Alan Greenspan erwartet zweistellige Zinsen!

Woppa. Das ist eine Überschrift nach meinem Geschmack. Die ganze Welt freut sich über den gesenkten Leitzins von gestern (ich bin ehrlich überrascht, dass die Märkte darauf so euphorisch reagieren; ich habe es für bereits eingepreist gehalten). Und der alte Maestro sieht in Zukunft zweistellige Leitzinsen. Eine Schlagzeile, die so gar nicht zur euphorischen Stimmung passen will.

Das könnte jetzt nur 'ne blöde Schlagzeilen-produzierende-Aussage zur Promotion seines Buchs sein, es könnte aber auch was Wahres drin stecken.

Denn ich glaube, dass die Inflation allgemein unterschätzt wird. Ich habe dazu schonmal etwas mehr gebloggt, fasse aber die wichtigen Punkte nochmal zusammen:

a) Alles was nach China outsourcebar ist, ist bereits outgesourcet. Daher kommen keine weiteren Preissenkungen mehr.

b) China an sich wird auch teurer. Bei einer Inflation von mehr als 6% werden auch alle Produkte, die aus China kommen, zwangsweise teurer. Normalerweise gleicht sich das zwischen Volkswirtschaften über eine schwächere Währung des Landes mit der hohen Inflation aus. In China ist die Währung jedoch so tief bewertet, dass der Yuan sogar leicht steigt und damit noch noch etwas auf diese Preissteigerungen draufpackt.

(Kleines Update: Ich habe Econbrowser eine Grafik gefunden, die genau diese These stützt: Four Observations on Import and Export Prices and the Dollar. Man muss bis zu Grafik drei scrollen und dann kann man anhand der roten Kurve sehen, dass die Preise für Importe aus China inzwischen nicht mehr fallen (was sie in den letzten 18 Monaten aber sehr wohl getan haben.))

c) Die Chinesen stehen an der Schwelle zu eigenem Wohlstand. Und fangen an zu konsumieren, Autos zu kaufen, Häuser zu bauen, etc. pp. Das treibt die Nachfrage nach Rohstoffen aller Art. Wir haben ein bereits ein Allzeithoch beim Ölpreis und der letzte zurückgebliebene Bereich bei den Rohstoffen - die Agrarrohstoffe - ziehen jetzt auch an (Milch, Fleisch, etc. pp.)

Es kann in der Zusammenrechnung gut sein, dass wir den Punkt, an dem die Preissenkungen aus der Globalisierung die Preissteigerungen durch die Globalisierung nicht mehr übertreffen. Im Gegenteil: Der Effekt könnte sich umdrehen oder bereits umgedreht haben.

Diese Überlegungen stammen übrigens nicht von mir, sondern von Helikopter-Ben: Bernanke says globalization may boost U.S. inflation.

Ich finde es sehr spannend, dass Alan Greenspan jetzt auch auf diese Überlegungen aufspringt. Schizo eigentlich, denn er trägt mit dem ewigen Reinpumpen von Geld in Krisen viel Mitschuld an der Basis für die Inflation: Zu viel Geld im Wirtschaftskreislauf (Barry's take: Ironic Quote of the Day: Alan Greenspan on Inflation)

Greenspan erwartet, dass in den nächsten Jahren (kurzfristig, aber immerhin) zweistellige Leitzinsen nötig sein werden, um die Inflation einzudämmen. Sehr spannend. Die Redaktion vom Smart Investor wird sich einen abfreuen, die hat diese Prognose nämlich schon seit einiger Zeit auf ihrem Langfristfahrplan: Jetzt wird die Krise (mal wieder) mit neuem, billigen Geld der Notenbank abgefangen, danach könnte es aber richtig kriseln (zum Ende des Jahrzehnts). Die Begriffe in diesem Zusammenhang sind Hyperinflation und Staatspleite.

Nur zur Klarstellung: Ich glaube nicht, dass es so kommen *muss*, allerdings glaube ich schon, dass es so kommen *kann*. Und ich bin fest davon überzeugt, dass man sein Portfolio darauf vorbereiten sollte. Das heisst im Wesentlichen: Sachwerte kaufen (Immobilien und Edelmetalle (27-Jahres-Hoch!) als erstes, danach noch Aktien), Geld (Bargeld, Geldmarkt, Anleihen) verkaufen.

Reuters: Greenspan sees Double Digit Rates

Zur Ergänzung auch noch ein Artikel aus Herdentrieb: Bernankes Erste, der die aktuelle Problematik der FED zwischen Kredit- und Immobilienkrise auf der einen und dem schwachen Dollar und der Inflation auf der anderen Seite beleuchtet.

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