Schon wieder an der Überschrift erkannt: Heli-Heusi;-)

Ich nenn ihn ab jetzt nur noch Heli-Heusi ...

Leitartikel: Verteilt Schecks an die Bürger!

Auch wenn die Kritik nicht ganz daneben ist, kann man darüber diskutieren, ob die Steuern überhaupt ein wirkliches Problem darstellen. IMHO nicht. Die deutschen Steuersätze sind im Mittelfeld und wir sind bei weitem kein Hochsteuerland (mehr). D.h. die Regierung muss die Steuersätze nicht unbedingt senken und die Regierung muss auch nicht in dem einem Jahr, in dem der Haushalt zufällig fast ausgeglichen ist, das Geld direkt wieder an die Bürger geben. Einen Scheck an die Bürger halte ich für eine ziemlich dumme Idee (sorry), mit Ausgaben für KiTas, (Ganztags-)Schulen und Unis fallen mir sofort drei Dinge ein, die extrem viel mehr Sinn machen. Oder das Geld in die Sozialkasse stecken.

Das wirkliche Problem ist ein anderes: Wir haben in Deutschland zu hohe Abgaben auf Löhne. Die berühmten Lohnnebenkosten (Krankenversicherung, Rente, Arbeitslosenversicherung) betragen gut 40% des Lohns, den der Arbeitgeber aufbringen muss.

Ein Beispiel:

Wenn dein Arbeitgeber 3000 Euro zahlt, gehen davon 40% ab. Es bleiben also nur 1800 Euro übrig. Und von diesen 1800 Euro muss du jetzt noch Steuern zahlen, sagen wir mal grob geschätzt 20%, also nochmal 350 Euro. Das Ergebnis auf deinem Konto: 1450 Euro, also etwas weniger als die Hälfte. Du kostest deinen Arbeitgeber 18,75 Euro pro Stunde und bekommst selber nur 9,06.

Jetzt kommt das Problem: Der Arbeitgeber muss dir natürlich den Lohn ausgehend von den 3000 Euro in Rechnung stellen, schließlich muss er die irgendwie bezahlen können. Also muss er grob gerechnet 18,75 Euro die Stunde bekommen. Du bekommst netto aber nur etwa über 9 Euro pro Stunde. Folglich musst du zwei Stunden (genau 2,07) arbeiten, um jemandem eine Stunde bezahlen zu können.

Würde man die Lohnnebenkosten senken auf sagen wir mal 30% und das Netto auf dem Konto konstant lassen, sieht die Rechnung so aus:

1450 / 0,8 / 0,7 --> 2600 Euro. Du bekommst immer noch 9 Euro die Stunde, aber der Arbeitgeber muss nur noch 16,25 in Rechnung stellen. Auf einmal musst du nur noch 1,8 Stunden arbeiten, um eine Handwerkerstunde einkaufen zu können. Der Effekt (von Faktor 2,07 auf 1,80, also 13%) ist höher als die eigentliche Senkung um 10 Prozent aussagt.

Hinzu kommen jetzt noch die Multiplikatoreffekte durch die neue Nachfrage. Es werden Leute wieder in Arbeit gebracht, diese zahlen in die Sozialkassen ein (und belasten diese nicht mehr) und dadurch kann man die Beiträge wieder senken. Die Arbeitnehmer, die neu einen Job gefunden haben, geben das Geld ebenfalls wieder aus und schaffen damit wieder weitere Arbeitsplätze.

Diese Effekte (im Endeffekt alles von oben) gibt es analog auch bei einer Senkung der Steuern. ABER bei einer Senkung der Steuern macht man ALLES billiger und hofft dann auf einen Beschäftigungseffekt (der beim Kauf eines 40-Zoll-Plasma Fernsehers aber vor allem in Asien entsteht). Bei der Senkung der Lohnnebenkosten entsteht der Effekt nur und ausschließlich bei der Beschäftigung und wirkt dort zu 100%. Und deshalb schafft eine Senkung der Lohnnebenkosten eben mehr Arbeit als eine Senkung der Steuern.

Gerade im Niedriglohnbereich bei den personalintensiven Dienstleistungen fehlen in Deutschland die Arbeitsplätze. In den USA ist ein Gärtner in privaten Gärten nichts Außergewöhnliches, in Deutschland schon. Heimwerken ist in Deutschland weit verbreitet, in den USA deutlich weniger. In den USA kauft man das beim Profi ein und arbeitet lieber ein paar Stunden in dem Job, den man gelernt hat und den man am besten kann. Das erhöht die Produktivität der Wirtschaft (alle machen, was sie am besten können) und schafft zusätzliche Arbeit.

Dass die Lobbyisten der Industrie immer Steuersenkungen fordern, heisst nichts, denn die vertreten ihre Interessen und denen ist egal, ob der Kostenblock Löhne oder der Kostenblock Steuern kleiner wird. Es ist nur schade, dass niemand die Senkung der Lohnnebenkosten fordert. Die Gewerkschaften, die ja eigentlich für die sprechen sollte, die die Lohnnebenkosten bezahlen, stecken in ihrer argumentativen Sackgasse fest und behaupten weiterhin, dass höhere Löhne zu mehr Beschäftigung führen. Als wenn im Gegenzug nicht auch die Preise steigen würden und der Effekt dadurch sofort verpuffen würde. Es ist kein Multiplikator drin. Wenn eine Friseuse das Doppelte verdient, mag das fair und sozial sein, allerdings fehlt das Geld den Kunden. Der eine hat's, dem anderen fehlt's. Mehr Beschäftigung entsteht dadurch nicht. Wenn man Pech hat, geht der Schuss sogar nach hinten los und die Friseusen gehen in die Schwarzarbeit. (Um es deutlich zu machen: Ich halte Mindestlöhne nicht für das Schlimmste der Welt und bin auch nicht so sicher wie einige neoliberale Weltvereinfacher, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten. Aber dass Mindestlöhne Arbeitsplätze schaffen, ist ausgeschlossen. Dafür gibt es weder Beobachtungen aus der Praxis noch eine sinnvolle Theorie).

1 Kommentar :

  1. Ein erster Schritt wäre, einmal mit dem ganzen Mist wie dem Schlagwort "Arbeitgeberanteil" aufzuräumen. Wie Du richtig sagst, zahlt sowieso der Arbeitgeber alles, einen Teil direkt in die Sozialkassen, einen Teil an den Arbeitnehmer. Würde der Arbeitgeber komplett alles (also die 3000 Euro in Deinem Beispiel) an den Arbeitnehmer überweisen und die Abzüge vollständig von dessen Konto wieder abgehen, hätten wir längst eine Revulotiuon. Aber auf dem Gehaltszettel entspricht ja nicht einmal das Brutto den gesamten Kosten für den Arbeitgeber. Und die meisten Arbeitnehmer wissen das nicht einmal und werden damit ruhig gestellt, dass ja "der Arbeitgeber die Hälfte der Sozialkosten trägt".

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