Subprime - Und wie sieht's in Europa aus?

Ich hatte schonmal vor gut einem Monat darauf hingewiesen:

US-Immo-Update: Europa ist auch nicht besser.

Heute reicht Bloomberg einen Bericht zum Stand in Großbritannien nach. Die Ausfallquote bei den Hypothekenzahlungen ist inzwischen auf mehr als ein Prozent gestiegen. Das Verhältnis von Hauspreisen zu Einkommen ist mit 11 extrem hoch. Die Verschuldung der britischen Haushalte ist 1,6 Mal so hoch wie das Einkommen (in Deutschland 1,09 mal so hoch).

Und auch auf der Finanzierungsseite sind die Briten kreativ:

Most of the mainstream lenders offer so- called self-certified mortgages, which require no proof of income.


So far, so bad. Naja, warum auch ein Einkommennachweis bei der Aufnahme eines Kredits über 200.000 Pfund? Kostet nur Geld diese ganze Prüferei ... Der nächste Schritt sind wahrscheinlich Drive-In-Hypotheken ...

Bloomberg: U.K.'s Subprime Crisis May Be Worse Than U.S.'s

Und zum Thema Spanien, das ich im ganz oben verlinken Artikel schon angesprochen habe, möchte ich nochmal den Artikel verlinken, den ich damals vergebens gesucht habe:

Commerzbank Studie zu Spanien (PDF!)

und einen von Telepolis: Spekulationsblase in den USA platzt. Darin ist der Teil ab der Zwischenüberschrift "Das Risiko für einen Immobiliencrash wächst besonders in Spanien" relevant. Darin stehen die erschreckend bekannt erscheinenden Rahmenbedingungen:

a) Stark gestiegene Immobilienpreise (+100% in den letzten 10 Jahren)
b) hoch verschuldete Verbraucher
c) überwiegend variabel verzinste Hypotheken
d) Zinsen steigen
e) Zahl der säumigen Schuldner steigt
f) Preise beginnen zu fallen
g) Immobilien sind schlechter verkaufbar (Anzahl geht zurück, Zeit bis zum Verkauf wird länger)

Das ist wohl das Gebräu, aus dem die US-Krise auch ist.

Übrigens haben die spanischen Banken den höchsten Anteil an Immobilienkrediten in den Bilanzen stehen (Vergleich G7-Länder). Würde im Moment eh keine Finanzwerte anfassen (solange die wenig betroffen Industrieunternehmen wie z.B. Conti genau so stark fallen), aber spanische erst recht nicht ...

Kommentare :

  1. Hi egghat!

    Bedeutet dieser Faktor 11 im 1. Absatz, dass man in GB im Durchschnitt 11 Jahre arbeiten muss, um sich ein durchschnittliches Haus leisten zu können?

    Und beziehen sich die Faktoren 1,6 u. 1,09 auf die durchschnittliche Verschuldung pro Haushalt bezogen auf das Jahreseinkommen des Haushalts (zB würde dann einem durchscnittlichen Haushalts-Jahreseinkommen von 50.000 € in GB eine durchschnittliche Verschuldung von 80.000 € gegenüberstehen)?

    Nur damit ich mir darunter etwas vorstellen kann.

    Wie ist das Verhältnis von Hauspreisen zu Einkommen in Deutschland bzw. gibt es vielleicht irgendwo eine Auflistung verschiedener Länder?

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  2. Ja, Verhältnis Hauspreise zu "disposable income", also verfügbarem Haushaltseinkommen. Man muss also 11 Jahre arbeiten, um ein Haus zu kaufen (und darf dummerweise sonst auch nichts mehr ausgeben ...). Ich schätze, Zinskosten sind noch nicht drin, sondern es wird nur der Barpreis berücksichtigt.

    Und die Verschuldung ist korrekt interpretiert. Die Briten sind mit mehr als anderthalb Jahreseinkommen verschuldet, die Deutschen "nur" mit guten einem.

    Solche Zahlen sind immer sehr kritisch, da wenig vergleichbar (was ist ein Haus in UK und was eines in Deutschland?), was ist mit der Altersvorsorge, die die Briten selber leisten müssen (ist das im disposable income schon bereinigt?), ist der Wert der Immobilien bei der Verschuldung schon rausgerechnet (wenn nicht, wäre die Zahl wenig aussagekräftig, denn wenn die Briten zu 70% eine Immobilie besitzen, haben die logischerweise auch mehr Hypothekenschulden am Bein als die Deutschen, die nur 50% Wohneigentum haben), etc. pp.

    Trotzdem geben diese Zahlen eine Idee von der Verschuldungssituation.

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