Bernanke Put? Massive Bailout? Harry Potterism?

Hmmm, die Amis meinen es ernst.

Die wollen jetzt tatsächlich die Zinserhöhungen der variabel verzinsten Kredite "verbieten". Wer bisher einen niedrig verzinsten Kredit hatte, bei dem die Zinsanpasung nach oben (Reset) vor der Türe steht, kann die Hypothek zum niedrigen Zins weiterlaufen lassen.

Hmmm. Das ganze ist ein Vertragsbruch (ein Kredit ist ein Vertrag), auch wenn die Teilnahme freiwillig ist. Außerdem ist das zutiefst ungerecht, u.. weil das nur ab 1.1.2008 gelten soll. Wer den Reset schon hinter sich hat, hat halt Pech gehabt. Noch schlimmer: In die Röhre kucken zudem alle, die ihr Haus seriös finanziert haben und vom ersten Tag an einen richtigen, fairen und nachhaltigen Zins bezahlt haben und nicht einen, bei dem die ersten zwei Jahre mit höheren Zinsen aus der Zukunft subventioniert waren.

Und wer den ganzen Spaß finanziert, ist mir auch noch unklar. Wenn ich den Kredit vergeben hätte, würde ich nicht so einfach auf die Hälfte meiner Rendite verzichten. Aber genau so wird es dargestellt: Es rettet alle und kostet niemanden Geld. Höhere Magie! Aber darin ist die Wall Street ja weltweit Nummer zwei direkt nach Harry Potter ...

Auch dass es alle rettet, bezweifle ich zutiefst. Die US-Regierung spricht selber von "Tens of Thousands". Eie diese Zahl bei 1,8 Millionen Resets im nächsten Jahr zustande kommt, ist mir unklar. Damit wäre ja nur ein Bruchteil betroffen. Vielleicht meint man es doch nicht so ernst und das ganze ist eher eine Beruhigungspille?

Und was nach der Zeit der neuen (niedrigen) Zinsbindung passiert, keine Ahnung. Viele der Kredite sind ja so unverantwortlich gewesen, dass es auch nichts nützt, wenn der Kredit noch 3 oder 5 Jahre mit niedrigen Zinsen weiterläuft. Die fällige Zinsanpassung wird auch in 5 Jahren nicht geleistet werden können. Das einzige was erreicht wird, ist eine zeitliche Streckung des Problems. Gut, genau dass kann genau den Unterschied zwischen einem Platzen des Ballons (Crashs) und einem langsamen Luftablassen ausmachen. Und das zweite ist immerhin leichter zu beherrschen

Am Ende ist das ein klassischer Bailout. Man kann ruhig richtig Mist bauen. Man muss sich nur sicher sein, dass genügend andere mitmachen und der Schaden genügend hoch wird. Dann wird der Staat schon einspringen. Immerhin rettet man *nicht* direkt die Wall Street (Banken, SIVs, Ratingagenturen), sondern den Hausbesitzer, aber das ist wohl auch eher aus wahlkampftaktischen Gründen so. Die Rettung von Zehntausenden von der Hypothekenmafia über den Tisch gezogenen Durchschnittsamerikanern (OK, mit viel zu großem Haus) macht sich halt toll. Man hat den Pathos geschwängerten Fernsehspot direkt vor Augen. Aber im Endeffekt rettet es doch die Wallstreet, denn man macht aus schlechten Risiken jetzt bessere. Risiken, die allerdings nie entstanden wären, wenn eine vernünftige Risikokontrolle vor der Vergabe der Hypotheken erfolgt wäre. Und das ist eine der ureigensten Aufgaben einer Bank ...

Und wer dermaßen schludert, hat eigentlich eine Strafe verdient. Eine Strafe, die richtig weh tut. Aber danach sieht es nicht aus. Wieder einmal nicht.

Bush to Unveil Aid to Homeowners

Update (07.12):

Und ein Artikel der FAZ dazu Bush greift Amerikas Hausbesitzern unter die Arme.

Und einer in der FTD: Bushs Subprime-Rettungsplan erntet Kritik.

Die Kritik kommt von zwei Seiten: Die Wirtschaftler kritisieren das als unangebrachten Eingriff in den Markt und schätzen, dass das die Krise nur verlängere. Die andere Seite sind die Wahlkämpfer, die gerne ein breiteres Programm gesehen hätten. Aber das kann ich gar nicht beurteilen. Ziemlich wahlfrei wird manchmal von Zehntausenden Haushalten gesprochen, manchmal von potenziell bis zu 1,2 Millionen.

Es ist jetzt auf jeden Fall klar, dass nur ein bestimmter Kredittyp betroffen ist und das auch nur bei einer Zinsanpassung in einem bestimmten Zeitraum. Wer die Anpassung schon hinter sich hat: Pech. Wer einen normale Hypothek abgeschlossen hat, ohne einen subventionierten Starterzins: Pech! Außerdem gilt das Programm nur für selbstgenutzte Immobilien und auch nur dann, wenn die Zinszahlung zum niedrigen subventionierten Zins geleistet werden kann und auch geleistet wurde. Wer also schon überfällig ist: Pech!

Irgendwie erscheint mir das so, als wäre ein Trupp von 20 Fallschirmspringern ohne Fallschirm abgesprungen und jetzt wirft jemand panisch 10 Fallschirme hinterher. Ein paar können den Fallschirm nicht gebrauchen, weil er nicht passt, ein paar Fallschirme kommen nicht an, weil sie vorbeifliegen und ein paar erwischen zwar einen, schaffen aber nicht mehr schnell genug, den umzuschnallen und auszulösen. Ob man so eine Katastrophe vermeiden kann?!?

Und noch ein Update:

Der bisher beste Artikel im Wall Street Journal mit vielen Details und vielen Einschätzungen: Battle Lines Form
Over Mortgage Plan
.

Interessante Frage darin: Wie sieht eigentlich die rechtliche Situation aus? Eines der Grundprobleme ist ja, dass die Kredite nicht mehr da sind, wo sie ursprünglich waren. Irgendjemand hat abgeschlossen, dann hat jemand gebündelt und verbrieft und heute liegen die Sachen ganz woanders (und eben auch bei der IKB oder der SachsenLB). Was nützt es, wenn dann Washington Mutal sagt, dass sie dort mitmachen? Wenn doch zumindest große Teile der Kredite gar nicht mehr in deren Bilanz stecken? Fragen über Fragen ...

1 Kommentar :

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