Die Subprime-Krise ist noch lange nicht vorbei ...

(Vor)gestern gab die US-Notenbank noch 41 Milliarden Dollar Liquidität in den Markt (ich dachte der Teil wäre vorbei, aber da war ich wohl zu optimistisch). Und heute kommt ans Tageslicht, dass Merrill Lynch versucht hat, Verluste über 1 Milliarde Schrottanleihen in die Zukunft zu verschieben. Der Deal sollt so gehen: Die Anleihen sollten an einen Hedgefonds verkauft werden. Das ist noch nichts Schlimmes, wenn die Anleihen denn 1 Milliarde wert gewesen wären. Das waren sie aber nicht. Wichtig für Merrill Lynch ist es aber, dass der Wert nicht zu dramatisch sinkt. Also gibt man dem Hedgefonds die Garantie, die ganzen Anleihen nach einem Jahr wieder für 1,1 Milliarden zurückzukaufen, auch wenn diese beim Verkauf und beim Rückkauf viel weniger wert sind. Wichtig aber, dass das frühestens in einem Jahr auffällt.

Merrill reportedly tried to delay mortgage losses

Die Aktie von ML sackt im Moment fast 10% ab, denn legal ist das natürlich nicht. Und Vertrauen schafft man so auch nicht.

Wenn man einen Wertverlust zu verzeichnen hat, tja, dann muss man einen verzeichnen. Das Problem ist nur, dass die Lage aktuell so kritisch ist, dass dem Weltfinanzsystem der Zusammenbruch droht, wenn alle gleichzeitig alles melden würden. Also versucht man irgendwie zu tarnen, täuschen und zu verstecken.

Eine andere Methode als die unvermeidbaren Aufräumarbeiten zeitlich zu strecken, gibt es allerdings auch nicht. Nur sollte man das offener machen. Wie z.B. in dem angedachten Mega-Conduit (oder Super-SIV), den die großen Investmentbanken gründen wollen. Alle packen hier ihre Giftmüll-Anleihen rein und alle teilen sich die Risiken (und keiner hat die mehr in der eigenen Bilanz ...). Die klammheimliche Überlegung dahinter ist ja sowieso, dass im Zweifelsfall der Staat einspringt, denn dieses Riesenteil darf auf keinen Fall ins Taumeln geraten.

Clou der ML Geschichte ist, dass der Verantwortliche für das Geschäft (O'Neil) inzwischen gefeuert wurde und sich über 161(!!!) Mio. Abfindung freuen darf. Und das, nach einer Abschreibung von etwa 8 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Nicht dass 161 Millionen Abfindung nicht eh schon eine Frechheit wären, nach einem solchen Geschäftsergebnis und bei einem Aktienkurs, der sich der Halbierung seit Jahresbeginn nähert, verschlägt das selbst Verfechtern der freien Marktwirtschaft wie mir die Sprache!

Und um nochmal auf die Überschrift zurückzukommen: Wir sind immer noch in der ersten Phase der Krise, in der nur die extrem schnelllebige Finanzwelt reagiert. Die Auswirkungen auf den Rest der Wirtschaft werden wir erst nach und nach sehen. Vielleicht ist das bröckelnde Konsumentenvertrauen hier das erste Anzeichen ...

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