Liechtenstein vs. Landesbanken

In der Welt findet sich ein Leserbrief eines Unternehmers, der sich über die Höhe der Wellen wundert, die die Liechtenstein-Affäre erzeugt.

Ich verstehe das auch nicht ganz ...

Es geht nach Aussagen der Staatsanwaltschaft Bochum bisher um 28 Millionen Steuernachzahlung und man rechnet mit weiteren Zahlungen in ähnlicher Höhe. Das sind Nachzahlungen für mehrere Jahre. Wenn ich mich nicht irre, ist Steuerhinterziehung nach 5 Jahren verjährt. Wenn man freiwillig nachzahlt, muss man aber für 10 Jahre nachzahlen. Geht man nun von etwa 60 Millionen Einnahmen für den Staat aus, sind das bei 5 Jahren 12 Mio pro Jahr. Wenn man von 10 Jahren ausgeht, sind das 6 Millionen pro Jahr.

Nix. Ein Furz.

Darüber die ganze Aufregung?

Ein vertriebener Steuerzahler aus Deutschland von der Größe des Milchmüllers kostet Deutschland mehr.

Die IKB hat bis jetzt etwa 6 Milliarden gekostet! Und dazu kommt wahrscheinlich nochmal eine ähnliche Summe bei der Landesbanken.

Komisch, wie wenig darüber diskutiert wird ... Aber da liegt die Schuld auch woanders. Da sind nicht pöse, machtgeile, eiskalte, vaterlandslose Unternehmerä****e schuld, sondern die Politiker selber. Wahrscheinlich ist die ganze Liechtensteinaffäre nur ein plattes Ablenkungsmanöver vom eigenen Versagen.

Milliarden verjubeln ist OK - Millionen hinterziehen asozial

Welt.de: Liebe Angela Merkel, bitte keinen Klassenkampf!

Ich möchte Steuerhinterziehung in keiner Art und Weise rechtfertigen. Es gibt eigentlich auch keinen Grund dafür. Immerhin schafft man mit einer Lebensversicherung nach neuem 2009er-Recht eine Steuerquote von unter 15%. Und bis 2004 waren Lebensversicherungen komplett steuerfrei. Bis einschließlich 2008 sind Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei. Was man mit bestimmten Konstruktionen wie z.B. Rolling Discounts nutzen konnte, denn diese ergeben bei niedrigem Basispreis eine Rendite und ein Risiko, die jeweils nur knapp über einer Anleihe liegen. Auch Stiftungen sind in Deutschland möglich, die Konstruktion ist also per se nichts Böses. Nur kann das in Deutschland nicht anonym sein und der Zweck die Stiftung kann auch nicht ausschließlich die Auszahlung der persönlichen Rente des Verwalters sein ...

Das ist wahrscheinlich das, was im Brief an die Welt unter Punkt 11 gemeint ist:
11. Thesaurierung
Sie [Angela Merkel] erlauben als Staat das steuerfreie Thesaurieren von Zinsen in einer Reihe von Vehikeln und Gestaltungsmöglichkeiten und stellen Stiftungen, die ursprünglich das gleiche bewirken sollten, als Verbrechen dar. Es geht hier also sachlich häufig nur um eine Nuance, und es fragt sich deshalb, ob Herr Steinbrück sich dieser Zusammenhänge bewusst ist und wissentlich die Empörung über einen handwerklichen Fehler (wie Zinsen thesauriert und kapitalisiert werden) übertreibt?

Manche Punkte im Brief finde ich übrigens arg abstrakt und manche auch ziemlich weit hergeholt (Stasi-Vorwürfe, Spitzelstaat, etc.). Das trifft den Punkt nicht, die meisten Länder haben strengere Kapitalverkehrskontrollen als Deutschland. Und bei Steuervergehen gaben neidische Nachbarn und (Ex-)Partner schon immer die besten Hinweise. Das ist nichts Neues, das war schon immer Denunziantentum vom Feinsten.

Das spannendste an der Geschichte finde ich persönlich, warum der Zumwinkel so doof war, das so zu machen. Wegen 10% Steuern? Rational ist das nicht ... Spieltrieb, Abenteuerlust, dem Staat eins auswischen? Irgendwas davon muss es wohl gewesen sein.

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