US-Immokrise: Ein paar Zahlen zu Verschuldung

Manchmal wird ja so getan, als wäre die Krise in den USA ein geradezu crashartiges, überraschendes Ereignis. Ich habe schon viele Male darauf hingewiesen, dass es nicht so ist, weil sich die Verwerfungen schon lange andeuten. Die Schuldensituation ist dazu in den USA einfach zu extrem.

Ein paar Zahlen:


Since 1990, U.S. nominal GDP has increased about 80% (logarithmically). Outstanding mortgage debt grew 50% more than this, raising the debt/GDP ratio from about 0.5 to 0.8. Mortgage-backed securities guaranteed by Fannie and Freddie grew 75% faster than GDP, while mortgages held outright by the two GSEs increased 150% more than GDP.


Dabei geht es nicht um die absolute Verschuldung , weil diese Zahl wenig aussagt (steigt wegen der Inflation eh immer). Viel spannender sind solche Zahlen, die die Summe der Hypotheken mit dem BIP vergleichen. Oder mit dem Einkommen. Und wenn dann die Hypotheken in gut 15 Jahren von 50 auf 80% des BIPs steigen, ist das einfach nicht gesund. Denn Hauspreise (und damit auch die Hypotheken) steigen langfristig immer nur in etwa so viel wie das (nicht inflationsbereinigte) BIP . Damit haben wir einen guten Blick auf die Verschuldungslage in den USA, die wirklich übel ist.

Der Artikel dreht sich aber eigentlich um etwas Anderes: Warum konnte es zu dieser Krise kommen?

Der Autor glaubt an einen großen Grund: Too big to fail. Deshalb habe ich die hinteren Sätze im Zitat gelassen, denn die enthalten die Zahlen der halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Diese sind noch wesentlich stärker gewachsen als der Hypothekenmarkt an sich. Diesen Instituten wird immer gerne Geld geliehen, weil alle wissen, dass die nicht Pleite gehen können. Zumindest kann es sicher keiner vorstellen, ergo (subjektiv) ein No-Risk-Geschäft. Das hat nicht unwesentlich zur Beschleunigung der Kreditvergabe beigetragen.

Die Forderung daher ist einfach: Markt ist Markt und soll Markt bleiben. Aber die "Too-Big-Too-Fail"-Unternehmen benötigen eine besondere Überwachung, da dort die Mechanismen andere sind, weil die Angst vor der Pleite fehlt. (Im Prinzip ähnlich wie beim Kartellamt, dass auch dafür sorgt, dass der Wettbewerb und damit der Markt weiter funktioniert).

Comments on Housing and the Monetary Transmission Mechanism

Ein Zitat noch für die Pessimisten:

What worries me in particular is, if we see this much in the way of delinquencies and short-term credit concerns in the current economic environment, in which GDP has still been growing and house price declines are quite modest, what can we expect with a full-blown recession and, say, a 20% decline in average real estate values?


Sowas ähnliches habe ich hier auch schonmal geschrieben. Manche Analysten sehen die Weltwirtschaftskrise und das bei einem Wachstum von 4% im letzten Quartal.

Und eine andere interessante Überlegung:

After all, a 1% short-term rate, 6% 30-year mortgage rate, and 13% house price appreciation, such as we saw in 2004, is plenty of incentive to borrow and repay.


Und das war 2004. Trotzdem wurde diese Welle (zu 1% Geld leihen, zu 6% weiterverleihen und mit 13%-pro-Jahr-steigenden-Immobilien-besichern) bis 2006 weitergeritten. Trotz mehrfacher Zinserhöhungen der FED. Wenn man sich jetzt überlegt, mit welcher Zeitverzögerung die kommenden Zinssenkungen der FED greifen werden, tja, dann werd ich depressiv (und brauche eine Flasche Wein ;-) ).

Und noch eine kleine Sache, die ich noch nicht kannte (aus einem Kommentar zum obigen Artikel):

"....But let's consider the implications of Hamitlon's "too big to fail" recommendation. Who else do we need to worry about?

The Bank of England, in its latest Financial Stability report identifies the concentration of activity in sixteen of what it calls "large complex financial institutions" as a source of systemic risk. Those firms are: ABN Amro, Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman, HSBC, JP Morgan Chase, Lehman, Merrill, Morgan Stanley, RBS, Societe Generale, and UBS. The report notes:

Given their scale and their pivotal position in most markets, distress at an LCFI could have a large, unanticipated, impact on other financial market participants. This could arise from losses on direct exposures to an LCFI that failed or from the wider market implications of actions taken by an LCFI to manage problems.


Damit hätten wir also die Liste der Banken, die "Too-Big-Too-Fail" sind. LCIFs, large complex financial institutions. Ich befürchte, den Begriff werden wir nochmal hören ...

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