre dies einigermaßen so, dann haben wir gehörige Mengen Geld an der Seitenlinie, die als Stütze sowohl bei den Aktien als auch bei den Anleihen dienen sollten.

    Es ist klar, dass die Börsen etwas zu schnell gestiegen sind und dass bei den höheren Zinsen, die Aktien schlechter da stehen. Womöglich brauchen wir eine kleine Konsolidierung, aber alles in allem kann man als Aktienbesitzer noch ziemlich ruhig an seinen Positionen halten - die realen Bond-Zinsen sind nicht zu attraktiv, und bei deutlicheren Aktienkursrückgängen wird die günstige Risikoprämie sofort wieder hergestellt. Für Trader mag dies noch Möglichkeiten eröffnen, das mittel- und langfristig angelegte Kapital kann sich auf so kleinen Schwankungen nicht verlassen. Und dieses gibt die Richtung vor.

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