Noch mehr Details zum Subprime-Rettungsplan ...

Ich finde nicht wirklich die Zeit, etwas zum Bailout-Plan der US-Regierung zu schreiben. Vor allem, weil die Lage zu kompliziert ist und die Auswirkungen zu schwierig zu beurteilen sind. Wie soll man das den richtig einschätzen, wenn der eine von "einigen zehntausend Haushalten" spricht und der andere von bis zu 1,2 Millionen?!?

Aber der Artikel bei Calculated Risk räumt mit einigen Missverständnissen auf, denen ich auch erlegen bin. Vor allem der Hinweis, dass die Teaser-Rates, also der initiale Zins vor dem jetzt anstehenden Reset, bei 7 bis 8% liegen, ist sehr wichtig. Denn das heisst, dass die Teaser Rates nicht unüblich und subventionierend niedrig sind (gut, vielleicht ein bisschen). Und dann ist alles ein wenig anders zu beurteilen. Erstens kann die Hypothekenbank (bzw. der Investor) mit den 7 bis 8% ganz gut leben, besser auf jeden Fall als wenn der Zins nach oben gehen würde und dann der Kredit überfällig wird. Auch für den Immobilienbesitzer heisst das was Positives, nämlich dass er durchaus in der Lage ist, einen Kredit mit realistischem Zins zu bedienen.

Calculated Risk sieht auch kein Rechtsrisiko. Die Begründung ist relativ einfach und durchaus plausibel. Da der Zins nach der Anpassung nirgendwo festgelegt wurde, ist der Zins auch nirgendwo einklagbar. Es wird halt angepasst. Wäre der Leitzins bei 0 Prozent, könnte es auch möglicherweise eine Zinssenkung
sein. Sowas ist für einen Laien ziemlich schwierig zu beurteilen, aber es könnte schon sein, dass diese Einschätzung stimmt. Ich bin bisher allerdings eher davon ausgegangen, dass der Zins schon im Voraus festgelegt wurde, z.B. nach einer Formel wie 1-Jahres-LIBOR + 4% Risikoaufschlag. Aber so logisch konstruieren die US-Immobilienfinanzierer ihre Produkte scheinbar nicht ...

Das Programm hat aber trotzdem Probleme. Denn es sind nur Haushalte betroffen, die mit mehr als 97% des Immobilienwerts verschuldet sind (übrigens auch mit mehr als 100% ...). Daraus entsteht natürlich ein Mitnahmeeffekt. Mal angenommen, man ist mit 90% verschuldet und es droht eine Zinserhöhung um 2%, dann ist es u.U. günstiger noch schnell die Verschuldung über 97% zu treiben um dann die Zinsen auf dem niedrigen Niveau einfrieren zu können.

Ten things to know about the Freeze

Der Calculated Risk Artikel ist das Beste, was ich bisher zu dem Thema gelesen habe. Eine etwas andere Meinung findet sich hier: We Regret To Inform You That This Is A Government Bailout

Und noch ein lesenswerter Artikel zum Thema, der sich Gedanken über die rechtliche Situation macht und diese nicht ganz so unkritisch sieht wie Calculated Risk. Außerdem macht der Artikel sich noch Gedanken darüber, wer am meisten von dem Programm profitiert.

Your MBS pool will freeze before you get past the first marker!

Wer etwas Deutsches sucht: Geht der Plan zur Lösung der amerikanischen Immobilienkrise weit genug?. Das ist ein bei FAZ.NET erschienener Artikel, der im Ursprung in der Business Week erschienen ist. Gut, aber der Calculated Risk Artikel ist noch besser ...

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