US-Immo-Hedgefonds: Ein kleines Update

Ich bin ja immer noch erstaunt darüber, dass sich zwei meiner "Lieblingskrisen" zu einer zusammengeschlossenen haben.

Wenn es Berge von Hypothekenkrediten gibt, die von äußerst schlechter Qualität sind, denn muss das eigentlich irgendwo Verwerfungen geben. Früher hingen diese Risiken in den Banken, heute verbriefen diese das Risiko und verkaufen es weiter. Und wer nimmt das Risiko? Natürlich die Hedgefonds.

Im Prinzip ist daran auch gar nicht Schlimmes, im Gegenteil: Wenn die Risiken vernünftig gebündelt werden (nach Regionen, nach Bonität, nach Höhe), kann das sogar zu einer Risikominderung führen. Als Beispiel würde eine Krise in Florida nicht zu großen Problemen bei Regionalbanken in Florida führen, sondern zu kleinen Problemen bei vielen Banken. In Zeiten der Globalisierung auch bei der Deutschen Bank, der UBS, etc. pp. Soweit die optimistische Version.

Aber Hedgefonds geht es um etwas anderes: Geld zu verdienen. Viel! Geld! Darum gibt man sich ja nicht mit den 7, 8 oder 10% Zinsen auf die verbrieften Risiken zufrieden, sondern hebelt das (wie üblich) und investiert viel mehr Geld als man hat. Im Falle des Bear Stearns Fonds betrug der Hebel bis zu 20(!). Und wenn dann auf der Assetseite Probleme entstehen, ist das Eigenkapital schneller weg als man schauen kann und man muss nachschießen. Im Fall von Bear Stearn schlappe 3,2 Milliarden Dollar.

Grund für dieses Posting: Auch in Großbritannien macht der erste Hedgefonds zu, der sich ebenfalls mit Subprime-Hypotheken verspekuliert hat.

Bei Caliber Global Investment schlägt die Subprime-Krise durch oder bei Marketwatch: Subprime shakeout claims another fund

Barry Ritholtz ist (nicht ganz überraschend) noch skeptischer (CDO Hedge Funds = Enron ?.

Er weist vor allem auf bestimmte Buchhaltungspraktiken hin. Es gibt wie bei Enron (das ist in den USA fast ein schlimmeres Wort als Rezession) so eine Art Side-Pot, in denen bestimmte Assets geparkt werden. Das hat den großen Vorteil, dass diese so weder kontrolliert werden, noch offengelegt werden müssen. Für diese Branche, die bisher immer öffentlichkeitsscheu war, sehr gut. Für Aktionäre und Investoren allerdings schlecht. Deshalb würde ich nie Blackstone oder ähnliches kaufen.

Aber zurück zum Thema: In diesen Side-Pots kann man toll Sachen verstecken. Aber auch bei den offengelegten Anlagen ist die Bewertung ziemlich frei. Es gilt quasi die Unschuldsvermutung: Solange nicht bewiesen ist, dass etwas weniger wert ist, bleibt die Anlage mit dem hohen Wert in der Bilanz. Und genau das könnte auch der Grund sein, warum Bear Stearns den Fonds gestützt hat, statt ihn einfach aufzulösen. Denn dann hätte es Marktpreise gegeben und dann hätten wohl alle ähnlichen Anlagen abgewertet werden müssen, teilweise sogar extrem. Das hätte eine Spirale von Abwertungen auslösen können. Dann hätten die Anleger ihr Geld abgezogen, weitere Verkäufe wären notwendig geworden, ...

Wenn in die aktuelle Lage noch irgendwie Probleme mit den Yen-Carry-Trades hinzukommen, dürften die ersten richtig großen Pleiten kommen ... Das wäre dann eine Ménage-à-Trois des Teufels ...

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