China und die Inflation

Ich vertrete ja schon länger die These (die übrigens auch US-Notenbankchef Ben Bernanke vertritt), dass China vom Exporteur von Deflation zum Exporteur von Inflation geworden ist.

Der Bernanke Artikel ist schon etwas älter und bezog sich vor allem auf die steigenden Rohstoffpreise, die insbesondere von der chinesischen Nachfrage getrieben werden. Zu diesem indirektem Effekt kommt aber inzwischen ein zweiter direkter Effekt und das sind die chinesischen Exportpreise. Diese steigen aus drei Gründen:

a) Die Rohstoffe werden teurer.
b) Die Löhne in China steigen mit zweistelligen Raten, in den industrialisierten Gegenden teilweise noch schneller.
c) Die chinesische Währung wertet auf und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit.

Econbrowser: Four Observations on Import and Export Prices and the Dollar (Figure 3)
oder
China’s World-Deflation Role in Doubt as Export Prices Rise (PDF! siehe Seite 4)

Und dieser zweite Faktor wird immer deutlicher: Die chinesische Inflation ist inzwischen auf 8,7% gestiegen und man kann daher sicher davon ausgehen, dass die chinesischen Löhne in Zukunft noch schneller steigen werden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Ursache für 2 Jahrzehnte ohne nennenswerte Inflation die gleiche ist wie für die Inflation, die uns jetzt droht: China. China war 2 Jahrzehnte lang Exporteur von Deflation, inwischen ist China aber Exporteur von Inflation.

Die Notenbank kann auf den dämpfenden Faktor China nicht mehr setzen. In Zukunft wird es sich (wieder) rächen, wenn man die Geldmenge permanent zu stark wachsen lässt. Und zwar so wie immer: Mit Inflation.

Zeitenwende.ch: Kein Schwein gehabt

Die Nachricht von Chinas Rekordinflation als Video (wer des Lesens überdrüssig ist): FAZ.NET: China kämpft mit Rekordinflation

Oder als Text: Marketwatch: China's inflation rate hits 11-year high oder auf deutsch FTD: Neujahrsfest treibt Chinas Inflation auf Rekordhoch

Übrigens steigen nicht nur die Verbraucherpreise, sondern auch die Produzentenpreise mit 6,6%: Marketwatch: China's trade surplus narrows unexpectedly

Interessante Beobachtung, dass das Handelsbilanzplus der Chinesen stark gesunken ist. Das ist wahrscheinlich nur ein saisonaler Ausreißer. Wenn nicht, wäre das aber hochinteressant: Denn das würde bedeuten, dass die Nachfrage nach chinesischen Gütern sinkt. Sei es durch die gestiegenen Preise oder weil die USA in der Rezession stecken (womit die Entkopplungsthese ad acta gelegt werden kann).

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