Was kostet Geld, wenn es knapp ist?

Positivere Zinserwartungen und großzügige Refinanzierungskonditionen haben bis jetzt jedenfalls noch nicht geholfen. Das lässt sich etwa an den Zinsdifferenzen zwischen den wichtigsten Notenbanksätzen und den Interbanksätzen für drei Monate ablesen – sie sind überall nach wie vor ungewöhnlich groß. Ausgedrückt in Basispunkten, liegen sie in der Währungsunion bei 76 (4,76 – 4,00), in den USA bei 47 (5,72 – 5,25), in Großbritannien bei 105 (6,80 – 5,75), in der Schweiz bei 38 (2,88 – 2,50) und in Japan bei 47 (0,97 – 0,50). Für die USA ist vermutlich der Vergleich zwischen dem 3-Monats-Liborsatz und dem Zins auf dreimonatige Treasury Bills aufschlussreicher; die Differenz von nicht weniger als 147 Basispunkten (5,72 – 4,25) zeigt, wie viel Angst die Anleger immer noch haben.


aus Herdentrieb: Panik an den Geldmärkten, gelassene Aktionäre

Schon vor einiger Zeit hatte ich hier schonmal einen Artikel verlinkt, der anhand der real gezahlten Renditen bei Commercial Papers der großen US-Investmentbanken deren Kreditwürdigkeit berechnet hat. Das Ergebnis: Investmentbanken haben fast Junk-Bond-Status. Da sag mal jemand, man habe da nichts vorhersehen können; der Artikel ist vom März ...

Aber worauf ich hinauswollte: Die oben genannten hohen Zinssätze bei den Interbankengeschäften (auf diese äußerst ungewöhnlichen Verwerfungen habe ich jetzt schon einige Male hingewiesen) setzen sich aus zwei Teilen zusammen:

a) dem Risikoaufschlag
b) dem Liquiditätsmangel

b) ist mglw. schnell lösbar (allerdings hatte ich das schonmal voreilig für gelöst erklärt). Bei a) bin ich mir da nicht so sicher ... Denn das Durchsickern des ganzen "Giftmülls" von der Finanzwirtschaft in die gesamte Wirtschaft hat gerade erst begonnen.

Der Herdentrieb-Artikel ist (wie so oft) sehr lesenswert. Dieter Wermuth ist inzwischen auch ziemlich skeptisch.

Ich wollte gestern noch einen Artikel zur EZB schreiben und der Schlagzeile "EZB verschiebt Zinserhöhung". Nach den Arbeitsmarktzahlen von heute kann ich mir weitere Zinserhöhungen aber kaum noch vorstellen. Die FED wird wohl beginnen und die EZB irgendwann folgen.

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