US-Arbeitsmarkt bombenstark

Obwohl ich bald aufhöre, diese Zahlen zu verfolgen.

Aber erstmal die Zahlen: 110.000 neue Arbeitsplätze im September. Die Arbeitslosenquote steigt aber trotzdem auf 4,7%.

Zur Erinnerung: Im August gab es noch mit minus 4000 echter Desasterzahlen.

Und weshalb ich bald aufhöre, diese Zahl zu verfolgen (OK, ich werde das nicht ernsthaft tun, weil die Zahl zu wichtig ist): Der August wurde jetzt auf 89.000 PLUS korrigiert. Also nachdem im August die Juni und Juli Zahlen massiv nach untern korrigiert wurden, werden jetzt die August Zahlen massiv nach oben korrigiert.

Nur muss man sich angesichts solch heftiger Korrekturen fragen, welche Aussagekraft die Zahl überhaupt hat. 10.000 über oder unter den Erwartungen können die Börsen deutlich bewegen. Aber warum? Die Zahlen der letzten drei Monate sind jetzt im Schnitt um mehr als 50.000 pro Monat korrigiert worden. Was echte Zweifel an der Signifikanz der Werte aufkommen lässt. Sollte man die Zahl nicht besser ignorieren?

Nebenbei sind die Zahlen in sich schon unstimmig: Im August, als die Anzahl der Arbeitsplätze zurück ging (zumindest in der ersten Schätzung), bleibt die Arbeitslosenquote stabil. Im September gibt es 110.000 zusätzliche Arbeitsplätze und die Quote steigt.

Wenn überhaupt etwas Wahrheit in den Zahlen steckt, muss man wohl wieder in die Details der Korrekturfaktoren schauen. Manchmal erklärt sich dann das unerklärliche Verhalten des "Headline"-Zahlen.

Aber auch nur manchmal. Ich wüsste gerne einen besseren Indikator, nur kenne ich keinen ...

Update (20:16): Auch Econbrowser zeigt sich etwas erstaunt über die Schwankungen und Korrekturen bei den Arbeitsmarkt-Statistiken. Aber ihm reicht die Stabilität der letzten Wirtschaftszahlen aus, um den Wirtschaftsindikator zurück auf Neutral :-| zu setzen. Kurzfazit: Weiterhin Wachstum, wenn auch abgeschwächt: Employment plunge was a big oops

Börse Online schätzt die Rezessions-Wahrscheinlichkeit übrigens im aktuellen Heft auf 10%. Das erscheint mir dann doch etwas arg optimistisch. Aber dass die eine pessimistische Prognose wagen, werde ich wohl eh nicht mehr erleben. Jubelperser-Mainstreampresse sage ich immer, wenn ich schlechte Laune habe. Hab ich aber gerade nicht, denn jetzt ist Wochenende :-)

Update (6.10.07): Barry Ritholtz ist (nicht ganz überraschend) nicht der Meinung, dass der Report stark war. Er hat auch recht, denn an sich reichen 110.000 neue Jobs nicht aus, um mit dem Bevölkerungswachstum der USA Schritt zu halten (dazu braucht man etwa 150.000). Allerdings ist die Zahl von 110.000 *zusammen* mit den Aufwärtskorrekturen der Vormonate schon eine starke Zahl. Und während die ursprüngliche August-Zahl laut "Rezession" schrie, ist nach den Korrekturen und der September-Zahl doch nur schwächeres Wachstum zu prognostizieren.

Update (7.10.07): Bei Accrued Interest gibt es IMHO den besten "Take" zu den Arbeitsmarktzahlen: Job Growth? This economy must be hotter than I thought!. Insbesondere wird (IMHO zurecht) Barry Ritholtz kritisiert, weil er diesen Report schlecht redet. Nachdem die (ursprünglichen und falschen) Augustzahlen aber ein klares Desaster anzeigten, muss man diese Einschätzung jetzt aber korrigieren. Und nicht rumdeuteln.

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