Warum die US-Wirtschaft diese Krise überleben wird ...

... und warum direkt die nächste Krise folgen wird ...

Yes, the financial system is insolvent, but it has nominal liabilities and either it or its borrowers have some real assets. Print enough money and boost the price level enough, and the insolvency problem goes away [...].

(Quelle siehe unten)

Genau so sehe ich das auch. Die USA rutscht in eine Rezession (oder ganz knapp daran vorbei), aber die Notenbank hat so früh begonnen, sowohl die Zinsen zu senken, wie auch die Notenpresse anzuwerfen, dass auch diese Krise vorüber gehen wird. Vielleicht 4, vielleicht 6 Quartale mit sehr schwachen oder negativen Wachstum, aber dann ist der Spuk vorbei.

Etwas anderes ist dann aber nicht vorbei: Die Inflation. Das wird das nächste Thema, möglicherweise ein so großes, dass die Fed nur mit einer richtig großen Bremsaktion die Lage wieder in der Griff bekommen kann.

Ein Rückblick in die Geschichte:

In der 80er Jahren führte der PC zu einem spürbaren Produktivitätsgewinn. In den 90er kam die Globalisierung dazu, da sowohl Chinesen und Inder wie auch der ehemalige Ostblockstaaten ihre Arbeitskräfte zu Dumpinglöhnen auf den Weltmarkt warfen. Davon haben wir profitiert, weil die Preise dadurch sanken. Gleichzeitig führte das Wachstum zu Wohlstandsgewinnen für diese immerhin gut 2,5 Milliarden Menschen (wenn auch lange nicht gleichmäßig verteilt). In diesen Ländern entstanden Fabriken, Straßen, Eisenbahnen, neue Kraftwerke, Wohnhäuser, etc. pp. Für all das benötigt man Energie, Beton, Kupfer und Stahl. Damit war die Basis gelegt für einen Rohstoffboom, der jetzt schon 10 Jahre andauert.

Dadurch steigen jetzt auch in diesen Ländern die Preise und da dort nicht die Kosten für Plasmafernseher die monatlichen Lebenshaltungskosten bestimmen, sondern die Preise für Strom, Reis, Zucker und Benzin schlagen die höheren Kosten für diese Bestandteile des Warenkorbs viel stärker auf das Monatsbudget durch als im reichen Westen. Während sich der Westen den Luxus gönnt aus Mais Ethanol für die Verbrennung im Auto zu machen, gehen die Mexikaner gegen die steigenden Maispreise auf die Straße. Da Mexiko die Preise für Mais nicht regulieren wird, werden sich die Mexikaner das Geld in der nächsten Lohnrunde beim nächsten Arbeitskampf holen. Da auch in China die Preise für Lebensmittel um 26%(!) gestiegen sind, wird sich auch dort die Lohnspirale schneller drehen als ohnehin schon. Aktuell steigen die Löhne für Industriearbeiter um knapp 10% jährlich. Bei einer Inflation über alles von knapp 7% würden mich auch 12% Lohnsteigerung nicht überraschen. Zusammen mit einem steigenden Yuan, der die chinesischen Exporte noch zusätzlich verteuert, wird China dem Westen nichts mehr billiger verkaufen können als bisher. Jetzt wird China nicht mehr nur Computer, Textilien und billiges Spielzeug exportieren, sondern auch Inflation.

Auch wenn man im Westen die gefürchtete Lohnspirale (noch?) nicht sehen kann, sehe ich diese weltweit schon in vollem Gang. Die Hochlohnländer sitzen in dieser Entwicklung am Ende. In den USA wird sich diese Spirale bald aber in Gang setzen. Erstmal muss die Rezession überwunden werden, aber danach wird die Inflation erbarmungslos zupacken.

Dazu trägt die US-Notenbank ihren Teil bei. Aber die Notenbank hat IMHO auch nur die Wahl, die Krise jetzt zuzulassen oder später. Aber das quasi alle Verantwortlichen maximal in 5-Jahres-Abschnitten denken, wird immer die zweite Variante gewählt werden.

Verschieb die Krise ruhig auf morgen, dann macht sich jemand anderes die Sorgen.

Brad DeLong: Three Cures for Three Crises

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