Mal ein Blick auf die Verschuldungssituation in Europa

Die hohe Verschuldung der privaten Haushalte in den USA war ja hier schon oft Thema. In der deutschen Presse wird leider oft über die Probleme der USA geschrieben. Dass die Lage in Europa nicht viel besser aussieht, kommt aber oft zu kurz. Wenn man sich die Exzesse am spanischen Immobilienmarkt anschaut, ist die Lage dort eigentlich dramatischer als in den USA. Für die Weltkonjunktur ist die USA natürlich auf Grund ihrer Größe um in ein vielfaches wichtiger.

Aber zurück zur Verschuldung ...

In Europa ist die Verschuldung der Privathaushalte in den letzten 10 Jahren um 6.200 Milliarden Euro (also 6,2 Billionen) gestiegen. Das ist zwar eine gigantische Zahl, die aber kaum vorstellbar ist. Deshalb ist der Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt etwas erhellender: Dieses ist im gleichen Zeitraum um 2.800 Milliarden gestiegen. Die Verschuldung ist also mehr als doppelt so schnell gestiegen wie die Wirtschaftsleistung. Damit wird klar, dass es sich nicht um einen normalen Anstieg handelt, sondern um eine grundlegende Verschlechterung in der Vermögenslage der privaten Haushalte. Die gleiche Entwicklung also wie in den USA. Dort ist übrigens die Verschuldung der Privathaushalte um 7.400 Milliarden stärker gestiegen als das BIP, also noch stärker als in Europa. Nur ist das im Fall der USA relativ bekannt, im Fall von Europa aber relativ "unter den Teppich gekehrt".

Die FTD bringt diese Zahlen vor allem, um eines klarzumachen: Es ist sehr gut möglich, dass wir in der Kreditkrise erst die Spitze des Eisbergs gesehen haben. Dazu sind die Summen einfach zu groß. Wenn nur ein Prozent der zusätzlichen Summe (also das was über dem BIP-Wachstum liegt und damit tendenziell als ungesund gelten muss) ausfallen würde, hätten wir schon 34 Milliarden Ausfälle in Europa. Aber das ist halt nur die Spitze des Eisbergs. In richtigen Krisen fallen eher einige Prozent aus und zwar der gesamten Kreditsumme (und nicht nur der zusätzlichen Kredite). Und das wäre dann ein Vielfaches. Eine Summe, die ich mir lieber nicht vorstellen möchte ...

Von wegen überschaubare Bankrisiken

Der Artikel ist schon etwas älter, ich bringe diese aber in Bezug auf die Meldung vom Wochenende, nach der die großen Banken in den USA planen, einen Super-Conduit zu basteln. Also quasi einen großen Fonds, in den man den ganzen Müll ablädt, den man in den letzten Jahren in die eigenen Conduits gepackt hat. In der Bilanz will keine Bank das Zeug haben, weder damals (was zu den Conduits - den ausserbilanziellen Spezialgesellschaften- führte), noch heute. Also bleibt nur erneut eine ausserbilanzielle Lösung. Wenn man die zu mehreren gründet, muss die Bank das nicht konsolidieren, weil niemand die entscheidenden 50% hält.

Ob das ein Problem löst: Ja, für die Bank. Aber für den Markt ist das keine Lösung. Der Schrott bleibt Schrott. Da müssen auch weiterhin (wahrscheinlich noch Hunderte von) Milliarden abgeschrieben werden. Verhindert wird nur, dass der Schrott in der Bilanz auftaucht und ebenfalls, dass die Verluste heute sichtbar werden.

Wenn das nicht so wäre, bräuchten die Banken überhaupt keinen Super-Conduit gründen.

Superconduit

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