Die Liquiditätskrise ist wohl vorbei - Die Immobilienkrise noch nicht

Notenbank holt Milliarden-Nothilfe aus dem Markt

Die japanische Notenbank hat heute die in der letzten Woche zur Verfügung gestellte Liquidität wieder aus dem Markt genommen. In Japan scheinen die Auswirkungen der Liquiditätskrise offenbar sehr begrenzt zu sein.

In der allgemeinen Medienberichterstattung geht meiner Meinung nach eines unter: Das von den Notenbanken zusätzlich zur Verfügung gestellte Geld ist erstens ein Kredit (und kein Geschenk) und zweitens sehr kurzfristig. Wenn die Notenbank am Donnerstag 90 Milliarden zur Verfügung gestellt hat und die Laufzeit 1 Tag betrug und die Notenbank am Freitag 90 Milliarden zur Verfügung gestellt hat und die Laufzeit drei Tage betrug und die Notenbank am Montag nochmal 90 Milliarden zur Verfügung gestellt hat mit der Laufzeit von einem Tag, dann sind das nicht insgesamt 270 Milliarden, sondern es sind immer nur gleichen 90 Milliarden, nur wurde defakto die Laufzeit zweimal verlängert. Die ersten 90 Milliarden sind ja bereits am Freitag wieder fällig geworden.

Achtung: Ich kann bei der EZB leider keine Seite mit den Liquiditätsmaßnahmen finden. Es könnte in der Tat sein, dass die EZB erst 90 Milliarden zur Verfügung gestellt hat und dann am nächsten nochmal 90 Milliarden mehr (also 180 Milliarden), allerdings bezweifle ich diese Version.

IMHO stellt die Presse das nicht richtig, bzw. genau genug dar. Auch die Addition der Summen habe ich schon gesehen, diese ist dann aber IMHO falsch, bzw. die Tatsachen verzerrend.

Die Auswirkungen der US-Immobilienkrise und der Subprime-Hypotheken sind IMHO bei weitem nicht vorbei, die kurzfristige Liquiditätskrise dürfte aber (weitestgehend) gemeistert sein.

Die US-Immobilienkrise werde ich hier weiter verfolgen. Das Thema beschäftigt mich in diesem Blog seit fast einem Jahr und war am Anfang nur etwas für angebliche Weltuntergangspropheten. Zumindest hat die Mainstreampresse, wenn sie überhaupt mal was darüber geschrieben hat, immer so getan. Aber die US-Immobilienkrise dürfte jetzt auch im Hirn des renitentesten US-Verbrauchern angekommen sein und ich kann mir nicht vorstellen, dass weder der jetzt kaum vermeidbare Rückgang an Neukrediten noch der wahrscheinliche Rückgang des Verbrauchervertrauens spurlos an der US-Konjunktur vorbeigehen werden. Und der größte Teil der Zinsanpassungen (und den nachfolgenden Pleiten) liegt noch vor uns. Die CDOs preisen das jetzt mglw. schon ein, die Pleite des Verbrauchers verhindert das aber nicht.

Kleines Update (10:58):

EZB platziert erneut Schnelltender. Für mich ein Anlass darauf hinzuweisen, dass die oben genannten 90 Milliarden nicht die echte Summen sind, sondern nur der Verdeutlichung dienten. In der Realität geht die Summe schon zurück und die EZB rechnet schon damit, dass die heutige Liquiditätsspritze wohl die letzte sein wird. Damit hätte die Notenbank die zusätzliche Liquidität schon wieder komplett aus dem Markt genommen.

UNd noch ein kleines Update (15:58):

Der Geldmarktexperte der Dresdner Kleinwort Michael Klawitter zur ARD-Börse:

Geldmarkt: "Die Krise ist noch nicht ausgestanden".

Er rechnet vor allem damit, dass es weitere Wellen der Krise geben wird, aber vor allem, dass das Überschwappen auf die "Realwirtschaft" noch kommt. Dann werden wir sehen, wie robust die Weltkonjunktur ist. Dass die Immobilienkrise für die Realwirtschaft nicht relevant ist, habe ich mir auch seit letztem Oktober gebetsmühlenartig anhören müssen - richtiger wurde die Aussage dadurch aber nicht.

Kommentare :

  1. Hallo,


    Achtung: Ich kann bei der EZB leider keine Seite mit den Liquiditätsmaßnahmen finden.


    da kann ich aushelfen, die gibt's bei der Bundesbank.
    Für Donnerstag:
    http://www.bundesbank.de/download/gm/tender/2007/20070809QT.pdf
    Freitag:
    http://www.bundesbank.de/download/gm/tender/2007/20070810QT.pdf
    Montag:
    http://www.bundesbank.de/download/gm/tender/2007/20070813QT.pdf
    Dienstag:
    http://www.bundesbank.de/download/gm/tender/2007/20070814QT.pdf

    Dort steht Millionengenau, wieviel geboten wurde, und wieviel dann letzten Endes zugeteilt wurde.

    Übrigens steht die japanische Notenbank nicht alleine, die SNB hat auch gut was abgeschöpft.


    liebe Grüße

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  2. Ah sehr herzlichen Dank.

    Jetzt ist es wohl eindeutig, dass die in manchen Medien gemachte Addition der Summen kompletter Quark ist, da an jedem Tag, an dem ein neuer Tender zur Verfügung gestellt wurde auch ein älterer auslief.

    Davon war ich ausgegangen, weil das normalerweise immer so ist, es hätte jetzt aber theoretisch (wenn auch unwahrscheinlich) sein können, dass das in dieser Ausnahmesituation anders gewesen wäre ...

    Bye egghat

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