Abrakadabra - Da war ein Gewinn da ...

Puh, das ist mal kreative Buchführung ...

Dass die Banken alle hingegangen sind und die Risiken außerhalb der Bilanz in speziellen Töchtern geparkt haben, hat sich ja schon rumgesprochen. So eine Bankenaufsicht oder ein Auftauchen des ganzen Mülls in der Bilanz ist halt doof und macht nur Ärger.

Aber das hatten wir ja schon bei Enron. Aber dass die Parallele zu Enron noch weiter geht, hätte auch ich nicht gedacht ...

Bloomberg hat einen sehr interessanten Bericht aus der Hexenküche der aktuellen Bilanzkünstler.

Es gibt zur Bewertung der Anlagen einer Bank drei Level:

Level 1: Es gibt einen Marktpreis und zu dem bewerte ich (also bei allen börsennotierte Werten)
Level 2: Es gibt einen Preis, eine Transaktione von etwas ähnlichem und daraus kann man einen Preis ableiten
Level 3: Dabei wird ein Preis aus "nicht beobachtbaren Eingaben" (Unobservable inputs) abgeleitet.

Hallo? Wie kann aus etwas, was man nicht sehen kann, etwas ableiten? Kristallkugel? Voodoo?

Naja, egal. Die hochbezahlten Experten werden es schon drauf haben. Die haben ja auch total korrekte Ratings abgeliefert und die Hedge-Fonds erwirtschaften alle die versprochen soliden und marktunabhängigen Renditen (ROTFL).

Leider ist das alles keine theoretische Übung, sondern schon sehr real:

Wells Fargo (eine große US-Bank) meldete im letzten Quartalsbericht 225 Mio. außerplanmäßige Verluste. Hört sich nicht schlimm an, das war aber auch gewollt. Denn um auf die 225 Mio. Verluste zu kommen, musste man schlappe 2 Milliarden außergewöhnliche Gewinne dagegenrechnen (man hat also über 2,2 Milliarden Verluste). Das Problem: Im Gegensatz zu den 2,25 Milliarden Verlusten, waren die Gewinne alle Level 3. Das heißt grob geschätzt. Oder so. Man rechnet gegen über 2 Milliarden sehr wahrscheinlicher Verluste (Level 1 und 2) 2 Milliarden womöglicher Verluste (die man mit nicht zu beobachtenden Inputs berechnet hat) und Bingo: Der Verlust ist (fast) weg.

Unglaublich. Ich dachte, eine Generation macht denselben Fehler wie bei der Enron-Geschichte nur einmal und jetzt wäre 30 Jahr Ruhe. Aber offensichtlich hat sich die Welt derart beschleunigt, dass der gleiche Mist jetzt schon wieder kommt.

Wells Fargo Gorges on Mark-to-Make-Believe Gains

Update (28.8.07):

Heute hat die FAZ auch einen Artikel zum Thema: Geldpolitik: Die Hypothekenkrise verschwindet nicht. Der erste Teil liest sich wie bei mir abgeschrieben ;-) aber der Redakteur hat wohl denselben Bloomberg Artikel in die Finger bekommen. Im Artikel steckt übrigens die interessante Information, dass Wells Fargo nicht die einzige Bank ist, die diese Level3-Phantom-Gewinne ausgewiesen hat.

1 Kommentar :

  1. Die USA sind hinüber, die Firmen
    der USA sind hinüber, die Militärs
    der USA sind hinüber, die Menschen
    der USA sind hinüber, immer mehr.

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