Bioäpfel aus Neuseeland - Ökologisch sinnvoll?

Der Spiegel hatte dazu auch mal einen Artikel, in der Financial Times ist aber auch aktuell was.

Das Interessante, das man sich als Clou für Diskussionen zum Thema merken kann:

Der Transport des Apfels vom Supermarkt nach Hause ist oft CO2-intensiver als der Transport der Äpfel von Neuseeland nach Europa. (Solange das Obst nicht mit dem Flugzeug kommt, was aber bei Obst die absolute Ausnahme ist)

Das ist dann doch einigermaßen überraschend.

Weniger überraschend ist es, dass je nach Obstsorte die Produktion der wirklich energieaufwändige Teil ist. Ich hatte darüber auch schonmal gelesen (und gebloggt) und zwar im Zusammenhang mit Biodiesel. Für die Produktion des Biodiesels benötigt man jede Menge Energie, teilweise für die Bearbeitung des Feldes, für die Pflanzenschutzmittel, den Dünger (sehr energieaufwändig) und dann noch den Transport und die anschließende Bearbeitung. Eine Studie hat ergeben, dass die Erzeugung von Bioethanol aus Mais mehr Energie kostet als dann im produzierten Liter Ethanol steckt. Das ist bei anderen Herstellungsarten übrigens besser: Raps zum Beispiel braucht weniger Pflege und ist leichter in Diesel zu verwandeln. Daher ist bei Raps die Energiebilanz um einiges besser.

Übrigens kann nach Betrachtung des gesamten Energieaufwands ein neuseeländisches Lammsteak besser sein als ein europäisches. Das neuseeländische Lamm steht halt sein Leben lang auf der Wiese rum und kostet energetisch quasi nix. Ähnliches gilt für argentinisches Rindfleisch. Sobald das Fleisch aus europäischer Massentierhaltung kommt (mit den dann anfallenden Heizkosten, Pharmazeutika, Mastfutter, etc.), ist das Fleisch vom anderen Ende der Welt sogar besser.

FT:Planes, brains and automobiles

Die im Spiegel zitierte Studie vergleicht deutsche und neuseeländische Bio-Äpfel. Dabei geht es um Äpfel im Frühling, also der Erntezeit in Neuseeland. Die deutschen Äpfel haben zu diesem Zeitpunkt schon 5 Monate im Kühlhaus gelagert, die neuseeländischen werden um den Globus geschippert. Das Ergebnis: Der neuseeländische Apfel braucht "nur" etwa 1/3 mehr an Energie. Auch hier ist das Ergebnis so knapp, dass ein 3-Kilometer-Weg zum Supermarkt den Unterschied auffrisst.

Spiegel: Bio-Äpfel vom Ende der Welt - eine Ökosauerei?

Kommentare :

  1. Die Diskussion ist wahrlich alt (The Economist). Besser sind die Argumente aber nicht geworden. Wieso sollte das CO2, das ich auf dem Weg zum Supermarkt ausatme, in die Bilanz der Äpfel aufgenommen werden? Und selbst die, die mit dem Auto fahren, werden mehr kaufen als nur einen Sack Äpfel. Ich bin nicht überzeugt, das Obst aus Neuseeland hier ökologisch sinnvoll ist.

    Was Maisethanol angeht, stimme ich dir allerdings zu. Ein effektive Art, sich mit Subventionsgelder ein grünes Gewissen zu kaufen. Die Bauern in Mittleren Westen lachen sich halb tot.

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  2. Das CO2 für den Transport zu berücksichtigen ist mehr als Vergleich gemeint. Es geht darum, dass der CO2-Verbrauch für den Transport ziemlich überschätzt wird. Man konstruiere einen Biomarkt im Zentrum meine Stadt und einen Supermarkt um die Ecke. Und schnell ist der Apfel aus Neuseeland um die Ecke besser als der deutsche Bioapfel im Bioladen im Zentrum. Ich hätte den Effekt viel größer eingeschätzt, deshalb fand ich den Artikel so interessant. Dass ein deutscher Bioapfel aus der Nähe aus einem Laden in der Nähe im Herbst am besten ist: Klar! Aber was ist im Frühling? Was ist wenn man Bioladen (5km entfernt) deutsche Bioäpfel hat aber mein Supermarkt um die Ecke nur welche aus Chile?

    Spannender sind eigentlich die Lammsteaks aus Neuseeland oder die Rindersteaks aus Argentinien ...

    Und zu den USA: Yepp, das sind nur versteckte Agrarsubventionen. Nix anderes.

    Die machen auch aus Kohle Öl und nennen das Öl dann "alternative" Energie (ist natürlich ein CO2-Desaster ...).

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