WUW - Das versteckte Konjunkturprogramm

Wieder einmal, allein am Titel, den Kommentar von Robert von Heusinger entdeckt.

Jobmaschine Wachstum

(Übrigens hat die FR einen sehr schön zerlegten RSS-Feed und man muss nicht den ganzen Schmutz mitlesen, nur um den Kommentar eines einzelnen Schreibers zu bekommen. Der FR-Kommentar Feed enthält nur die (meistens vier) Kommentare des Tages).

Der Artikel ist generell sehr schön und hackt auf der zu kurz greifenden Wirtschaftstheorie der Arbeitgeber in Deutschland rum. Soweit kennen wir das ja schon von R. von Heusinger.

Spannender wird es dann da, wo er einen der Kernpunkte des jetzigen Arbeitsplatzwachstums herausarbeitet. Es ist das Wirtschaftswachstum. Und darin ein verstecktes Konjunkturprogramm namens WUW, Wohnen Umwelt Wachstum. Dieses schiebt Investitionen in die Verbesserung von Immobilien an. U.a. auch um Heizkosten zu sparen (schonmal auf die Sto-Aktie geschaut?). Dazu gibt es verbilligte Kredit der KfW an die Immobilienbesitzer. Schätzungen gehen von 500.000 Arbeitsplätzen im Handwerk aus, die aufgrund dieses billigen Geldes erhalten/geschaffen wurden.

Was ich jetzt so geil finde: Das Ganze ist ein Uralt-Argument von mir. So etwas Ähnliches gab es unter Kohl schonmal. Damals wurde das allerdings über beschleunigte Abschreibungen gemacht. D.h. man konnte die Wärmedämmung über die ersten Jahre schneller abschreiben als normal (ich habe die Zahlen nicht mehr genau im Kopf, aber ich meine statt 50 Jahre a 2 Prozent, waren es 10 Jahre a 6 Prozent und 40 a 1 Prozent). Es kamen also kurzfristig weniger Steuern, langfristig (bis auf den Zinseffekt) aber genau so viel wie vorher. Die Auswirkungen auf den Bundeshaushalt waren also sehr gering, trotzdem wurden damals 300.000 Arbeitsplätze geschaffen. Kohl hat das Programm dann in einem Anfall (war allerdings nicht der einzige) von geistiger Umnachtung abgeschafft, weil die 300 Mio. pro Jahr nicht mehr da waren.

Wenn man jetzt mal alle drei Aspekte anschaut, wird klar, wie unglaublich effektiv die Maßnahme war:

a) Wie viel Geld hat es gekostet?
b) Wie viel Arbeitsplätze hat es geschafft/gesichert?
c) Wie viel Energie wurde dadurch eingespart (es ging um Wärmedämmung!)?

Tja, und wenn man die extrem positiven Ergebnisse des WUW-Programms anschaut, kann man eigentlich sicher sein, dass das auch heute wieder funktionieren würde.

Und was machen wir? Stecken Milliarden jedes Jahr in die Solarenergie (Übrigens für 25 Jahre garantiert; sprich selbst wenn wir das heute abschaffen, zahlen wir noch 25 Jahre weiter) für 100.000 Arbeitsplätze (maximal). Nein, IMHO sind wir viel zu früh in die Solarenergie eingestiegen. Zu früh heißt, dass in Energiesparmaßnahmen mehr Potenzial für Arbeitsplätze und Energieeinsparung gesteckt hätte und es billiger gewesen wäre als die Solarenergie. In Deutschland hätte man sich so lange auf Energieeinsparung konzentrieren sollen bis die Solarenergie halbwegs wettbewerbsfähig ist (20 bis 25 Cent pro KWh). Den frühen Einstieg in die Solarenergie hätte man Ländern mit mehr Sonne überlassen sollen. Damit hätten wir in der Vergangenheit mehr für die CO2-Bilanz getan und könnten heute mit dem gleichen finanziellen Einsatz für die Einspeisung der regenerativen Energien die doppelte Menge CO2-freien Solarstrom erzeugen.

Aber über Effizienz denkt die Politik leider viel zu selten nach. Da geht es um "Leuchtturmprojekte", um gutes Gewissen, gute Stimmung und Politik, die beim Wähler ankommt. Aber Stop: Eigentlich ist das ja effizient: Ziel ist nur nicht die möglichst hohe Senkung der CO2-Emissionen, sondern die Steigerung der Zufriedenheit der eigenen Wähler und die Erhöhung der eigenen Wahlchancen.

Bloggers Unite - Blog Action Day

Daher mein Appell:

Beim Umweltschutz nicht nur auf die Wähler und das gute Gewissen schauen, sondern auch überlegen, wie man den größten Effekt erzielen kann. Auch wenn das zu einem unsexy Ergebnis führt wie die Modernisierung eines pottenalten Kohlekraftwerks in der Ukraine.

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