Zinssenkung? Welche Zinssenkung?

OK, die US-Notenbank senkt die Zinsen. Bisher um 0,75 Prozentpunkte und (wie der Markt erwartet) auf den nächsten zwei Sitzungen bis Januar nochmals um zusammen 0,50 Prozentpunkte (Der Markt erwartet schon wieder eine Zinssenkung in den USA).

Die große Frage ist aber, ob das mehr als Psychologie ist, denn die realen Zinsen, die die Unternehmen draussen bezahlen müssen, sind nicht wirklich gesunken. Die Risikoaufschläge sind nämlich deutlich gestiegen. Der LIBOR (London InterBank Offered Rate, der Zinssatz, den Banken vereinbaren, wenn sie sich untereinander Geld leihen) war im ersten Halbjahr ziemlich konstant etwa 0,5 Prozentpunkte höher als der Zins eines US-Staatsanleihe. Im Rahmen der Krise explodierte der Aufschlag auf 2,4 Prozentpunkte. Im Oktober entspannte sich die Lage und es kam zu einem Rückgang auf 0,94 Prozentpunkte, inzwischen liegt der Wert wieder oberhalb von 2 Prozentpunkten.

Was heisst das in der Praxis? Wer sich im Mai Geld geliehen hat, zahlte etwa 5,25% + 0,5% Risikoaufschlag also 5,75%. Heute ist der (eigentliche) Zins gesunken, die Risikoprämie aber explodiert. Daher zahlen die Banken heute 4,5% plus 2%, also 6,5%.

Von Zinssenkung kann ich da nicht wirklich etwas erkennen. Die Notenbank hat bisher nur eine extreme Zinserhöhung vermieden, mehr noch nicht. Und ich schätze, dass die Notenbank genau aus diesem Grund die Zinsen (trotz der Inflationsprobleme) weiter senken wird. Es ist nämlich defakto noch keine Wirkung festzustellen mit allen positiven wie negativen Auswirkungen.

Übrigens haben wir (für alle, die sich ihr Geld nicht bei der Notenbank leihen können) immer noch eine flache bis inverse Zinskurve, sprich die kurzen Zinsen sind höher (bzw. gleich hoch) als (wie) die langfristigen. Und das hat normalerweise ziemlich negative Auswirkungen auf die zukünftige Konjunktur.

Wenn die Mainstreammedien immer nur auf die Leitzinsen und die US-Staatsanleihen verweisen, Erleichterung über die sinkenden Zinsen und die endliche nicht mehr inverse Zinskurve kundtun, greift das viel zu kurz, denn in der Praxis kommt von den positiven Effekten der Zinssenkung so wenig wie selten zuvor bei den Unternehmen an.

Die Grafiken zu den Risikoaufschlägen von unterschiedlicher Bonität und Laufzeit finden sich in folgendem Artikel:
Econbrowser: Risk premia creeping higher

Kommentare :

  1. Die Fed-Zinssenkungen kommen aber bei den Banken an, und diese sind die Sorgenkinder im Moment. Außerdem eine Anpassung des Zinsniveaus braucht schon seine Zeit. Trotzdem: keine Frage die Spreads haben sich ausgeweitet, und auch wenn das Zinsniveau für die Unternehmen nicht hoch ist, bleibt die Entspannung von dieser Seite noch aus. Sollte sich aber die Situation bei den Banken beruhigen, werden die Zinssenkungen sicher nachgereicht.

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  2. Ich verstehe was du meinst, allerdings frage ich mich, warum der LIBOR dann auch diesen Spread ausweist. Wieso leihen sich die Banken zu diesem hohen Zins Geld, wenn sie es doch angeblich billiger bei der FED bekommen könnten?

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  3. Der LIBOR hat etwas längere Laufzeit, oder?

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  4. Hmmm, Blogger ist auf einmal auf Englisch, aber egal.

    Den LIBOR gibt es IIRC mit Laufzeiten von einem bis 12 Monaten, also eigentlich nicht sonderlich lang. Welcher im Chart verwendet wurde, weiss ich aber auch nicht ... Sooo wichtig ist der Unterschied aber nicht, weil die Zinskurve ziemlich flach ist im Moment.

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