Hebeln sich die Heuschrecken jetzt selber aus?

Ich hatte auf ein ähnliches Thema schonmal hingewiesen: Die erste Heuschrecke überhebe(l)t sich.

Die FTD fasst das Thema etwas breiter. Spätestens als die ersten Probleme mit den LBO-Bonds (Leveraged BuyOut -Anleihen) bekannt wurden, ist der nächste Einschlagspunkt der Kreditkrise klar: die "Heuschrecken". Diese finanzieren ihre Übernahmen ja hauptsächlich über diese Kredite.

Gemessen wird das Risiko bei den LBO-Bonds über das Verhältnis zwischen Fremdkapital und EBITDA (eine Art Rohgewinn) des gekauften Unternehmens. Dieser Wert stieg von 5,5 (2005) auf 6,7 Mitte 2007. Die Kaufpreise für die Unternehmen stiegen also immer höher bis es irgendwann keinen Sinn mehr machte. OK, wahrscheinlich haben die Private Equity Firmen nicht freiwillig aufgehört, sondern mussten aufhören zu kaufen, weil ihnen keiner mehr Geld gab. Selbst der Chrysler Kauf wäre fast geplatzt, wenn nicht Daimler nochmal nachgeholfen hätte. Der Käufer hatte zweimal vergeblich versucht, die Anleihen zur Finanzierung des Kaufs zu platzieren.

Inzwischen sind die Zinsen für die Kredite so hoch, dass sich die meisten Übernahmen nicht mehr rechnen. Damit ist im übrigen einer der großen Motoren für steigende Aktienkurse weggefallen. Im MDAX sind in den letzten 5 Jahren über LBOs einige Firmen verschwunden, natürlich nach hohen Kursgewinnen vorher (zuletzt Techem).

Die LBO-Anleihen notieren inzwischen in einem fast komplett ausgetrockneten Markt bei nur noch durchschnittlich 85%, abgeschrieben sind diese aber meistens erst auf 96%. Hier liegt also eine weitere potenzielle Abwertungswelle vor uns.

FTD: Heuschrecken vor der Pleitewelle

Kommentare :

  1. Die Schulden liegen i.A. doch bei den übernommenen Unternehmen, und nicht bei den Heuschrecken. Das ist doch das Gute an dem Geschäft: kaufe ein Unternehmen zum Großteil mit neu ausgegebenen Anleihen des Unternehmens. Die "Heuschrecken" werden nur nicht mehr so viel einnehmen wie in den letzten Jahren, weil keine LBOs mehr durchgeführt werden. Aber pleite macht das Unternehmen, den Verlust tragen dessen Gläubiger.

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  2. Ja und Nein. Erstmal brauchen die Heuschrecken das Geld um den Laden zukaufen. Wenn man das geschafft hat, kann man anfangen, die Assets des übernommenen Ladens zu verkaufen, die Schulden zu erhöhen, etc. und das Geld als Dividende auszuschütten. Damit zahlt die Heuschrecke dann einen Teil der Schulden zurück.

    Direkt kann man ein Unternehmen nicht mit Schulden des Unternehmens bezahlen.

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