China wird zum Exporteur von Inflation

Manchmal muss man sich im täglichen, hektischen Geschäft konzentrieren, um das große Bild nicht aus den Augen zu verlieren.

Eines meiner Investmentpfeiler ist die These, dass die richtig guten Zeiten für die Aktien vorüber sind. Ich glaube zwar nicht, dass die Zeiten unbedingt wirklich schlecht werden, allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass die 20 Jahre ab 2000 schlechter werden als die 20 Jahre vor 2000.

Einer der Gründe, warum die 80er und 90er Jahre so gut für Aktien waren, war die sinkende Inflation. Diese war am Anfang fast zweistellig und am Ende eher bei 2 als bei 3 Prozent. Dementsprechend kräftig sanken die Zinsen und damit wurde die natürliche Konkurrenz zu den Festverzinslichen - die Aktien - interessanter. Das fällt jetzt aber weg. Ich rechne nicht unbedingt mit einer Hyperinflation, aber doch damit, dass die Inflationsraten (die echten, nicht die sinnlose Kernrate) in den nächsten Jahren 1 bis 2 Prozentpunkte über dem Schnitt der letzten 10 Jahre liegen.

Und dafür gibt es zwei wesentliche Einflussfaktoren:

a) Die Rohstoffpreise bleiben hoch, weil China und Indien weiterhin stark nachfragen. In der aktuellen (US-)Rezession wird die Preissteigerungsrate also kaum zurückgehen.

b) Die Chinesen werden vom Exporteur von Deflation zum Exporteur von Inflation.

  • In der Vergangenheit wurde immer mehr nach China verlagert, das senkte die Preise für immer mehr Produkte. Jetzt ist aber der große Teil der lohnintensiven Arbeiten verlagert. Kleidung, Spielzeug, Computer(teile), MP-Player, etc. kommen fast ausschließlich aus China.
  • Die Chinesen haben 7 Prozent Inflation. Daher sind Lohnsteigerungen um 10 Prozent, in den wirtschaftlich relevanten Küstenregionen sogar mehr, zu erwarten. Und diese Lohnkosten werden auf die Produkte umgelegt werden (müssen). Genau wie die Rohstoffpreise aus a) auch.
  • Gleichzeitig steigt der Wert des Yuan, im letzten halben Jahr um etwa 8 Prozent gegenüber dem Dollar. In Euro ist der Effekt wegen der Dollarschwäche kaum sichtbar, aber das kann sich schnell ändern.

Man sollte sein Depot also unbedingt auf eine höhere Inflation ausrichten. Rohstoffe direkt oder indirekt über Minen oder Agrarwerte, etc. dürften auf Sicht interessant bleiben.

Slate: The Last Days of Cheap Chinese

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