Die Liquiditätskrise wird zum Marathon

Und das widerlegt meine positive Einschätzung, der ich noch vor ein paar Wochen verfallen war. Damals war es ziemlich klar und ausgemacht, dass die Notenbanken alles tun werden, um ein schnelles Absacken in eine tiefe Krise zu vermeiden. Das hat wohl auch geklappt, nur sacken wir jetzt scheinbar langsam in eine tiefe Krise.

Die Citibank-Nachrichten mit weiteren Abschreibungen von bis zu 11 Milliarden im 4. Quartal sind da nur der Anfang.

Der Aktienmarkt hält sich dabei überraschend gut. Hier sieht man am wenigsten Probleme. Alles ist nahe der Allzeithochs, aus China kommen gar täglich neue (Wahnsinns-)Rekorde.

Am Anleihemarkt sieht das anders. Hier sind die Anleger naturgemäß risikoscheuer. Und das zeigt sich aktuell wieder sehr deutlich.

Bespoke Investment: Corporate Bond Spreads

Im obigen Artikel werden die aktuellen Spreads für Unternehmensanleihen gezeigt. Man sieht, dass nach der Entspannung im September und der ersten Hälfte des Oktobers die Renditen wieder deutlich anziehen und die alten Hochs überwunden haben. Genauer geht es um den Spread, also den Renditevorsprung von Unternehmensanleihen. Diese beträgt bei erstklassigen Anleihen inzwischen mehr als 160 Punkte. Wenn eine US-Staatsanleihen 4,5% Rendite abwirft, muss ein Unternehmen gut 6% zahlen. Zum Vergleich lag der Spread im ersten Halbjahr 2007 noch unter 90 Punkte.

Logischerweise noch größer sind die Abstände bei Unternehmensanleihen von schlechterer Qualität. Hier betrug der Abstand im ersten Halbjahr 250 bis 300 Punkte. Anfang August schoss der Spread auf fast 500 Punkte und da ist er nach zwischenzeitlicher Erholung inzwischen schon fast wieder.

Darüber habe ich im August auch schonmal etwas geschrieben (Enormer Spread zwischen T-Bill-Rate und CP - Guter Kaufzeitpunkt?), wobei sogar die Überlegung auf den Kauf von Aktien aufgegangen ist.

Die Auswirkungen für die Unternehmen sind nicht zu unterschätzen. So sehr sich die Börse über die beiden Leitzinssenkungen um bis jetzt 0,75 Punkte freute, so wenig ist davon bei den Unternehmen angekommen. Vor allem für die schlechteren Schuldner ist die Neuaufnahme von Krediten wesentlich teurer als noch vor einem halben Jahr. Und das trotz Leitzinssenkung. Ich frage mich, ob die Wirtschaftsweisen diesen (massiven) Bremseffekt in ihren Modellen schon berücksichtigt haben ...

Wem das noch nicht reicht, hier noch ein kurzer Blick auf die Asset Backed Securities (ABS):

Roller coaster

Da wird es richtig übel ...

ABS der zweitbesten Qualität (AA) werden im Schnitt nur noch mit 50% bewertet. Mit der Hälfte des Nennwerts, also dem Wert, den ich am Ende der Laufzeit zurückbekomme! Daraus erechnen sich locker zweistellige Renditen. Selbst Papiere mit einem AAA, also der Qualität der weltbesten Schuldner (z.B. Deutschland), notieren nur noch mit 80%. Das ist schon fast eine junk-artige Bewertung, wobei mir für die AA-Papiere gar kein Begriff mehr einfällt. Sowas fasst ein Anleihehändler eigentlich gar nicht mehr an ...

Im aktuellen Smart Investor Weekly findet sich auch eine Grafik für BBB-geratete Papier, die letzten mit Investment(lach!)-Qualität.

Smart Investor Weekly: Das „hohe C“ - der Subprime-Krise

Die Dinger sind inzwischen bei 35% des Nennwerts gelandet. Wer also etwas Mut hat und daran glaubt, dass man da was zurückbekommt, eine Chance auf Verdreifachung wartet. Man steht mit der Meinung nur allein auf weiter Flur ...

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